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Markttrends
Durch schnell steigenden Strombedarf gerät die Elektrizitätswirtschaft in Handlungszwang. Der massive Kapazitäts- und Netzausbau erzeugt hohen Importbedarf.
09.01.2026
Von Wladimir Struminski | Israel
Der kräftige Ausbau der Energiewirtschaft bietet deutschen Unternehmen zahlreiche Geschäftschancen. Deutsche Energietechnik ist in Israel bekannt und genießt hohes Ansehen. Israel importiert Ausrüstungen für konventionelle Kraftwerke ebenso wie für Photovoltaikanlagen. Weitere Möglichkeiten eröffnen sich durch einen Boom bei der Energiespeicherung. Ferner können deutsche Firmen durch Beratung und Planung am Marktwachstum partizipieren.
Strombedarf wächst schneller als geplant
durchschnittliches Wachstum des Stromverbrauchs prognostiziert die Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga pro Jahr zwischen 2026-2030.
Angesichts des schnell wachsenden Strombedarfs ist der Ausbau der Energieerzeugungskapazitäten die vordringlichste Aufgabe der Elektrizitätswirtschaft. Das gilt umso mehr, als die staatliche Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga (Independent System Operator) im November 2025 die bisherige Wachstumsprognose des Stromverbrauchs bis 2030 deutlich erhöht hat. Bei einer parlamentarischen Anhörung erklärte ein Vertreter des Netzverwalters, in den Jahren 2026 bis 2030 werde der Stromverbrauch in Israel im Durchschnitt um 5,2 Prozent wachsen.
Noch im September 2025 hatte die Strombehörde (Electricity Authority) für diese Zeitspanne ein durchschnittliches Jahreswachstum um 2,7 Prozent vorhergesagt. Die von Noga vorgenommene Revision nach oben stützt sich auf zwei Faktoren. Zum einen würde die umfangreiche Nutzung künstlicher Intelligenz und der geplante massive Bau von Datenzentren mehr Elektrizität verlangen. Zum anderen werde die schnelle Zunahme von Hitzeperioden und Temperaturspitzen einen Anstieg beim Einsatz von Klimaanlagen nach sich ziehen.
Unter der neuen Annahme würde der Stromverbrauch 2030 bei rund 106 Terawattstunden liegen – und nicht bei 94,6 Terawattstunden, wie die bisherige Prognose der Strombehörde lautete. Zwar verfügt Israel im Jahresdurchschnitt über hohe Reservekapazitäten. Zu Spitzenbelastungszeiten könnte es aber wegen des Kühlungsbedarfs – also vor allem im Sommer – an einigen Tagen im Jahr zu Stromausfällen kommen. Gesamtwirtschaftlich wäre das kein allzu gravierendes Problem, für die Stromwirtschaft aber ein Zeichen struktureller Schwäche.
Um dieses Defizit langfristig zu beheben, muss Israel laut Noga bis 2040 mindestens 15 Erdgaskraftwerke bauen – statt der bisher geplanten 13. Auch das Übertragungsnetz müsste dementsprechend schneller ausgebaut werden. Eine Reihe von Kraftwerkprojekten ist bereits im Planungs- oder Umsetzungsstadium. Ein beschleunigter Ausbau der Kapazitäten ist bis weit ins nächste Jahrzehnt zu erwarten.
Energiespeicherung steht vor einem Boom
Ein massiver Ausbau der Energiespeicherung ist ein weiteres wichtiges Ziel der israelischen Energiepolitik. Sie soll die Lastspitzen kappen – sowohl durch Integration in photovoltaische Stromerzeugungsprojekte als auch durch unabhängige Energiespeicher.
Laut Plänen der Strombehörde soll die Speicherkapazität der israelischen Energiewirtschaft von 557 Megawatt 2024 auf 9,3 Gigawatt 2030 wachsen. Ende des Jahrzehnts sollen 53 Prozent der Speicherkapazitäten auf unabhängige Speicher und 38 Prozent auf integrierte Photovoltaikprojekte entfallen. Auch in diesem Bereich bieten sich deutschen Unternehmen Lieferchancen. Weitere 9 Prozent sind für Pumpspeicherenergie vorgesehen, die die Behörde als eine separate Kategorie erfasst.
Übertragungsnetz wird ausgebaut
Der Ausbau der Elektrizitätsversorgung verlangt eine Ausdehnung und Aufwertung des Stromübertragungsnetzes. Laut einem 2024 angelaufenen Plan der Stromnetzverwaltungsgesellschaft Noga sollen bis 2030 umgerechnet rund 5 Milliarden US-Dollar (US$) ins Stromnetz investiert werden.
Nach Plänen der Strombehörde werden 2025 bis 2031 insgesamt 44 Umspannwerke und 5 Schaltstationen gebaut. Im Bereich des Stromtransports ist die Verlegung von 1.500 Kilometern von Hochspannungsleitungen von 161 Kilovolt und 500 Kilometern Höchstspannungsleitung von 400 Kilovolt vorgesehen.
Deutschland unter den führenden Lieferanten
Außenhandelszahlen, die Israels Importe spezifisch für die Energiewirtschaft ausweisen, liegen nicht vor. Allerdings lässt sich anhand von Warenkategorien, die überwiegend für den Elektrizitätssektor bestimmt sind, erkennen, dass Deutschland in wichtigen Bereichen ein bedeutendes Liefervolumen vorweisen kann.
Der größte Posten unter diesen Kategorien waren 2024 Turbostrahltriebwerke, Turbopropellertriebwerke und andere Gasturbinen (HS 84.11). Die Importe dieser Produkte aus der Bundesrepublik beliefen sich auf 121 Millionen US$, was einem Importmarktanteil von 12,7 Prozent entsprach.
Es folgten elektrische Schalt- und Steuerungskonsolen, Pulte und dergleichen (HS 85.37) sowie elektrische Transformatoren, Umformer und dergleichen (HS85.04) mit einem Lieferwert von jeweils 55 Millionen US$ und einem Importmarktanteil von 15 beziehungsweise 9 Prozent.
Ein weiterer bedeutender deutscher Lieferposten waren Elektromotoren und elektrische Generatoren (HS 85.04). Sie erreichten 37 Millionen US$ und einen Importmarktanteil von 18,1 Prozent.
Projektbezeichnung (Standort) | Leistung (MW) | Unternehmen | Status | Investitionsvolumen |
|---|---|---|---|---|
| Sorek (Landeszentrum) | 630 bis 900 | Steht noch nicht fest | Ausschreibung | k.A. |
| OPC Hadera (Norden) | 630 bis 900 | OPC Energy | vor Regierungsbeschluss | k.A. |
| Dalia Inner Plain (Landeszentrum) | 630 bis 900 | Dalia Power Energies | genehmigt | k.A. |
| Dorad Ashkelon (Süden) | 630 bis 900 | Dorad Energy | genehmigt | k.A. |
| Kesem (Landeszentrum) | 630 bis 900 | Kesem Energy | genehmigt | k.A. |
| Reindeer (Landeszentrum) | 630 bis 900 | Reindeer Energy | vor Regierungsbeschluss | k.A. |
| Eshkol (Landeszentrum) | 630 bis 900 | Eshkol | Eshkol Power Energies | k.A. |