Branchen | Österreich | Bauwirtschaft
Bauunternehmen bearbeiten vor allem europäische Auslandsmärkte
Österreichische Bauunternehmen setzen im Ausland vor allem Infrastrukturprojekte um, bauen aber auch Gebäude. Ergänzende Kompetenzen eröffnen deutschen Partnern Auftragschancen.
12.02.2026
Von Oliver Idem | Bonn
Durch die Präsenz der größten österreichischen Bauunternehmen im Ausland ist die Alpenrepublik international wahrnehmbar. Die vielseitigen Aktivitäten der führenden österreichischen Baukonzerne bieten immer wieder Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit mit deutschen Partnern.
Im Tiefbau treten österreichische Anbieter zum Beispiel bei Bahnstrecken, im Straßenbau und bei Energienetzen in Erscheinung. Im Hochbau ist die Projektvielfalt groß und umfasst beispielsweise Gewerbeimmobilien und Industrievorhaben. Besondere Stärken Österreichs liegen im Holzbau und allgemein bei nachhaltigen Baumaterialien sowie der Wiederverwendung von Baustoffen.
| Projekt | Baukonzern | Projektwert |
|---|---|---|
| HARP-Projekt zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung für 2,5 Millionen Menschen in Cumbria, Lancashire und Greater Manchester (Vereinigtes Königreich) | Strabag, mit Equitix und GLIL | knapp 3.500 |
| Erneuerung der Bahnstrecken Jasło - Nowy Zagórz und Rabka Zaryte - Fornale (Polen) | Porr | 532 |
| Modernisierung von zwei Bahnstrecken in Tschechien (Nezamyslice-Kojetín und Bahnknotenpunkt Česká Třebová) | Strabag | 360 |
| Bau einer zweiten Wärmepumpe für das Großkraftwerk Mannheim (Deutschland) | Strabag | 200 |
| Modernisierung der Bahnstrecke Kloštar - Čakovec inklusive Sanierung von acht Bahnhöfen (Kroatien) | Swietelsky | 189 |
| Design und Bau einer vierspurigen Schnellstraße bei Szczecin (Polen) | Porr | 150 |
| Zweite Bauphase des Windparks VIFOR (Rumänien), 42 Betonfundamente, Bau von Zugangsstraßen und Installation von elektrischen und Glasfaserkabeln | Porr | k.A. |
| Mischnutzungsgebäude Emonika in Ljubljana (Slowenien): Bau eines Büroturms, Einkaufszentrums, Hotels und einer Tiefgarage | Strabag | 134 |
Vor allem vier Bauunternehmen sind im Auslandsgeschäft aktiv
Bei von österreichischen Bauunternehmen erbrachten Leistungen im Ausland tauchen vier Namen immer wieder auf. Darunter ragen Strabag und Porr sowohl hinsichtlich der Zahl der Auslandsmärkte und Projekte als auch bezüglich der Höhe des Auslandsumsatzes heraus. Strabag war 2024 laut der Fachpublikation The Top 250 International Contractors von Engineering News Record (ENR) das fünftgrößte internationale Bauunternehmen der Welt, während Porr Rang 67 von 250 belegt.
Die Strabag arbeitete 2025 in rund 60 Ländern. Deutschland ist ihr wichtigster Markt in Europa, getrieben unter anderem von Investitionen in Stromleitungen. Darüber hinaus liegen die Akzente international häufig auf dem Industriebau sowie bei Wasser- und Bahnprojekten.
Der Aktionsradius von Porr umfasste 2025 zehn Länder, davon sieben in Europa. Projekte der Verkehrsinfrastruktur dominieren das Auftragsportfolio des Unternehmens.
Anders als Strabag und Porr erwirtschaften die Konkurrenten Swietelsky und Habau die Mehrheit ihrer Einnahmen auf dem Heimatmarkt Österreich. Dennoch spielt für diese Unternehmen das Auslandsgeschäft vor allem im europäischen Umland eine wesentliche Rolle.
