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Special | Westbalkan | Beschaffung

Westbalkan entwickelt sich zum Beschaffungsmarkt für IKT-Lösungen

Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Albanien mausern sich zu nahe gelegenen IT-Standorten. Deutschen Einkäufern bieten sie hohe Qualität bei wettbewerbsfähigen Preisen.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Die Westbalkanländer Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Albanien bieten ein breites Spektrum an IKT-Lösungen an. Die Region überzeugt durch eine gute Universitätsausbildung in MINT-Fächern, junge und sprachbegabte Tech-Talente sowie trotz steigender Löhne immer noch wettbewerbsfähige Arbeitskosten.

Export von IKT-Dienstleistungen aus dem Westbalkan steigt

Lokale IT-Firmen entwickeln Produkte vor allem für internationale Abnehmer. Der Spitzenreiter Serbien verzeichnete für 2024 IKT-Dienstleistungsexporte von rund 4 Milliarden Euro ein Anstieg um ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr.

Ein wichtiger Zielmarkt in Europa ist Deutschland. Die große Diaspora-Community aus dem Westbalkan, die kulturelle Nähe zur deutschen Arbeitsmentalität sowie die gemeinsame Lage in der mitteleuropäischen Zeitzone erleichtern den Zugang und bieten deutschen Einkäufern die Chance, auf dem Westbalkan Programmierdienstleistungen und Software-Lösungen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu beschaffen.

Deutsche Unternehmen wie Siemens Mobility, Lufthansa Industrial Solutions oder die Deutsche Telekom lassen Software bereits in der Region entwickeln. Andere Firmen wie Verano oder Hyretech programmieren mit eigenem Personal direkt vor Ort.

Start-ups und Kleinunternehmen dominieren IKT-Branche

Die wichtigsten Treiber der Softwareentwicklung in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Albanien sind Jung- und Kleinunternehmen. Ausnahme bilden internationale Branchengrößen vor Ort wie Microsoft, Oracle, Huawei oder SAP. In Serbien waren 2024 rund 5.700 Firmen mit rund 56.000 Angestellten im Bereich Programmierung und Beratung tätig. Start-ups im IKT-Bereich machen das größte Westbalkanland als Innovationspartner interessant. IKT-Cluster sowie Wissenschafts- und Technologieparks bündeln das Know-how und fungieren als Drehscheibe für Programmierdienstleistungen.

In Bosnien und Herzegowina gab es 2024 rund 3.600 Unternehmen und Selbstständige mit rund 30.000 Mitarbeitenden im Bereich Information und Kommunikation. Start-ups bieten vor allem die Entwicklung von Software sowie Dienstleistungen zum Outsourcen von Geschäftsprozessen (BPO) an.

In Albanien widmeten sich 2024 rund 3.500 Firmen mit rund 40.000 Beschäftigten den Feldern BPO, Programmierung und Beratung. Die Regierung in Tirana fördert im Rahmen ihrer Digitalstrategie den Aufbau von IKT-Clustern. So soll der Techpark Durana zur Drehscheibe für Innovationen werden. Dessen Fokus liegt auf der Softwareentwicklung und BPO.

Breites Dienstleistungsportfolio deckt Bedarfe von IT-Einkäufern ab

Die IT-Firmen am Westbalkan sind vor allem spezialisiert auf Softwaredesign und -entwicklung. Sie bieten entweder eigene Standardprodukte an, oder entwerfen individuell maßgeschneiderte Lösungen für ihre Kunden. Weitere Tätigkeitsbereiche sind künstliche Intelligenz, die Analyse großer Datenmengen (Big Data), die Entwicklung von Apps und Cloud-Lösungen, sowie maschinelles Lernen und Robotik. Immer stärker im Fokus steht die Cybersicherheit. Eine lokale Besonderheit in Serbien ist die Entwicklung von Computerspielen. Die Fernwartung von Software sowie IT-Beratungsleistungen runden das Portfolio ab.

IT-Firmen überzeugen mit flexiblen Geschäftsmodellen

Softwarefirmen aus den Westbalkan-Ländern orientieren sich bei ihren Geschäftsmodellen stark an den Bedürfnissen ihrer Kunden. Lösungsorientiertheit, Flexibilität und Kosteneffizienz werden dabei großgeschrieben. Branchenübliche Standards und Zertifizierungen wie ISO 27001, TISAX oder Scrum sind die Regel. Meistens arbeitet ein junges, gut ausgebildetes Kernteam auf Projektbasis und hat schlanke und agile Prozesse. Eine schnelle Skalierbarkeit des Projektteams sowie dessen hohe Flexibilität ermöglichen es, sich zeitnah an verändernde Kundenanforderungen anzupassen.

