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Zulieferprodukte: Bauchemikalien und -isolationsmaterialien
Indonesiens Hersteller von Bauchemie sind gut aufgestellt. Bei Grundstoffen und Spezialchemikalien sind sie noch vom Ausland abhängig. Energieeffizientes Bauen steht am Anfang.
01.12.2025
Von Oliver Döhne | Jakarta
Bauchemikalien
Eine deutlich zunehmende Nachfrage besteht laut Marktexperten bei Betonzusatzmitteln, Abdichtungslösungen und auch Injektionsmaterialien, die zur Verfestigung des Bodens oder zur Abdichtung und Reparatur von Rissen eingesetzt werden. Außerdem steigt der Bedarf nach Versiegelungen und Oberflächenbehandlungen, nach Reparatur- und Sanierungschemikalien sowie Klebstoffen und Fugenmörtel.
Die indonesische Bauwirtschaft bezieht ihre chemischen Produkte in der Regel von den zahlreichen Herstellern vor Ort. Grundsätzlich gilt: Einfache Massenware kann im Land hergestellt werden, spezialisierte Produkte werden aus dem Ausland eingeführt. Bei Grundstoffen besteht allerdings teilweise auch eine hohe Importabhängigkeit. Insgesamt kommen schätzungsweise 60 bis 65 Prozent der Bauchemikalienprodukte aus dem Ausland. High-Performance-Bauchemikalien kommen unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, Italien, China und Japan.
Zu den lokalen Produzenten von Bauchemikalien zählen Adhi Pertama, Proan Raya und Fosroc. BASF hat vier Standorte in Indonesien. Das Unternehmen produziert dort unter anderem Zementzusatzmittel, Abdichtungssysteme und Reparaturmörtel, auch für den Export nach Malaysia, in die Philippinen, nach Singapur und Thailand.
Klebstoffe kommen in Indonesien unter anderem bei der Fliesenverlegung, Plattenverklebung und nach und nach auch in der Dämmung zum Einsatz. Angesichts Indonesiens ausgeprägter Tradition in der Keramikindustrie sind lokale Hersteller auch stark in der Entwicklung und Produktion von Fliesenklebstoffen tätig, die an das tropische Klima angepasst sind. Dazu zählt unter anderem die Firma PT Adiwisesa Mandiri Building Products Indonesia (AMBPI).
Spezialklebstoffe werden aber auch aus dem Ausland bezogen. Zum Beispiel für Strukturverklebungen, Bodenbeläge oder Betonreparaturen kommen ausländische Produkte mit einer hohen chemischen Resistenz, thermalen Stabilität und langer Haltbarkeit zum Einsatz. Auch Klebstoffe für Dachsysteme, Dämmplatten und Tür- und Fensterverklebungen werden importiert.
Im Rahmen des staatlichen Sozialwohnungsbaus sollen pro Jahr 1 Million Häuser gebaut werden. In diesem Zuge gibt es auch Investitionen in den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs sowie in Flughäfen und Kraftwerke. Das erhöht den Bedarf für Farben und Lacke.
Die heimische Farbenindustrie umfasst laut Branchenverband Asosiasi Produsen Cat Indonesia (APCI) 150 Hersteller und beschäftigt 40.000 Mitarbeitende. Bei rund 90 Prozent der Grundstoffe für Farben sind die Produzenten allerdings auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Es gibt zwar – wie in vielen anderen Branchen auch – politische Bestrebungen, die Importabhängigkeit zu verringern, aber nicht überall ist das wirtschaftlich sinnvoll oder praktikabel. Dort, wo Produkte im eigenen Land hergestellt werden können, wird die Einfuhr von Konkurrenzprodukten vielfach erschwert. Ein beliebtes Instrument dafür ist der nationale Produktstandard Standar Nasional Indonesia (SNI).
Isolationsmaterialien
Beim Bau von Hoch- und Einfamilienhäusern kommt bislang wenig Isoliermaterial zum Einsatz, sodass die gekühlte Luft der Klimaanlagen im Inneren schnell entweicht. Da die Stromkosten in Indonesien im Verhältnis zu den Einkommen aber hoch sind, gewinnen energieeffiziente Lösungen an Bedeutung.
Besonders im urbanen Wohnungsbau steigt die Nachfrage nach modularen Baukonzepten. Leichte, vorgefertigte Isolationsmaterialien wie WPC-Verkleidungen oder Aluminium-Verbundplatten sind hier besonders gefragt. Während lokale Produzenten einfache Dämmstoffe herstellen können, müssen spezialisierte Produkte wie Hochleistungsfolien oder Verbundplatten oft importiert werden.
Gips wird in Indonesien bisher noch wenig genutzt, gewinnt aber zunehmend an Beliebtheit. Unter anderem für Wohnhäuser und Bürobauten ist das Material interessant, zumal das Konkurrenzprodukt Zementfaser oft noch zu teuer für die indonesischen Möglichkeiten ist. Gips findet etwa Verwendung in Zwischenwänden. Durch seine feuerfeste und wasserabweisende Eigenschaft wird es beispielsweise auch in Küchen oder Badezimmern für Decken verwendet.
Der deutsche Gipskartonhersteller Knauf produziert in Gresik bei Surabaya. Saint Gobain stellt in Cikando Gipsplatten und Pulver für den Wohnungs- und Flughafenbau her. Die thailändische Siam Cement Group produziert in einem Joint Venture mit dem indonesischen Mischkonzern Wings Gipsplatten für den Export. Weitere Akteure vor Ort sind die australische Boral Gruppe, die in Cilegon die vormalige Produktion von Lafarge betreibt, und Yoshino, das 2017 in Cikarang eine Produktion in Betrieb nahm.