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Tiefbau: Marktchancen für deutsche Unternehmen

Der Ausbau der Metrolinien in den Großstädten sowie des überregionalen Schienenverkehrs eröffnet deutschen Unternehmen interessante Geschäftschancen.

Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

Die aufgeführten Großprojekte sind vielfach auf spezialisierte Bauausrüstung aus dem Ausland angewiesen. Für deutsche Anbieter ist es jedoch nicht einfach, in Mexiko Fuß zu fassen. Der Bausektor wird von heimischen, lateinamerikanischen, iberischen und inzwischen auch chinesischen Baufirmen dominiert. Für Technologieanbieter ist es daher umso wichtiger, frühzeitig Kontakte zu den zuständigen Behörden und nach Möglichkeit auch zu den Hauptauftragnehmern der Projekte zu knüpfen.

Tiefbau importiert Technologie aus dem Ausland

Der mexikanische Tiefbau benötigt generell Ausrüstungen wie Baumaschinen, Tunnelbohrmaschinen, Portaldrehkräne, Pumpen und Generatoren. Vieles davon wird aus dem Ausland importiert, da die heimische Kapitalgüterindustrie schwach ausgeprägt ist. Im 1. Halbjahr 2025 waren die Investitionen in Maschinen und Anlagen in Mexiko allerdings rückläufig: Die Investitionen in lokal hergestellte Maschinen und Anlagen gingen um 5,5 Prozent zurück, die in importierte Geräte um 8,2 Prozent, so das Statistikamt INEGI.

Für den Straßenbau werden insbesondere Mobil- und Drehkräne, Frontlader, mobile Plattformen und Verkehrsleittechnik gebraucht. Frontlader und einfache Verkehrsleittechnik werden zum Teil im Land selbst hergestellt, während Kranausrüstung mit hoher Kapazität ausschließlich importiert wird. Der Bau und Betrieb von Häfen erfordern Containerkrane, Sicherheitssysteme, IT-Dienstleistungen, Planungs- und Bauleistungen sowie Baggerarbeiten. Schienenverkehrsprojekte brauchen Rahmen-, Mobil- und Drehkräne, außerdem dieselelektrische Lokomotiven, überdachte und geschlossene Waggons, Stahlschienen, Fahrgestelle und Anhänger, Schienenverlege- und Wartungsgeräte sowie Signalsysteme.

Neben Baumaschinen und Technologie auch Dienstleistungen gefragt

Deutsche Baufirmen, die als Anker fungieren könnten, sind derzeit nicht in Mexiko aktiv. Allerdings expandiert die Firma DB Engineering & Consulting im Planungsbereich von Zugstrecken. Unternehmen wie Liebherr, Kaeser, Beumer Group, Wirtgen Group, Siemens und Herrenknecht sind wichtige Technologielieferanten für den mexikanischen Bausektor.

Liebherr fertigt in der nordmexikanischen Metropole Monterrey Großwälzlager und Zahnkränze für Kunden in den USA, die unter anderem in Baumaschinen eingesetzt werden. In Mexiko-Stadt hat das Unternehmen seit 2013 eine Vertriebs- und Servicegesellschaft für Fahrzeugkrane und unterhält zudem eine Logistikniederlassung in der Stadt Veracruz. Herrenknecht war am Großprojekt des Nahverkehrszugs Tren Interurbano zwischen Mexiko-Stadt und Toluca beteiligt: Beim Bau des unterirdischen Streckenabschnitts kamen zwei Multi-Mode-Tunnelbohrmaschinen (TBM) von Herrenknecht zum Einsatz.

Neben spezialisierten Produkten und Maschinen besteht in Mexiko auch Bedarf an entsprechenden Ingenieur- und Beratungsleistungen sowie an Software für Infrastrukturprojekte. Ingenieurstudien für Infrastrukturprojekte werden häufig von ausländischen Firmen durchgeführt. So kam DB Engineering & Consulting als sogenannter Schattenbetreiber des Zugprojektes Tren Maya zum Einsatz und beriet in dieser Funktion unter anderem bei der Erstellung der Fahrpläne. Zuletzt wurde das Unternehmen mit dem Design Review für die Zugstrecke zwischen Mexiko-Stadt und Querétaro beauftragt. Zum Generalkonzessionär des Projekts wurde im April 2025 das Staatsunternehmen GAFSACOMM ernannt, das im Besitz des Militärs ist und mit DB Engineering & Consulting bereits beim Tren Maya zusammengearbeitet hatte.

Beratende Ingenieure im Ausland

Bei großen Infrastrukturprojekten sind vielfältige Beratungsleistungen gefragt. Deutsche Ingenieurbüros führen weltweit unter anderem Machbarkeitsstudien durch, prüfen Designs und überwachen den Bau. Branchenvertreter berichteten GTAI von ihren Projekten in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Dabei wird deutlich: Deutsche Ingenieure sind vor allem in aufstrebenden Märkten aktiv. Dort sind sie oft auf Partner angewiesen. Wir beleuchten, wie sich die Deutschen gegen die Konkurrenz durchsetzen und an Aufträge kommen. Außerdem geben wir rechtliche Tipps. Erfahren Sie im GTAI-Online-Special mehr über Erfolgsfaktoren, Hürden und Besonderheiten der Branche.

China immer stärker bei Nahverkehrszügen

Im September 2025 konnte der chinesische Konzern CRRC Zhuzhou Locomotive eine Ausschreibung für die Lieferung von 15 elektrischen Zügen für die Strecke Mexiko-Stadt - Flughafen AIFA - Pachuca für sich entscheiden. Mit einem Preis von rund 320 Millionen US$ stach das Unternehmen den Mitbewerber CAF aus Spanien aus. Dieser hatte ein Angebot von rund 540 Millionen US-Dollar (US$) für die Lieferung der Züge und deren Wartung über fünf Jahre vorgelegt. Die 15 Züge sollen das erwartete Passagieraufkommen von täglich rund 100.000 Passagieren zwischen Mexiko-Stadt und Pachuca bewältigen.

Der Hersteller von Schienenfahrzeugen CRRC Zhuzhou Locomotive konnte in Mexiko zuletzt verschiedene Aufträge an Land ziehen, darunter auch die Lieferung des rollenden Materials für die neuen Metrolinien 4 und 6 in Monterrey (13 Züge) sowie die Modernisierung der Metrolinie 1 in Mexiko-Stadt (30 Züge). Bei letztgenanntem Projekt wirkte auch Siemens Mobility als Lieferant der Kontrollsysteme (Communication-Based Train Control, CBTC) mit. CRRC montiert seit 2022 Züge im zentralmexikanischen Querétaro.

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