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Slowakische Metallindustrie steht vor einem Comeback

In der Slowakei wollen große Metallurgiebetriebe ihre Anlagen modernisieren. Hilfe bekommen sie vom Staat und aus EU-Fördertöpfen. Die Investitionen eröffnen gute Geschäftschancen.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Bratislava

Die Aluminium- und Stahlindustrie der Slowakei ist seit dem Anstieg der Strompreise stark eingebrochen. Mit staatlicher Unterstützung und europäischen Fördermitteln soll sich die Lage nun verbessern. Für deutsche Zulieferer entstehen dadurch Lieferchancen bei Anlagentechnik, Automatisierung und Lösungen zur Dekarbonisierung.

Aluminiumhütte fährt wieder hoch

Ein zentrales Projekt ist die Wiederbelebung der Aluminiumproduktion in Žiar nad Hronom, für die Investitionen von rund 100 Millionen Euro vorgesehen sind. Am 1. Juli 2026 unterzeichneten die Regierung sowie die Eigentümer des Unternehmens Slovalco (Norsk Hydro und Penta) eine Umsetzungsvereinbarung. Im 4. Quartal 2026 könnten dort die ersten Elektrolyseeinheiten wieder hochfahren. Zunächst ist eine Jahreskapazität von 75.000 Tonnen vorgesehen. 

Das Vorhaben ist für die slowakische Industrie von Bedeutung, vor allem für die Automobilindustrie. Die Branche produziert rund 1 Million Fahrzeuge pro Jahr und braucht dafür mindestens 200.000 Tonnen Aluminium.

Slovalco musste seine Primärproduktion 2023 wegen hoher Strompreise und eines gleichzeitigen Preisverfalls bei Aluminium einstellen. Zuvor produzierte das Werk jährlich 175.000 Tonnen. Später konzentrierte sich das Unternehmen nur noch auf Metallrecycling und den Verkauf von überschüssigem Strom.

Das Unternehmen war einmal der größte industrielle Stromverbraucher der Slowakei mit einem Jahresbedarf von rund 2,5 Terawattstunden. Die Wiederaufnahme der Produktion ermöglichen jetzt langfristige Stromlieferverträge, unter anderem mit dem Staatsbetrieb Vodohospodárska výstavba. Der betreibt das Wasserkraftwerk Gabčíkovo und reserviert für Slovalco eine Leistung von 100 Megawatt zur Grundversorgung der Aluminiumschmelze.

Höhere Rohstoffpreise helfen beim Neustart

Der Strom darf nicht unter Produktionskosten an Slovalco verkauft werden, der Preis wird teilweise an die Entwicklung des Aluminiumpreises gekoppelt sein. Das im Juni 2026 verabschiedete Wachstumspaket der slowakischen Regierung sieht vor, solche langfristigen Energieverträge auch anderen Unternehmen des Landes anzubieten. 

Slovalco profitiert außerdem von der Senkung der Stromverbrauchsteuer von 1,32 auf 0,50 Euro je Megawattstunde. Außerdem übernimmt der Staat den Beitrag zum nationalen Kernenergiefonds sowie Kompensationszahlungen für CO₂-Emissionen. Das muss aber noch von der EU-Kommission genehmigt werden.

Die Renaissance der Aluminiumproduktion hängt auch mit den gestiegenen Aluminiumpreisen zusammen. Während das Metall im Herbst 2023 für 2.200 US-Dollar (US$) je Tonne gehandelt wurde, stiegen die Preise zu Beginn des Irankrieges auf über 3.700 US$. Die Stromkosten zur Herstellung von einer Tonne Aluminium betragen bei aktuellen Spotmarktpreisen etwa 1.600 US$.

Stahlproduktion mit Strom statt Kohle

Energiepreise sind auch beim zweiten Großprojekt in der slowakischen Metallindustrie entscheidend. Das Stahlwerk Košice plant den Bau eines Elektrolichtbogenofens, der Strom zum Schmelzen von Stahl verwendet.

