Wirtschaftsausblick | Mexiko
Mexiko geht optimistisch in die Neugestaltung des USMCA
In den kommenden Monaten verhandeln die drei Partnerländer über die Zukunft des nordamerikanischen Handelsvertrags USMCA. Für Mexiko steht dabei viel auf dem Spiel.
12.03.2026
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Top-Thema: Verhandlungen über das USMCA-Abkommen starten
Mitte März starten die bilateralen Verhandlungen zwischen Mexiko und den USA zur Vorbereitung der für Juli 2026 geplanten Revision des Handelsabkommens USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement). Die Unterhändler treffen sich zunächst in Washington, D.C. und anschließend in regelmäßigen Abständen.
Die Gespräche werden mit großer Spannung verfolgt: Mexiko ist heute wichtigster Absatzmarkt und größter Lieferant der USA – Kategorien, die bis vor kurzem noch Kanada beziehungsweise China anführten.
Seit Inkrafttreten des USMCA im Jahr 2020 und durch den Trend zum Nearshoring hat Mexiko weiter an Bedeutung gewonnen. 2025 erreichte der bilaterale Warenhandel mit 872,8 Milliarden US‑Dollar (US$) einen Rekordwert. Der Handel der USA mit Kanada (719,5 Milliarden US$) und China (414,7 Milliarden US$) fiel deutlich niedriger aus. Umgekehrt bleibt Mexiko stark abhängig vom Nachbarn: Über 80 Prozent seiner Exporte gehen in die USA.
Großteil der mexikanischen Lieferungen bleibt zollfrei
Der USMCA‑Handelsvertrag wirkt angesichts der jüngsten US-Zollpolitik wie eine Rettungsleine für Mexikos Unternehmen. Trotz des im März 2025 eingeführten 25‑Prozent‑Sonderzolls nach dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) konnten USMCA‑konforme Produkte weiterhin zollfrei geliefert werden. Rund 82 Prozent der Exporte in die USA erfüllten 2025 die Abkommensregeln – entsprechend legten die mexikanischen Ausfuhren in die USA trotz Zollumfelds um 8,3 Prozent auf 545,4 Milliarden US$ zu.
Auch vom neuen globalen Zusatzzoll von 10 Prozent, den US‑Präsident Trump im Februar 2026 verhängte, sind USMCA‑Ursprungswaren ausgenommen. Dennoch gelten für Mexiko weiterhin die sektoralen Sonderzölle nach Sektion 232 des Trade Expansion Act, etwa auf Stahl, Aluminium, Kupfer sowie Kfz- und Teile. Selbst Fahrzeuge, die USMCA‑konform produziert werden, zahlen auf ihren Nicht‑US‑Anteil weiterhin einen 25‑Prozent‑Zusatzzoll.
USMCA könnte jährlich überprüft werden
Im Juli 2026 - sechs Jahre nach Inkrafttreten des Handelsabkommens USMCA (United States-Mexico-Canada Agreement) - ist vertraglich eine Überprüfung des Abkommens durch die drei Partnerländer vorgesehen. Es zeichnen sich drei mögliche Szenarien ab:
Jährlicher Überprüfungsmechanismus
Einigen sich die Länder nicht auf eine direkte Verlängerung des Handelsvertrages, bleibt er bestehen, wird jedoch jährlichen Überprüfungen unterzogen. Germany Trade & Invest (GTAI) hält dieses Szenario für sehr wahrscheinlich. Die USA könnten den Mechanismus nutzen, um politischen Druck auf Mexiko und Kanada auszuüben – etwa in Fragen des Drogenhandels oder der Energiepolitik. Bis spätestens 2036 müssen sich die drei Parteien auf eine 16-jährige Verlängerung des Handelsvertrages einigen, ansonsten läuft er in diesem Jahr aus.
Direkte Verlängerung um 16 Jahre – mit möglichen Anpassungen
Einigen sich die drei Partnerländer auf eine Verlängerung des USMCA‑Vertrages, gilt er automatisch bis zum Jahr 2042. Der Vertrag könnte jedoch angepasst werden, denkbar sind Zugeständnisse Mexikos und Kanadas auf Forderungen der USA. Nach sechs Jahren (2032) ist eine erneute Überprüfung vorgesehen. GTAI schätzt dieses Szenario als weniger wahrscheinlich ein, da politische Vorbehalte – insbesondere in den USA – gegen langfristige Bindungen bestehen.
