Special | Mexiko | Wasser - Die knappe Ressource
Mexiko: Regierung geht gegen Wasserknappheit vor
Verschiedene Großprojekte sollen in Mexiko auch zukünftig die Wasserversorgung der Bevölkerung sicherstellen. Gleichzeitig muss der Verbrauch im Agrarsektor effizienter werden.
07.04.2026
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Die mexikanische Regierung hat erkannt, dass sich die Wasserknappheit in dem ohnehin schon trockenen Land mittelfristig zuspitzen könnte. Eine der Ursachen ist, dass der Klimawandel die Effekte des Wetterphänomens El Niño verstärkt, bei dem sich Meeresströmungen in unregelmäßigen Abständen verändern.
Mit dem nationalen Wasserplan (Plan Nacional Hídrico) soll die Wasserversorgung in den Ballungszentren gesichert werden. Der Plan sieht für den Zeitraum 2025 bis 2030 Investitionen von umgerechnet 6,9 Milliarden US-Dollar (US$) vor.
Investitionen vor allem in die Wasserversorgung
Eckpfeiler des Wasserplans sind landesweit 17 Großprojekte sowie die Sanierung der drei Flüsse Lerma-Santiago, Atoyac und Tula. Vor allem Regionen mit großer Wasserknappheit in zentralen Teilen und im Norden Mexikos sollen profitieren. Der Fokus liegt auf zusätzlichen Wasserspeichern, Trinkwasseraufbereitungsanlagen sowie Leitungen. Die geplanten Investitionen in die Abwasseraufbereitung sind hingegen begrenzt. Der Staat hat für die Sanierung der drei Flüsse 2025 rund 62 Millionen US$ ausgegeben. Wie hoch die Mittelvergabe dafür zukünftig ausfallen wird, ist noch nicht bekannt.
| Projekt (Bundesstaat) | Investitionssumme | Projektstand | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Verbesserung der Wasserversorgung der Metropolregion Mexiko-Stadt (Plan Integral de la Zona Metropolitana del Valle de México) | 3.400 | In Planung; genauer Fortschritt intransparent | Vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen (Mezquital, Tequixquiac, Guadalupe, Zumpango); neue Wasserleitungen u.a. nach Pachuca, Ecatepec und Mexiko-Stadt; Kapazität 16.000 l/s |
| Wasserleitungen zwischen Solís und León (Guanajuato) | 844 | Derzeit Ingenieursstudien durch mexikanisches Militär Sedena; soll Ende 2028 in Betrieb gehen | Kapazität 3.800 l/s; Projekt beinhaltet neue Trinkwasseraufbereitungsanlage; soll 1,8 Millionen Personen versorgen |
| Wasserprojekte im Bundesstaat Sonora (Plan de Agua Sonora) | 697 | k.A. | Drei neue Stauseen für Hermosillo, sollen 900.000 Personen mit Wasser versorgen; neue Kläranlage in Guaymas; neue Wasserleitungen in Ciudad Obregón und Navojoa |
| Meerwasserentsalzungsanlage Playas de Rosarito (Baja California) | 673 | Im Januar 2026 Umweltgenehmigung erhalten; Bau soll Mitte 2026 von Wasserbehörde Conagua ausgeschrieben werden; soll 2029 in Betrieb gehen | Soll rund 1 Millionen Personen in Tijuana und Rosarito versorgen; Kapazität 2.200 l/s; größte Meerwasserentsalzungsanlage Lateinamerikas |
| Wasserspeicher Milpillas (Zacatecas) | 505 | Derzeit Umwelt- und Sozialstudien; Proteste von betroffenen Gemeinden; Bau soll 2028 starten und 2033 beendet sein | Beinhaltet Wasserleitungen über 174 km zur Stadt Zacatecas; Kapazität 1.300 l/s |
| Wasserspeicher Paso Ancho (Oaxaca) | 258 | Soll 2027 in Betrieb gehen | Beinhaltet Trinkwasseranlage und Wasserleitungen über 105 km zur Stadt Oaxaca; soll 641.000 Personen versorgen; Kapazität 1.000 l/s; außerdem Sanierung Río Atoyac |
| Wasserspeicher El Tunal II (Durango) | 225 | Bau startete im Oktober 2025 durch ICA Constructora; zuständig Comisión del Agua del Estado de Durango; Staumauer soll 2028 fertig sein | Soll 330.000 Personen in der Stadt Durango mit Leitungswasser versorgen und Wasserversorgung für die nächsten 30 Jahre sichern; Kapazität 1.500 l/s |
| Wasserprojekte im Bundesstaat Coahuila | 206 | Wasserleitungen im Bau, sollen 1,5 Millionen Personen mit Wasser aus dem Nazas-Fluss versorgen anstatt über das Grundwasser | Instandsetzung Wasserspeicher La Amistad; neue Wasserleitungen in La Laguna (Fortsetzung Programm Agua Saludable para La Laguna) |
| Wasserprojekte im Bundesstaat Baja California (Agua para Baja California) | 200 | In Planung | Instandsetzung Wasserleitungen von Río Colorado nach Tijuana; Ausbau der Kläranlagen La Morita und Arturo Herrera |
| Zusätzliche Wasserleitungen vom Speicher Vicente Guerrero nach Ciudad Victoria (Tamaulipas) | 100 | Baufortschritt Ende 2025: 20%; sollen 2027 in Betrieb gehen | Länge 58 km; Kapazität 750 l/s; auch neue Trinkwasseraufbereitungsanlage |
In der Megacity Mexiko-Stadt soll ein "Tag null" verhindert werden
Fast die Hälfte der gesamten Investitionen ist für die Verbesserung der Trinkwasserversorgung in der Hauptstadt Mexiko-Stadt sowie den angrenzenden Bundesstaaten México und Hidalgo vorgesehen (Plan Integral de la Zona Metropolitana del Valle de México). Ausbleibende Niederschläge sorgen dort immer häufiger für Wasserknappheit – so zuletzt im Januar 2024, als der Trinkwasserzufluss für Teile der Hauptstadt gedrosselt wurde, was massive Proteste der betroffenen Anwohner auslöste.
