Saudi-Arabien erhöht seine Selbstversorgung gezielt, bleibt aber strukturell auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.
Saudi-Arabien stärkt seine Selbstversorgung selektiv, bleibt aber strukturell importabhängig. Klimatische und natürliche Einschränkungen begrenzen den klassischen Ackerbau, weshalb Investitionen vor allem in technologisch steuerbare Segmente wie Milch- und Geflügelproduktion sowie Verarbeitung und Kühlketten fließen.
In einzelnen Produktgruppen kann Saudi-Arabien den Bedarf laut Angaben der General Authority for Statistics (GASTAT) weitgehend decken oder zeitweise übertreffen, etwa bei Milchprodukten, Datteln und Eiern. Gleichzeitig bleibt die Versorgung mit Getreide sowie mit Zutaten und Vorprodukten für die Lebensmittelindustrie stark vom Ausland abhängig. Hohe Selbstversorgungsquoten in Teilbereichen stehen damit einer weiterhin ausgeprägten Importabhängigkeit in der Gesamtversorgung gegenüber.
Selbstversorgungsquoten nach Produktgruppen in Saudi-Arabienin Prozent| Datteln | 121 |
| Milchprodukte | 131 |
| Tafeleier | 103 |
| Geflügelfleisch | 72 |
| Rotes Fleisch | 62 |
| Fisch | 52 |
Quelle: General Authority for Statistics, Februar 2026
Basissegmente sind preissensibel, Qualität treibt Investitionen
Die Marktlogik unterscheidet sich je nach Segment. In Basissegmenten dominiert der Preis. Etablierte, integrierte Anbieter sichern ihre Marge vor allem über Effizienz, etwa durch Automatisierung, Prozessoptimierung sowie Energie- und Wassermanagement.
In veredelten und technologieintensiven Bereichen rücken Lebensmittelsicherheit, Rückverfolgbarkeit und Hygiene in den Vordergrund. Rückverfolgbarkeit meint die lückenlose Dokumentation von Herkunft und Verarbeitung. Hinzu kommen höhere Anforderungen an Verpackung, Haltbarkeit und Qualitätskontrolle. Dadurch wächst der Bedarf an moderner Prozesstechnik, Prüfsystemen und digitalen Lösungen für Qualität und Warenwirtschaft.
Markt wird von lokalen Champions geprägt, bleibt aber offen für Technologieanbieter
Die Wettbewerbssituation in der saudi-arabischen Nahrungsmittelindustrie ist durch eine klare Rollenverteilung geprägt. In zentralen Marktsegmenten dominieren große, vertikal integrierte saudische Unternehmen wie Almarai, Savola Group oder NADEC, die über starke Marken, hohe Produktionskapazitäten und gut ausgebaute Vertriebsnetze verfügen. Ergänzt wird dieses Umfeld durch internationale Konsumgüterkonzerne wie Nestlé, PepsiCo oder Unilever, die vor allem in markengetriebenen und höherwertigen Produktkategorien präsent sind.
Gleichzeitig ist der Markt strukturell auf Importe angewiesen, insbesondere bei Zutaten, Vorprodukten sowie bei moderner Verarbeitungs-, Verpackungs- und Kühltechnik. Diese Abhängigkeit begrenzt die lokale Wertschöpfung, eröffnet jedoch gezielte Marktzugänge für ausländische Anbieter. Für deutsche Unternehmen liegen die Wettbewerbsvorteile vor allem in technologisch anspruchsvollen Bereichen wie Automatisierung, Hygiene- und Kühltechnik, Qualitätssicherung sowie Rückverfolgbarkeitssystemen, in denen Effizienz, Prozesssicherheit und Zuverlässigkeit entscheidend sind.
Der Markteintritt ausländischer Unternehmen erfolgt in Saudi-Arabien überwiegend über strategische Partnerschaften, Projektkooperationen oder Lizenz- und Vertriebsmodelle mit etablierten lokalen Marktführern. Diese Kooperationsformen erleichtern den Zugang zu Markt und Regulierung. Deutsche Unternehmen sind dabei vor allem in vorgelagerten Wertschöpfungsstufen präsent. So liefern Anbieter wie die GEA Group hochautomatisierte Verarbeitungs-, Verpackungs- und Kühltechnik für saudische Produzenten in der Fleisch-, Geflügel- und Molkereiverarbeitung und begleiten Projekte häufig über lokale Service- und Wartungsstrukturen. Auch deutsche Zutaten- und Prozessspezialisten wie die Döhler Group bedienen den saudischen Markt über regionale Präsenz und langfristige Kundenbeziehungen, ohne selbst als Markenanbieter im Endkundengeschäft aufzutreten.
