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Kasachstan strebt höhere Eigenversorgung bei Arzneimitteln an

Kasachstan ist besonders bei Medikamenten für den Krankenhausbedarf auf Importe angewiesen. Die Regierung schafft Anreize für Investoren, um mehr Arzneimittel im Land zu produzieren.

Von Viktor Ebel | Almaty

Ausblick der Pharmaindustrie in Kasachstan

Bewertung:

 

  • Steigende Nachfrage nach Medikamenten, vor allem zur Behandlung chronischer Krankheiten.
  • Ziel: Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und Kosten zu senken.
  • Verbesserte Investitionsrahmenbedingungen für Pharmaproduzenten.
  • In- und ausländische Investoren planen in den nächsten Jahren neue Produktionskapazitäten.
  • Kasachstan als Hub zur Belieferung Zentralasiens sowie der Eurasischen Wirtschaftsunion. 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2026

Markttrends

Kasachstans Arzneimittelmarkt ist durch eine hohe Importabhängigkeit geprägt. Das belastet das Gesundheitsbudget, aber auch die Geldbeutel der Bevölkerung. Um Medikamente erschwinglicher zu machen, will die Regierung mehr auf lokal hergestellte Präparate setzen. Investitionsabkommen mit großen Pharmaproduzenten sind in Arbeit.

Dafür winken den Investoren finanzielle Erleichterungen und fertige Infrastruktur. Die neuen Produktionsanlagen sollen zudem einen Beitrag zur Diversifizierung der Wirtschaft und der Exporte leisten. Kasachstan will Pharmaunternehmen als Hub für den stark wachsenden zentralasiatischen Markt dienen.

Mehrere große Pharmakonzerne wollen investieren

Im Januar 2026 hat die kasachische Regierung angekündigt, dass Investitionsabkommen mit vier großen Pharmaunternehmen in Arbeit sind. Insgesamt sollen im Rahmen dieser Großprojekte etwa 370 Millionen US-Dollar (U$) investiert werden. Die geplante Produktpalette umfasst 356 Arzneimittel, davon viele kritische Medikamente, beispielsweise für die Behandlung von Krebs und Diabetes. Mehrere der Vorhaben werden von oder in Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen umgesetzt, darunter aus der Türkei, China und Rumänien.

Auch Sana Pharmaceutical Industry aus Jordanien soll laut kasachischer Investitionsagentur Kazakh Invest den Markteintritt in Kasachstan planen. Dabei hat das Unternehmen nicht nur die wachsende Nachfrage in Kasachstan nach Medikamenten zur Behandlung chronischer Krankheiten im Blick. Von einem Produktionszentrum in Almaty ließe sich zudem der über 180-Millionen-Einwohner große Markt der Eurasischen Wirtschaftsunion beliefern. Dieser Zollunion gehören neben Kasachstan auch Russland, Belarus, Kirgisistan und Armenien an.

KIHE 2026: Größte internationale Gesundheitsmesse in Zentralasien

Die Kazakhstan International Healthcare Exhibition (KIHE) ist die größte Plattform für pharmazeutische Produkte sowie Medizintechnik in Zentralasien. 

Sie findet regelmäßig im Frühjahr in Almaty statt. Der nächste Termin ist vom 20. bis 22.05.2026. Es wir einen deutschen Bundesgemeinschaftsstand geben.

Zuwächse und hohe Preise bei staatlichen Beschaffungen

Das Marktvolumen des kasachischen Arzneimittelmarktes betrug 2025 rund 2,8 Milliarden US$, so eine aktuelle Marktstudie des Pharma-Consultingunternehmens Viortis. Auf Basis der Landeswährung ist das Marktvolumen gegenüber dem Vorjahr um 13,1 Prozent gewachsen. Tatsächlich wurden aber 2,9 Prozent weniger Verpackungen verkauft. Das erklärt einerseits die hohe Inflation, die 2025 bei 12,3 Prozent lag. Andererseits sind aber auch strukturelle Veränderungen zu beobachten: Verbraucher kaufen weniger, dafür aber teurere Medikamente.

Einen mengenmäßigen Zuwachs gab es lediglich bei der staatlichen Beschaffung von Medikamenten für die ambulante Arzneimittelversorgung (ALO), aus der chronisch und langfristig Erkrankte kostenlose oder vergünstigte Medikamente beziehen. Die ALO stand 2025 zusammen mit anderen staatlichen Beschaffungen für rund 41 Prozent des Marktvolumens, aber nur für 25 Prozent der verkauften Verpackungen. Das ist auf den hohen Anteil von teuren, importierten Medikamenten zurückzuführen. Im Einzelhandel überwiegen Generika mit einem Anteil von 85 Prozent am Umsatz. Hier sind lokale Unternehmen stärker vertreten.

Ausgewählte Investitionsprojekte in der Pharmaindustrie in KasachstanInvestitionssumme in Millionen US-Dollar

Projektbezeichnung

Investitionssumme

Projektstand

Projektträger

Pharmazeutisches Werk in der Sonderwirtschaftszone Alatau in der Region Almaty

200

Investitionsabkommen in Arbeit

 

R-Pharma (Russland); Khan Tengri Biopharma
Pharmazeutisches Werk in der Stadt Almaty

116

Investitionsabkommen unterzeichnetAltINFARM; Partner: Sinopharm, Sinovac und Kangtai Biological Technology (China)
Komplex zur Herstellung von aktiven pharmazeutischen Wirkstoffen, Arzneimitteln und Biopräparaten nach GMP‑Standards in der Stadt Almaty

78

Investitionsabkommen unterzeichnetNobel Almaty Pharmaceutical 
Pharmazeutisches Werk in der Region Almaty

