Podcast Weltmarkt
Folge 34: China: größter Handelspartner und Wettbewerber
- April 2026 -
Chancen nutzen, Risiken verstehen: WELTMARKT zeigt, wie deutsche Unternehmen im China-Geschäft bestehen können. China-Expertinnen von GTAI und ein TRUMPF-Topmanager geben Einblicke, Strategien und Praxistipps aus erster Hand.
China ist nicht nur Deutschlands größter Handelspartner und ein sehr dynamischer Innovationsstandort. Das Reich der Mitte ist für die deutsche Wirtschaft auch ein Wettbewerber, der manchmal nach seinen eigenen Spielregeln Geschäfte macht. Wie deutsche Unternehmen mit den Herausforderungen im China-Geschäft umgehen und welche Chancen sich aus dem neuen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung ergeben, das erklären uns in dieser spannenden Folge von WELTMARKT die beiden langjährigen China-Expertinnen Corinne Abele und Christina Otte von Germany Trade and Invest (GTAI).
Außerdem sprechen wir mit Dr. Gang Yang, China-Präsident des Lasertechnikunternehmens TRUMPF und Vorstandsmitglied der AHK Greater China. Als guter Kenner Deutschlands und Chinas gibt er unternehmerische Tipps für ein erfolgreiches Geschäft in China und erklärt zum Beispiel die große Bedeutung von „Danwei“.
| Gefällt Ihnen unser Podcast? Verpassen Sie kein Folge und abonnieren Sie uns über folgende Portale: |
Gäste in dieser Folge
Corinne Abele
Corinne Abele berichtet seit rund 25 Jahren für Germany Trade & Invest (GTAI) aus dem Raum Greater China. Seit 2014 leitet die Journalistin, Historikerin (Magister) und Diplom-Volkswirtin das GTAI-Büro in Shanghai, davor war sie für GTAI viele Jahre in Peking und auch in Taipeh. Neben ihren zahlreichen Veröffentlichungen und Kurzstudien zum Wirtschaftsgeschehen und zu den Branchenentwicklungen hält Corinne Abele regelmäßig Vorträge. Zu ihren Spezialthemen zählen unter anderem Innovation, Industrie- und Technologiepolitik in China, Klima- und Umweltschutz sowie der Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen - in China und global. Sie hat an der Eberhard Karls-Universität in Tübingen sowie an der Nanjing University in China studiert und war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.
Christina Otte
Christina Otte analysiert seit über zehn Jahren die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Vom GTAI-Standort Bonn aus koordiniert sie die GTAI-Chinaberichterstattung und steht im ständigen Kontakt mit den GTAI-Auslandsbüros. Neben der Veröffentlichung zahlreicher Publikationen und Kurzstudien hält sie regelmäßig Vorträge zum chinesischen Markt. Zu ihren Fachgebieten zählen unter anderem die wirtschaftliche Lage und das Umfeld deutscher Unternehmen in China, die deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen, die chinesische Industriepolitik, der US-chinesische Handelskonflikt sowie Freihandelsabkommen in Asien. Während ihres Studiums der Wirtschafts- und Kulturwissenschaften in Passau und Lüneburg verbrachte Christina Otte auch mehrfach Zeit in China, unter anderem während eines Auslandssemesters und eines Praktikums beim Volkswagen-Konzern in Dalian. Sie reist weiterhin regelmäßig nach China und in die Region.
Dr. Gang Yang
Dr. Gang Yang studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin und promovierte dort anschließend im Bereich Produktionsmanagement. Von 2007 bis 2011 lehrte er als Inhaber des DHL-Lehrstuhls für Global Supply Chain Management an der Sino-German Graduate School der Tongji-Universität in Shanghai. Dr. Gang Yang war zunächst in verschiedenen Positionen bei weltweit führenden Beratungsunternehmen tätig, bevor er zur TRUMPF Gruppe wechselte. Nach seiner Tätigkeit als Global Sales Director wurde der Kenner beider Kulturen 2018 zum CEO der TRUMPF (China) Co. Ltd. ernannt. 2021 übernahm er zusätzlich die Rolle des Präsidenten von TRUMPF China. Mit Wirkung zum März 2025 wurde Dr. Gang Yang außerdem CEO der Jiangsu Jinfangyuan CNC Machine Tool Co. Ltd. (JFY). Desweiteren engagiert sich Dr. Gang Yang als Vorstandsmitglied der AHK Greater China.
Weiterführende Informationen
Chinas neuer Fünfjahresplan zielt auf technologische Souveränität
Neuer Fünfjahresplan: "Deutsche Firmen müssen effizienter werden"
Markets International 2/25 - Chinas großer Auftritt?
