Wirtschaftsstandort | Simbabwe

Simbabwe bleibt für Investoren schwierig

Simbabwe hat in vielerlei Hinsicht gute Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Entwicklung, konnte diese aber in den letzten Jahrzehnten kaum nutzen.

Marcus Knupp

Von Marcus Knupp | Berlin

Mit rund 17 Millionen Einwohnern liegt der Binnenstaat in Bezug auf die Bevölkerungsgröße im Mittelfeld der Staaten des südlichen Afrikas. Das gilt auch für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von knapp 27 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2023. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen ist Simbabwe jedoch in den vergangenen Jahrzehnten unter die ärmeren Länder der Region abgerutscht. Deutsche Unternehmen sind nur schwach vertreten.

  • Simbabwe kämpft bei der Umsetzung seiner Potenziale mit allerlei Widrigkeiten. Diese sind zum Teil auf äußere Einflüsse zurückzuführen, zum Teil hausgemacht.

    Was für viele afrikanische Länder gilt, trifft auf Simbabwe in besonderem Maße zu: Die natürlichen Voraussetzungen für wirtschaftlichen Wohlstand sind grundsätzlich gut. Das Land ist reich an Rohstoffen wie Gold, Platinmetallen, Chrom, Nickel, Lithium oder Diamanten. Flächenreserven, teilweise gute Böden und in normalen Jahren mehr als ausreichende Niederschläge versprechen ein großes Potenzial für die landwirtschaftliche Produktion. Die klimatische Vielfalt der verschiedenen Höhenlagen ermöglicht den Anbau einer breiten Palette von Nutzpflanzen. 

    Von landschaftlichen Schönheiten wie den Victoria-Wasserfällen über artenreiche Wildreservate bis zu kulturellen Attraktionen wie den Ruinen von Great Zimbabwe gibt es zahlreiche touristische Ziele an. Mit Ausnahme der Victoria-Wasserfälle werden diese bisher jedoch kaum vermarktet.

    Schwierige internationale Beziehungen belasten die Wirtschaft

    Bereits seit 1965 war das damalige Rhodesien von Sanktionen betroffen und baute mit dem Ziel der wirtschaftlichen Selbstversorgung lokale Produktionen auf. Simbabwe entwickelte sich dann bis Mitte der 1990er Jahre zu einem der stärker industrialisierten Länder des Kontinents. Ähnlich wie in die Verkehrsinfrastruktur hat der Staat in den letzten Jahren jedoch nur wenig in den Produktionssektor investiert. Viele Betriebe sind verschwunden oder befinden sich in schlechtem Zustand.

    Fortgesetzte Sanktionen und ein in der Folge schlechtes Länderranking haben daran einen Anteil. Innenpolitisch behindert eine teilweise erratische Wirtschafts- und Währungspolitik die wirtschaftliche Entwicklung. Erschwerend kommt hinzu, dass Simbabwe aufgrund ausstehender Tilgungs- und Zinszahlungen an multilaterale Gläubiger derzeit keine neuen Kredite von internationalen Finanzinstitutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhält.

     

    17 Mio.

    Personen lebten 2023 in Simbabwe.

    Quelle: Weltbank 2024

    26,5 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2023.

    Quelle: Weltbank 2024

    1.592

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2023 aus.

    Quelle: Weltbank 2024

    Rang 152

    belegte das Land 2023 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2024

    Rang 149

    nimmt Simbabwe im Corruption Perceptions Index 2023 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2024

    10 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2022.

    Quelle: Weltbank 2024

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Simbabwe verlangt sehr gute Marktkenntnisse

    Rechtssicherheit ist einer der wesentlichen Faktoren für langfristige Investitionen. Enteignungen und schnelle Gesetzesänderungen haben in den zurückliegenden Jahrzehnten jedoch Zweifel an der Verlässlichkeit der rechtlichen Rahmenbedingungen in Simbabwe gesät. Zudem kann Farmland nicht beliehen werden, da ein freier Eigentumstransfer nicht möglich ist. Dies erschwert den Zugang zu Krediten und schränkt den Investitionsspielraum der Landwirte erheblich ein.

