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Usbekistans Pharmamarkt wächst und strebt regionale Spitze an
Usbekistans Pharmamarkt öffnet sich zunehmend für neue Exporteure und Investoren. Importe bleiben stark, während frisches Kapital die lokale Produktion beschleunigt.
30.01.2026
Von Uwe Strohbach | Usbekistan, Taschkent
Ausblick der Pharmaindustrie in Usbekistan
Bewertung:
- Steigende Gesundheitsausgaben, Bevölkerungswachstum und Reformen treiben den Markt.
- Wirkstoffe und innovative Präparate stammen fast vollständig aus dem Ausland.
- Die Nachfrage nach höherwertigen Produkten über 5 US‑Dollar pro Packung wächst deutlich.
- Usbekistan positioniert sich als künftiger Pharmahotspot in Zentralasien.
- Die Regulierung nähert sich schrittweise internationalen Standards an.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf bis 24 Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2026
Markttrends
Der usbekische Pharmamarkt expandiert kräftig. Zugleich verändern neue Regeln und Marktmechanismen die Struktur des Sektors. Das Marktvolumen hat sich seit 2016, dem Jahr vor der Marktöffnung, auf 2,2 Milliarden US‑Dollar (US$) im Jahr 2025 verdreifacht. Germany Trade & Invest erwartet mittelfristig ein reales Wachstum von 5 bis 8 Prozent pro Jahr.
wächst der usbekische Pharmamarkt mittelfristig.
Unklar ist, wie zwei neue Regulierungen den Umsatz beeinflussen: Das in zehn Referenzländern angepasste Preissystem für verschreibungspflichtige Medikamente und das bis Ende 2026 geplante E‑Rezept als Pflicht für deren Abgabe.
Rund 70 Prozent des Absatzes laufen über den Einzelhandel, 30 Prozent über staatliche Beschaffung. Rezeptpflichtige Mittel stellen ebenfalls 70 Prozent, werden aber häufig ohne Rezept verkauft. Die Hauptstadt Taschkent allein steht für 30 Prozent des Marktes.
Mit Grauimporten und Fälschungen liegt das Marktvolumen etwas höher. Das illegale Geschäft ist jedoch dank digitaler DataMatrix‑Codes zur elektronischen Nachverfolgung von Medikamenten und weiterer Maßnahmen seit 2022/2023 stark zurückgegangen.
Marktführerschaft in Zentralasien in Sicht
Usbekistan ist nach Kasachstan der zweitgrößte Pharmamarkt Zentralasiens. Die Chancen auf Wachstum und eine mögliche regionale Führungsrolle stehen gut.
Dafür sprechen folgende Trends:
- Reformen stärken das öffentliche und private Gesundheitswesen.
- Die Bevölkerung wächst dynamisch.
- Die Realeinkommen steigen.
- Der Staat treibt den Ausbau der Pharmaindustrie voran.
- Neue Regeln orientieren sich zunehmend an internationalen Standards.
Diese Faktoren schaffen ein Umfeld, das Investitionen begünstigt und den Markt langfristig stabilisiert.
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Die Wertschöpfungstiefe der lokalen Industrie ist bislang gering. Viele Unternehmen konzentrieren sich auf Verpackung, während komplexe Wirkstoffe fast vollständig importiert werden.
Markt ist hochgradig von Importen abhängig
Ausländische Arzneimittel dominieren daher weiterhin den Markt. Nach Wert entfallen 85 bis 90 Prozent des Absatzes auf importierte, oft innovative und patentgeschützte Produkte. Die Einfuhren aus Deutschland lagen 2023 bis 2025 im Schnitt bei rund 160 Millionen US$ pro Jahr und machten etwa 7 Prozent aller Pharmaimporte aus. Unter den 20 meistverkauften Präparaten 2025 stammen sieben aus der EU, darunter das deutsche Medikament Canephron von Bionorica. Fünf Produkte kommen aus Russland, drei aus der Ukraine, so das Portal FOM.uz.
Stärkere Lokalisierung bis 2030 anvisiert
Nach Menge lag der Anteil ausländischer Anbieter 2025 bei 65 bis 70 Prozent. In Bereichen wie Gynäkologie, Immunologie, Gastroenterologie, Kardiologie, Onkologie und Endokrinologie steigt er auf über 80 Prozent. Die Regierung plant jedoch eine deutliche Verschiebung: Bis 2030 soll der Umsatzanteil lokaler Hersteller auf 70 Prozent steigen, für 2028 ist eine Quote von 50 Prozent vorgesehen. Das Erreichen dieser Ziele ist aufgrund der zahlreich geplanten Projekte durchaus denkbar.
