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Branchen | Indonesien | Energie

Hoher Ölpreis ist ein Risiko für die Wirtschaft

Für Indonesien könnten die Energiesubventionen 2022 teurer werden als der Bau der neuen Hauptstadt. Der Import von günstigem russischen Öl steht in der Diskussion.

Von Frank Malerius | Jakarta

Indonesien ist abhängig von Ölimporten. Entsprechend leidet das Land unter dem Anstieg der Weltmarktpreise infolge des Ukrainekrieges. Eingeführt werden Rohöl und - mangels heimischer Raffineriekapazitäten - petrochemische Produkte, vor allem Benzin und Diesel. Zwei Sorten – Pertalite (Benzin) und Solar (Diesel) – müssen an der Tankstelle mit Milliardensummen subventioniert werden, um ärmeren Bevölkerungsschichten Mobilität und die Teilnahme am Wirtschaftsleben zu ermöglichen. Die Preise höherwertiger Benzin- und Dieselsorten schwanken weitgehend mit den Weltmarktpreisen.

Die subventionierten Benzin- und Dieselpreise galten bisher politisch als sakrosankt. Dennoch hat die Regierung am 3. September 2022 einen für Millionen Verbraucher folgenschweren Schritt gewagt: Das subventionierte Pertalite wurde auf 10.000 Rupiah pro Liter angehoben, das entspricht 0,67 US-Dollar (US$). Der Preis des subventionierten Solar erhöhte sich auf 6.800 Rupiah (0,46 US$) pro Liter. Das ist jeweils eine Steigerung von mehr als 30 Prozent.

Der Grund: Die Energiesubventionen - inklusive der Preisstützungen für Strom und Kochgas - drohen im Jahr 2022 auf mehr als 500 Billionen Rupiah anzusteigen. Das wären über 30 Milliarden US$ und mehr als für den Bau der neuen Hauptstadt Nusantara in der Provinz Ostkalimantan vorgesehen ist. Die Finanzministerin fürchtete bei Untätigkeit sogar eine Subventionsrechnung von bis zu 50 Milliarden USS – mehr als ein Viertel des Staatshaushalts.

In diesem Dilemma nennen einige Politiker den Import von russischem Öl als Handlungsoption. Es soll 30 Prozent unter dem Weltmarktpreis im Angebot sein. Laut Presseberichten haben die indonesischen Raffinerien, die normalerweise Öl vor allem aus Saudi-Arabien und Nigeria verarbeiten, bereits Proben aus Russland erhalten. Allerdings droht Indonesien dann als Gastgeber des G20-Gipfels, der Mitte November auf Bali stattfinden soll, ein Gesichtsverlust gegenüber westlichen Ländern.

Zugangsbeschränkung zu subventioniertem Benzin geplant

Als eine weitere Möglichkeit, mittelfristig größere Benzinpreisanstiege zu verhindern, stehen Zugangsbeschränkungen zu subventioniertem Treibstoff in der Diskussion. Sie könnten je nach Baujahr, Motorgröße oder Modellreihe der Pkw gelten. Die Mittelschicht leidet jedoch schon unter steigenden Nahrungsmittelpreisen. Die Möglichkeit, diese vorhandene Belastung mit subventionierten Benzinsorten auszugleichen, entfiele unter Verhängung solcher Zugangsbeschränkungen.

Hoffnungsträger Elektromobilität

Die Aussichten, aus dem wiederkehrenden Teufelskreis steigender Weltmarktpreise und Subventionen herauszukommen, stehen schlecht. Denn der Hunger nach Benzin und Diesel wächst: Im aufstrebenden Indonesien kommen jährlich fast 1 Million Pkw und 5 Millionen Motorräder neu auf die Straße. Als ein Puffer gegen steigende Benzinimporte wurde der Bioanteil aus Palmöl im Diesel auf mittlerweile 30 Prozent ("B30") angehoben. Gleichzeitig sinken die heimischen Ölfördermengen. Alte Quellen sind ausgelaugt und in die Exploration neuer Ölquellen wird zu wenig investiert. 

Als ein Weg in eine Zukunft mit weniger Importabhängigkeit propagiert die Politik eine Wende zur Elektromobilität. Erste Ansätze gibt es: Dank großer Nickelvorkommen entsteht im Land die erste Batteriezellenproduktion. Hyundai und der chinesische Autobauer Wuling setzen in Westjava die ersten batteriebetriebenen Pkw zusammen. Ende August 2022 stellten zahlreiche Hersteller auf der Automobilmesse GIIAS ihre Elektromodelle vor. Zudem fahren auf Jakartas Hauptstraßen die ersten Elektrobusse. 

Kohlestromantrieb anstatt Benzintank

Ein Mobilitätswandel im großen Stil benötigt allerdings viel Zeit. Elektroautos sind in Indonesien um ein Vielfaches teurer als Verbrenner und für den Großteil der Menschen unerschwinglich. Das Angebot an Ladesäulen ist in den größeren Städten rudimentär und anderswo nichtexistent. Die Stromnetze sind anfällig für Ausfälle. Zudem steht in den meisten Häusern der Mittelschichtsfamilien gar nicht genügend elektrische Leistung zur Verfügung, um dort ein E-Auto laden zu können. So bezahlt Wuling den Käufern seines elektrischen Kleinstwagens "Air ev" ein Watt-Upgrade durch den Stromversorger. Unter all diesen Voraussetzungen scheint es schwer vorstellbar, dass bis 2030 auch nur 1 Prozent der indonesischen Pkw elektrisch fahren.

Und was kein Politiker ausspricht: Eine solche Mobilitätswende wäre eine von Öl zu Kohle, die in Indonesien in großen Mengen vorhanden ist. Derzeit werden zwei Drittel des Stroms aus Kohle generiert. Auf Java, wo 75 Prozent des indonesischen Stroms produziert werden, sind große Überkapazitäten in der Erzeugung entstanden. Diese will die Regierung unbedingt über eine Nachfragesteigerung abbauen. Deshalb soll Kohle als billigster Energieträger nicht nur in den Tank. Sie soll auch im Kochgas das teuer importierte Flüssiggas ersetzen. Entgegen aller grüner Rhetorik der politischen Eliten boomt die indonesische Kohle. Und dazu bedarf es nicht der derzeitigen Nachfrage aus dem energiekrisengeschüttelten Europa.

Schwache Entwicklung der Erneuerbaren

Dass in Indonesien Strom aus erneuerbaren Energien in absehbarer Zeit Benzin und Diesel ersetzen könnte, ist kein realistisches Szenario. Ihr Anteil an der Stromproduktion schwankt seit Jahren um 13 Prozent, der Ausbau hält mühsam mit der starken Steigerung der allgemeinen Stromnachfrage Schritt. Marktteilnehmer klagen über mangelhafte Investitionsbedingungen. Der Anteil der Erneuerbaren an der Primärenergieerzeugung - abzüglich des aus Palmöl gewonnenen Biodiesels - liegt unter 8 Prozent. Auf Wind entfallen 0,07 Prozent, auf Fotovoltaik 0,05 Prozent.

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