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Fabriken und Rechenzentren treiben US-Nachfrage nach Klimatechnik
Insgesamt mag der Markt für Klimatechnik zwar schwächeln. Doch im für deutsche Anbieter interessanten Hochtechnologiebereich ergeben sich neue Absatzchancen.
23.02.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Der amerikanische Markt für Wärme-, Kälte- und Lüftungstechnik hat zwar in der Gesamtbetrachtung den Rückwärtsgang eingelegt. Doch in einigen Nachfragebereichen fallen die Absatzaussichten hervorragend aus. Die US-Tech-Konzerne pumpen jährlich rund 300 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur. Laut dem FMI North American Construction and Engineering Outlook soll sich der Bau von Rechenzentren zwischen 2025 und 2029 verdoppeln.
Datencenter produzieren enorm viel Hitze und benötigen eine effiziente Kühlung. Der entsprechende Bedarf an Klimatechnik soll von 2023 bis 2030 von 6,7 Milliarden auf 16,6 Milliarden US$ steigen, prognostiziert IBIS World. Technologisch sind hier in den nächsten Jahren noch einige Innovationen zu erwarten. Vor allem energiesparende Lösungen sind gefragt, denn der Strombedarf der Rechenzentren steigt rasant. Der japanische Hersteller Daikin reagiert bereits auf diesen Trend und investiert 163 Millionen US$ in ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Kühltechnologien der nächsten Generation.
Pharma- und Chipbranche als wichtige Abnehmer
Auch im verarbeitenden Gewerbe stehen die Zeichen in einigen Sparten auf Expansion. Im Pharmabereich wurden Vorhaben zum Bau von Fabriken im Umfang von 600 Milliarden US$ angekündigt. Im Zuge einer Handelseinigung zwischen den USA und Taiwan haben Halbleiterhersteller von der Insel Investitionen von 250 Milliarden US$ zugesagt. In beiden Branchen braucht es sehr hohe Standards bei Sicherheit und Luftqualität. Bei der Chipfertigung etwa ist Reinlufttechnik erforderlich.
Doch die Investitionen der drei Branchen können die allgemeine Marktschwäche nicht vollständig kompensieren. Laut dem Air-Conditioning, Heating, and Refrigeration Institute sank der Umsatz (einschließlich Exporte) von in den USA hergestellten Branchengeräten 2025 um 7,8 Prozent auf insgesamt 20,6 Millionen Stück. In diesen Zahlen sind Luftreiniger oder Luftbefeuchter nicht enthalten.
Gesamtmarkt soll erst 2027 wieder wachsen
Der wertmäßige Umsatz an Klimatechnik sank 2025 um nominal 2,2 Prozent auf 62,9 Milliarden US$, berichtet IBIS World in seiner im Februar 2026 veröffentlichten Studie "Heating & Air Conditioning Equipment Manufacturing in the US". Unter Berücksichtigung der allgemeinen Inflation kam dies einem realen Rückgang von 4,9 Prozent gleich. Für 2026 gehen die Analysten nur noch von einem Minus von nominal 0,5 Prozent aus. Für 2027 erwarten sie eine Zunahme von 1,9 Prozent. Doch selbst dann dürfte dies real gerechnet einem Nullwachstum entsprechen.
Schwächelnder Hochbau drückt auf die Nachfrage
Die Rezession im Hochbau ist hauptverantwortlich für die Marktschwäche. So sanken die erbrachten Bauleistungen in den ersten zehn Monaten 2025 um nominal 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtet das nationale Statistikamt. Für 2026 zeichnet sich eine leichte Erholung ab. Der FMI North American Construction and Engineering Outlook sagt ein Plus von 0,2 Prozent voraus.
Die Vereinigten Staaten importieren einen Großteil ihres Bedarfs an Klimatechnik. Die Hersteller haben bereits vor Jahren große Teile ihrer Fertigung – insbesondere arbeitsintensive Schritte – in Länder mit niedrigen Löhnen verlagert. Eine der größten Zielregionen für die Direktinvestitionen war Mexiko. Rund 38 Prozent der US-Brancheneinfuhren stammten 2025 hochgerechnet aus dem Nachbarland. Bei Klimageräten betrug die Quote sogar rund die Hälfte.
Einfuhren erreichten 2025 Rekordwert
Insgesamt beliefen sich die Einfuhren von Klima-, Lüftungs- und Wärmetechnik 2025 laut Hochrechnungen auf Basis der ersten elf Monate auf über 34 Milliarden US$, berichtet die U.S. International Trade Commission. Das entspricht einem Anstieg von fast 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – trotz allgemeiner Marktschwäche. Dieser Zuwachs dürfte auf einen Sondereffekt zurückzuführen sein: Viele Händler haben vor Inkrafttreten der Zölle zusätzlich und auf Vorrat bestellt.
Von dieser Sonderkonjunktur konnten allerdings nur die Hersteller von Standardgeräten profitieren. Deutschland fertigt hingegen auf spezielle Kundenanforderungen angepasste Produkte und Hochtechnologie, deren Lieferung sich schlecht vorziehen lässt. Entsprechend gingen die deutschen Branchenexporte in die USA 2025 um fast 19 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden US$ zurück. Doch infolge der massiven Investitionen in Rechenzentren sowie Pharma- und Chipfabriken dürfte sich das Geschäft für deutsche Anbieter in den kommenden Jahren erholen.
Große Anbieter dominieren das Geschäft
Insgesamt gab es Anfang 2026 laut IBIS World in den Vereinigten Staaten rund 1.400 Hersteller von Klimatechnik, die mehr als 150.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Branche weist einen hohen Konzentrierungsgrad auf: Die vier größten Anbieter kommen auf einem Marktanteil von rund 50 Prozent. Die führenden ausländischen Unternehmen in den USA sind Bosch Thermotechnik, Danfoss, Daikin, Gree und Yazaki. Carrier hatte Anfang 2024 die Übernahme der Climate-Solutions-Sparte der deutschen Viessmann Group abgeschlossen. Durch diese Akquisition will die US-Firma zum Technologieführer bei Wärmepumpen aufsteigen.
Trendsetter: elektrische Wärmepumpen
Der Nachholbedarf ist groß: Laut der nationalen Energiebehörde nutzten 2024 in den wärmeren Regionen – an den Küsten sowie im Süden und Südwesten – erst 15 bis 20 Prozent der Haushalte Luftwärmepumpen. Im kälteren Norden und im Mittleren Westen lag die Quote sogar nur bei 3 Prozent. Generell gibt es einen Trend weg von gasbetriebenen hin zu elektrischen Geräten. Kalifornien verfolgt das Ziel, dass bis 2030 zusätzlich rund 6 Millionen elektrische Pumpen installiert werden. Erdwärmepumpen sind in den USA nahezu unbekannt.
| Kennzahl | 2026 | 2032 |
|---|---|---|
| Anzahl Unternehmen | 1.405 | 1.458 |
| Angestellte (in 1.000) | 150,9 | 161,1 |
| Angestellte pro Betrieb | 107,4 | 110,5 |
| Umsatz (in Milliarden US$) | 62,5 | 66,8 |
| Gewinn (in Milliarden US$) | 4,9 | k. A. |
| Gewinnmarge (in Prozent) | 7,8 | k. A. |