China nutzt KI als Schlüsseltechnologie
AHK Greater China | Wir unterstützen deutsche Firmen in China
Transkript der Folge
| Das folgende Transkript wurde zum Zwecke der Barrierefreiheit mit einer Spracherkennungssoftware erstellt und danach auf offensichtliche Fehler hin korrigiert. Es entspricht nicht unseren Ansprüchen an ein vollständig redigiertes Interview. Vielen Dank für Ihr Verständnis. |
„Ich fahre mit tiefen Eindrücken aus diesem Land. Wir haben eine gute Kooperation mit China. Es gibt aber auch einige Herausforderungen, die wir gemeinsam bestehen müssen.“
Das sagte Bundeskanzler Friedrich Merz am Ende seines Antrittsbesuchs in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und unserem aktuell wichtigsten Handelspartner.
Über die von ihm angesprochenen Herausforderungen im China-Geschäft, wie der schwächelnden Nachfrage und dem steigenden Wettbewerb, und wie man damit am besten gewinnbringend umgeht, darüber sprechen wir in dieser Folge von WELTMARKT mit zwei langjährigen China-Expertinnen von Germany Trade and Invest. Sie werden uns unter anderem erklären, welche Branchen die chinesische Regierung mit ihrem neuen Fünfjahresplan besonders fördert und verraten, wie sie bei ihren Recherchen vorgehen.
Außerdem zu Gast: Dr. Gang Yang, China-Präsident des deutschen Lasertechnikunternehmens Trumpf und Vorstandsmitglied der AHK Greater China. Er kennt beide Kulturen sehr gut und hat nicht nur viele unternehmerische, sondern auch einige kulturelle Tipps für uns.
Doch zuerst zu den beiden Wirtschaftsexpertinnen Corinne Abele, GTAI-Korrespondentin in Shanghai und Christina Otte, GTAI-China-Spezialistin in Bonn.
Frage an Sie beide: Wie ist die Stimmung unter deutschen Unternehmen - in China und in Deutschland?
Corinne Abele Ja, man muss sagen, dass ich glaube, es sich so ein bisschen die Stimmung oder die Erwartungen an die Realität angepasst haben. Für die deutschen Unternehmen gibt es halt große Herausforderungen hier vor Ort. Das eine ist einfach der ruinöse Preiskampf, Preiswettbewerb. Der hängt eng zusammen mit der Industriepolitik, mit den Subventionen und natürlich in gewisser Weise auch mit dieser Planwirtschaft und den ins Ziel und ins Visier genommenen zukünftigen strategischen Industrien.
Also dieser ruinöse Preiskampf ermöglicht es halt vielen tatsächlich nicht mehr ausreichende Gewinnen zu erwirtschaften, das macht vielen sehr viel Bauchschmerzen und damit verbunden ist natürlich, dass einfach die Nachfrage fehlt in China, sowohl eben was Konsumgüter angeht als auch Investitionsgüter. Und das sind so die Punkte, die am meisten aufgeführt werden, mit natürlich diesem ständig steigenden Wettbewerb der inländischen Unternehmen.
Also das sagen Sie alle quer durch die Bank. Chinesische Unternehmen haben sehr stark zugelegt und sich sozusagen in der Qualitätsleiter nach oben gearbeitet und werden damit zunehmend zu Konkurrenten direkt für deutsche Unternehmen. Und das spüren wir natürlich im chinesischen Markt, aber eben auch zunehmend außerhalb von China. Viele von den chinesischen Unternehmen, die ebenfalls keine Gewinne erwirtschaften können im chinesischen Markt, drängen eben auch in die internationalen Märkte.
Christina Otte, was nehmen Sie wahr?
Christina Otte Ich würde sagen, die Stimmung ist angespannt. Der erste Grund ist eben der zunehmende Wettbewerb durch chinesische Firmen. Etwa E-Autos, die jetzt aus China auf den europäischen Markt drängen oder aber auch in der Chemie oder auch im Maschinenbau nimmt der Wettbewerb zu. Der Deutsche Maschinenbauverband VDMA hat im Vorfeld der Kanzlerreise im Februar davor gewarnt, dass eben die Politik auch weitere Schutzmaßnahmen einführen müsse, wenn China eben diese unfairen Wettbewerbspraktiken wie Subventionen oder eben auch die Währungsabwertung nicht sein lässt.
