Branchen | Pakistan | Maschinen- und Anlagenbau
China profitiert von Pakistans steigender Maschinennachfrage
Hohe Preise, lange Lieferzeiten und starke Konkurrenz: Deutsche Maschinenbauer müssen in Pakistan um Rang 2 bangen. Ein Kunde analysiert und hat einen Tipp.
06.02.2026
Von Ulrich Binkert | Bonn
Pakistans Maschinenmarkt hat zuletzt eine gute Konjunktur erlebt. Die Importe stiegen 2025 um ein Drittel auf 3,7 Milliarden US-Dollar (US$) - und Deutschland war zweitwichtigster Lieferant. Allerdings: Der Markt ist im Griff der Chinesen, und der Abstand Deutschlands zu China ist riesig. Der deutsche Marktanteil hat sich in den letzten drei Jahren auf gut 6 Prozent halbiert.
Kunde nennt deutsche Schwächen
Der für die Produktion zuständige Manager eines führenden pakistanischen Düngerherstellers hat einige Hinweise darauf, warum dies so ist. Er nimmt deutsche Maschinen bei Neubeschaffungen in der Regel nur dann in den Blick, wenn Alternativen fehlen. Dies allerdings komme immer seltener vor, sagt der Manager, der zuvor in der Kunststoffproduktion und im Geschäft mit Gas- und Chemikalienterminals tätig war. Inzwischen gebe es für viele spezielle Lösungen günstigere Anbieter, auch aus Ländern wie Tschechien.
Chinesische Maschinenbauer hätten in den letzten Jahren generell technisch stark aufgeholt. Sie bestimmten heute unter anderem das Bild in Pakistans Pharmaindustrie. In diese Branche hat der Produktionsexperte, der nicht namentlich genannt werden möchte, über einen nahen Verwandten Einblick. Noch zu Beginn des Jahrtausends habe etwa der US-Pharmaunternehmen Abbott in seinen pakistanischen Werken Maschinen hauptsächlich aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich betrieben. Pakistans größter Pharmahersteller Getz immerhin nutzt vorwiegend deutsche Maschinen, so andere, allerdings unbestätigte Marktinformationen.
Als größte Herausforderung der deutschen Maschinenbauer nennt der Manager des Düngemittelproduktionsbetriebs nicht etwa hohe Preise, sondern die "Lead Time" - also die Zeitspanne zwischen Auftragserteilung und endgültiger Lieferung. Er würde manchem Lieferanten nur dafür 10 bis 20 Prozent mehr als der Konkurrenz zahlen, damit er schneller liefert und antwortet. Doch die Chinesen seien ohnehin schneller. Bei ihnen sei jedenfalls kaum mit den zwei Jahren zu rechnen, die ein deutscher Hersteller von der Bestellung bis zur Lieferung eines wichtigen Kompressors brauchte.
Lange Wartezeiten als Hauptproblem
Auf diesen Kompressor wartet der Düngerproduzent mittlerweile schon wieder seit zehn Monaten. So lange fehlt das gute Teil schon seit dem Versand nach Deutschland zwecks Überholung; Zeitpunkt der Rückkehr: unklar. In Dubai habe ein Partner einen vergleichbaren Job immerhin in acht Monaten erledigt.
Auch die hohen Einstandskosten sprächen gegen deutsche Technik. Der genannte Manager nennt aus seiner Zeit in der Kunststoffindustrie Ofenrohre aus Rheinland-Pfalz. Die seien sehr gut, aber eben leider zu teuer gewesen und später durch Ware aus Spanien ersetzt worden. Niedrigere Stromkosten, ein öfter gehörtes Argument für deutsche Maschinen, sieht der Mann ebenfalls nicht als wesentlichen Vorteil für "made in Germany".
Besonders langlebig seien deutsche Maschinen schon, bestätigt der Manager, und auch sehr zuverlässig. Nur: Auch da hätten die Chinesen kräftig aufgeholt. Bei einem ihm gut bekannten Hersteller von Kunststoffvorprodukten liefen dieselben chinesischen Anlagen ohne besondere Probleme seit 18 Jahren. Der Manager würde jedenfalls nicht die häufig vertretene These unterschreiben, auf längere Sicht würden sich deutsche Maschinen schon rechnen.
Siemens Energy finanziert flexibel
Flexibilität gilt gemeinhin nicht als Stärke deutscher Anbieter. Der Vertreter des Düngerherstellers bringt hierzu ein positives Beispiel, das er deutschen Anbietern sehr zur Nachahmung empfiehlt: Siemens Energy habe sich eine Turbine zum Teil durch künftige Einnahmen aus dem damit erzeugten Strom bezahlen lassen: Die Akzeptanz von Profit Sharing als Unterstützung für die Finanzierung - genau so etwas brauche es in einem oft klammen Markt wie Pakistan.
Damit deutsche Maschinenbauer trotz alledem Erfolg in Pakistan haben, müssen sie ihre potenziellen Kunden viel stärker von ihrem Angebot überzeugen, sagt der Manager noch. Die deutschen Maschinen seien marketingmäßig viel zu wenig präsent. Eine Änderung erfordere aber mehr Anstrengungen um den Markt und letztlich also auch höhere Ausgaben für den Vertrieb.
In einzelnen Marktsegmenten des Maschinenbaus ist Deutschland noch sehr gut im Land vertreten. Dies zeigt ein weiterer Blick in die Importdaten der Zentralbank (State Bank of Pakistan), die übrigens die Zahlungen durch Banken für Importe inklusive Frachtkosten (CIF) darstellen. Neben Abfüllanlagen für die Getränkeindustrie, wo made in Germany weltweit sehr gut aufgestellt ist, gilt dies auch für kunststoffverarbeitende Maschinen. Sie kamen in den letzten drei Jahren wertmäßig zu 26 Prozent aus Deutschland.
Deutsche Maschinenbauer glänzen in Einzelsegmenten
In der Kunststoffverarbeitung suchen Kunden Qualität, Langlebigkeit und niedrigen Stromverbrauch gerne noch bei deutschen Anbietern. Dies sagt im Interview Omer Nawaz, ein Vertreter deutscher und europäischer Technik in Pakistans zweitgrößter Stadt Lahore. Überdurchschnittlich gut vertreten sind deutsche Hersteller auch bei Textilmaschinen.
Im Detail importierte Pakistan 2025 wertmäßig 55 Prozent aller Maschinen aus China. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 39 Prozent. "Maschinen" sind dabei definiert als Waren des Kapitels 84 in der internationalen Zoll-Nomenklatur (HS 84). Bei Elektrotechnik, wovon Pakistan mit 5,3 Milliarden US$ fast die Hälfte mehr als von Maschinen importierte, lieferten die Chinesen sogar 78 Prozent. Deutschland kam hier gerade mal auf einen Anteil von 0,7 Prozent. Zu dieser Warengruppe (HS 85) gehören unter anderem Elektromotoren, Transformatoren oder Küchenmaschinen und einige andere Technik, die als Maschinen aufgefasst werden könnte.
Im Importgeschäft 2025 waren die Zuwachsraten mit jeweils rund 60 bis 80 Prozent besonders hoch bei jenen Maschinen, die auch die wichtigsten Importpositionen darstellen. Diese waren 2023 bis 2025, nach abnehmender Importgröße in dieser Zeit, Pumpen und Kompressoren, Datenverarbeitungsmaschinen und bestimmte Spezialmaschinen.