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Polnisches Energieministerium präsentiert neues Strategiepapier

Polen drosselt das Tempo beim Kohleausstieg, zulasten der erneuerbaren Energien. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Atomkraft, Energiespeichern und Biomasse.

Von Christopher Fuß | Warschau

Der Anteil erneuerbarer Energien im polnischen Energiemix wird langsamer steigen als bislang vorgesehen. Das zeigt Polens neuer Nationaler Energie- und Klimaplan (NECP, polnisch: KPEIK), den das Energieministerium im Dezember 2025 veröffentlichte. Die EU-Mitgliedstaaten müssen entsprechende Pläne regelmäßig bei der Europäischen Kommission einreichen, um ihre Fortschritte bei der Transformation des Energiesektors zu dokumentieren.

In einer früheren Version des NECP hieß es, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion zwischen 2025 und 2040 von knapp 30 auf 79,8 Prozent steigt. Im neuen Plan geht das Ministerium jedoch laut einem konservativen Szenario nur noch von 65,6 Prozent Anteil im Jahr 2040 aus. Selbst das optimistische Szenario im neuen NECP kommt lediglich auf 68,9 Prozent. Das Energieministerium betrachtet das konservative Szenario als maßgeblich.

Große Abstriche bei der Windenergie

Der langsamere Zuwachs der erneuerbaren Energien hat mehrere Ursachen. Nachdem Staatspräsident Karol Nawrocki im Jahr 2025 eine Lockerung der Abstandsregeln für Windräder mit einem Veto blockiert hatte, sieht das Energieministerium weniger Potenzial für Windkraft an Land. Die installierte Leistung soll laut konservativer Schätzung von 10,8 Gigawatt im Jahr 2025 auf 20,4 Gigawatt im Jahr 2040 steigen. Das ist deutlich weniger als die zuvor prognostizierten 34,5 Gigawatt.

Auch die Offshore-Ambitionen fallen bescheidener aus: Statt 18 Gigawatt rechnet das Ministerium nun mit einem Ausbau auf 11,8 Gigawatt. Bislang befindet sich in Polen noch keine Offshore-Windanlage am Netz. Hintergrund der reduzierten Zielvorgaben ist eine kritische Haltung des staatlichen Übertragungsnetzbetreibers PSE, der Offshore-Windenergie als zu kostenintensiv bewertet.

Parallel dazu steigt perspektivisch die Bedeutung der Atomenergie. Kernkraft soll 2040 nicht wie ursprünglich geplant 9,5 Prozent der Stromproduktion abdecken, sondern 15,4 Prozent. Die Angaben des NECP berücksichtigen sowohl die geplanten Großreaktoren als auch sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Aktuell produziert Polen noch keinen Atomstrom.

Darüber hinaus sieht das konservative Szenario mehr Raum für Kohlekraft vor: Braun- und Steinkohle decken demnach 2040 noch knapp 5 Prozent des Strombedarfs. Im früheren NECP spielte Kohle nach 2035 keine Rolle mehr. Gleichzeitig setzt das neue Szenario stärker auf Energiespeicher, um Überproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen.

Das Klimaministerium begründet die Änderungen damit, dass Haushalte vor den Kosten einer zu schnellen Transformation geschützt werden müssten. Der polnische Windenergieverband PSEW kritisiert diese Einschätzung. Laut Berechnungen der Interessenvertretung wird der Preis je Megawattstunde an der Strombörse im Jahr 2040 doppelt so hoch sein wie im ursprünglichen Szenario. Grund sei, dass Polen bei einer langsamen Transformation mehr Geld für teure Emissionszertifikate ausgeben müsse.

Energieminister Miłosz Motyka stellte ein ambitionierteres Ausbauziel für die Windenergie in Aussicht, falls sich die Gesetzeslage ändert.

Fernwärme setzt weiterhin auf Kohle

Das Energieministerium geht davon aus, dass im Zuge der Elektrifizierung verschiedener Lebensbereiche der Energiebedarf im Stromsektor bis 2040 um bis zu 50 Prozent steigen wird. Anders fällt die Prognose für den Wärmesektor aus: Im konservativen und im optimistischen Szenario rechnet das Ministerium mit einem sinkenden Energieverbrauch. Die Gründe dafür sind bessere Dämmungen und höhere Effizienz bei der Wärmeproduktion.

Allerdings werden laut Ministerium die erneuerbaren Energieträger eine kleinere Rolle spielen, als zuletzt vorgesehen. Während ihr Anteil im alten NECP ab 2040 mindestens 67,5 Prozent betragen sollte, spricht das neue konservative Szenario nur von 43,5 Prozent.

Wie im Stromsektor hält Polen auch im Wärmesektor länger an der Kohle fest. Ihr Anteil an der Wärmeproduktion soll 2040 bei 23,9 Prozent liegen und damit auf ähnlichem Niveau wie Erdgas. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Biomasse, deren Anteil von unter 10 Prozent im Jahr 2025 auf über 20 Prozent wächst. Dies stößt insbesondere in der holzverarbeitenden Industrie auf Kritik, da Biomasse in Polen überwiegend aus Holz besteht. Wird mehr verbrannt, könnte die Verfügbarkeit des Rohstoffs für andere Zwecke sinken.

Zudem setzt Polen zunehmend auf große Wärmepumpen. Sie sollen ab 2040 bis zu 11,6 Prozent des Energiebedarfs in der Fernwärme abdecken. Biogas bleibt mit knapp 5,5 Prozent eine Nischenlösung.

Klare Trends erkennbar

Das Energieministerium will den aktualisierten NECP bis Februar 2026 an die Europäische Kommission übermitteln. Zuvor muss das Kabinett den Plan verabschieden. Ob die Kommission die Prognose ohne weitergehende Anmerkungen akzeptieren wird, bleibt offen.

Der Transformationsplan spiegelt mehrere grundsätzliche Trends im polnischen Energiesystem wider: Kohle bleibt ein kontrovers diskutierter Energieträger. Der Ausbau der Windenergie steht weiter vor strukturellen Hürden während mit der Atomkraft große Hoffnungen verbunden sind. Die Stabilisierung der Netze mittels Energiespeichern gewinnt an Bedeutung. Im Wärmesektor stützt sich die Dekarbonisierung vor allem auf Biomasse und Wärmepumpen, während Biogas eine untergeordnete Rolle spielt. Erdgas bleibt zumindest als Übergangslösung relevant.

Die Energietransformation ist für Polen auch ein Instrument, um heimische Anbieter zu stärken. Internationale Lieferanten müssen sich auf mögliche Restriktionen einstellen. Der NECP sieht eine "Präferenz für einheimische Auftragnehmer bei strategischen Projekten" vor, heißt es in dem Dokument. Für deutsche Unternehmen empfiehlt sich daher, bei größeren Vorhaben gemeinsam mit einem polnischen Partner anzutreten.

Die Kosten für den Umbau des gesamten Energiesektors von 2026 bis 2040 beziffert der NECP zwischen 640 Milliarden und 830 Milliarden Euro, je nach Szenario.

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