Irland wird aus deutscher Sicht als agiler, innovationsfreundlicher und wachstumsstarker Standort wahrgenommen. Noch befindet sich das wirtschaftliche Zentrum im Großraum Dublin.
Irland erzielt seit über einem Jahrzehnt einen stabilen Handelsüberschuss, was die steigende internationale Nachfrage nach irischen Produkten unterstreicht. Prognosen von UN Comtrade belegen der Volkswirtschaft 2024 einen Überschuss in Höhe von 90,3 Milliarden Euro. Im Jahr 2023 waren es rund 57,7 Milliarden Euro. Insbesondere die irischen Exporte chemischer Erzeugnisse tragen regelmäßig dazu bei.
Deutschland ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für irische Waren und Dienstleistungen geworden. Laut UN Comtrade belegte die Bundesrepublik Platz 4 (9,0 Prozent Anteil an den Warenexporten) der wichtigsten Abnehmerländer von irischen Produkten im Jahr 2024. Übertroffen wurde sie nur vom Vereinigten Königreich (9,3 Prozent), den Niederlanden (10,3 Prozent) und den USA (32,5 Prozent).
Deutschland und Irlands Wirtschaftsbeziehungen sind geprägt von der engen Einbindung in den EU‑Binnenmarkt und gemeinsamen europäischen Programmen wie "NextGenerationEU" oder "Horizon Europe". Diese erleichtern Investitionen und Kooperationen und stärken die wirtschaftliche Verflechtung.
5,3
Mio.
Menschen lebten 2025 im Land.
Quelle: United Nations 2026
635,9
Mrd.
Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.
Quelle: Internationaler Währungsfond 2026
115.689
Euro machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.
Quelle: Internationaler Währungsfond 2026
Rang 28
belegte das Land 2025 unter den deutschen Exportzielen.
Quelle: Destatis 2026
Rang 12
nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 180 Ländern).
Quelle: Transparency International 2026
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Irlands Standortprofil ist attraktiv
In einem Bericht über die deutsch-irischen Wirtschaftsbeziehungen der deutschen Botschaft in Irland aus Mai 2025 werden von befragten deutschen Unternehmen folgende Standortfaktoren besonders hervorgehoben:
- Junges, gut ausgebildetes, internationales Arbeitskräfteangebot
- Zugehörigkeit zur EU und niedrige Sprachbarriere
- Investitionsfreundlichkeit
- Hohe Kompetenz in Forschung und Entwicklung
- Geschwindigkeit und Pragmatismus der Behörden
- Starke Branchencluster (Pharma und Life Sciences, Tech, Medizintechnik, Erneuerbare Energien)
Deutsche Unternehmen äußerten sich in dem Bericht jedoch auch über Herausforderungen. Besonders die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen, zum Großteil aus den USA, und die angespannte Lage auf dem lokalen Wohnungsmarkt bergen Risiken. Hohe Mieten und ein begrenztes Angebot an Immobilien verursachen hohe Kosten und sorgen für Unsicherheiten. Auch die schleppende Umsetzung europäischer Datenschutzvorgaben erweist sich als problematisch.
Trotzdem verschlägt es zahlreiche deutsche Akteure auf den irischen Markt. Der Discounter Lidl beschäftigt beispielsweise mehr als 5.000 Mitarbeitende im Land. SAP, ein großer deutscher Softwarekonzern, hat rund 2.400 Angestellte auf der Insel und spricht offen über die sehr guten Bedingungen für Tech-Unternehmen. Aufgrund Irlands hoher Kompetenz im Life-Science-Sektor baut auch der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Merck seine Kapazitäten dort aus: Bis 2027 sollen rund 440 Millionen Euro in den Aus- und Aufbau der irischen Standorte fließen.
SWOT-Analyse Irland
S
Stärken
Strengths
- Globale Technologiekonzerne stärken irische Wirtschaft als moderner Industrie- und Dienstleistungsstandort
- Überdurchschnittlich starkes Wirtschaftswachstum und hohe Exportüberschüsse
- Starke akademische und außeruniversitäre Forschungslandschaft
- Hohes Preisniveau bietet Exporteuren attraktive Margen
- Niedrige Unternehmensbesteuerung
W
Schwächen
Weaknesses
- Hohe Abhängigkeit von ausländischen Investoren
- Kleiner Binnenmarkt in dezentraler Insellage
- Hohes Kostenniveau bei Immobilien, Löhnen und Waren
- Großes Ungleichgewicht in der Wirtschaftskraft zwischen Regionen und Branchen
- Fachkräftemangel
- Verzögerte Umsetzung der europäischen Datenschutzregulierungen
O
Chancen
Opportunities
- Nordirland über grüne Grenze mit Irland weiterhin zu EU-Binnenmarktregeln erschließbar
- Neuordnung des irischen Außenhandels post-Brexit ermöglicht Stärkung deutsch-irischer Handelsbeziehungen
- Neue Fährverbindungen stärken irischen Direkthandel innerhalb der Europäischen Union
- Bevölkerungswachstum dank Zuzug von qualifizierten Arbeitskräften und hoher Geburtenrate
- Ausbau der Verkehrs-, Energie- und IKT-Infrastruktur, Bau von Wohn- und Gewerbeimmobilien
T
Risiken
Threats
- Globale Mindeststeuer könnte Irlands Markenkern gefährden
- Neue Zollgrenze erschwert Zugang zum wichtigen Absatzmarkt Großbritannien
- Steigende Inflation gefährdet Privatkonsum als Wachstumstreiber im Binnenmarkt
- Änderungen in US‑Steuer- oder Handelspolitik könnten Irlands Modell empfindlich treffen
- Stadtentwicklung hält vor allem in Dublin nicht mit Einwohneranstieg Schritt
Die irische Industrie ist wirtschaftliches Zugpferd
Irland verfügt über eine offene, exportorientierte und stark diversifizierte Volkswirtschaft. Besonders dynamisch entwickelt sich die Industrie, das gilt vor allem für die Pharmabranche, die Biotechnologie, Chemieindustrie und die Medizintechnik sowie für den Informations‑ und Kommunikationssektor (IKT). Aufgrund der Entscheidung von Tech-Konzernen wie Google, Meta, Microsoft und Apple ihre europäischen Hauptsitze in Dublin anzusiedeln, zählt der IKT‑Bereich zu den wichtigsten Wachstumstreibern des Landes. Seit 2020 beträgt der Anteil der IKT an der Bruttowertschöpfung des Landes durchschnittlich 19 Prozent.