    Simbabwe hat nach 1980 stark in den Bildungssektor investiert. Die Zunahme der Beschäftigungsmöglichkeiten im formalen Sektor konnte jedoch nicht mit der wachsenden Zahl der Schulabsolventen Schritt halten. Dies und die sich verschlechternde Wirtschaftslage trugen dazu bei, dass mehrere Millionen junger Simbabwer im Ausland Arbeit suchten, die meisten davon in Südafrika. Dieser Braindrain führte dazu, dass ihre Qualifikationen nun im Land selbst fehlen.

    Die langsame und ineffiziente Bürokratie macht Simbabwe für deutsche Unternehmen unattraktiv.

    Nur sehr wenige deutsche Unternehmen sind in Simbabwe präsent, darunter etwa der Logistiker DHL. Hinzu kommt eine Handvoll lokaler Firmen unter deutscher Leitung wie Organic Africa. Insgesamt ist der Standort derzeit wenig attraktiv. Zu den Gründen dafür zählen bürokratische Hürden, ein komplexes Steuersystem und eine inkompetente, teils willkürlich handelnde Steuerbehörde, unbeständige politische Entscheidungen, Korruption sowie eine schlechte Infrastruktur, wie Bernd Doppelfeld, Repräsentant der Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK) in Harare, erläutert. Mängel gibt es vor allem bei der Stromversorgung, aber auch bei der Wasserversorgung. "Das Straßensystem ist in teilweise desolatem Zustand und die Eisenbahn quasi nicht existent", so Doppelfeld.

    SWOT-Analyse Simbabwe

    S

    Stärken Strengths

    • Reiche Vorkommen an Bodenschätzen
    • Gutes landwirtschaftliches Potenzial
    • Vergleichsweise diversifizierte Wirtschaft
    • Relativ hohes Bildungsniveau
    • Grundsätzlich gutes Verkehrsnetz
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Binnenlage ohne Zugang zum Meer
    • Schwerfällige Verwaltung
    • Investitionsstau in der Infrastruktur
    • Abwanderung von Fachkräften
    • Währungsturbulenzen
    O

    Chancen Opportunities

    • Anknüpfen an alte Produktionsstrukturen
    • Nutzung touristischer Potenziale im ganzen Land
    • Verkehrsdrehkreuz für die SADC-Region (Southern African Development Community)
    • Kooperation auf politischer Ebene
    • Stabilisierung der Währung
    T

    Risiken Threats

    • Versorgungsprobleme mit Nahrungsmitteln
    • Soziale Unruhen
    • Unzuverlässige Energieversorgung
    • Hyperinflation
    • Unklare Eigentumsrechte

    Vom "Brotkorb Afrikas" zum Armenhaus

    Simbabwes Landwirtschaft erwirtschaftete lange Zeit hohe Überschüsse, sowohl in der Nahrungsmittelproduktion als auch bei Cash Crops wie Tabak. Eine verfehlte Agrarpolitik und inkonsequente Schritte bei der Landreform haben die Basis dafür in den vergangenen Jahrzehnten jedoch immer mehr geschwächt. In jüngster Zeit haben äußere Einflüsse wie Tropenstürme, Dürren und die Auswirkungen der Coronapandemie die Situation weiter verschärft. In einigen Regionen kam es zu Nahrungsmittelknappheit. Im Zuge des globalen Klimawandels werden Niederschlagsschwankungen in Zukunft voraussichtlich zunehmen. Umso wichtiger sind deshalb Investitionen in Technologien zur Klimaanpassung wie Bewässerung und verbesserte Lagerung.

    Bergbau profitiert von weltweitem Rohstoffboom

    Innenpolitische Erwägungen spielen bei Investitionen in den Abbau von mineralischen Rohstoffen oft eine untergeordnete Rolle. Simbabwes Reichtum an abbauwürdigen Ressourcen stößt trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf reges Interesse. Vor allem chinesische Unternehmen haben sich in den letzten Jahren verstärkt engagiert, etwa im Lithiumabbau. Die Regierung in Harare sieht in dem aktuellen Boom eine Chance für stabiles Wachstum und hat dem Bergbau in ihrer Entwicklungsstrategie "Vision 2030" eine zentrale Rolle eingeräumt.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Simbabwe (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil am BIP 2022

    Anteil an den Beschäftigten im 1. Quartal 2024 *

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    7,2

    22,9

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    12,6

    6,9

    Verarbeitendes Gewerbe

    21,5

    7,8

    Energieversorgung

    1,7

    k.A.