Mit zunehmender Verarbeitungstiefe steigt der Wettbewerbsdruck in höherwertigen Segmenten. Der Markterfolg ausländischer Anbieter hängt daher weniger vom direkten Endkundenzugang als von technologischer Differenzierung, lokalem Service sowie der Fähigkeit ab, regulatorische und industriepolitische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen, erklären Branchenkenner.
Wichtige lokale Branchenunternehmen in Saudi-Arabien Auswahl; Umsatz 2024 in Millionen US-Dollar| Savola Group | 6.393 | Führender F&B-Konzern |
| Almarai | 5.592 | Größter lokaler Produzent |
| NADEC | 858 | Große Landwirtschafts-/Molkegruppe |
| SADAFCO | 790 | Traditionelle Molkereien |
| Tanmiah Food | 683 | Geflügel, Verarbeitete Produkte |
| Herfy Food Services | 300 | Systemgastronomie/Quick-Service |
| Arabian Mills | 260 | Verarbeitungsanlagen |
| Halwani Brothers | 258 | Regionaler F&B-Player |
Quelle: Recherche GTAI, Februar 2026
Importdynamik stützt den Markt, Deutschland punktet bei Verarbeitungstiefe
Trotz zusätzlicher lokaler Kapazitäten bleibt Saudi-Arabien je nach Abgrenzung und Produktgruppe schätzungsweise zu 70 bis 80 Prozent auf Importe angewiesen, besonders bei Getreide, Zutaten sowie verarbeiteten und spezialisierten Produkten. Im Jahr 2024 stiegen die Nahrungsmittelimporte gegenüber 2023 um 9,6 Prozent auf 24,1 Milliarden US$. Als Treiber gelten steigende Nachfrage sowie Preisimpulse bei agrarischen Rohwaren und verarbeiteten Lebensmitteln.
Fleisch und Fleischwaren verzeichneten ein Plus von 21,1 Prozent auf 3,1 Milliarden US$, Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze legten um 23,7 Prozent auf 2,5 Milliarden US$ zu. Auch Zuckerimporte stiegen zweistellig. Getreide und Getreideerzeugnisse blieben mit 6,6 Milliarden US$ die wichtigste Warengruppe, gefolgt von Obst und Gemüse mit 4,3 Milliarden US$.
Nahrungsmittelimporte Saudi-Arabiens nach WarengruppenWarenwert in Millionen US-Dollar | 01 | Fleisch und Fleischwaren | 3.129 | 21,1 |
| 02 | Milch, Molkereiprodukte, Eier | 2.683 | 3,9 |
| 03 | Fisch und Meeresfrüchte | 737 | 8,4 |
| 04 | Getreide und Getreideerzeugnisse | 6.575 | 5,2 |
| 05 | Obst und Gemüse | 4.294 | 7,5 |
| 06 | Zucker und Zuckerwaren | 1.596 | 13,3 |
| 07 | Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze | 2.497 | 23,7 |
| 09 | Verschiedene Nahrungsmittelzubereitungen | 2.579 | 4,9 |
| Total | Summe der aufgeführten Warengruppen | 24.090 | 9,6 |
Quelle: UN Comtrade, Februar 2026
Deutschland hat in diesem Markt ein eigenes Profil. Im Jahr 2024 beliefen sich die deutschen Lieferungen in den betrachteten Warengruppen auf rund 477 Millionen US$. Rückgänge bei Getreide drückten den Gesamtwert, während veredelte Segmente zulegten.
Bei Nahrungsmittelzubereitungen (SITC 09) erreichte Deutschland 182,8 Millionen US$, einen Marktanteil von 7,1 Prozent und ein Plus von 26,1 Prozent gegenüber 2023. Auch bei Milch- und Molkereiprodukten hielt Deutschland mit 5 Prozent Anteil und rund 7 Prozent Wachstum seine Position. Das spricht dafür, dass deutsche Anbieter vor allem dort wettbewerbsfähig sind, wo Verarbeitungstiefe, Standards, Lebensmittelsicherheit und Markenvertrauen stärker zählen als Preis und reines Volumen.
Deutsche Lieferungen nach Saudi-Arabien nach WarengruppenWarenwert in Millionen US-Dollar| 01 | Fleisch und Fleischwaren | 0,5 | 74,8 |
| 02 | Milch, Molkereiprodukte, Eier | 134,5 | 7,0 |
| 03 | Fisch und Meeresfrüchte | 0,00 | –93,0 |
| 04 | Getreide und Getreideerzeugnisse | 56,6 | –59,8 |
| 05 | Obst und Gemüse | 35,9 | 54,4 |
| 06 | Zucker und Zuckerwaren | 19,9 | –27,3 |
| 07 | Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze | 46,5 | 16,8 |
| 09 | Verschiedene Nahrungsmittelzubereitungen | 182,8 | 26,1 |
| Total | Summe der aufgeführten Warengruppen | 476,7 | –5,0 |
Quelle: UN Comtrade, Februar 2026
Von Heena Nazir
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