Die Transformation der irischen Wirtschaft wurde in den vergangenen Jahren vor allem durch den Brexit, die zunehmende Digitalisierung, die Energiewende und starke ausländische Investitionsströme geprägt. Diese Trends verändern die sektorale Struktur nachhaltig und verstärken zugleich die Nachfrage nach deutscher Technologie, industriellen Lösungen und spezialisiertem Know‑how.
Bedeutung der Wirtschaftszweige in Irland Anteile in ProzentSektoren | Anteil an der Bruttowertschöpfung 2024 1) | Anteil an den Beschäftigten 2024 1) 2) |
|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 1,1 | 4,0 |
Bergbau | 0,2 | k.A. |
Verarbeitendes Gewerbe | 31,2 | 12,0 |
Energieversorgung | 1,0 | k.A. |
Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen | 0,4 | k.A. |
Baugewerbe | 2,7 | 6,3 |
Information - und Kommunikationswesen | 20,9 | 6,5 |
1 vorläufig; 2 1. Quartal 2024Quelle: Central Statistics Office 2026
Dezentrale Wirtschaftscluster werden weiter ausgebaut
Irlands Wirtschaft ist stark regional konzentriert, wobei sich mehrere Zentren mit klaren Spezialisierungen herausgebildet haben. Die Greater Dublin Area fungiert als nationales Powerhouse und bündelt Digital‑ und Finanzaktivitäten. Sie beherbergt die europäischen Hauptquartiere von globalen Tech‑Konzerne und profitiert von einem hochqualifizierten Arbeitsmarkt sowie einer dichten Forschungs‑ und Start‑up‑Landschaft.
Cork bildet das industrielle Gegengewicht im Süden des Landes. Hier konzentrieren sich die Standorte großer Pharma‑ und Chemieunternehmen wie Eli Lilly, Novo Nordisk and Pfizer. Zugleich ist die Region ein traditionsreicher Standort der Lebensmittelverarbeitung. Galway an der Westküste gilt als Herz des irischen Medizintechnik‑Clusters und verbindet forschungsintensive Biomedizin mit einer dynamischen Gründerszene.
Limerick und die Shannon‑Region wiederum sind durch Ingenieurwesen, Elektronik und die Luftfahrt geprägt. Entlang der Westküste entwickeln sich zudem Energie- und Wasserstoffprojekte, die durch Irlands große Windressourcen begünstigt werden.
Der starken räumlichen Konzentration von Bevölkerung, Verkehr, Jobs und Investitionen im Großraum Dublin soll mithilfe des im April 2025 verabschiedeten "National Planning Frameworks" bis 2040 entgegengewirkt werden. Die irische Regierung setzt mit dieser Strategie auf mehr Wohnungsbau außerhalb Dublins entlang bestehender Verkehrskorridore, höhere Flächeneffizienz, Dekarbonisierung für mehr nachhaltige Entwicklung und einen besseren Ausbau digitaler Infrastruktur. Ergänzend fördern regionale Anreize Unternehmensansiedlungen außerhalb Dublins. Beispielsweise eröffnete 2024 das AIM Centre in Sligo, welches lokale Unternehmen bei der Digitalisierung helfen soll. Durch Fördermittel in Höhe von 5,4 Millionen Euro wurde das Unternehmen bei der Renovierung und dem Einzug in ein denkmalgeschütztes Gebäude unterstützt.
Eckdaten der wichtigsten Regionen in IrlandVorläufige Daten im Jahr 2023Gebiet | Anteil am BIP (in %) | BIP pro Kopf (in Euro ) | Bevölkerung (in Mio.) |
|---|
Northern & Western | 8,2 | 45.409 | k.A. |
Border | 2,6 | 30.621 | 0,4 |
West | 5,7 | 58.133 | 0,5 |
| Eastern & Midland | 57,1 | 110.637 | k.A. |
| Dublin | 48,7 | 165.405 | 1,5 |
| Mid East | 6,2 | 39.524 | 0,8 |
| Midland | 2,2 | 33.935 | 0,3 |
| Southern | 34,7 | 101.575 | k.A. |
| Mid West | 6,5 | 64.496 | 0,5 |
| South East | 4,0 | 43.500 | 0,5 |
| South West | 24,2 | 162.832 | 0,8 |
| Staat | 100,0 | 96.292 | 5,3 |
Quelle: Central Statistics Office 2026
Von
Leonie Schneiderhöhn
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Bonn