Wirtschaftsausblick | Mongolei
Mongoleis Wirtschaft wächst weiter
Ungeachtet politischer Spannungen expandiert die mongolische Wirtschaft. Die nachlassende Nachfrage nach Kohle aus China gilt als Risiko, künftig setzt das Land stärker auf Kupfer.
19.02.2026
Von Viktor Ebel | Ulan Bator
Top-Thema: Schatzkammer Mongolei will ihre Rohstoffe veredeln
Die Mongolei hat ein politisch turbulentes Jahr hinter sich. Erst trat Mitte 2025 der Premierminister aufgrund wochenlanger Proteste zurück. Im Herbst versuchte dann das Parlament erfolglos, seinen Nachfolger Gombojavyn Zandanshatar abzusetzen. Auslöser waren interne Machtkämpfe in der regierenden Mongolischen Volkspartei sowie Differenzen zur Höhe von Förderabgaben im Bergbau. Bis zu den nächsten Parlamentswahlen im Jahr 2028 dürfte die Lage angespannt bleiben.
Für die 14 von der Regierung forcierten Megaprojekte, die das Land wirtschaftlich voranbringen sollen, ist die politische Lage denkbar ungünstig. Dennoch hält die Regierung daran fest, Investoren für große Industrieprojekte zu finden und damit die Basis für ein langfristiges Wirtschaftswachstum zu legen. Auf den langjährigen Exportschlager Kohle ist kaum noch Verlass, da die Nachfrage im Hauptabnehmerland China schwächelt und sich aufgrund der dort fortschreitenden Energiewende wohl auch nicht mehr erholen wird.
Diese Entwicklung im Nachbarland eröffnet aber auch Chancen: Die Mongolei profitiert von Chinas Nachfrage nach Kupfer, das bislang noch überwiegend als Konzentrat exportiert wird. Eine Kupferschmelze für 700 Millionen US-Dollar (US$) nahe des Tagebaus Erdenet soll das ändern. Nach einer Ausschreibung im Januar 2026 will die Regierung noch im 1. Quartal 2026 den Investor bekannt geben. Eine weitere Produktion für Kathodenkupfer ist nahe Oyu Tolgoi, der größten Kupfermine der Mongolei, im Gespräch. Aktuell bereitet das Industrieministerium zudem einen Tender für das erste Stahlwerk des Landes vor, für das 806 Millionen US$ veranschlagt sind.
Wirtschaftsentwicklung: Kupferexporte treiben Wachstum
Die Kohleexporte nach China brachen 2025 wertmäßig um ein Drittel ein. Dennoch wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Mongolei 2025 real um vorläufig 6,8 Prozent, so das mongolische Statistikbüro. Den deutlichen Zuwachs ermöglichten vor allem die gestiegenen Ausfuhren von Gold und vor allem von Kupfer. Das Buntmetall legte beim Anteil an den Gesamtexporten laut Statistikbüro 2025 auf rund 37 Prozent zu und zog gleich mit Kohle.
Weitere Wachstumstreiber waren die Viehwirtschaft, das Baugewerbe und das verarbeitende Industrie. Die Economist Intelligence Unit (EIU) und die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) rechnen für 2026 und 2027 mit anhaltendem Wachstum von über 5 Prozent, vor allem aufgrund der guten Aussichten für Kupfer. Damit bleibt die Mongolei jedoch stark abhängig von volatilen Rohstoffpreisen und der Konjunktur in China.
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Investitionen: Bergbau ist wichtigster Anlagesektor
Die Bruttoanlageinvestitionen erzielten 2025 laut vorläufigen Angaben des Statistikbüros mit einem Plus von 9 Prozent erneut ein starkes Ergebnis. Das mit Abstand meiste Geld floss in den Bergbau. Entsprechend hoch fiel der Anteil von Maschinen und Ausrüstung an den Bruttoanlageinvestitionen aus. Dieser hatte sich allein zwischen 2020 und 2024 von 33 auf 70 Prozent erhöht.