Und zweitens spüren Unternehmen die chinesischen Exportkontrollen auf seltene Erden und auch Permanentmagnete. Die wurden ja im Zuge des Handelskonflikts mit den USA 2025 eingeführt bzw. auch stark ausgeweitet und setzen eben die deutsche Industrie unter Druck. Und drittens merkt man ganz klar, dass die chinesische Wirtschaft schwächelt. Die Nachfrage ist gedämpft und entsprechend sind eben auch deutsche Exporte nach China im vergangenen Jahr um fast 10 Prozent zurückgegangen.
Corinne Abele Christina, genau das, was du gesagt hast, ist halt eben für die deutschen Unternehmen hier in China so ein bisschen eine ganz leicht andere Perspektive, weil die halt eben in China selbst tätig sind und natürlich so ein bisschen in einer Zwickmühle stecken. Zum einen spüren sie halt diesen wahnsinnigen Wettbewerb, aber sie sehen natürlich auch ein Potenzial. Ein Potenzial der Zusammenarbeit, was Innovationen angeht, mit ihren anspruchsvollen chinesischen Kunden.
Ein Potential eben sozusagen mit Teil zu werden oder zu partizipieren an dieser China Speed und eben an dieser günstigen Hightech. Das ist so ein bisschen ein unterschiedlicher Blickwinkel. Wenn man deutsche Unternehmen hier in China spricht, die auch klar sagen Wettbewerb, Preise und alles, aber eben auch diese Möglichkeiten sehen und einfach einen Weg finden müssen, damit umzugehen.
Sind die goldenen Jahre mit dynamischen Wachstumszahlen in China vorbei, Frau Abele?
Corinne Abele Also, sagen wir es mal so, keine Volkswirtschaft hat bislang durchgehalten, jahrzehntelang mit einem zweistelligen Wirtschaftswachstum zu wachsen. Das ist ganz klar. Also insofern, das ist natürlich vorbei. Aber inzwischen haben wir halt die zweitgrößte Volkswirtschaft, die immer noch mit vier bis fünf Prozent wächst. Und das ist immer noch gewaltig. Also das muss man einfach sehen.
Natürlich ist es auch ein Anpassen der Erwartungen an die Realität. Und es ist einfach auch ein anderer Markt. Und es ist eine andere Wettbewerbsfähigkeit, die entstanden ist, mit der man umgehen muss. Aber trotzdem, man muss es auch sich immer noch mal klarmachen, wenn China um ungefähr vier bis fünf Prozent wächst, was auch im Zielrahmen ist des 15. Fünfjahresprogramms für 2026, dann entspricht es ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt der Schweiz oder der Türkei. Also das ist die Größenordnung.
Und insofern sagen wir natürlich: Ja die einfachen Jahre des immer weitergehenden zweistelligen Wachstums, die sind natürlich vorbei. Aber China ist als Markt einfach so groß und auch mit diesem Wirtschaftswachstum so relevant. Und vor allen Dingen, wenn man sieht, wie es nun wächst. Es wächst nicht mehr nur über Quantität, sondern eben auch über Qualität, das heißt Technologieinput. Das heißt zum Beispiel auch Nutzung von AI und Nutzung von Automatisierung. Also es ist jetzt auf einem Wachstumspfad, auf den man nicht verzichten kann.
Sie erwähnten eben den neuen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung. Können deutsche Unternehmen von diesem Plan profitieren?
Corinne Abele Die Fünfjahrespläne Chinas sind immer auch eine Richtungsweisung. Wo geht das hin? Das heißt, man kann sich als Unternehmen daran orientieren, welche strategischen Bereiche werden in den nächsten fünf Jahren wichtig sein und das heißt auch eben von der Regierung mitgefördert und unterstützt werden. Das ist zum einen eine Good News, würde ich sagen, weil dorthin fließt viel Kapital, viel Investitionen und auch deutsche Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, können hier im Prinzip erst mal mitpartizipieren. Auf der anderen Seite sind eben diese strategischen Industrien und Zukunftsindustrien auch, wie das Wort schon sagt, strategisch.
Das heißt, China richtet das Augenmerk deshalb darauf, weil es hier eben inländische Wertschöpfungsketten und inländisches Technologie Know-how aufbauen möchte, das heißt eben, die Partizipation ausländischer Unternehmen durchaus erwünscht ist. Dann, wenn man eben selbst noch nicht in der Lage ist. Das heißt, es kann durchaus auch sein, dass zwar diese Wirtschaftsbereiche stärker wachsen, aber es für ausländische Unternehmen und auch deutsche Unternehmen nicht einfach ist oder vielleicht sogar schwieriger wird, daran mitzupartizipieren. Welche Bereiche stehen im 15.5-Jahresprogramm? Das sind zum einen die Emerging Industries, die strategischen Bereiche.