Das Werk gehörte bis 2025 zu U.S. Steel und wurde dann von Nippon Steel übernommen. Die Japaner wollen es zum zentralen europäischen Produktionszentrum des Konzerns machen.

Der bisherige amerikanische Eigentümer plante ursprünglich zwei Elektrolichtbogenöfen sowie eine Technologie für das Direktgießen und Direktwalzen von Stahl. Das Projekt hätte rund zwei Milliarden Euro gekostet und die Treibhausgasemissionen um 70 Prozent reduziert. 

Die Pläne von Nippon Steel sehen nur noch einen Elektrolichtbogenofen sowie Anlagen für die Nachbehandlung des Stahls vor, darunter ein Doppelpfannenofen und eine Vakuumanlage. Wie aus den Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung hervorgeht, wird die Produktionskapazität der neuen Anlage - abhängig vom Produktmix - bei 1,5 Millionen bis 2,1 Millionen Tonnen Flüssigstahl pro Jahr liegen.  

Hinweise zu Lieferchancen

Die energieintensiven Unternehmen der Slowakei müssen ihre Energiebilanz verbessern, Emissionen senken und Anlagen modernisieren. Gefragt sind Anbieter von Industrieöfen, Anlagensteuerung, Mess- und Regeltechnik, Abgasreinigung, Entstaubung, Recyclingtechnik und Wartungsdienstleistungen. Besonders aussichtsreich sind Angebote, die den Kunden helfen, den Energieverbrauch, die CO₂-Kosten und Ausfallrisiken zu senken.

Der neue Elektrolichtbogenofen wird als Einsatzstoff bis zu 100 Prozent Stahlschrott verarbeiten. Zusätzlich sollen für höhere Stahlqualitäten direkt reduziertes Eisen in Form von Briketts (HBI) sowie gegebenenfalls Roheisen in fester Form eingesetzt werden. Damit wird die Stahlproduktion in den traditionellen Sauerstoffkonvertern des Werks stark verringert.

Das Stahlwerk verursacht rund ein Fünftel aller Emissionen in der Slowakei. Nach Inbetriebnahme der neuen Technologien könnten sich die Treibhausgase mit bis zu 2,7 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr um neun Prozent verringern, schätzen die Projektinitiatoren. Auch der Ausstoß fester Schadstoffe sowie von Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid wird erheblich zurück gehen. 

Der Baubeginn am Stahlwerk ist für 2027 vorgesehen, die Fertigstellung 2030. Zur Höhe der Gesamtinvestition macht Nippon Steel keine konkreten Angaben.

Holzkohle soll Klimabilanz verbessern

Ein weiteres Investitionsprojekt der slowakischen Metallurgiebranche steht beim Ferrolegierungshersteller OFZ in Orava an, der seine Produktion Ende 2025 zeitweise stilllegen musste. Jetzt plant das Unternehmen eine Dekarbonisierung des Produktionsprozesses. Steinkohle soll als Reduktionsmittel teilweise ersetzt werden durch selbst erzeugte Holzkohle aus Holzschnitzeln. Dafür wird eine Pyrolyseanlage errichtet. Ziele sind ein geringerer Einsatz fossiler Rohstoffe, ein niedrigerer Energieverbrauch und weniger CO₂-Emissionen, heißt es im Antrag für die Umweltverträglichkeitsprüfung. Die neue Technologie würde mehrere Millionen Euro kosten. 

Gelder aus dem EU-Modernisierungsfonds sollen fast die Hälfte der Gesamtkosten decken. Außerdem investiert OFZ 2026 rund 17 Millionen Euro in die Produktionsanlagen. Anfang dieses Jahres wurde bereits ein Batteriespeicher mit 10 Megawatt Leistung des slowakischen Herstellers InoBat in Betrieb genommen.

Die OFZ-Werksleitung geht davon aus, innerhalb von zwei Jahren wieder Gewinne zu erzielen. Der Optimismus beruht auf Schutzmaßnahmen der Europäischen Union gegen Billigimporte aus Drittstaaten sowie auf einer Wiederbelebung des stagnierenden europäischen Marktes.