Das typische Geschäftsmodell eines IT-Unternehmens basiert auf einem Servicevertrag. Bei kurzfristigem Projektsupport erfolgt die Abrechnung der Leistungen auf Stundenbasis. Bei einer Ausweitung des Arbeitsaufkommens werden Unteraufträge für einzelne Leistungen an Subauftragnehmer oder Freiberufler vergeben.

Bei langfristigem Ressourcensupport stellt im Regelfall der Kunde die Hard- und Software zur Verfügung. Die Leistungen werden direkt im System des Kunden erbracht und mit einer monatlichen Pauschale abgerechnet. Projektziele und Meilensteine werden vorab definiert. Deren Erreichung überprüft ein Projektmanager, der zugleich Hauptansprechpartner des Kunden ist. Im Fall einer notwendigen Onboarding-Phase werden die Einarbeitungszeit und anfallende Reisekosten in Rechnung gestellt.

Vertragliche Klauseln machen Beschaffungsrisiken beherrschbar

Neben den zahlreichen Chancen gibt es auch Fallstricke, die bei der Beschaffung von Programmierdiensten aus den Westbalkan-Staaten vertraglich geregelt werden sollten. Wichtigstes Thema ist der Datenschutz. Zwar haben alle Länder der Region Datenschutzgesetze verabschiedet, diese werden aber nur unzureichend durchgesetzt. Weit verbreitet in der Region ist ein eher sorgloser Umgang mit personenbezogenen Daten. Eine Datenverarbeitungsvereinbarung zur Konformität mit der Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) ist auch mit Unterauftragnehmern unerlässlich.

Genauso wichtig ist der Schutz des geistigen Eigentums. Wird bei der Produktentwicklung Know-how in Form von Quellcodes generiert, sollte in Eigentumsklauseln die Übertragung von Rechten an geistigem Eigentum geregelt werden. Zudem gelten Verschwiegenheitsvereinbarungen als unverzichtbare Vertragsbestandteile.

Ein guter lokaler IT-Dienstleister legt Wert auf die Motivation und Weiterentwicklung seines Teams. Trotz Fachkräftemangel und Emigration genießen IT-Firmen als Arbeitgeber in den Westbalkan-Ländern ein hohes Ansehen. Die im regionalen Vergleich guten Gehälter sowie die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen steigern die Loyalität der Belegschaft. Die Fluktuationsrate ist niedrig, was der Kundenzufriedenheit zugutekommt.

Checkliste: 10 Praxistipps für die Beschaffung

  1. Vorauswahl qualifizierter Anbieter (über AHK oder Techparks)
  2. Firmenprofil, Angebot & Lebensläufe der Teammitglieder einholen
  3. Kennenlerngespräch: Technische Eignung & Sprachkenntnisse prüfen
  4. Zertifikate, DSGVO-Konformität & EU-Referenzen prüfen
  5. Pilotprojekt: Qualität, Schnelligkeit & Kommunikation prüfen
  6. Vor-Ort-Besichtigung
  7. Servicevertrag verhandeln, inkl. Regelung zum Schutz geistigen Eigentums
  8. Projektziele und Meilensteine festlegen
  9. Vertragsabschluss
  10. Onboarding: Gemeinsames Kick-off-Meeting

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkungen
Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
Deutsch-Serbische Wirtschaftskammer (AHK Serbien)Lokale Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Serbien
Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina (AHK Bosnien und Herzegowina)Lokale Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Bosnien und Herzegowina
AHK NordmazedonienLokale Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in Nordmazedonien, Albanien und Kosovo
Deutsche Industrie- und Handelsvereinigung in Albanien (DIHA)Regionale Wirtschaftsvereinigung mit Brancheninformationen
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME)Einschlägiger deutscher Fachverband für die Beschaffung
ICT Cluster SerbiaIT-Branchenverband in Serbien
Bit AllianceIT-Branchenverband in Bosnien und Herzegowina
Albania TechInformations- und Netzwerkplattform im IKT-Sektor in Albanien
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

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