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Grünes Licht für Polens erstes Atomkraftwek
Polen will mit staatlichen Geldern ein Atomkraftwerk bauen. Laut Beihilferecht braucht das Land dafür eine Genehmigung der EU. Mittlerweile liegt eine Antwort aus Brüssel vor.
18.12.2025
Von Christopher Fuß | Warschau
Die Europäische Kommission hat die staatliche Förderung für den Bau des ersten polnischen Kernkraftwerks genehmigt. Die Kosten des Projekts liegen laut Angaben der Kommission bei 42 Milliarden Euro. Geplant sind drei Reaktorblöcke mit einer Gesamtleistung von 3.750 Megawatt im Umland der Hafenstadt Gdańsk.
Das Fördermodell basiert auf einem Differenzvertrag (Contract for Difference, CfD). Fällt der Preis an der Strombörse unter einen festgelegten Wert, gleicht der Staat die Differenz aus. Liegt der Preis darüber, zahlt der Betreiber zurück. Laut Projektgesellschaft PEJ wird der vereinbarte Preis bei unter 11,8 Eurocent pro Kilowattstunde liegen.
Die Kommission setzte durch, dass die CfD-Laufzeit von ursprünglich 60 Jahren auf 40 Jahre sinkt. Zudem hängt die Vergütung des Kraftwerks nicht allein von der tatsächlichen Stromproduktion ab. Der Kraftwerksbetreiber erhält Anreize, die Produktion je nach Marktlage zu drosseln. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass erneuerbare Energien in Zeiten hoher Einspeisung aus dem Netz verdrängt werden. Genauere Angaben zum Vertragsdesign machten Kommission und PEJ zunächst nicht.
Das Kernkraftwerk ist ein zentraler Baustein der polnischen Energietransformation. Es soll die Abhängigkeit von Kohle und Gas verringern und die Emissionen von Treibhausgasen senken. Technologielieferant ist das US-amerikanische Konsortium Westinghouse-Bechtel. Der erste Block soll 2035 ans Netz gehen, die weiteren folgen bis 2038.