Branchen | Pakistan | Telekommunikation und Konnektivität
Nach 5G-Vergabe investiert Pakistan in Telekommunikation
Nach der Zuteilung von 5G-Frequenzen haben pakistanische Telekomfirmen Investitionen angekündigt. Die Regierung plant eine Glasfaser-Offensive.
05.05.2026
Von Ulrich Binkert
Am 10. April 2026 vergab Pakistan erstmals Mobilfunkfrequenzen der fünften Generation (5G). Die Regierung teilte den Großteil der angebotenen Frequenzen zu (480 von 507 Megahertz, MHz) und nahm 507 Millionen US-Dollar (US$) ein. Gewinner sind die drei aktiven Mobilfunkanbieter Jazz (190 MHz), Zong (180 MHz) und Ufone (110 MHz).
Bei den nun anstehenden Investitionen sieht ein ehemaliger Siemens-Manager gute Lieferchancen für deutsche Firmen, trotz der starken Präsenz chinesischer Anbieter. "Die Mobilfunkfirmen werden vorerst aber hauptsächlich ihre - dringend zu verbessernden - 4G-Dienste ausbauen", sagt Parvez Iftikhar im Interview mit Germany Trade & Invest.
Mobilfunkfirmen kündigen Investitionen an
Marktführer Jazz kündigte Ende März Investitionen von 1 Milliarde US$ über drei Jahre an. Die Tochter der ehemals russischen Firma Veon in Dubai will 5G einführen, Netze ausbauen und die "digitale Infrastruktur stärken". Bei der Finanzierung helfen die 560 Millionen US$, die Jazz laut Presse 2025 durch den Verkauf seiner eigenen 10.500 Mobilfunkmasten an den pakistanischen Engro-Konzern einnahm.
Zong will laut Presseberichten bis Ende 2026 über 1.000 5G-Stationen errichten und verbessern. Die Pakistan-Tochter von China Mobile betreibt aktuell eigenen Angaben zufolge rund 150 5G-Anlagen. Nach dem Beginn der kommerziellen 5G-Dienste im Land am 19. März sei die Firma mit einem Start in 16 Städten der Konkurrenz voraus gewesen. Nach den Daten des Regulierers war Ende März auch Jazz mit 5G aktiv, Ufone noch nicht.
Fragezeichen setzen Beobachter hinter den Umfang der künftigen Investitionen von Ufone. Bei der Mobilfunktochter der überwiegend staatlichen Pakistan Telecommunication Company (PTCL) könnte ein alter geschäftlicher Disput mit dem Minderheitseigner Etisalat (VAE, Anteil 26 Prozent) als Hemmnis wirken, sagt Berater Iftikhar. Aktuell ist Ufone auch mit der Integration der 2025 gekauften norwegischen Telenor Pakistan beschäftigt. Die Firma erwartet daraus aber auch Synergieeffekte. So liegen etliche der zusammen 26.000 Mobilfunkmasten beider Unternehmensteile nahe beieinander.
Pakistans Netze mit Investitionsbedarf
Die Datenübertragung ist nach dem Ookla Speed Test Index vom März 2026 im internationalen Vergleich sehr langsam. Im Mobilfunk lag Pakistan mit einer Downloadgeschwindigkeit von 26 Mbps auf Rang 100 unter 105 Staaten, im Festnetz (18 Mbps) auf 143 von 153. Nach den Bestimmungen der Pakistan Telecommunication Authority müssen die 5G-Lizenznehmer in ihren Mobilnetzen bis 2028 mindestens 20 Mbps (4G) beziehungsweise 50 Mbps (5G) erreichen.
Nach den Bestimmungen der Pakistan Telecommunication Authority (PTA) vom Jahresanfang muss jeder Lizenznehmer bis 2035, beginnend in den Provinzhauptstädten, jährlich mindestens 1.000 Telekommasten mit "fortgeschrittener Technik" (mindestens 4G oder 5G) ausstatten. Bis 2028 müssen demnach 20 Prozent der Masten mit Glasfaser verbunden sein und 35 Prozent bis 2035.
Anbieter konzentrieren sich auf Datendienste
Angesichts äußerst niedriger Einnahmen aus Sprachdiensten konzentriert sich die Branche auf den Ausbau von – lukrativeren – Datendiensten. Dies gelte für alle Anbieter, heißt es bei Marktführer Jazz. Dafür entstehen auch neue Rechenzentren. Ein Grund dafür ist auch die noch mangelhafte internationale Anbindung Pakistans über Kabel. Etliche Daten müssen also im Land verarbeitet werden.
Sprachdienste bringen wenig Umsatz
In Pakistan betrug der monatliche Umsatz pro Mobilfunkkunde (ARPU) im Fiskaljahr 2024/25 laut Pakistan Telecommunication Authority 1,10 US-Dollar (US$) - nachdem es fünf Jahre zuvor, wechselkursbedingt, immerhin noch 1,70 US$ gewesen waren. In Nigeria erreichte der ARPU je nach Anbieter 2 bis 3 US$ und beim internationalen Spitzenreiter Israel um die 50 US$. Zudem sind Handys in Pakistan relativ wenig verbreitet: 2024 waren dort 77 Nutzer pro 100 Einwohner registriert, weniger als in Nepal (100) oder Bangladesch (108).
