Wirtschaftsausblick | Pakistan
Pakistan hofft auf bessere Konjunktur und senkt Importzölle
Lob vom IWF und bessere Makrodaten: Pakistans Wirtschaft trotzt dem Energiepreisschock, Auslandsinvestoren bleiben aber vorsichtig. Deutschland kauft Bekleidung – aber sonst?
23.04.2026
Von Ulrich Binkert | Bonn
Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur belebt sich etwas
Fehlende Wettbewerbsfähigkeit, eine schmale Steuerbasis und eine Wirtschaftsleistung pro Kopf, die noch hinter der von Guinea oder Kamerun liegt: Pakistan mag durch die Vermittlerrolle im Iran-Krieg aktuell Rückenwind verspüren, der Reformbedarf bleibt aber groß. Angesichts schwacher Institutionen und einer dominanten Rolle des Militärs hat die Regierung dabei nur begrenzten Handlungsspielraum.
Dabei läuft die Konjunktur recht gut. Pakistans Wirtschaft dürfte 2026 um 3 Prozent zulegen und danach noch etwas schneller. Der Krieg im benachbarten Iran wird dies laut Regierung kaum dämpfen. Auch Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) haben ihre Prognosen vom Jahresanfang weitestgehend beibehalten. Das Geschäftsklima ist so gut wie seit über zehn Jahren nicht mehr, so jedenfalls der im letzten November erhobene Business Climate Index der Auslandsinvestoren-Kammer (Overseas Investors Chamber of Commerce and Industry, OICCI). "Die Firmen legen jetzt los", heißt es bei der OICCI, die mit ihrem Index nach eigenen Angaben vier Fünftel der pakistanischen Wirtschaftsleistung abdeckt.
Internationale Ratingagenturen haben Pakistan seit Mitte 2025 heraufgestuft. Fitch bestätigte seine Benotung Mitte April 2026 und verweist auf gestiegene Devisenreserven sowie eine leicht sinkende Schuldenquote der Regierung (knapp 70 Prozent des BIP). Der IWF lobte Ende März 2026 die Wirtschaftspolitik und stellte weiteres Geld in Aussicht. Die Leistungsbilanz ist nach einem geringen Überschuss im vergangenen Fiskaljahr wieder leicht im Minus. Die wichtigen Überweisungen der Auslandspakistaner in den Golfstaaten fließen nach aktuellen Daten unvermindert, hängen aber vom Fortgang des Krieges ab.
Nahostkrieg heizt Inflation bisher kaum an
Die Inflation dürfte sich 2026 bei 7 Prozent bewegen, 2023 waren es noch über 30 Prozent. Die Leitzinsen halbierten sich auf 10,5 Prozent. Im März erhöhte die Regierung den Spritpreis zwar deutlich, auch Weizenmehl war im März 2026 um 27 Prozent teurer als im Jahr zuvor. Nach guten Nachrichten aus der Landwirtschaft sanken andere Nahrungsmittelpreise aber.
Konsumenten und Investoren profitieren von gesunkenen Zinsen. Die Bruttoanlageinvestitionen, die im letzten Fiskaljahr (bis 30. Juni 2025) um real 13 Prozent zugelegt hatten, steigen den Erwartungen zufolge vorerst knapp halb so schnell weiter. Der erfolgte Teilverkauf der staatlichen Fluglinie könnte weitere Privatisierungen anschieben. Der private Konsum hatte real nur um gut 2 Prozent zugelegt; hier erwarten Beobachter eine leichte Beschleunigung.
Trotzdem scheinen ausländische Investoren wenig Vertrauen in Pakistan zu haben. Nachdem die Direktinvestitionen (FDI) in den Fiskaljahren 2024 und 2025 jeweils etwa 2,4 Milliarden US-Dollar (US$) erreicht hatten, lag der Zufluss in den ersten acht Monaten der laufenden Periode um ein Drittel unter dem Vorjahreswert.
Pakistans Wirtschaft ist angewiesen auf importierte Vorprodukte – und im Export abhängig von Bekleidung und Textilien, die im letzten Fiskaljahr 56 Prozent der Erlöse brachten. Die Exportschwäche äußert sich auch in der hohen Schuldendienstquote von 44 Prozent (2025). Das ist deutlich mehr als etwa in Bangladesch und Nepal (8 und 11 Prozent).