Zum Beispiel neue Energien, neue Materialien, Luftfahrt, aber eben auch Drohnen. Und in Zusatz kommen jetzt auch noch diese Zukunftsindustrien oder Technologien dazu, wie zum Beispiel eben Biotech, Quantentechnologie, aber auch Wasserstoff oder Fusionsenergie. Da wird China sein Augenmerk darauf legen der Förderung auf jeden Fall. Was im 15. Fünfjahresprogramm tatsächlich neue Qualität hat, ist das Going Global, also die massive Förderung für chinesische Unternehmen in Drittmärkte zu gehen. Und da ist wahnsinnig viel passiert, schon jetzt im letzten Halbjahr 2025.
Es wurden One-Stop-Shop-Plattformen sozusagen eingerichtet, die eben den Unternehmen helfen, ins Ausland zu gehen, ihre Auslandsmärkte zu identifizieren, sie bei der Erschließung unterstützen, aber eben auch bei der Partnerfindung. Und ich vermute, dass das also in den nächsten Jahren tatsächlich sich intensivieren wird.
Die Bundesregierung und Wirtschaftsverbände empfehlen Unternehmen, Alternativen zu China zu suchen, also zu diversifizieren. Wie schwierig ist das, Frau Otte?
Christina Otte Ja, es findet statt, aber es ist auch mühsam, muss man ehrlicherweise sagen, denn neue Lieferketten aufzubauen, kostet Zeit und Geld. Und China, muss man ja auch sagen, hat was geschafft, was viele andere Länder derzeit zumindest häufig in der Gänze noch nicht bieten, eine riesige wettbewerbsfähige Industrie zu schaffen mit niedrigen Produktionskosten, gleichzeitig aber auch einem großen Binnenmarkt, der es dann ermöglicht hat, die Produkte, die man auf dem chinesischen Markt entwickelt, auch zu skalieren, also in großer Stückzahl auch auf den Markt zu bringen.
Und ja, China hat es geschafft, eine wettbewerbsfähige Industrie mit niedrigen Produktionskosten und einer hervorragenden Logistik und auch nahezu kompletten Industrieclustern aufzubauen und das eben auch mit einer sehr hohen Geschwindigkeit bei der Produktentwicklung im Markt. Und ja, trotzdem sieht man aber, dass Unternehmen auch nach Alternativen suchen. Indien ist da zum Beispiel zu nennen oder auch der südostasiatische Staatenbund ASEAN, der an Bedeutung gewinnt. Also das sind Länder wie Vietnam, Malaysia und Singapur. Das Stichwort lautet oft „China plus One“. Das heißt, man bedient aus China heraus den chinesischen Markt, teilweise auch Weltmärkte. Aber parallel dazu baut man andere Standorte auf. Beim Thema Rohstoffe wird ein bisschen dieses Dilemma bei der Diversifizierung deutlich, weil China es bei Rohstoffen geschafft hat, eine sehr dominante Marktposition sich aufzubauen.
Also China kontrolliert teilweise den Abbau von bestimmten Rohstoffen, aber auch die Weiterverarbeitung, die dann auch in China erfolgt und auch mittlerweile das Know-how, was die Rohstoffverarbeitung anbelangt, ist mittlerweile ziemlich in China gebunden. Und das heißt, es ist sehr, sehr schwierig für Unternehmen oder auch Staaten außerhalb Chinas, da eine Rohstoffwertschöpfungskette aufzubauen. Nichtsdestotrotz wird es auch versucht. Die EU hat beispielsweise einen Rohstofffonds in die Wege geleitet und schließt Rohstoffpartnerschaften anderen Ländern ab oder auch wir als GTAI bieten viele Informationen über alternative Märkte oder auch die Auslandshandelskammern.
Corinne Abele „China plus One“, das stimmt, findet statt. Aber man muss ehrlicherweise sagen, dass es tatsächlich nur für die großen Mittelständler eine Alternative ist. Weil das ist kostspielig. Vor allen Dingen, wir sprechen ja nicht über einfache Märkte. Also man braucht einen langen Vorlauf in einem Markt wie Vietnam zum Beispiel. Oder viele schauen sich natürlich Indien an als Alternative. Auch hier braucht man einen langen Atem. Also das heißt, ich kann nicht von heute auf morgen umshiften, sondern ich muss tatsächlich erst mal reininvestieren. Und das ist natürlich in der derzeitigen Wirtschaftssituation nicht für alle einfach.