Der Ausbau der Telekominfrastruktur erfolgte laut Parvez Iftikhar bisher ausschließlich durch private Akteure. Selbst PTCL erhalte keine Finanzmittel aus dem Staatshaushalt, nachdem bei der "strategischen Privatisierung" der Staatsfirma die Geschäftsführung an Etisalat gegangen sei. Eine Ausnahme ist der staatliche Universal Service Fund, der Mittel für die ländliche Infrastruktur bereitstellt.
Weltbank und Asian Development Bank unterstützen Pakistans Telekomsektor bei Regulierung und Verwaltung. Die Geber haben laut Iftikhar bisher aber nicht in den Ausbau der Infrastruktur investiert.
Regierungsplan soll Glasfaserausbau fördern
Das Ministry of Information Technology & Telecommunication (MoITT) kündigte daneben Ende 2025 einen National Fiberization Policy and Operational Plan an. Darin ist nach Presseberichten die Glasfaser-Anbindung von sogar 80 Prozent aller Mobilfunkmasten angestrebt. Aktuell sind es um die 17 Prozent, schätzt Parvez Iftikhar, der einen "schnellen Ausbau in den nächsten Monaten" erwartet. Das MoITT will laut Presse bis 2029 zudem knapp 10 Millionen Haushalte an das Glasfasernetz angebunden sehen und eine Breitband-Geschwindigkeit von mindestens 100 Mbps (Megabit pro Sekunde) garantieren.
Allerdings liegt der Plan noch gar nicht vor. Das Ministerium hat erst für dessen Ausarbeitung die Beauftragung eines Consultants angekündigt. Berater Iftikhar erwartet, dass der Plan Strategien und Zielgrößen nennen wird – "wann immer er in Kraft tritt".
Sunwalk Optical Fiber Network will nach Meldungen von 2024 für 2 Milliarden US$ eine Glasfaserverbindung von Karachi nach Peshawar bauen. Berater Iftikhar hält zwar diese Summe für "übertrieben", Sunwalk habe jedoch nach eigenen Angaben schon an die 3.000 Kilometer Glasfaser verlegt. Ende 2025 vermeldete das Unternehmen, das als private chinesische Firma gilt und für die sich keine Webseite findet, auf LinkedIn ein "Landmark Agreement" über den Bau von 1.500 Kilometer Glasfaser.
Stark in der Branche engagiert ist Pakistans langjähriger Verbündeter China. So soll das bestehende Pakistan–China Optical Fibre Cable von der Nordgrenze Pakistans nach Rawalpindi bis ans Meer (Gwadar) verlängert werden. Chinesische Firmen beteiligen sich auch an diversen Seekabel-Projekten mit Einbindung Pakistan wie dem Peace Submarine Cable.
Energiepreise verteuern Nutzung von Mobilfunkmasten
Beim Betrieb der Mobilfunkmasten ist die Stromversorgung am aufwändigsten, heißt es beim Infrastrukturbetreiber Engro. Etwa 70 Prozent der eigenen Masten hätten wegen des unzuverlässigen Netzstroms eigene dieselbetriebene Generatoren und Batterien. Manchmal sind Solarpaneele installiert. Die durch den Irankrieg gestiegenen Kraftstoffpreise treiben die Kosten der Branche, die schon lange über eine hohe Besteuerung klagt.
Gebührensenkung soll Investoren helfen
Als Finanzierungsanschub für den Ausbau von Leitungsinfrastruktur eliminierte die Regierung im August 2025 die "Right of Way" (RoW)-Gebühren. Zuvor hatten Straßen- und Bahnbehörden für die Verlegung von Glasfaser auf öffentlichem Grund umgerechnet rund 130 US$ pro Kilometer verlangt. Die Abschaffung gilt für die Bundesebene und zentrale Behörden; für Provinzen und Kommunen ist eine Harmonisierung geplant. Ein neues Single-Window-Portal soll zudem die Wartezeit auf RoW-Genehmigungen von bisher bis zu 100 Tagen verkürzen. Als Incentive verweist die Regierung auch auf das Telecom Infrastructure Sharing Framework von 2023, unter dem Firmen gegenseitig Anlagen nutzen können.
| Organisation/Initiative | Anmerkungen |
|---|---|
| Weltbank: Digital Economy Enhancement Project | Wurde 2024 mit 78 Mio. US$ aufgelegt; unterstützt u.a. National Fiberization Plan; bis April 2026 wurden kaum Mittel abgerufen |
| Asian Development Bank | Aktives Pakistan-Portfolio (10,3 Mrd. US$) unterstützt u.a. digitale Transformation mit dem Programm “Pakistan’s Transformative Digital Future: Growth Strategy and Roadmap.”, mit aktuellem Branchenreport |
| China–Pakistan Economic Corridor (CPEC) 2.0 | Joint Action Plan (2025–2029): Ausbau u.a. von 5G, Rechenzentren und Glasfasernetzen; Stand März 2026: Vision für "Innovation Corridors" |
| Gestartet im Dezember 2025: Glasfaserausbau und Breitbandverbindungen auf dem Land für rund 50 Mio. US$ beschlossen |