Mit Investitionen in zusätzliche Trinkwasseranlagen und Wasserleitungen soll ein "Tag null", an dem der 22-Millionen-Metropole das Leitungswasser ausgehen könnte, verhindert werden. "Die Wasserknappheit wäre nicht so dramatisch, wenn mehr in die Infrastruktur investiert würde", sagt auch Kai Werthmann, Geschäftsführer und Mitgründer von Alxedo, einem Anbieter von Wasserfiltern. Laut Werthmann gehen in Mexiko-Stadt rund 40 Prozent des Trinkwassers aufgrund von Lecks in den Leitungen verloren.
Neben den in der Tabelle aufgelisteten Projekte sind weitere Investitionen in den zentralen Bundesstaaten Colima, Guerrero und Querétaro sowie im Südosten Mexikos (Bundesstaaten Veracruz, Tabasco, Campeche) geplant. Im Südosten sorgen starke Niederschläge regelmäßig für Überschwemmungen, weshalb dort zusätzliche Ablaufgräben und das Ausbaggern von Flussbetten geplant sind.
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Unternehmen Flottweg macht bislang mehr Geschäft mit dem Privatsektor
Für das deutsche Unternehmen Flottweg ist der öffentliche Sektor als Kunde in Mexiko wegen der geringen Investitionen in die Wasserinfrastruktur bislang zweitrangig. "Die öffentlichen Projekte verzögern sich häufig aufgrund mangelnder Finanzierung", berichtet Vertriebsmanager Carlos Olivo im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Das Unternehmen, ein Spezialist für Separationstechnik mit Hauptsitz im bayerischen Vilsbiburg, bietet Dekanterzentrifugen und Separatoren an. Diese Produkte ermöglichen erhebliche Wassereinsparungen.
Zusätzlich zu seiner Vertriebsniederlassung mit 14 Mitarbeitenden eröffnet Flottweg 2026 ein neues Servicezentrum im Bundesstaat Querétaro. "Wir haben große Projekte mit Kunden im Bergbau, im Chemiesektor und in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie realisiert", so Manager Olivo. Im öffentlichen Sektor seien die Stadtwerke Monterrey (Servicios de Agua y Drenaje de Monterrey; SADM) ein interessanter Kunde. Technologie von Flottweg wird beispielsweise in der von SADM betriebenen Kläranlage PTAR Dulces Nombres im Nordosten der Millionenstadt Monterrey installiert.
Wasserverbrauch im Agrarsektor soll effizienter werden
Rund drei Viertel des Wasserverbrauchs in Mexiko entfallen auf die Landwirtschaft. Gerade Zitrusfrüchte und Avocados, die vorrangig für den nordamerikanischen Markt angebaut werden, benötigen viel Wasser. Das gilt auch für die Viehzucht, den Mais- und Getreideanbau.
Der Plan Nacional Hídrico für den Zeitraum 2024 bis 2030 sieht neben den oben beschriebenen Projekten auch Fördermittel für die Landwirtschaft vor: 240.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche sollen technologisch entwickelt werden, um den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten. Besonders landwirtschaftlich geprägte Regionen in Zentral- und Nordmexiko, die gleichzeitig geringe Niederschlagsmengen aufweisen, profitieren von dem Programm. Die staatlichen Mittel in Höhe von 3,5 Milliarden US$ bis 2030 umfassen auch das von der Wasserbehörde Comisión Nacional del Agua (CONAGUA) verwaltete Programm zur technologischen Aufrüstung von Bewässerungsdistrikten und -anlagen (Programa de Apoyo a la Infraestructura Hidroagrícola).
