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Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Solar- und Windenergie machten im Jahr 2021 bereits 26 Prozent am Strommix Jordaniens aus. Das Land setzt in seiner Energiestrategie aber auch auf andere Quellen.

Von Friedrich Henle | Berlin

Jordanien ist in hohem Maße von teuren Energieimporten abhängig. Für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres 2022 vermeldet das jordanische Statistikamt (Department of Statistics) eine Einfuhrrechnung allein für Erdöl in Höhe von umgerechnet 1,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 68 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die aktuelle Regierungsstrategie für den Energiebereich (National Energy Strategy 2020-2030) zielt deshalb auf eine Diversifizierung der Energiequellen und auf den Ausbau der Erneuerbaren: Im Jahr 2030 soll deren Anteil am Strommix bei 31 Prozent liegen und der Beitrag von Erdgas für die Stromgewinnung auf 53 Prozent sinken (80 Prozent im Jahr 2020). Daneben setzt das Land aber auch auf mehr Investitionen in die lokale Förderung von Energierohstoffen wie Öl, Ölschiefer, Gas oder Uranerz. Ursprüngliche Pläne, gemeinsam mit der russischen Firma Rosatom in Jordanien zwei Atomreaktoren mit jeweils 1.000 Megawatt an Leistung zu bauen, werden dagegen nicht weiterverfolgt.

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Gute Bedingungen für Solarkraftwerke

Jordaniens Klima bietet insbesondere für Solarkraftwerke sehr gute Bedingungen. Die möglichen Erträge pro Flächeneinheit sind mit 5 bis 7 Kilowattstunden pro Quadratmeter fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Zudem ist in dem Wüstenland genug Fläche vorhanden. Ein weiteres starkes Argument für Fotovoltaik: Im Sommer laufen am Tag die Klimaanlagen, während zeitgleich der Strom mit Sonnenenergie produziert werden kann.

Der Anteil von Wind- und Solarenergie am Strommix hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Internationale Energieagentur (IEA) nennt für das Jahr 2019 einen Betrag von rund 15 Prozent. Laut jordanischem Energieministerium hat der Anteil im Jahr 2020 bei 20 Prozent und im Jahr 2021 bereits bei 26 Prozent gelegen. Die National Energy Strategy setzt als Zielmarke für das Jahr 2030 einen Beitrag von 31 Prozent zur Stromgewinnung. Da sich die erneuerbaren Energien in Jordanien dynamisch entwickeln, dürfte dieses Ziel deutlich früher erreicht werden.

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Bereits seit 2012 verfügt Jordanien über ein Gesetz für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (Renewable Energy and Energy Efficiency Law, REEEL), das inzwischen durch weitere Verordnungen konkretisiert wurde. Das Gesetz sieht auch die Eigenproduktion durch Kleinverbraucher vor.

Erste Studien zu grünem Wasserstoff in Arbeit

Jordanien ist daran interessiert, mit der weiteren Entwicklung der erneuerbaren Energien auch das Thema grüner Wasserstoff zu besetzen. Das mittels Elektrolyse aus erneuerbaren Energien hergestellte chemische Element gilt als ein wichtiger Baustein für die Energiewende weltweit. Hierzu laufen in Jordanien erste Studien. Das Potenzial bei erneuerbaren Energien wäre vorhanden. Zudem existiert eine Hafeninfrastruktur am Golf von Akaba, über die grüner Wasserstoff oder seine Derivate exportiert werden könnten. Das australische Unternehmen Fortescue Future Industries und die jordanische Regierung haben im November 2021 eine Absichtserklärung unterzeichnet, um dafür eine mögliche großflächige Wind- und Solarproduktion mit anschließender Elektrolyseeinrichtung zu untersuchen.

Im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnologien fördert Deutschland einen "Deutsch-Jordanischen Wasser-Wasserstoff-Dialog". Bereits seit April 2019 existiert eine offizielle Deutsch-Jordanische Energiepartnerschaft, die den zwischenstaatlichen Dialog über Energiefragen unterstützt. 

Gute Nachbarschaft sichert Energieversorgung

Jordanien versucht, seine zentrale geografische Lage auch beim Thema Energie auszuspielen und setzt auf Kooperation mit den Nachbarstaaten. Damit soll die eigene Energieversorgung sichergestellt, zudem Vorteile aus einer Drehscheibe für den regionalen Energiehandel gezogen werden.

Bisher ist Erdgas der mit Abstand wichtigste Energieträger für die jordanische Stromerzeugung. Den Löwenanteil davon liefert Ägypten durch die sogenannte "Arab Gas Pipeline". Gespräche laufen zudem, nördliche Abschnitte dieser Pipeline zu reaktivieren, um den Libanon jährlich mit 650 Millionen Kubikmeter Erdgas aus Ägypten zu versorgen. Für den Abschnitt durch Syrien steht noch eine Entscheidung der US-Regierung aus, das Vorhaben trotz Sanktionen gegen das syrische Regime zu genehmigen und eine Finanzierung der Weltbank zu ermöglichen.

Beim Import von Erdöl ist Jordanien auf den Nachbar Irak angewiesen. Die beiden Länder haben zuletzt vereinbart, die langjährigen Überlegungen zum Bau einer Pipeline vom südirakischen Basra in den jordanischen Hafen von Akaba voranzutreiben. Irak will sich damit eine alternative Exportroute für das schwarze Gold über das Rote Meer erschließen. Die veranschlagten Kosten von etwa 8,5 Milliarden Euro für die 1.665 Kilometer dürften ein Grund dafür sein, warum dieses Vorhaben bisher noch nicht über die Studienphase hinausgegangen ist.

In die andere Richtung könnte jedoch bald Strom fließen. Anfang 2023 soll der neue Interkonnektor zwischen Jordanien und Irak am Start sein. Eine Ausschreibung für die entsprechende Verbindungstrasse der beiden Stromnetze ist im Juli 2022 geschlossen worden. Die Verbindung via Jordanien will auch Ägypten nutzen, um überschüssigen Strom nach Irak zu liefern. Ende November 2021 hatten die Energieminister Ägyptens und Jordaniens angekündigt, dafür die Kapazität ihrer bestehenden, grenzüberschreitenden Stromtrasse von aktuell 450 Megawatt auf 1 Gigawatt zu erhöhen.

Ein "Wasser-für-Energie"-Tauschgeschäft vereinbarte Jordanien mit Israel im November 2021. Demnach wird Jordanien Solar- und Windkraftwerke mit einer Kapazität von 600 Megawatt errichten und den Strom daraus nach Israel liefern. Der Nachbarstaat möchte damit seine Klimabilanz verbessern. Im Gegenzug verspricht Israel die Lieferung von jährlich 200 Millionen Kubikmeter entsalztem Meerwasser an seinen wasserarmen Nachbarn.

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