Solarboom bremst Energiekosten
Der Ausbau der Solarenergie nimmt Druck bei den Energieimporten, für die Pakistan im letzten Fiskaljahr 30 Prozent seiner Importrechnung aufwendete. In den ersten vier Monaten 2025 stammte ein Viertel des Kraftwerkstroms aus Solarmodulen, meldete Reuters mit Bezug auf Daten des Beraters Ember. 2024 waren es nach Daten der Agentur Irena erst 0,7 Prozent.
Top-Thema: Importzölle sinken
Mit einer Verbilligung der Importe will die Regierung die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen. Die "New Tariff Policy 2025-2030" soll den Importzoll von über 20 Prozent auf knapp 10 Prozent senken. Dies wäre laut Weltbank mit der niedrigste Wert in der Region. Gänzlich wegfallen sollen die "Regulatory Duties" (RD) und "Additional Customs Duties" (ACD). Solche Zusatzabgaben machen Pakistans Zollregime sehr unübersichtlich.
Die im Juli 2025 in Kraft getretene erste Reformstufe hat die Zollbelastung um rund 20 Prozent gesenkt. Dies sagt Ahmad Manzoor, der die Reform als unabhängiger Regierungsberater vorantreibt und für die zweite Stufe ab Juli 2026 eine etwas niedrigere Absenkung voraussagt. Aktuell kämen um die 40 Prozent aller pakistanischen Importe abgabenfrei ins Land. Die bisherigen Tarifsenkungen betreffen zur Hälfte der Positionen Rohstoffe und Vorprodukte. Laut Manzoor fiel zum Beispiel aber auch die RD auf große Kfz von 90 auf 50 Prozent – womit deren Gesamtbelastung nun um die 200 Prozent nach zuvor eher 300 Prozent betrage.
Der Berater sieht angesichts der relativ positiven Makro-Daten ein "gutes Zeitfenster" für die Durchsetzung der Reform. Wie ernst es die Regierung mit den niedrigeren Zöllen tatsächlich meint, zeigt sich nach Ansicht von Beobachtern aber erst bei Verabschiedung des Staatshaushalts für das nächste Fiskaljahr. Dies wird für Mitte Mai erwartet. Im Budget müsste eine Gegenfinanzierung der Zollsenkungen zu erkennen sein.
Berater Manzoor verweist indes darauf, dass der Staat in den ersten acht Monaten seit Inkrafttreten der Reform, entgegen den Erwartungen, 7 Prozent mehr mit Zöllen sowie ACD und RD einnahm. Grund sei ein Anstieg der Importe, aber auch eine bessere Erfassung. Außerdem konstatierte die Steuerbehörde FBR für die ersten sechs Monate der Zollsenkung um 20 Prozent gestiegene Einnahmen aus der sogenannten Import Income Tax.
Abzuwarten bleibt die Reaktion von Interessengruppen. So berichten Beobachter von "großem Ärger" beim japanischen Kfz-Hersteller Toyota, der seine Land Cruiser bisher hinter hohen Zollmauern montiert. Zu hören ist auch von einem Stahlhersteller, der gegen die nächste Stufe der Reform opponieren wolle.
Deutsche Perspektive: Chancen bleiben liegen
Deutsche Firmen nutzen bisher nur wenige der Marktchancen in Pakistan, wo bald ein Fünftel so viele Menschen leben wie in China. Sie bestehen etwa im IT-Sektor, bei Konsumgütern, Medikamenten und Pumpen oder im Bergbau. Die deutschen Importe sind gestiegen und bestanden 2025 zu 78 Prozent aus Bekleidung und Textilien. Die Exporte sinken tendenziell. 24 Prozent davon waren 2025 Maschinen, mit hohen deutschen Marktanteilen etwa bei Kunststoffverarbeitern oder in der Textilindustrie.
Zuletzt hat Deutschland auch Investitionen abgezogen. Von Juli 2024 bis Februar 2026 summierte sich der negative Saldo laut Zentralbank auf rund 40 Millionen US$. In den beiden Fiskaljahren davor waren noch insgesamt 64 Millionen US$ zugeflossen. Wer in Pakistan ist, zeigt sich aber recht positiv. Laut AHK World Business Outlook Herbst 2025 bezeichnete jeweils gut die Hälfte der befragten Firmen Geschäftsaussichten als gut, fast alle anderen waren "zufrieden" waren. Jüngere Daten deuten indes auf eine etwas negativere Einschätzung hin.