Wirtschaftsausblick | Laos

Laos zwischen Staatsbankrott und Entwicklungsaufstieg

Laos bleibt nur dank chinesischer Schuldenstundungen zahlungsfähig. Zugleich beginnt 2026 der Aufstieg aus der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder.

Von Frank Malerius | Bangkok

Wirtschaftsentwicklung: Erfolge in der Vergangenheit, künftig weniger Präferenzen

Die kleine laotische Volkswirtschaft, deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 18 Milliarden US-Dollar (US$) ungefähr der Wirtschaftskraft von Bielefeld entspricht, entwickelt sich spannend. Seit der Jahrtausendwende erreichte das Entwicklungsland im Jahresdurchschnitt ein preisbereinigtes BIP-Wachstum von über 7 Prozent. Damit gehörte Laos zu den 20 wachstumsstärksten Ländern der Welt und dürfte 2026 eine Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung von circa 2.400 US$ erzielen.

Laos gehört Mitte 2026 noch in die Gruppe der 44 am wenigsten entwickelten Länder der Welt (Least Developed Countries). Ähnlich wie  Kambodscha, Bangladesch oder Nepal soll das Land aus diesem Status ab Ende 2026 bis 2029 schrittweise graduieren. 

Zur Überraschung der zahlreichen internationalen Geberorganisationen begrüßt die kommunistische Regierung diesen Aufstieg. Denn er ist mit dem Abbau von Zollpräferenzen und der Kürzung von Entwicklungsgeldern durch Industriestaaten verbunden. Die Leiterin des United Nations Development Programme in Laos, Martine Thérer, spricht gegenüber Germany Trade & Invest von einer Art "Social Contract". Die Regierung biete wirtschaftliche Erfolge - und das Volk lehne sich nicht auf. 

Top-Thema: Spürbare Folgen der Währungs- und Schuldenkrise

Doch die wachstumsstarken Zeiten sind vorbei. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet 2026 und 2027 nur noch mit einem BIP-Wachstum von 4 Prozent und mittelfristig mit nur noch 3 Prozent. Ein Grund: Der laotische Kip hat seit 2021 mehr als die Hälfte seines Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren. Dadurch werden Importe teurer, die Inflation ist hoch und die Leistungsbilanz geht zurück.  

Auch die Schulden des Landes, die ausschließlich in Fremdwährung bestehen, schießen in nationaler Währung in die Höhe. Größter Gläubiger ist China. Das Reich der Mitte müsse laut IWF noch mindestens zehn Jahre auf Rückzahlungen verzichten, um die laotische Wirtschaft am Leben zu halten. So sind die öffentlichen Schulden mittlerweile immerhin unter die Marke von 100 Prozent des BIP gefallen. 

Mit zu vielen fremdfinanzierten Großprojekten hat der Staat Schuldenberge aufgetürmt. Die Vorhaben führen ganz überwiegend chinesische Unternehmen aus. Dazu gehört die 2021 eröffnete, über 400 Kilometer lange Schnellbahnstrecke, die von der Hauptstadt Vientiane an die Grenze der chinesischen Provinz Yunnan führt. 

Eine Studie des australischen Lowy Institute von 2025 nennt als wichtigsten Schuldentreiber indes überdimensionierte Wasserkraftprojekte. Insbesondere jene Vorhaben rechnen sich nicht, die den Eigenbedarf des Landes überschätzt haben. 

Arbeitskräfte fliehen ins Ausland

Die Krise treibt Arbeitskräfte ins Ausland. Mehr als eine Million der insgesamt acht Millionen Laoten sollen mittlerweile in Thailand arbeiten. Dies führt zu einem Arbeitskräftemangel. Unternehmer berichten, dass die Bekleidungsindustrie nicht mehr genügend Arbeiter findet. Und auf den Baustellen werden bereits Arbeitsimmigranten aus Bangladesch gesichtet. 

Wichtigste Einfuhrwaren sind Brennstoffe und Maschinen. Wichtigstes Exportgut ist Strom. Wasserkraftwerke an den Seitenarmen des Mekong liefern ihn vor allem nach Thailand, aber auch nach China, Vietnam und sogar Singapur. Teilweise sind sie gar nicht mit dem laotischen Stromnetz verbunden, das mittlerweile von China Southern Power Grid (CSG) betrieben wird. 

Zudem beginnt ein systematischer Abbau von seltenen Erden, Gold und Kupfer. Der Bergbau wird vor allem von chinesischen Unternehmen betrieben - oft ohne Umweltstandards. China dominiert das laotische Wirtschaftsleben weitgehend. Chinesische Firmen haben Produktionen von Bekleidung und Elektronik aufgebaut. 

Und die Hongkonger Kings Roman Group betreibt im Dreiländereck zwischen Laos, Thailand und Myanmar die Sonderwirtschaftszone Golden Triangle. Dort ist eine für 100.000 Einwohner ausgelegte Urlaubs- und Zweitwohnstadt entstanden. Ein quasi exterritoriales Gebiet, ohne Industrie und laotische Exekutive, in der nur mit chinesischem Renminbi und thailändischem Baht bezahlt werden kann.  

Bahnprojekt zieht deutsche Unternehmen an

Das nächste große Infrastrukturprojekt ist eine in drei Abschnitte unterteilte Bahnstrecke zum vietnamesischen Hafen Vung Ang. Die elektrifizierte Linie soll vor allem den Transport von Gütern übernehmen, die heute über den weit entfernten thailändischen Tiefseehafen Laem Chabang umgeschlagen werden. 

Deutsche Organisationen sind in Gespräche über die Finanzierung des ersten 145 Kilometer langen Abschnitts eingebunden, der von der laotisch-thailändischen Grenzstadt Thakhek zur vietnamesischen Grenze führt. Die Kosten werden auf 2,8 Milliarden bis 3 Milliarden US$ geschätzt. Auch deutsche Anbieter von Bahn- und Tunnelbohrtechnik haben schon Kontakt aufgenommen.

Deutsche Perspektive: Beschaffungsstandort für Bekleidung

In Laos gibt es nur wenige, zumeist kleinere deutsche Unternehmen. Zu den zehn größten deutschen Investoren gehört ein Bäcker. Laos stand 2025 auch auf der deutschen Exportrangliste nur auf Rang 164 von 239 Ländern. Immerhin berichtet ein Anbieter von Getränkeabfüllmaschinen von hervorragenden Geschäften. Auch deutsche Luxusautos sind bei Wohlhabenden beliebt. 

Laos gewinnt als Sourcing-Standort für Bekleidung und Schuhe eine gewisse Bedeutung. Das deutsche Handelsdefizit mit Laos wuchs dementsprechend 2025 auf 276 Millionen US$. 

Zu den wenigen produzierenden Unternehmen aus Europa gehört ein Joint Venture der dänischen Brauerei Carlsberg. Vereinzelt sind europäische Unternehmen im Bau von Wasserkraftwerken involviert. Das Land bietet jedoch kaum Rechtssicherheit. Es ist unwahrscheinlich, dass Laos in naher Zukunft eine stärkere Rolle für deutsche oder europäische Unternehmen spielen wird. 

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