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Wirtschaftsausblick | Oman

Omans Wirtschaft setzt auf nachhaltige Energien

Der geplante Aufbau einer grünen Wasserstoffindustrie wird zukünftig wesentlich zum Wirtschaftswachstum beitragen. Vorerst bleibt das Sultanat aber vom Öl- und Gassektor abhängig.

Von Robert Espey | Dubai

Top-Thema: Grüne Wasserstoffprojekte machen Fortschritte

Oman will seine Wirtschaft diversifizieren und damit die weiter hohe Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor vermindern. Einen wesentlichen Beitrag soll der Aufbau einer grünen Wasserstoffindustrie leisten. Die Wasserstoffstrategie des Sultanats sieht vor, bis 2030 eine Produktionskapazität für grünen Wasserstoff von jährlich 1 Million bis 1,25 Millionen Tonnen zu erreichen. Für 2050 wird eine Jahresproduktion von 8 Millionen Tonnen angestrebt.

Acht Wasserstoffprojekte erhielten in zwei Ausschreibungsrunden mittlerweile Flächen für Wind- und Solarkraftwerke sowie für Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff und Ammoniak. Die geplante Gesamtkapazität dieser Projekte beträgt jährlich 1,3 Millionen Tonnen Wasserstoff.

Im April 2024 beendete die zuständige Hydrogen Oman (Hydrom) die zweite Ausschreibungsrunde mit Flächenzuteilungen in der südlichen Provinz Dhofar an die drei internationalen Konsortien SalalaH2, EDF / J Power / Yamnah und Actis / Fortescue. Das SalalaH2-Konsortium besteht aus Samsung C&T, Marubeni, der emiratischen Dutco Group und der omanischen Staatsholding OQ. Die Gesamtkapazität der drei Projekte beträgt 553.000 Tonnen jährlich.

Alle in Al Wusta und Dhofar geplanten Wasserstoffprojekte befinden sich noch in der Konzeptionsphase. Die abschließenden Investitionsentscheidungen dürften nicht vor 2026 fallen. Beispielsweise sehen die Planungen des SalalaH2-Konsortiums vor, dass 2027 mit dem Bau begonnen wird und die Fertigstellung 2030 erfolgt.

Wirtschaftsausblick: Weiterhin nur schwaches Wachstum

Die starke Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor wird 2024 das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erneut abbremsen. Fast ein Drittel des realen BIP entfiel 2023 auf Öl und Gas. Einem Rückgang im Ölsektor stand ein Zuwachs bei der Gasförderung gegenüber. Insgesamt expandierte der Öl- und Gassektor um 0,4 Prozent.

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Die OPEC+ Gruppe hatte Produktionsdrosselungen vereinbart, denen zufolge Oman 2023 seine Rohölförderung (ohne Kondensate) um 4 Prozent auf durchschnittlich 0,81 Millionen Barrel pro Tag senkte. Aktuell produziert Oman lediglich 0,76 Millionen Barrel pro Tag. Dieses Niveau wird mindestens bis Juni 2024 beibehalten. Gegenwärtig rechnen Beobachter im 2. Halbjahr nicht mit einer wesentlichen Produktionssteigerung.

Die geringere Rohölförderung kann Oman durch eine Ausweitung der Produktion von Kondensat (Leichtöl) teilweise kompensieren, das bei der Gasförderung anfällt. Das Leichtöl unterliegt keiner OPEC+ Quote.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet 2024 in Oman eine Schrumpfung des Öl- und Gassektors um 0,9 Prozent und ein mäßiges Plus in der Nichtölwirtschaft von 2,5 Prozent. Damit ergäbe sich ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 1,2 Prozent. Die Weltbank prognostiziert einen BIP-Anstieg um 1,5 Prozent. 

Investitionen: Starker Zuwachs bei Direktinvestitionen

Das Sultanat verzeichnet einen deutlichen Anstieg ausländischer Direktinvestitionen. Nach Berechnungen der Statistikbehörde hat sich der Investitionsbestand zwischen 2018 und 2023 mehr als verdoppelt. Allein 2023 erhöhte sich der Investitionsbestand um 11,6 Milliarden auf 65,1 Milliarden US$. Die Öl- und Gasförderung verbuchte eine Steigerung um 12,7 Milliarden auf 50,7 Milliarden US$. Rückgänge gab es in der verarbeitenden Industrie und bei Finanzdienstleistungen.

Der mit Abstand wichtigste Investor ist das Vereinigte Königreich mit einem Anteil am Bestand von 51 Prozent. Die USA kommen auf 17 Prozent, China auf 5 Prozent, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf 4 Prozent und Kuwait auf 3 Prozent.

Die geplanten grünen Wasserstoffprojekte werden vermutlich ab 2026 zu einem weiteren starken Anstieg der Direktinvestitionen in Oman führen. Bis 2030 könnten die Projekte Investitionen von insgesamt 30 Milliarden bis 40 Milliarden US$ erfordern.

Außenhandel: Exporte deutlich gesunken

Geringere Erlöse aus dem Ölexport ließen 2023 Omans Außenhandelsüberschuss um 26 Prozent auf 20,2 Milliarden US$ sinken. Die Ausfuhren von Rohöl und Ölerzeugnissen gingen 2023 um 17 Prozent auf 29 Milliarden US$ zurück. Der durchschnittliche Preis für omanisches Rohöl lag um 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Ölexportmenge schrumpfte um 2 Prozent. Experten erwarten derzeit für 2024 keine höheren Einnahmen aus den Ölexporten.

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Die omanischen Importe legten 2023 nur um 0,5 Prozent auf 38,7 Milliarden US$ zu. Der größte Lieferant waren die VAE mit einem Anteil von 26 Prozent (vor allem Reexporte über Dubai). Es folgten Saudi-Arabien, China, Indien und Katar.

Deutsche Perspektive: Öllieferungen aus Oman gehen wieder zurück

Destatis zufolge stieg der deutsche Warenverkehr mit Oman 2023 um 0,5 Milliarden auf mehr als 1,3 Milliarden Euro. Den starken Zuwachs verursachten Importe von Öl und Ölerzeugnissen im Wert von 434 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es weniger als 11 Millionen Euro. Im 1. Quartal 2024 wurden keine Ölimporte registriert.

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Die deutschen Lieferungen nach Oman erhöhten sich 2023 zwar um 4 Prozent auf 820 Millionen Euro, waren damit aber noch geringer als im Jahr vor Ausbruch der Coronapandemie. Im 1. Quartal 2024 schrumpften die deutschen Ausfuhren um 5 Prozent auf 185 Millionen Euro.

GTAI-Informationsangebote zu Oman

Weitere Informationen zu Oman bieten unter anderem unsere Reihen "Wirtschaftsstandort", "Wirtschaftsdaten kompakt" und "Branche kompakt". Ferner sind auf der GTAI-Länderseite zahlreiche Berichten zum Wirtschaftsumfeld, zu Branchen sowie Rechts- und Zollthemen zu finden.

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