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    0,2

    k.A.

    Baugewerbe

    4,5

    3,8

    Dienstleistungen

    40,7

    48,5

    *) Die Statistik nennt nicht alle Wirtschaftsbereiche, daher bleibt die Summe unter 100%.Quelle: Zimbabwe National Statistics Agency (ZimStat) 2024

    Relativ gleichmäßige Gewichtung der Regionen

    Ein großer Teil Simbabwes wird vom zentralen Hochland eingenommen. Hier befinden sich die größeren Städte des Landes. Bedingt durch höhere Niederschläge liegt das Kerngebiet der landwirtschaftlichen Produktion, vor allem von Tabak und Mais, im nordöstlichen Teil Simbabwes. Ganz im Osten erreichen die bewaldeten Inyangaberge Höhen von über 2.500 Meter. Das Tiefland im Norden und Süden ist trockener und wird neben Bewässerungsflächen vor allem für die Viehzucht genutzt. Der Kariba-Stausee am Sambesi, der die Nordgrenze zu Sambia bildet, ist mit seinem Wasserkraftwerk die wichtigste Stromquelle des Landes.

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Berlin

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  • Simbabwe ist ein schwieriges Pflaster. Die Rahmenbedingungen für Investoren mahnen zur Vorsicht. Die Rohstoffvorkommen erweisen sich dennoch als Magnet.

    Potenzielle Investoren müssen sich in Simbabwe auf einen Cocktail zum Teil widersprüchlicher Standortfaktoren einstellen. Mineralische Rohstoffe und vielfältige landwirtschaftliche Produktionsmöglichkeiten schaffen ein breites Spektrum denkbarer Markteintritte. Für Investitionen in die Industrie spricht das Ziel, die Wertschöpfung im Land zu erhöhen, etwa durch die Weiterverarbeitung von Erzen und Metallen oder die lokale Produktion von Nahrungsmitteln.

    Die Regierung in Harare versucht dies zum Teil mit Gesetzen zu forcieren. So hat sie Anfang 2023 den Export von unverarbeitetem Lithiumerz verboten, um die Raffinierung vor Ort zu fördern. De facto hat das Bergbauministerium jedoch mehreren Unternehmen Sondergenehmigungen für den Export des Erzes erteilt. In der Regel handelt es sich dabei um Unternehmen mit staatlicher Beteiligung. Hinzu kommen illegale Exporte, die durch die grassierende Korruption erleichtert werden.

    Aufgrund des seit Jahren anhaltenden Devisenmangels gibt es in Simbabwe zudem Restriktionen für den Transfer von Devisen. So müssen Exporterlöse über die Zentralbank abgewickelt werden. Nur ein Teil wird dann in Devisen gutgeschrieben, der Rest in lokaler Währung. Auch bei den harten Standortfaktoren wie der Verkehrsinfrastruktur ist das Bild nicht eindeutig. Zwar verfügt Simbabwe über ein vergleichsweise dichtes Straßennetz und mehrere Eisenbahnstrecken. Deren Zustand ist jedoch schlecht, da jahrzehntelang zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde.

    Ausländische Direktinvestitionen steigen

    Die Regierung hat im Rahmen eines Investitionsprogramms für die Infrastruktur damit begonnen, wichtige Lücken zu schließen, vor allem im Bereich der Fernstraßen und der Stromversorgung. Wegen des sehr eingeschränkten Zugangs zu internationalen Finanzierungen muss der größte Teil allerdings aus dem Haushalt finanziert werden. Simbabwe geht daher in kleinen Schritten vor und hat zuletzt einzelne Abschnitte an lokale Bauunternehmen vergeben.

    Ausländische Direktinvestitionen fließen dagegen vor allem in den Bergbausektor. Die meisten Investitionen stammen aus China. Nach Analysen der Lloyds Bank gehören aber auch Russland, Iran und Indien zu den wichtigsten Herkunftsländern. Neben der Erschließung neuer Lagerstätten spielt in jüngster Zeit auch die Übernahme bestehender Bergwerke eine größere Rolle.