Usbekistan strebt eine führende Rolle als Pharmastandort in Zentralasien an. Grundlage ist ein seit 2022 laufendes, schrittweise erweitertes Branchenprogramm. Im Jahr 2025 wurden Pharmaprodukte im Umfang von mehr als 400 Millionen US$ produziert. Das ursprüngliche Produktionsziel von 740 Millionen US$ bleibt damit zwar unerreicht, doch nach einer langen Anlaufphase gewinnt die Ausbauoffensive jetzt aber spürbar an Tempo.
Investitionsschub in Pharmaclustern
Besonders dynamisch entwickeln sich Projekte im Cluster Tashkent Pharma sowie in fünf spezialisierten Freiwirtschaftszonen. Beide Modelle locken Investoren mit weitreichenden Steuervergünstigungen und weiteren Vorteilen. Der Großteil der aktuellen und absehbaren Investitionen konzentriert sich auf diese Clusterstruktur. Deutsche Unternehmen können von kostengünstiger Produktion, neuen Absatzmärkten und einer guten Investitionsstimmung profitieren.
Mehrere internationale Hersteller prüfen derzeit ein Engagement, darunter Bio Med Pharm (VAE), Fujikura Kasei (Japan), Polpharma (Polen), Kuhnil Pharma (Südkorea), Burgau International (Kuwait) und Bilim Pharmaceuticals (Türkei). Zu den Vorhaben zählt auch die geplante Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln unter der deutschen Marke Schaeffer Nutraceuticals.
Usbekistan setzt vor allem auf die Produktion günstiger Generika, den Einstieg in moderne Biotechnologien wie Impfstoffe und Insulin sowie auf die Fertigung von Nahrungsergänzungsmitteln.
Projektvolumen von 1 Milliarde US-Dollar angepeilt
Usbekistan plant mittelfristig Projekte mit einem Volumen von bis zu 1 Milliarde US$ umzusetzen. Im Jahr 2025 haben sich die Investitionen gegenüber dem Vorjahr bereits auf rund 400 Millionen US$ verdoppelt. Zentraler Ansprechpartner für ausländische Unternehmen ist die Pharma-Entwicklungsagentur Uzpharmagency. Sie koordiniert sämtliche Ausbauvorhaben und begleitet Investoren beim Eintritt in den usbekischen Pharmamarkt.
| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektzeitraum | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Pharma-Entwicklungsagentur | 190 | 2022 bis 2027 (1. Ausbauphase) | Tashkent Pharma Park F&E Pharma Cluster (Produktion, Bildung, F&E) |
| Haematech (China) | 85 | 2023 bis 2027 | blutplasmabasierte Produkte |
| Masmed Pharm Impex | 47 | 2024 bis 2026/2027 | parenterale Nährstofflösungen |
| Nika Pharm/Asklepiy Group (Usbekistan) | 20 | 2026 bis 2028 | Modernisierung/Ausbau und Sortimentserweiterung der Produktion |
| Nurin Pharma (Pharmatec Pakistan) | 20 | Projekt in Vorbereitung | Bluthochdruck-, Diabetes- und Magen-Darm-Präparate |
| Dora Line | 16 | 2024 bis 2026/2027 | Infusionslösungen und Polypropylen-Ampullen |
| Zuma Pharma/Uzgermed Pharm Group | k.A. | vier Projektphasen von 2022 bis 2033 | zz. erste Vorbereitung der Produktion von Augen und Ohrentropfen, Infusionslösungen und onkologischen Präparaten |
| River Med Pharm (Usbekistan) | k.A. | 2026 bis 2028 | Ausbau der Produktion von Infusionspräparaten und Antibiotika |
| Proto Global GmbH (Deutschland) | k.A. | Projekt im Frühstadium | präventive Viproactice-Präparate (Nahrungsergänzungsmittel) unter der Marke Schaeffer Nutraceuticals |
| Ananta Medicare (Indien) | k.A. | Projekt in Vorbereitung | Sterile und weitere Injektionspräparate sowie pflanzliche Arzneimittel |