Zollbericht Indien Zolltarif, Einfuhrzoll
Zölle und Einfuhrabgaben
Bei der Wareneinfuhr fallen in der Regel Zölle und weitere Einfuhrabgaben an.
07.09.2026
Zolltarif
Der indische Einfuhrzolltarif basiert auf der aktuellen internationalen Nomenklatur des Harmonisierten Systems zur Bezeichnung und Codierung der Waren (HS 2022). Für zahlreiche Waren sieht der indische Tarif weitere nationale Unterteilungen mit achtstelligen Codes vor. Darüber hinaus sind in Kapitel 98 des Tarifs unter anderem die tariflichen Zollbegünstigungen für Einfuhren im Rahmen von bestimmten Industrieprojekten festgeschrieben.
Importzoll (Basic Customs Duty, BCD)
Bei den Zollsätzen handelt es sich überwiegend um Wertzollsätze in Prozent vom Warenwert. Für bestimmte Waren gelten Mindestzölle. Im Textilbereich bestehen die Zollsätze aus einem Wertzollsatz und einem spezifischen Satz in indischen Rupien je Mengeneinheit. Angewendet wird der Zollsatz, der zur höheren Zollbelastung führt.
Bemessungsgrundlage für die Festsetzung der Einfuhrzölle, also des Zollwerts, ist bei Kaufgeschäften grundsätzlich der Transaktionswert. Das ist der für die Waren gezahlte oder zu zahlende Preis. Nach dem indischen Zollwertrecht werden die Beförderungs- und Versicherungskosten bis zur Eingangszollstelle in Indien hinzugerechnet, sofern sie nicht im Kaufpreis enthalten sind. Grundsätzlich akzeptiert die indische Zollverwaltung den Wert CIF (Cost, Insurance and Freight) beziehungsweise CIP (Carriage and Insurance Paid To) der internationalen Lieferbedingungen "Incoterms" als Zollwert.
Der Spitzenzollsatz für Industrieerzeugnisse beträgt in der Regel 35 Prozent. Ausnahmen bestehen unter anderem für komplette Personenkraftwagen sowie Krafträder mit 70 Prozent. Der Zollsatz für Maschinen und Anlagen der Kapitel 84 und 85 des Zolltarifs beträgt überwiegend 7,5 oder 10 Prozent.
Zollbegünstigungen und Zollaussetzungen
Mit Verordnung ("Jumbo" Notification) Nr. 45 der zentralen Finanzverwaltung vom 24. Oktober 2025 werden Zollbegünstigungen beziehungsweise Zollbefreiungen außerhalb des Tarifs für eine Liste von mehr als 400 Waren und Kategorien festgeschrieben. Für einige Waren ist zur Inanspruchnahme des Zollvorteils ein bestimmter Verwendungszweck vorgeschrieben. Die Verordnung wird fortlaufend aktualisiert und an die Bedürfnisse der indischen Wirtschaft angepasst. Zur Bestimmung der Zollbelastung mit dem jeweils angewandten Zollsatz ("applied tariff") sind daher sowohl der Einfuhrzolltarif als auch diese Verordnung mit ihren Zollbegünstigungen oder Zollaussetzungen heranzuziehen.
Die aktuellen angewandten Einfuhrzölle einschließlich der Einfuhrnebenabgaben können im EDI-System der indischen Zollverwaltung unter Trade Guide on Imports abgerufen werden.
Landwirtschafts-, Infrastruktur- und Entwicklungsabgabe
Mit dem Finanzgesetz 2021 wurde die "Agriculture Infrastructure and Development Cess" (AIDC) für den Import bestimmter landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Edelmetalle sowie alkoholischer Getränke wie Wein und Spirituosen eingeführt. Bemessungsgrundlage ist gemäß Artikel 124 des Finanzgesetzes der Zollwert der Waren ("Assessable Value"). Der Abgabensatz für alkoholische Getränke beträgt 100 Prozent. Inzwischen wird die AIDC auch auf weitere Produkte wie Schuhe, Fahrzeuge und Möbel erhoben.
Sozialabgabe
Als weitere Einfuhrnebenabgabe wird die "Social Welfare Surcharge" (SWS) in Höhe von 10 Prozent vom Zollbetrag erhoben. Von der Abgabe ausgenommen sind zum Beispiel bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse, Textilien und Bekleidung, Edelmetalle, Fahrräder sowie Nutzfahrzeuge.
Gesundheitsabgabe
Mit dem indischen Haushalt 2020 führte die Regierung die "Health Cess" für den Import von Medizinprodukten ein. Die Abgabe wird für Medizintechnik der HS-Codes 9018 bis 9022 mit einem Steuersatz von 5 Prozent erhoben. Bemessungsgrundlage ist der Zollwert der Waren. Medizinprodukte, die tariflich und außertariflich vom Zoll befreit sind, sind auch von der Health Cess befreit.
Naturkatastrophengebühr
Bei der Einfuhr von Tabakerzeugnissen sowie rohem Erdöl und Öl aus bituminösen Mineralien fällt eine Naturkatastrophengebühr ("National Calamity Contingent Duty") in unterschiedlicher Höhe an. Dabei werden sowohl spezifische Sätze als auch Wertsätze angewendet. Bei den Wertsätzen dient der verzollte Warenwert als Bemessungsgrundlage.
Straßen- und Infrastrukturabgabe
Für Benzin ist eine "Road and Infrastructure Cess" von 5 indischen Rupien je Liter zu zahlen. Für Hochgeschwindigkeitsdiesel beträgt diese Abgabe 2 Rupien je Liter.
Umsatzsteuer
Die indische Zentralregierung erhebt landesweit eine einheitliche Umsatzsteuer für Waren und Dienstleistungen (Goods and Services Tax - GST). Bei Umsätzen über Bundesstaatsgrenzen hinweg sowie bei Importen wird diese Abgabe als "Integrated Goods and Services Tax" (IGST) eingezogen. Besteuerungsgrundlage der IGST ist der verzollte Zollwert. Die indische Umsatzsteuer berechtigt registrierte Unternehmen in Indien zum Vorsteuerabzug. Sie entspricht damit in ihrer Systematik der Mehrwertsteuer. Die Registrierung erfolgt über das Portal GSTNetwork.
Mit der Notification Nr. 9/2025 vom 17. September 2025 wurden die Steuersätze neu strukturiert. Seitdem gibt es grundsätzlich nur noch drei Umsatzsteuersätze:
- den reduzierten Satz von 5 Prozent unter anderem für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Nahrungsmittel, bestimmte Medizinprodukte, Medikamente, Textilien und Elektrofahrzeuge
- den Normalsatz von 18 Prozent für die Mehrzahl der Waren sowie neu für Haushaltsgeräte, Kleinwagen, Nutzfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile (zuvor mit 28 Prozent besteuert)
- den erhöhten Steuersatz von 40 Prozent für sogenannte Luxusgüter wie gesüßte Getränke, Tabakwaren, SUV, Privatflugzeuge und Yachten
Die Steuersätze von 12 und 28 Prozent wurden mit der Reform abgeschafft. Nur für Waren des Zolltarifkapitels 71 gilt eine IGST von 0,25 bis 3 Prozent. Von der IGST ausgenommen sind zum Beispiel verschiedene Agrarprodukte und Druckereierzeugnisse gemäß der Notification Nr. 10/2025.