    Nach Angaben der Confederation of Zimbabwe Industries (CZI) leidet die verarbeitende Industrie des Landes unter einer starken Abhängigkeit von zahlreichen Vorprodukten, die aus dem Ausland eingeführt werden müssen. Dazu zählen Polymere für die Herstellung von Kunststoffprodukten, Verpackungsmaterialien aus Papier und Pappe, Gummi sowie verschiedene Chemikalien. Diese Bereiche könnten für ein Engagement interessant sein.

    Nur wenige deutsche Unternehmen sind in Simbabwe präsent. Dazu gehören der Logistiker DHL, im Gesundheitssektor B. Braun, der Schmierstoffhersteller Fuchs mit einer Vertriebsrepräsentanz und die Pflanzenschutzsparte von Bayer. Darüber hinaus haben einige Deutsche eigene Firmen vor Ort gegründet, die in diesem Zusammenhang aber eher als lokale Unternehmen anzusehen sind.

    Investitionsförderung: Open for Business?

    Als Regierungschef Emmerson Mnangagwa 2017 die Nachfolge des langjährigen Präsidenten Robert Mugabe antrat, erklärte er, Simbabwe sei nun "open for business". In der internationalen Gemeinschaft stieß dies zunächst auf abwartendes Interesse. Seither ist die Bilanz gemischt. An den innen- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen hat sich wenig geändert. Der Zufluss ausländischer Investitionen konzentrierte sich in der Folge relativ einseitig auf wenige Branchen und Herkunftsländer, in denen diese Faktoren eine geringere Priorität genießen.

    Die allgemeine Investitionsförderung obliegt seit 2020 der staatlichen Zimbabwe Investment Development Agency (ZIDA). Sie agiert als zentrale Anlaufstelle (one-stop-shop) für interessierte Unternehmen und konzentriert die Förderung in sechs Sonderwirtschaftszonen (Special Economic Zones, SEZ). Vorteile bei der Ansiedlung in einer SEZ sind vor allem Steuererleichterungen und die zollfreie Einfuhr von Investitionsgütern und Rohstoffen. Eine Zusammenfassung der Instrumente bietet eine Übersicht der Investitionsförderagentur ZIDA.

    Sonderwirtschaftszonen in SimbabweSpecial Economic Zones (SEZ) in öffentlichem Besitz
    SEZLageGröße (ha)Verwaltende BehördeAusrichtung
    BeitbridgeBeitbridge (Grenze zu Südafrika)

    248

    Municipality of Beitbridge/ ZIDALogistik
    Belmont-Donnington-Kelvin-WestondaleBulawayo

    3.000

    Bulawayo City CouncilProduzierendes Gewerbe, Industrie
    FernhillMutare

    89

    Mutare City CouncilLogistik, Weiterverarbeitung von Mineralien und Agrarprodukten
    MasuweVictoria Falls

    1.200

    Victoria Falls-Hwange Joint Committee/ Mosi Oa Tunya Development CompanyTourismus und Finanzdienste
    Sunway CityHarare

    1.216

    Sunway City (Pvt) LimitedHigh Tech, Leichtindustrie, Medical Park
    UmvumilaBulawayo

    179

    Bulawayo City CouncilIndustrie
    Quelle: ZIDA 2024

    Simbabwe zeigt Interesse an öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) in Bereichen wie der Verkehrs-, Energie- oder Wasserinfrastruktur. Die diesbezüglichen Informationen der ZIDA beschränken sich jedoch bisher im Wesentlichen auf Ideen und Wünsche. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Marcus Knupp

    Von Marcus Knupp | Berlin

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  • BezeichnungAnmerkung
    Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
    Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK)Anlaufstelle für deutsche Unternehmen. Die AHK ist mit einem Regionalbüro in Simbabwe vertreten.
    Delegation of the European Union to ZimbabweVertretung der EU in Simbabwe mit Übersicht der durch die EU geförderten Projekte
    Zimbabwe Investment Development Agency (ZIDA)Staatliche Investitionsförderstelle in Simbabwe
    Confederation of Zimbabwe Industries (CZI)Industrieverband in Simbabwe