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"Polnische Firmen erkennen die Bedeutung von Automatisierung"
Der Maschinenbau in Polen erhält weniger Aufträge aus der Automobilindustrie. Chancen gibt es dafür in anderen Branchen. Ein Experte erklärt, welche Technologien gefragt sind.
29.06.2026
Von Christopher Fuß | Warschau
Taskoprojekt aus Poznań zählt zu den führenden Planern von Automatisierungslösungen in Polens Industrie. Als einer der größten Integratoren von KUKA-Robotern entwickelt das Unternehmen Produktionslinien für verschiedene Branchen. Immer häufiger setzen Kunden dabei auf mobile Roboter, sagt Taskoprojekt-Geschäftsführer Jakub Stanczak.
Welche Branchen investieren aktuell in neue Maschinen und Automatisierung?
Der Markt bleibt sehr anspruchsvoll. Traditionell war die Automobilindustrie der wichtigste Treiber für Automatisierung und Robotik. Doch der starke Import chinesischer Fahrzeuge nach Europa hat zu Investitionsstopps bei den Herstellern und Zulieferern geführt. Projekte gibt es weiterhin, aber deutlich weniger als noch vor einigen Jahren.
Parallel dazu wächst in anderen Industriezweigen das Interesse an der Automatisierung von bestehenden Anlagen. Es geht den Unternehmen vor allem darum, Kosten zu senken. Besonders gefragt sind Lösungen, die das Bedienpersonal von Maschinen und Anlagen ersetzen oder entlasten. Wir installieren bei solchen Projekten zum Beispiel Bildverarbeitungssysteme zur Qualitätskontrolle oder richten einen Roboter so ein, dass er der das Beladen einer Maschine übernimmt.
Welche Technologie würden Sie besonders hervorheben?
Bemerkenswert ist das wachsende Interesse nach AMR-Fahrzeugen, also autonomen mobilen Roboterfahrzeugen für den Warentransport im Betrieb. AMRs werden inzwischen in Bereichen nachgefragt, in denen bislang ausschließlich Menschen einfache Transportaufgaben erledigt haben, sogar im Dienstleistungssektor. Das Interesse steigt kontinuierlich, auch wenn der Markt noch jung ist.
Ein weiterer Trend, der vor allem aus den USA kommt, ist das sogenannte Bin Picking. Roboter erkennen Bauteile in Behältern per 3D-Bildverarbeitung und übernehmen das automatische Entnehmen. Solche Projekte setzen wir inzwischen auch in Polen, Deutschland, Frankreich und Österreich um.
Kommen wir nochmal zu den AMR zurück. Welche Branchen fragen diese Lösungen nach?
Der Trend ist branchenübergreifend. In der Elektronikfertigung übernehmen AMRs den Transport empfindlicher Komponenten. In der Lebensmittelindustrie bewegen sie Eier, Konserven oder Tiernahrung. Viele Unternehmen wollen den Einsatz von Gabelstaplern reduzieren, um Unfälle zu vermeiden und Kosten zu reduzieren. AMRs bieten hier einen klaren Vorteil, da sie berechenbar und kollisionsarm arbeiten.
Im vergangenen Jahr haben wir viele Investitionen bei den Herstellern von Schienenfahrzeugen gesehen. Hält dieser Trend an?
Die Eisenbahnbranche investiert seit Jahren massiv, in Polen und in vielen anderen Ländern. Wir liefern seit geraumer Zeit Ausrüstung für die Produktion von Schienenfahrzeugen.
Das aktuelle Investitionsniveau übertrifft vieles, was wir bisher gesehen haben. Die Hersteller planen weitere Investitionen in ihre Produktionswerke.
Ein weiteres großes Thema in Polen und Europa ist die Rüstungsindustrie. Welche Auswirkungen hat der Boom in der Rüstungsindustrie auf Ihr Unternehmen?
In der Rüstungsindustrie in Polen wurde lange viel angekündigt, aber wenig umgesetzt. Erst seit Ende 2025 sehen wir konkrete Ausschreibungen und Investitionsentscheidungen.
Polen befindet sich hier noch am Anfang, während Länder wie Deutschland, Frankreich, Tschechien oder Großbritannien bereits seit Jahren stark investieren. 2026 nimmt der Markt nun auch in Polen Fahrt auf.
Wie bewerten Sie die Aussichten für Ihre Branche?
Wie gesagt: Der Markt bleibt anspruchsvoll. Positiv ist aber, dass sich das Bewusstsein für Automatisierung stark verändert hat. Der Arbeitskräftemangel der vergangenen Jahre hat Unternehmen zum Umdenken gezwungen. Automatisierung, Robotik und Prozessoptimierung, zunehmend auch KI, werden heute als strategische Notwendigkeit gesehen.
Neue Chancen entstehen beispielsweise durch den Bau von Rechenzentren, in der Halbleiterfertigung und in der Elektronikproduktion. Das sind alles Branchen, die stark in Automatisierung investieren.
Ich freue mich, dass polnische Unternehmen die Bedeutung von Automatisierung endlich klar erkennen. In meinen 20 Jahren in der Branche war das lange nicht der Fall. Heute wollen selbst Unternehmen, die nur einzelne Komponenten fertigen, ihre Prozesse automatisieren. Das ist ein sehr positives Signal für die gesamte Industrie.