China war immer die Werkbank der Welt und ist jetzt in Branchen wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau zum scheinbar übermächtigen Konkurrenten geworden. Ist das die Zukunft? China holt auf und überholt?
Corinne Abele China hat aufgeholt, ob es überholt. Ich würde mal so sagen, das liegt an an zweien nicht nicht nur an China, sondern das liegt auch an uns. Und ich denke, das ist auch eine Aufgabe auf unserer Seite, dass wir uns eben überlegen, wie können wir China Speed und auch die günstige Hightech nutzen, damit wir eben selbst innovativ bleiben und eben diese Nasenspitze vorne mit dabei sind, damit wir eben auf gleichem Niveau dem Wettbewerb künftig auch standhalten können oder eben auch weiter diese Nasenspitze vorne behalten können. Dass China sich davon wieder verabschieden wird von diesem qualitätsbewussten Wachstum, das glaube ich auch nicht, sondern da wird es natürlich weiterhin voranschreiten. Aber genau, wir müssen einfach diesen Wettbewerb selbstbewusst aufnehmen.
Frau Otte, wie kann man als deutsches Unternehmen in China momentan noch Gewinne machen?
Christina Otte Indem man sich eben diesem steigenden Wettbewerb stellt. Und das sehen wir, dass da trotzdem deutsche Unternehmen verstärkt im Markt investieren, lokalisieren und auch häufig in Forschung und Entwicklung vor Ort investieren. Indem man dann die Produktentwicklung vorantreibt, um so schneller Kunden beliefern zu können.
Das kann man sich ja vielleicht auch vorstellen, dass eine Lieferkette aus Deutschland heraus, wo vorher es vielleicht möglich war, deutsche Maschinen von Deutschland heraus in den chinesischen Markt zu liefern, dann langsamer ist, als wenn man vor Ort produziert und vor Ort dann eben auch noch die Maschine entwickelt und an die Produktbedürfnisse anpasst. Es ist in gewisser Weise ein Dilemma, weil man wiederum die Situation hat, dass deutsche Unternehmen verstärkt in den Markt reingehen, von dem man ja eigentlich auch diversifizieren möchte.
Was wir im Arbeitsmarkt sehen, ist, dass wieder mehr Expats in China beschäftigt werden, und zwar solche, die sich als Krisenmanager bewährt haben, eben um in diesem schwieriger werdenden Umfeld dort die deutschen Unternehmen zu navigieren.
Sie hatten es ja bereits angesprochen: Chinas Exportkontrollen für kritische Rohstoffe belasten deutsche Unternehmen sehr …
Christina Otte Ja, seit 2024, aber vor allem seit letztem Jahr, 2025, hat China die Exportkontrolle auf seltene Erden und Permanentmagnete massiv ausgeweitet, im Kontext des Handelskonflikts mit den USA. Zwar wurden die Regeln Ende 2025 dann wieder etwas gelockert, nachdem ja auch USA und China, sich grundsätzlich im Handelsstreit erst mal etwas geeinigt hatten, wurde auch eine Verschärfung der Exportkontrollen erstmal nochmal um ein Jahr pausiert.
Aber nichtsdestotrotz berichten deutsche Unternehmen immer noch davon, dass die Umsetzung dieser Erleichterungen stockt, es wurden Generallizenzen von chinesischer Seite angekündigt und da berichten deutsche Unternehmen, dass die Umsetzung nach wie vor nicht ganz in die Gänge kommt und dass es immer noch zu Lieferschwierigkeiten kommt oder dass es auch im Antragsprozess einfach länger dauert.
Also wir haben momentan eine große Unsicherheit auf jeden Fall bei Unternehmen, bekommen da eben auch sehr viele Anfragen auch dazu, wie gehen wir denn davon aus, wird sich das entwickeln? Und da muss man ganz klar sagen, China setzt dieses Instrument nicht zum ersten Mal ein, sondern 2010 hat China bereits Exportkontrollen auf Rohstoffe eingeführt und zwar gegenüber Japan. Und vieles spricht dafür, dass Exportkontrollen eben ein langfristiges politisches Werkzeug bleiben werden.
Corinne Abele Ich möchte eigentlich nur eines anfügen aus meiner Perspektive und noch mal klarmachen. Wir stehen da am Anfang. Also das chinesische Außenwirtschaftskontrollgesetz hat den Rahmen gesetzt. Die Exportkontrollen sind da, um zu bleiben, auch wenn sie temporär ausgesetzt werden. Dieses System wird verfeinert werden. Das heißt als Unternehmen, ich muss mich damit auseinandersetzen, ich kann das nicht aussitzen.