76

Investitionsabkommen unterzeichnetAbdi Ibrahim Global Pharm
Pharmazeutisches Werk in der Sonderwirtschaftszone Turan der Region Turkestan sowie in der Region Almaty

73

Investitionsabkommen unterzeichnetMSP-ROMPHARM; Partner: World Medicine (Türkei) und Rompharm (Rumänien)
Erweiterung des Werks Chimpharm in der Stadt Schymkent

63

UmsetzungPolpharma Group (Polen)
Pharmazeutisches Werk mit vollständigem Produktionszyklus in der Region Almaty

60

Investitionsabkommen in ArbeitMSN Group (Indien) gemeinsam mit KFK MEDSERVICE PLUS
Werk zur Produktion biologisch aktiver Zusatzstoffe in der Region Turkestan

40

Investitionsabkommen in ArbeitOrzax Group (Türkei)
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Branchenstruktur und Rahmenbedingungen

390 Mio. US$

betrug 2025 das Produktionsvolumen pharmazeutischer Erzeugnisse.

Laut Gesundheitsministerium gab es 2025 in Kasachstan 209 Hersteller von pharmazeutischen Produkten, vor allem in und um Almaty sowie in den Städten Karagandy und Schymkent. In Kasachstan werden 107 von 285 Arzneimitteln hergestellt, die von der Weltgesundheitsorganisation als kritisch definiert werden. Die geplanten Investitionsprojekte zielen darauf ab, mehr versorgungsrelevante Medikamente im Inland herzustellen. 

Zudem soll der Anteil der heimischen Produkte am Marktvolumen bis Ende des Jahrzehnts auf 50 Prozent erhöht werden. Gegenwärtig haben lokale Firmen lediglich einen Anteil von rund 14 Prozent an den wertmäßigen Verkäufen. Das geht auch aus Studien wie der von Viortis hervor, die lediglich drei lokale Unternehmen in den Top 10 der umsatzstärksten Marktteilnehmer für 2025 listet.

Top 10 Unternehmen in Kasachstans Arzneimittelsektor (2025)Marktanteil in Prozent
Unternehmen

Marktanteil (wertmäßig)

Marktanteil (mengenmäßig)

Nobel

4,2

1,3

Santo

4,2

5,5

Johnson & Johnson

4,0

0,0

Stada

3,1

1,5

World Medicine

3,0

1,1

F.Hoffmann La Roche AG

3,0

0,0

AstraZeneca

2,6

0,1

Karagandiner Pharmazeutischer Komplex LLP

2,3

0,0

Takeda

2,3

0,1

Abbott

2,2

0,7

Quelle: Viortis 2026

Deutschland war in den letzten Jahren laut Zahlen von UN Comtrade das mit Abstand wichtigste Lieferland von Medikamenten nach Kasachstan. Im Jahr 2024 betrugen die deutschen Ausfuhren pharmazeutischer Erzeugnisse 383 Millionen US$. Gegenüber 2019 haben sich die Exporte fast verdoppelt. Auf Deutschland folgen in der Liste der wichtigsten Lieferländer die Schweiz, die USA, Russland sowie Italien. Mittel- bis langfristig müssen Exporteure mit stärkeren Marktverzerrungen rechnen.

Regierung fördert lokale Produktion

Die Ankündigungswelle in Kasachstans Pharmaindustrie ist neben dem Marktpotenzial auch auf verbesserte Investitionsrahmenbedingungen zurückzuführen. Die Gesundheitsministerin stellte diese bei einer Sitzung mit ausländischen Investoren, die an der Ausarbeitung der Investitionsvereinbarungen mitgewirkt haben sollen, vor: Steuer- und Zollerleichterungen, Zugang zu Infrastruktur und langfristige Abnahmegarantien ohne Ausschreibungsverfahren. Zudem wurde zum 1. Januar 2026 die Mehrwertsteuer für mehr als 3.000 Präparate im Rahmen der kostenlosen Gesundheitsversorgung gestrichen, ebenso wie für importierte pharmazeutische Wirkstoffe für die lokale Produktion.

Arbeitsgruppe Pharmazie und Medizintechnik des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in Kasachstan

Die Arbeitsgruppe trifft sich regelmäßig in Astana, um aktuelle Trends und Herausforderungen für deutsche Unternehmen der pharmazeutischen und medizintechnischen Industrie in Kasachstan zu diskutieren. 

Eine Untergruppe widmet sich dem Markteinstieg. Unternehmen können Fragen und Themen im Vorfeld der Treffen einreichen. Das Gesundheitsministerium Kasachstans ist bei den Veranstaltungen miteingebunden. Auch die Gesundheitsministerin nimmt regelmäßig teil.

Ausschreibungen und Zertifizierung

Die Ausschreibungen für staatliche Beschaffungen von Medikamenten werden im Internet auf einer Vergabeplattform veröffentlicht. Die staatliche Firma SK-Farmazija verantwortet unter anderem den zentralen Einkauf von Arzneimitteln, die im Rahmen der kostenlosen medizinischen Grundversorgung bereitgestellt werden.

Arzneimittel sind zertifizierungspflichtig. Seit Anfang Mai 2017 greifen dabei die einheitlichen Regularien für den gemeinsamen Arzneimittelmarkt in der Eurasischen Wirtschaftsunion. Bis 2028 kann die Registrierung noch nach nationalem Recht erfolgen. In Kasachstan ist das Nationale Zentrum für die Begutachtung von Arzneimitteln, medizinischen Materialien und Medizintechnik für die Registrierung zuständig.

Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

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