Der Straßen- und Bahnbauspezialist Swietelsky hat stark international expandiert und ist in 21 Ländern im Hoch- und Tiefbau tätig. In den ausländischen Kernmärkten Deutschland, Tschechien und Ungarn ist das Unternehmen mit Niederlassungen präsent.
Auch die aus 13 Unternehmen bestehende Habau Group ist in Europa sehr aktiv. Niederlassungen befinden sich in Deutschland, Frankreich, Rumänien, Spanien, Tschechien und Ungarn. Das Angebotsspektrum im Hoch- und Tiefbau ist breit und umfasst beispielsweise Holz- und Untertagebau.
| Unternehmen | Bauleistung 2024 | davon Ausland |
|---|---|---|
| Strabag | 19.239 | 16.383 |
| Porr | 6.747 | 3.678 |
| Swietelsky* | 3.670 | 1.682 |
| Habau* | 2.022 | 771 |
Ähnliche Mentalitäten erleichtern deutsch-österreichische Kooperationen
Für deutsche Bauunternehmen, die bisher wenig international aktiv sind, kann die Kooperation mit österreichischen Baukonzernen ein Türöffner zum Weltmarkt sein. Das gilt insbesondere, wenn sich die Kompetenzen inhaltlich ergänzen oder bereits Vorhaben gemeinsam umgesetzt wurden. Kleinen spezialisierten Bauunternehmen, Ingenieurbüros und Unternehmen aus den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau aus Deutschland bieten sich so Chancen, gemeinsam auf Drittmärkten ins Geschäft zu kommen.
Zudem verfügen beide Länder über praxisorientierte Ausbildungssysteme im Bausektor. Auch mit Blick auf die Landessprachen und Mentalitäten bietet sich die Zusammenarbeit an.
Für die intensive Vernetzung zwischen beiden Ländern spricht, dass Strabag, Porr, Swietelsky und Habau in Deutschland mit Standorten vertreten sind. Dort arbeiten sie auch mit lokalen Partnern zusammen. Strabag setzt beispielsweise Teilabschnitte des Stromnetzes Südlink gemeinsam mit der deutschen Köster GmbH um.
Strabag hat 2025 zudem die Sandkamp Tiefbau GmbH aus Gronau in Deutschland erworben und damit die Kapazitäten im Rohrleitungsbau erweitert.
Auslandsprojekte versprechen mehr Dynamik als die Bautätigkeit in Österreich
Die wirtschaftlichen Aussichten in Österreich verbessern sich nach mehreren Rezessionsjahren langsam. Im Herbst 2025 prognostizierte die EU-Kommission für 2026 eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um real 0,9 Prozent. Die zuletzt rückläufigen Bauinvestitionen sollen 2026 wieder wachsen und um 1,4 Prozent zulegen.
Die Bautätigkeit in Österreich soll 2026 insgesamt leicht zunehmen, jedoch auf einem niedrigeren Niveau als in den Boomregionen des internationalen Baugeschäfts. Das Forschungsnetzwerk Euroconstruct sagte für 2026 in Österreich eine Bauleistung von 50,9 Milliarden Euro voraus. Die Erwartung für 2027 zeigt mit 51,4 Milliarden Euro einen leichten Aufwärtstrend.
International aufgestellte Unternehmen aus Österreich können von Projekten in stärker wachsenden Märkten profitieren. Die Aussichten dafür erscheinen in den kommenden Jahren sehr günstig. Das Beratungsunternehmen Deloitte erwartete in der Analyse Global Powers of Construction 2024 eine Zunahme der weltweiten Bauproduktion im Zeitraum 2025 bis 2030 um jahresdurchschnittlich 5,5 Prozent. Deloitte erwartet die höchste Zunahme im Segment der Infrastrukturprojekte - eine gute Nachricht für die großen österreichischen Bauunternehmen.