Der zweitgrößte Verbraucher mit einem Anteil von rund 15 Prozent sind die Haushalte. Aufgrund des erwarteten Bevölkerungsanstiegs zwischen 2025 und 2030 von 132 Millionen auf 138 Millionen Personen sowie einer wachsenden Mittelschicht wird auch der private Wasserkonsum zunehmen.
Auf Platz drei der Verbraucher stehen Industrieunternehmen. Dazu zählen Getränkehersteller wie Heineken México, Grupo Modelo AB-InBev, Constellation Brands (Corona, Modelo), Coca-Cola FEMSA, Arca Continental oder GEPP (Pepsi). Auch Kosmetikhersteller, andere Chemieunternehmen, die Zementindustrie und der Bergbausektor gehören zu den großen Wasserkunden. Einige Getränkehersteller investieren derzeit im Südosten Mexikos, da dort mehr Wasser zur Verfügung steht: Constellation Brands etwa baut für 1,3 Milliarden US$ eine neue Brauerei im Bundesstaat Veracruz, während es Heineken nach Yucatán (500 Millionen US$) zieht.
Neuer regulatorischer Rahmen für Wasserkonzessionen
Im Dezember 2025 verabschiedete die Regierung einen neuen Rechtsrahmen für den Umgang mit Wasser (Ley General de Aguas). Zudem wurde das Gesetz Ley de Aguas Nacionales von 1992 reformiert. "Es geht darum, wieder Ordnung herzustellen und Wasser nicht mehr als kommerzielle Ware zu betrachten, wenn es in den meisten Teilen des Landes eine knappe Ressource ist“, erklärte Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum. Nach Ansicht der Regierung existiert in Mexiko ein illegaler Handel mit Wasser zwischen Privatpersonen, Landwirten und Unternehmen. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Das neue Gesetz stärkt das Recht auf Wasser als grundlegendes Menschenrecht und räumt dem persönlichen wie häuslichen Verbrauch Vorrang vor anderen Nutzungsarten ein.
- Wasserkonzessionen dürfen nicht mehr zwischen Privatpersonen übertragen werden. CONAGUA ist die alleinige Behörde, die für die Übertragung von Konzessionen zuständig ist. Aktuell sind landesweit rund 500.000 Konzessionen zur Wassernutzung vergeben.
- Die ursprünglich in einer Konzession festgelegte Nutzung darf nicht geändert werden (zum Beispiel von landwirtschaftlicher zu industrieller Nutzung).
- Bei einem Eigentümerwechsel von mit Wasserkonzessionen verbundenen Grundstücken kann der neue Eigentümer seine Wasserrechte durch beschleunigte Verfahren behalten.
- Die Reform führt neue Straftatbestände im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Wasserkonzessionen ein und sieht hohe Geldstrafen für Verstöße vor.
Leistungsschau Wasserwirtschaft nach Mexiko
Die AHK Mexiko führt eine Leistungsschau im Bereich Wasserwirtschaft nach Mexiko vom 21. bis 25. September 2026 im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) durch. Anmeldungen sind bis Mitte Mai 2026 über German Water Partnership möglich. Das Projekt des Markterschließungsprogramms für KMU ist Bestandteil der Exportinitiative Umwelttechnologien. Bereits 2025 war eine ähnliche Reise erfolgreich durchgeführt worden.
Bezeichnung | Anmerkungen |
| Germany Trade & Invest | Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft |
| AHK Mexiko | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
| Secretaría de Medio Ambiente y Recursos Naturales (SEMARNAT) | Umweltministerium |
| Comisión Nacional del Agua (CONAGUA) | Staatliche Wasserkommission (gehört zu SEMARNAT) |
| Instituto Mexicano de Tecnología del Agua (IMTA) | Öffentliches Forschungsinstitut zu Wasser (gehört zu SEMARNAT) |
| Secretaría de Gestión Integral del Agua (SEGIAGUA) | Stadtwerke Mexiko-Stadt |
| Servicios de Agua y Drenaje de Monterrey (SADM) | Stadtwerke Monterrey |
| Servicio Intermunicipal de los Servicios de Agua Potable y Alcantarillado (SIAPA) | Stadtwerke Guadalajara |
| Asociación Nacional de Entidades de Agua y Saneamiento de México (ANEAS) | Verband der Wasser- und Abwasserbranche |
| Servicio Meteorológico Nacional (SMN) | Meteorologischer Dienst |
| Aquatech | Messe zum Wassersektor; nächster Termin 1. bis 3. September 2026 in Mexiko-Stadt |