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Politische Ziele

Israels Energiewirtschaft muss sich anstrengen, um den wachsenden Bedarf zu decken. Der Ausbau schreitet voran. Stromimporte sind aus geopolitischen Gründen unwahrscheinlich.

Von Wladimir Struminski | Israel

Das oberste Ziel der israelischen Energiepolitik ist verlässliche Versorgung und die Deckung des steigenden Bedarfs. Dazu gehören ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien ebenso wie der Bau erdgasbetriebener Kraftwerke und eine Expansion der Energiespeicherung. Allerdings ist Marktwettbewerb faktisch nicht existent.

Die Vorgabe, am Ende des Jahrzehnts 30 Prozent der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien zu bestreiten, wird nicht leicht zu erfüllen sein. Im Jahr 2024 lag der Anteil bei rund 13,8 Prozent. Gleichzeitig kommt es zu Verzögerungen beim Bau von Erdgaskraftwerken. 

Israel bleibt "Strominsel“

Israel wird aus strategischen Gründen auf absehbare Zeit eine "Strominsel“ ohne Elektrizitätsimporte aus anderen Ländern der Region bleiben. Zwar könnte es durch Importe photovoltaischen Stroms Zugang zu großen Mengen preiswerter Solarenergie aus den einstrahlungsintensiven Wüstengebieten des Nahen Ostens gewinnen. Allerdings wäre es dann von den Lieferländern stark abhängig – und diese müssten zu solchen Lieferungen auch bereit sein.

Falls in der Zukunft ein stabiler Frieden in Nahost zustande kommen sollte, wären solche Importe eine Option. In der gegenwärtigen geopolitischen Lage ist sie aber – jedenfalls in nennenswertem Umfang – wenig wahrscheinlich.

Wie lange die einheimischen Erdgasreserven – gegenwärtig werden sie auf rund 1,1 Milliarden Kubikmeter geschätzt – ausreichen, ist unklar. Die Antwort hängt nicht zuletzt davon ab, ob neue Großfunde gemacht werden. Abzuwarten bleibt, ob alle bestehenden Vorkommen wirtschaftlich genutzt werden können.  

Erdgasexporte schaffen ein Dilemma

Nicht minder wichtig ist die Frage der Erdgasexporte. Laut der israelischen Energiebilanz wurde 2024 mit 51,5 Prozent etwas mehr als die Hälfte der geförderten Erdgasmenge exportiert. Die Abnehmer sind Ägypten und Jordanien. Dass Israel die Exporte in seine Nachbarländer einstellt, ist allein schon aus geopolitischen Gründen nicht zu erwarten. Das führt aber zu einem beschleunigten Abbau der Reserven. Im September 2025 berichtete die Tageszeitung Haaretz unter Berufung auf interne Berechnungen des Energieministeriums, massive Erdgasförderung könnte bereits in 20 Jahren nicht mehr möglich sein. Laut der Wirtschaftszeitung The Marker könnte Israel bereits in 15 bis 20 Jahren auf Erdgasimporte angewiesen sein. Daher müsste Israel schon bald planerische Vorbereitungen für diese Zeit aufnehmen – nicht zuletzt durch die Schaffung einer ausreichenden Infrastruktur für die Erdgaseinfuhr.

Gaza-Krieg verdeutlicht Verwundbarkeit

Der Gazakrieg hat die Verwundbarkeit der einheimischen Erdgasförderung deutlich vor Augen geführt. Zu Beginn des im Oktober 2023 ausgebrochenen Krieges wurde eine der drei Förderplattformen im Mittelmeer vorsichtshalber für fünf Wochen stillgelegt.

Im späteren Kriegsverlauf zeigte sich, dass Israels Luftabwehr zwar hocheffizient, aber nicht immun gegen Raketenbeschuss ist. Zwar wurde die Erdgasförderung während des Krieges nicht angegriffen. Allerdings erlitt die Erdölraffinerie Bazan in Haifa schwere Schäden durch eine Salve ballistischer Raketen. Angesichts der auch in Zukunft bestehenden Gefahren bleibt abzuwarten, wie sich der Krieg auf die Bereitschaft von Investoren auswirkt, nach neuen Erdgasvorkommen zu suchen.

Ausbau erneuerbarer Energien wird schwieriger und teurer

Die Nutzung erneuerbarer Energien lief in Israel spät und langsam an. Zwar wurde das Ausbautempo in den letzten Jahren beschleunigt. Das für 2025 vorgesehene Ziel, 20 Prozent der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien zu bestreiten, wird dennoch erst 2026 oder 2027 erreicht. Für 2030 ist je nach Entwicklung des Strombedarfs ein Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 25 bis 28 Prozent zu erwarten. Die Regierungsvorgabe für 2030 beläuft sich auf 30 Prozent.

In jedem Fall dürfte sich der Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten mit der Zeit verlangsamen. Das liegt vor allem an der Photovoltaik, auf die 2024 mit 85 Prozent das Gros der erneuerbaren Kapazitäten entfiel. Gegenwärtig hat Israel nur 80 Quadratkilometer für photovoltaische Freiflächenanlagen freigegeben, und diese sind größtenteils verplant. Daher wird der Ausbau der Photovoltaik binnen weniger Jahre hauptsächlich auf Dualflächen erfolgen. Dadurch wird Photovoltaik viel teurer; ihr Ausbau wird langwieriger.

Energiewirtschaft bleibt fossilorientiert

Andere erneuerbare Energien stehen in Israel kaum oder gar nicht zur Verfügung. Im Jahr 2024 entfielen jeweils 7 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auf Solarthermie und Windkraft, doch sind diese beiden Technologien in Israel weitgehend ausgereizt.  Der Bau von Kernkraftwerken ist für Israel unrealistisch. Als Nichtmitglied des Atomwaffensperrvertrags kann das Land die erforderliche Technik nicht importieren – von Risiken der Atomkraft im Kriegsfall ganz zu schweigen. 

So ist die Energiewirtschaft ganz überwiegend auf fossile Energieträger angewiesen und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Im Jahr 2024 entfielen nach Angaben des Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) 44,2 Prozent der primären Energieversorgung auf Erdöl, 41,1 Prozent auf Erdgas, 8,8 Prozent auf Kohle, 5,6 Prozent auf erneuerbare Energien und 0,4 Prozent auf Abfallverbrennung.

In den kommenden Jahren soll der Einsatz der Kohle bei der Stromerzeugung auf null zurückgefahren werden, was den Erdölbedarf erhöht. Zugleich aber könnte der Ausbau erneuerbarer Energien die Nachfrage nach Erdöl dämpfen. Unter dem Strich dürften die Anteile von Erdöl und Erdgas vorerst weitgehend stabil bleiben.

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