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US-Markt für Mess- und Regeltechnik dreht auf
Mit Ausnahme des Kfz-Sektors befinden sich alle wichtigen Nachfragebranchen im Aufwind. Davon könnten auch deutsche Anbieter profitieren.
19.05.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Mess-, Prüf- und Regeltechnik in den USA kann auf absehbare Sicht mit einem spürbaren Marktwachstum rechnen. In wichtigen Abnehmerbranchen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Elektronikindustrie, der Verteidigungswirtschaft, der Raumfahrt, dem Öl- und Gassektor sowie der Wasserwirtschaft stehen die Zeichen auf Expansion. Zusammen können diese Bereiche die nachlassende Nachfrage aus dem Kfz-Sektor überkompensieren.
Die stärksten Impulse stammen aus dem IKT-Sektor. Die fünf großen Unternehmen der Branche, Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle, beabsichtigen nach eigenen Angaben im Jahr 2026 rund 650 Milliarden bis 700 Milliarden US-Dollar (US$) in ihre Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) zu investieren. Für 2027 rückt nach Einschätzung von Branchenanalysten die Schwelle von 1.000 Milliarden US$ in Sichtweite.
Ein Großteil dieser Mittel fließt in den Bau von Datencentern. Zusätzlich haben Halbleiterhersteller Investitionen in Chipfabriken im Umfang von mehreren Hundert Milliarden US$ angekündigt. Vorreiter ist der taiwanische Auftragsfertiger TSMC, der Investitionen von 170 Milliarden US$ plant. Auch der Wettbewerber Samsung engagiert sich in den USA.
Verteidigungsausgaben steigen 2027 zweistellig
In der Verteidigungsindustrie stehen die Zeichen ebenfalls auf Expansion. Das Weiße Haus hat für das Fiskaljahr 2027 beim Kongress ein Budget von 1.450 Milliarden US$ beantragt. Dies entspricht einem Anstieg von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch wenn der Kongress einen Teil der zusätzlich angefragten Mittel streichen dürften, ist weiterhin mit einem zweistelligen Zuwachs zu rechnen. Die während des Irankriegs geschrumpften Lagerbestände an Abwehrraketen und Munition müssen aufgefüllt werden.
In der Kfz-Industrie zeichnet sich hingegen ein Abschwung ab. Laut Cox Automotive sollen die Neuzulassungen im Jahr 2026 um knapp 3 Prozent sinken. Diese Prognose entstand vor dem Irankrieg und dem starken Anstieg der Benzinpreise. Sehr wahrscheinlich ist daher mit einem stärkeren Rückgang zu rechnen. Jeder zusätzliche Dollar für Benzin fehlt beim Autokauf.
Wachsende Nachfrage aus Öl- und Gassektor
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Grand View Research entfallen auf die drei größten Abnehmergruppen – Elektronik und Halbleiter, IKT und Verteidigungsindustrie – jeweils rund ein Fünftel bis ein Viertel des Absatzes von Test- und Messtechnik. Der Kfz-Sektor erreicht einen Anteil von gut einem Viertel. Daneben spielt nur noch der Forschungs- und Ausbildungsbetrieb eine nennenswerte Rolle.
Die Öl- und Gasindustrie wird in dieser Aufstellung hingegen nicht erwähnt. Dabei stellt auch sie einen bedeutenden Abnehmer dar und verfügt über erhebliches Wachstumspotenzial. So soll die Gasförderung zwischen 2025 und 2050 um mehr als ein Drittel zulegen, prognostiziert die staatliche Energy Information Agency. Rückgänge in der Erdölsparte würden dadurch überkompensiert.
Auch die Raumfahrtindustrie ist nicht gesondert ausgewiesen. Aus dieser Branche steigt der Bedarf ebenfalls. Dank des starken Engagements privater Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin hat sich die Zahl der Starts von Raumfähren zwischen 2020 und 2025 verzehnfacht.
Der Wassersektor zählt ebenfalls zu den wichtigen Kunden von Mess- und Testinstrumenten. Er gehört zu den am stärksten wachsenden Sparten des Tiefbaus. Der Wassersektor investiert umfangreich in die Versorgung mit Frischwasser und die Abwasserentsorgung in den USA. Der gesamte Investitionsbedarf Sektors liegt bei über 1.000 Milliarden US$.
Brancheneinfuhren 2025 bei 37 Milliarden US$
Auch bei der Marktdefinition scheinen die Analysten wichtige Sparten auszuklammern. Für das Jahr 2025 veranschlagen sie lediglich ein Marktvolumen von 8,6 Milliarden US$, das bis 2030 auf 10,9 Milliarden US$ steigen soll. Ein Abgleich mit Daten der Zollstatistik ergibt deutlich höhere Werte. So beliefen sich die US-Einfuhren an Test-, Mess-, Regel- und Sensortechnik im Jahr 2025 auf knapp 37 Milliarden US$, berichtet die International Trade Commission.
Mexiko war im Jahr 2025 der wichtigste Zulieferer von Mess- und Regeltechnik. Der südliche Nachbar exportiert vor allem technisch einfache Produkte für die Kfz-Industrie. Deutschland folgte mit Lieferungen von mehr als 4 Milliarden US$ auf dem zweiten Platz. Es lag damit vor wichtigen Wettbewerbern wie Japan und China. Produkte "made in Germany" bedienen in den USA vor allem die Nachfrage nach Hightech.
Zollkosten können oft an die Endkunden weitergereicht werden
Die USA führten 2025 und 2026 länderspezifische beziehungsweise allgemeine Zölle ein. Diese wurden vom Obersten Gericht der USA jeweils aufgehoben. Branchenspezifische Zölle, etwa auf Aluminium, Stahl oder Kupfer, sind von den Urteilen nicht betroffen. Sie gelten weiterhin, auch für spezielle Derivate, und greifen, sobald bestimmte Metallanteilsquoten überschritten werden.
Da deutsche Unternehmen häufig Produkte anbieten, für die es nur wenige inländische Anbieter gibt, können sie einen Großteil der Zollkosten auf ihre US-Kunden abwälzen. Aufgrund dieser starken Verhandlungsposition ergab eine Studie der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern (AHK) Anfang 2026 eine durchschnittliche Weitergabequote von mehr als 70 Prozent über alle Branchen hinweg.