Das sind klare Worte!
Mal eine ganz andere Frage: Wie gehen Sie vor bei Ihren Recherchen? Gibt es überhaupt glaubwürdige Datenquellen?
Corinne Abele Ich glaube, Informationen über China zu bekommen, ist jetzt nicht ganz so schwierig. Es gibt sehr viele Informationen in den sozialen Medien, in WeChat, in Publikationen. Das Problem ist, die richtigen Informationen zu bekommen, zu entscheiden, was spiegelt tatsächlich den Zustand der Wirtschaft wider und was eben nicht. Deswegen ist es wichtig, mit allen Seiten und allen Akteuren hier vor Ort auch zu sprechen. Also zuerst anfangen zu recherchieren, was sagt die Statistik, was sagen die Studien und dann eben das abzugleichen in Gesprächen mit deutschen Unternehmern, aber eben auch chinesischen Unternehmen.
Zu sehen: Was tut sich auf den Messen? Ist das ein anderes Bild als das, was die Statistik zeigt oder eben auch, wenn es um die Umsetzung zum Beispiel von dem Emission Trading Scheme geht, also dem Handelssystem für CO2-Emissionen. Ist das auf dem Papier? Sind die Unternehmen, die abgedeckt werden, sind die tatsächlich auch beteiligt? Wie wird das kontrolliert? Das muss ich halt eben alles abklären vor Ort durch Gespräche. Um da ein klares Bild zu bekommen.
Das heißt, eigentlich ist so eine China-Berichterstattung, ich glaube, man muss so ein bisschen Faible haben für Puzzle. Es ist ein komplexes und anspruchsvolles Puzzle. Man darf auch nicht so schnell aufgeben, sondern immer die einzelnen Stückchen erst mal sammeln und dann gucken, irgendwann passt das alles zueinander. Und dann, glaube ich, ist man relativ nahe dran an diesem, ja, was tatsächlich passiert. Aber China ist halt immer komplex.
Christina Otte Ja, ich berichte gerne mal aus meinem Alltag. Also, ich kombiniere die Informationen unserer Kolleginnen und Kollegen vor Ort mit eigenen Recherchen in offiziellen Statistiken, Datenbanken, aber ja, halt vor allen Dingen chinesischen Quellen von Deutschland aus, ist das grundsätzlich zwar machbar, aber eben überhaupt nicht optimal. Deswegen bin ich sehr, sehr froh, dass wir die Kollegen vor Ort haben. Zum Beispiel werden manche chinesische Webseiten plötzlich vom Netz genommen oder sind aufgrund auch unserer IT-Sicherheitsarchitektur gesperrt.
Das trifft vor allen Dingen auf Unternehmenswebseiten zu, aber teilweise auch Statistikämter, etc. Wichtig ist, man muss auf Chinesisch suchen können, denn viele Informationen erscheinen zuerst oder auch ausschließlich nur auf Chinesisch. Und erschwerend kommt hinzu, dass manche Daten eben plötzlich nicht mehr veröffentlicht werden, wie zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeitsquote, die wurde im letzten Jahr über mehrere Monate lang nicht veröffentlicht, dann eben der Kriterienkatalog angepasst. Manchmal sind aber auch die Gründe, werden auch einfach nicht genannt, warum bestimmte Daten vorübergehend oder auch ganz eingestellt werden.
Ja, und deswegen, Corinne hat das schon angesprochen, müssen wir in Bezug zu China immer etwas puzzeln und genau da sehe ich aber auch einen großen Vorteil, dass wir eben sowohl die Perspektive von vor Ort haben als eben auch aus Deutschland, um da eben beide Sichtweisen zusammenzufügen und dann ergibt es sozusagen ein Gesamtbild.
Corinne Abele Ich kann das nur unterstreichen. Diese beiden Perspektiven sind, glaube ich, wahnsinnig wichtig, wenn man sich diesem, was tatsächlich passiert, annähern will. Und ich glaube, das ist ein großer Vorteil von GTAI, weil wir das eben in der täglichen Arbeit machen. Die Perspektive von innen aus China heraus immer auch abgleichen mit der Perspektive eben in Deutschland auf China und so dann eben auch unsere Informationen zusammenpuzzeln oder stricken oder aufbereiten. Und ich glaube, das ist ganz wichtig und das ist vielleicht auch etwas, was die GTAI tatsächlich auszeichnet.
Vielen Dank, Corinne Abele und Christina Otte, fürs beständige Puzzeln und natürlich für dieses Gespräch.