In den Jahren 2026 und 2027 werden die Investitionszuwächse an Dynamik verlieren, da die öffentliche Hand ihre Ausgaben infolge der gesunkenen Kohleexporte kürzen muss. Erst mittelfristig könnten die geplanten Industrieprojekte sowie neue Minen, wie beispielsweise die mit Frankreich vereinbarte Erschließung eines Uranvorkommens ab 2028, den Investitionen wieder einen Schub verleihen.
Konsum: Inflation bewegt sich weiter über dem Zielkorridor
Jede vierte erwerbsfähige Person in der Mongolei ist im öffentlichen Dienst beschäftigt. Sparmaßnahmen lassen vorerst keine Lohnsteigerungen zu. Hinzu kommt die anhaltend hohe Inflation, die Ende Dezember 2025 mit 7,5 Prozent auf Jahresbasis die Zielmarke von 6 Prozent übertraf. Nachdem 2025 die regulierten Preise für Strom und öffentlichen Nahverkehr angehoben wurden, sollen 2026 Wärme und Wasser teurer werden.
Die internationalen Beobachter von ADB und EIU rechnen aber damit, dass sich die Preissteigerung in den nächsten zwei Jahren an die ab 2027 geltende Zielmarke der Zentralbank von 5 Prozent annähert. Das lässt dürfte auch ein moderates Wachstum des Privatverbrauchs von jährlich rund 5 bis 6 Prozent ermöglichen – vorausgesetzt, dass es keine Preissprünge bei größtenteils importierten Lebensmitteln und Kraftstoffen gibt.
Außenhandel: Exporte gehen überwiegend nach China
Die Ein- und Ausfuhren der Mongolei haben sich in den letzten fünf Jahren wertmäßig verdoppelt. Im Jahr 2025 hielten die Exporte das hohe Niveau des Vorjahres, da gestiegene Kupferlieferungen den Einbruch der Kohleexporte ausgleichen konnten. In den nächsten Jahren rechnen Beobachter aufgrund der hohen Nachfrage aus China nach Kupfer mit weiterem Wachstum. Dass sich die Mongolei hier abermals auf den südlichen Nachbarn als nahezu einzigen Absatzmarkt verlässt, birgt Risiken.
Das Reich der Mitte nimmt regelmäßig rund 90 Prozent der mongolischen Exporte ab. Bei den Importen ist die Mongolei neben China auch auf Russland angewiesen. Auf beide Länder entfallen rund zwei Drittel aller Einfuhren – allen voran Kraftstoffe, Fahrzeuge, Bergbautechnik und Lebensmittel. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Importe nach einem leichten Rückgang 2025 wieder steigen werden.
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Deutsche Perspektive: Marktchancen im Bereich Aus- und Weiterbildung
Die Mongolei steht vor vielen Herausforderungen. Die angekündigten Megaprojekte sollen nicht nur die Industrie, sondern auch die Energieversorgung diversifizieren. Für den Aufbau neuer Industrien und den Umgang mit erneuerbaren Energien bedarf es Fachkräfte, von denen es im Land noch nicht genug gibt.
Markterkundungsreise zum Thema Aus- und Weiterbildung in die Mongolei im April 2026
Vom 20. bis 24. April 2026 findet zum Schwerpunkt Aus- und Weiterbildung eine Markterkundung in die Mongolei statt. Die Reise ist Teil des Markterschließungsprogramms für KMU des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Dadurch rückt vor allem die Aus- und Weiterbildung in technischen Berufszweigen stärker in den Fokus staatlicher Reformen und internationaler Kooperationen. Besonders gefragt sind Lehrkräftequalifizierung, die professionelle Gestaltung von Lehr- und Lernprogrammen sowie Beratungsleistungen zur Implementierung praxisnaher Ausbildungsstrukturen.
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