Kündigung des Abkommens
Eine formale Auflösung des USMCA ist mit einer Frist von sechs Monaten rechtlich möglich. An dessen Stelle könnten bilaterale Abkommen treten. Trotzdem gilt dieses Szenario aktuell als unwahrscheinlich, da alle drei Mitgliedstaaten wirtschaftlich von dem Handelsvertrag profitieren.
Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur soll sich 2026 aufhellen
Die Ungewissheit über die zukünftigen Rahmenbedingungen im nordamerikanischen Handelsraum dämpfte zuletzt spürbar die Investitionstätigkeit der Unternehmen in Mexiko. Laut Statistikamt INEGI gingen die Investitionen in Maschinen und Anlagen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent zurück. Gleichzeitig sank die Wertschöpfung im Bergbau - belastet durch die Sonderzölle auf Kupfer - um 6,5 Prozent. Die verarbeitende Industrie verzeichnete 2025 ein Minus von 0,5 Prozent, verursacht unter anderem durch einen Rückgang der Automobilproduktion um 0,9 Prozent auf 4,0 Millionen Fahrzeuge.
In der Folge legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 nur um 0,8 Prozent zu, die schwächste Dynamik seit dem Pandemiejahr 2020. Der überraschend resistente Export (+7,4 Prozent) und Privatkonsum (+1,1 Prozent) halfen Mexiko, eine Rezession zu vermeiden. Der Konsum dürfte auch mittelfristig von einem steigenden Mindestlohn und einer wachsenden Mittelschicht profitieren.
Für 2026 erwarten von der Zentralbank Banxico befragte Analysten eine spürbare konjunkturelle Erholung. Voraussetzung ist allerdings, dass das USMCA-Abkommen ohne tiefergreifende Anpassungen fortgeführt wird. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika gibt Impulse. Zwischen 2027 und 2030 soll sich das Wirtschaftswachstum einer Rate von knapp 2 Prozent nähern.
Deutsche Perspektive: Außenhandel Deutschlands mit Mexiko rückläufig
Für Deutschland ist Mexiko der wichtigste Handelspartner in Lateinamerika. Die Lieferungen waren 2025 jedoch schon das zweite Jahr in Folge rückläufig (-7,5 Prozent gegenüber 2024). Aufgrund der nachlassenden Bruttoanlageinvestitionen fragte die mexikanische Wirtschaft weniger Maschinen und Anlagen aus Deutschland nach. Zudem führten die Probleme im Automobilsektor zu einem geringeren Import deutscher Kfz-Teile. Umgekehrt stiegen die deutschen Einfuhren aus Mexiko 2025 leicht (+2,6 Prozent).
Investitionen aus Deutschland halbieren sich 2025
Nachdem Deutschland 2024 drittwichtigstes Herkunftsland ausländischer Direktinvestitionen (FDI) nach Mexiko war, rutschte es Schätzungen zufolge2025 auf Platz 6 ab, hinter die USA, Spanien, Kanada, Niederlande und Japan. Zwischen Januar und September 2025 investierten deutsche Unternehmen 1,6 Milliarden US$ in Mexiko, weniger als die Hälfte des Vorjahreswertes (3,9 Milliarden US$), so Angaben des Wirtschaftsministeriums (Secretaría de Economía).
Zuletzt gaben nur wenige deutsche Unternehmen neue Investitionsprojekte in Mexiko bekannt. Die Automobilbauer Audi, BMW und Volkswagen führen zwar schon länger geplante Großprojekte zur Umrüstung ihrer bestehenden Werke auf Elektromobilität weiter. Auch Boehringer Ingelheim erweitert über mehrere Jahre hinweg für 200 Millionen US$ sein Werk in Mexiko-Stadt, wie der Pharmakonzern im August 2025 mitteilte.
Mercedes-Benz hingegen wird im Mai 2026 die Produktion in Mexiko einstellen: Das Gemeinschaftswerk mit dem japanischen Hersteller Nissan im Bundesstaat Aguascalientes steht zum Verkauf. Branchenkennern zufolge hatte das Joint Venture von Beginn an mit Herausforderungen zu kämpfen, die US-Zölle machten die Produktion der Oberklassewagen zuletzt unwirtschaftlich.
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