Jetzt möchten wir das Land der Mitte aus der Perspektive eines deutschen Unternehmens betrachten. Dr. Gang Yang, China-Präsident des süddeutschen, familiengeführten Unternehmens Trumpf hat uns von WELTMARKT Rede und Antwort gestanden. Weltweit beschäftigt die Gruppe 15.000 Mitarbeitende, in China selbst sind es 1600.
Gang Yang Trumpf ist seit 2000 mit eigener Gesellschaft in China vertreten. Und seitdem haben wir unsere drei Geschäftsbereiche Werkzeugmaschinen, Lasertechnik und Elektronik in China angesiedelt. Also auch über die kundennahen Funktionen wie Vertrieb und Applikation und Kundendienst hinaus, bis zu typischen Produktcenter-Funktionen wie Produktmanagement, R&D und Operations. Da muss ich noch dazu sagen, dass wir vor 13 Jahren eine zweite Marke, ein lokales chinesisches Unternehmen zugekauft haben, JFY.
Und mit dieser zweiten Marke bedienen wir auch den chinesischen Markt im unteren Marktsegment, aber auch global. Wir sind mit zwei Headquarters, einmal für Trumpf in Taichang und einmal für JFY in Yangzhou unterwegs, aber auch mit unserer Applikationscenter in Beijing und in Shenzhen, zwei typische Innovation Cluster in China unterwegs. Weil unsere Kunden dort sitzen, weil wir sehr nah mit unseren Kunden an ihre Produkte, an ihre Prozesse gemeinsam arbeiten müssen. Wir unterscheiden zwischen Premium-Produkten, Premium-Marktsegmenten mit sag ich mal Entry- oder Low-price-Segmente. Und in China sind Kunden oder Marktpotenzial in allen Bereichen vorhanden. Unsere zugekaufte Marke JFY adressiert insbesondere die Entry-Level. Dort spielen die Preise eine stärkere Rolle als die Innovation, während im Premium-Bereich das umgekehrt eine Rolle spielt. Und mit dieser sogenannten Zwei-Marken-Strategie versuchen wir, den gesamten Marktvolumen zu bedienen.
Welche Bedeutung hat denn der chinesische Markt für Trumpf?
Gang Yang Die Wichtigkeit des Marktes ist aus drei Perspektiven wichtig für uns. Einerseits als Absatzmarkt, also weil dort Wachstumsimpulse kommen, sodass wir diesen Markt als Absatzpotenzial sehen. Das Zweite ist zunehmend der Markt ist auch ein Innovation Center. Wenn wir Innovationsimpulse als Marktanforderung, als Nachfrage unserer Kunden aufnehmen und diese auch entsprechend mit unserem Know-How, mit unserer Technologie adressieren können, dann spielen wir an der vordersten Front der Technologieentwicklung mit, sodass wir diesen Markt, weil aufgrund dieser Innovationsfähigkeit als auch Innovationstreiber sehen. Ja, also eine wichtige zweite Rolle.
Und als dritte Rolle sehen wir auch aufgrund einer sehr gut ausgereiften, sehr kompletten Supply Chain, einer sehr komplette Lieferkette, sehen wir auch China als ein sehr, sehr wichtiger Bestandteil des globalen Value Chains. Und ich denke, in den letzten 25 Jahren, wo wir als Trumpf in China tätig sind, sehen wir, dass es die Rolle teilweise verschoben hat von sehr, sehr wichtigen oder der wichtigste Absatzmarkt, zunehmend als Innovationscenter, aber auch als wichtiger Bestandteil von unserem globalen Value Chain. Wir sehen diese Verschiebung. Aber wir glauben, dass auch in Zukunft, der Markt in allen drei Aspekten eine wichtige Rolle für uns spielt, für Trumpf.
Ist China inzwischen innovativer als Deutschland?
Gang Yang In einigen, aber auch wichtigen Industrien sehen wir es so. Da sehen wir insbesondere, bei globalen Patentanmeldungen, dass chinesische Unternehmen in vielen wichtigen Branchen bereits vorne liegen, also vor den Amerikanern und noch deutlich vor europäischen Patentanmeldungen. Wir sehen bei Kundenanfragen, dass wir mit Marktanforderungen konfrontiert werden, die wir als Trumpf zum ersten Mal adressieren. Das hat sich tatsächlich verändert, dass China, die Kunden innovativer geworden sind.
Sie sind ja auch im Vorstand der Deutschen Auslandshandelskammer in Shanghai. Welche Herausforderungen sehen Sie für deutsche Unternehmen insgesamt in China?
Gang Yang Das ist ja natürlich die abschwächende Wachstumsimpulse aus dem Inlandsmarkt. Dann ist es die Herausforderung für uns als deutsches Unternehmen, die Wachstumsmärkte, in China, zu finden, die entsprechende Anwendung herauszuarbeiten und Produkte für diese Anwendungen auch zu adressieren, das spielt immer eine stärkere Rolle. Sozusagen One-fits-all-Produkt einfach nach China zu importieren und dann von dem allgemeinen Wachstum zu profitieren, diese Zeit ist in der Tat vorbei. Also das Geschäft wird fokussierter, ist schwieriger. Das ist da, aber das muss man suchen.
Und wenn man es gefunden hat, stehen internationalen Unternehmen unter sehr starken Preiswettbewerb, teilweise, muss man sagen, auch unter ungleichen Rahmenbedingungen. Um ein Beispiel dazu zu nennen: Wir als deutsches Unternehmen, als ein familiengeführtes Unternehmen, wir haben sehr hohe ethische Anforderungen. Das heißt, Sicherheitsstandards, was eine Maschine erfüllen müssen.
Wir erfüllen nicht nur die lokalen Normen, wir erfüllen sogar darüber hinaus. Und sehr häufig sehen wir, dass solche Sicherheitsnormen weniger von unseren lokalen Wettbewerben eingehalten werden. Parallel dazu beobachten wir, dass die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Wettbewerber zunehmend innovativer wird. Das insbesondere hinsichtlich der Kosten und Geschwindigkeit, aber auch der Qualität. Und dort sehen wir auch zunehmend eine Herausforderung für Internationale Unternehmen.
Gefühlt ist China ein besonders dynamischer Markt - ist das wirklich so?
Gang Yang Die Kunden, die entscheiden sehr schnell. Und da habe ich den Eindruck, dass der Markt schon sehr agil funktioniert. Und die Entscheidungen, die von Unternehmen getroffen werden, sehr, sehr häufig sehr schnell dann auch umgesetzt werden. Sehr häufig erleben wir, dass chinesische Unternehmen den Ansatz try and error verfolgt, während wir als deutsches Unternehmen noch diesen planerischen Ansatz, ich nehme mir Zeit, um einen fundierten Plan zu machen und halte ich den Plan fest in den nächsten Jahren, um sozusagen die entsprechend gewünschten Erfolg auch herbeizuführen. Sicherlich, glaube ich, beide Ansätze haben ihre Vorteile, aber auch ihre Nachteile in der Welt, die sehr unsicher geworden sind, ist denke ich die agile und die schnelle Entscheidung, aber auch schnelle Anpassungsfähigkeit eine gegebenenfalls bessere Alternative.
Sie kamen mit 16 Jahren nach Deutschland, haben in Berlin Abi gemacht, studiert und bei Trumpf in der Nähe von Stuttgart angefangen. Vor acht Jahren ging es zurück nach China. Was sind die größten Unterschiede zwischen den beiden Kulturen?
Gang Yang Ich glaube, in der westlichen Kultur, der Fokus ist sehr stark auf das Individuum gelegt. Wenn ich entscheide, entscheide ich aus einer Perspektive eine einzelne Person. Ja, obwohl ich auch Rücksicht auf die Familie, auf Freundeskreis, auf das Unternehmen nehme. Ganz entscheidend ist aber ich als Individuum und da sehe ich in der chinesischen Kultur einen relativ großen Unterschied.
In China gibt es ein Wort, das heißt Danwei. Danwei ist übersetzt Einheit. Also Einheit bedeutet eine Gruppe und diese Gruppe kann sein, dass es die Familie in engeren Sinne, Familie in der größeren Sinne, das kann auch eine Firma sein. Man trifft eine Entscheidung auf Basis einer Einheit und weniger auf Basis einer Perspektive eines Individuums. Und das, finde ich, kann relativ viele Dinge erklären, die in der westlichen Kultur sehr schwer verständlich ist. Aber in der chinesischen Kultur geläufig und akzeptiert werden.
Vielen Dank an Dr. Gang Yang!
Viele weitere Informationen haben wir wie immer in den Shownotes zusammengestellt. Nicht nur zu China, sondern auch zu den angesprochenen Ländern und Regionen, die oft als mögliche China Plus One-Standorte genannt werden.
In der nächsten Folge von WELTMARKT werden wir automatisch auf China zurückkommen. Denn dann beschäftigen wir uns mit kritischen Rohstoffen, die wir so dringend für die Elektromobilität, die Energiewende und unsere Verteidigung brauchen. Und bei denen wir von Importen, vor allem aus China, abhängig sind.
Machen Sie‘s gut.