Slowenien will seine Kohäsionsmittel für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Energiesicherheit und Verteidigung einsetzen. Das Land folgt damit den neuen Prioritäten der EU.
In der laufenden EU-Finanzperiode bis 2027 kann Slowenien auf rund 3,2 Milliarden Euro aus den europäischen Struktur‑ und Investitionsfonds zugreifen. Bislang läuft die Umsetzung der kohäsionspolitischen Maßnahmen allerdings schleppend. Priorität besitzt zunächst die Ausschöpfung des auslaufenden Wiederaufbaufonds. Bis Mitte März 2026 hatte Slowenien nur 17,5 Prozent der verfügbaren Kohäsionsgelder abgerufen. Das ist EU-weit der viertschlechteste Wert. Das Risiko besteht, dass nicht genutzte Mittel verfallen.
Neue Prioritäten in der Kohäsionspolitik
Um die Umsetzung kohäsionspolitischer Maßnahmen zu beschleunigen, überarbeitete die Regierung Ende 2025 zum zweiten Mal das zugrundeliegende Nationale Programm. Dabei wurden Mittel aus Bereichen mit langsamer Umsetzung oder geringerer Priorität in vorrangige Aktivitäten umgeschichtet. Ziel ist ein deutlich höherer Mittelabruf im Jahr 2026. Gleichzeitig wurde eine Verlängerung der Nutzungsperiode bis Ende 2030 beantragt. Anfang März 2026 stimmte die Europäische Kommission diesen Anpassungen zu.
Eine zentrale Änderung betrifft die Förderung für Schlüsseltechnologien: Das Fördervolumen wird von 100 Millionen auf 150 Millionen Euro aufgestockt. Das Förderinstrumentarium orientiert sich an den Zielen der Strategischen Technologieplattform für Europa (STEP). Derzeit sind aus dem Topf 60 Millionen Euro für Projekte in den Bereichen Biotechnologie, CleanTech und digitale Technologien ausgeschrieben.
Mehr Mittel für Dual-Use-Projekte
In den Umsetzungsplan wird zudem ein neuer Förderbereich für Dual-Use-Güter aufgenommen. Bis zu 81 Millionen Euro können in entsprechende Projekte fließen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau dual nutzbarer Gesundheitsinfrastruktur, also Einrichtungen und Systeme, die auch in Notlagen und militärischen Konflikten eingesetzt werden können. Umschichtungen gab es außerdem bei Fördermitteln für erschwinglichen Wohnraum, die Modernisierung der Stromnetze sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Regional unterschiedliche Förderquoten
Slowenien verabschiedete ein Nationales Programm erstmals im September 2022. Es basiert auf der kurz zuvor geschlossenen Partnerschaftsvereinbarung mit der Europäischen Kommission. Es bündelt Mittel aus vier EU-Fonds. Während der Kohäsionsfonds landesweit eingesetzt wird, werden die Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) getrennt für die Kohäsionsregionen Ost- und Westslowenien verwaltet.
Die unterschiedlichen Entwicklungsstände der beiden Regionen spiegeln sich in den Förderquoten wider. In Westslowenien einschließlich der Hauptstadtregion liegt die maximale Förderquote bei 40 Prozent, in Ostslowenien sind Kofinanzierungen von bis zu 85 Prozent möglich. Zusätzlich erhält Slowenien Mittel aus dem Fonds für einen gerechten Übergang (Just Transition Fund, JTF), die für die vom Kohleabbau geprägten Regionen Zasavje und Savinjsko-Šaleška vorgesehen sind.
Spitzenförderung für Spitzenforschung
In der Kohäsionspolitik priorisiert Slowenien Forschung, Entwicklung und Innovation. Rund ein Viertel der aus Brüssel zugewiesenen Mittel sind dafür vorgesehen. Allein 352 Millionen Euro fließen in Spitzenforschungseinrichtungen und Innovationssysteme – mit Abstand der größte Einzelposten des kohäsionspolitischen Programms.
Danach folgen Infrastrukturvorhaben. Für die Modernisierung von Eisenbahnstrecken im transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN‑T‑Netz) sind knapp 285 Millionen Euro eingeplant. Mit weiteren 217 Millionen Euro werden regionale Eisenbahnstrecken saniert, die eine Anbindung an das TEN‑T‑Netz ermöglichen. Für den Hochwasserschutz stehen 182 Millionen Euro bereit, die Wasserwirtschaft erhält 155 Millionen Euro.
Ehrgeizige Pläne für Kohlereviere
Slowenien plant bis spätestens 2033 aus der Kohlenutzung auszusteigen. Um negative Effekte des Strukturwandels abzufedern, will die Regierung Innovationsökosysteme, Start‑ups und Spitzenforschung in den Kohleregionen ansiedeln – etwa in Velenje (Savinjsko‑Šaleška), wo ein Technologiepark mit einer Forschungseinrichtung zur stofflichen Nutzung von Biomasse entsteht. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Šoštanj‑See mit einer Leistung von 140 Megawatt und einem Investitionsvolumen von 110 Millionen Euro.
Dagegen gestalten sich direkte Förderaktivitäten für Unternehmen in den Kohleregionen schwierig. Eine zentrale Ausschreibung im Umfang von 83 Millionen Euro wurde Anfang 2025 wegen Unregelmäßigkeiten aufgehoben. Ende 2025 startete eine neue Förderrunde mit einem Volumen von 69 Millionen Euro, die bei Unternehmen bislang jedoch nur auf begrenztes Interesse stößt. Kritisiert werden vor allem komplexe Antragsverfahren und kurze Fristen.
Chancen trotz bürokratischer Hürden
Auch in der kommenden EU‑Haushaltsperiode ab 2028 kann Slowenien mit umfangreichen Mittelzuweisungen rechnen. Nach ersten Vorschlägen der EU‑Kommission ist für das Land ein Förderrahmen von 5,4 Milliarden Euro vorgesehen. Darin enthalten sind neben Kohäsionsmitteln auch Agrarsubventionen. Die Verhandlungen sind noch im Gang. Mit dem knappen Ausgang der Parlamentswahlen Ende März 2026 bleibt abzuwarten, ob der Abstimmungsprozess zwischen Ljubljana und Brüssel zügig fortgesetzt werden kann.
Für deutsche Ausrüster ergeben sich daraus weiterhin potenzielle Geschäftsmöglichkeiten, zumeist in indirekter Form über Lieferverträge. Deutsche Unternehmen können sich zudem direkt an Förderausschreibungen beteiligen. Kooperationen mit lokalen Partnern im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) bieten dabei gute Möglichkeiten. In diesem Bereich sind auch Großunternehmen förderfähig. Firmen ohne Sitz in Slowenien müssen jedoch spätestens vor der ersten Zuschussauszahlung eine Niederlassung einrichten. Die AHK Slowenien (Deutsch‑Slowenische Industrie‑ und Handelskammer) unterstützt dabei.
Programm für die Durchführung der europäischen Kohäsionspolitik 2021 bis 2027 in Slowenien Stand: September 2025| Priorität | Auswahl von Förderaktivitäten | Mittelzuweisungen der EU in Mio. Euro *) |
|---|
| 1. Auf Innovationen basierte Wissensgesellschaft | Forschung, Entwicklung und Innovationen, auch mit Fokus auf Wasserstoff und Biomasse; Ökosysteme für KMU; Kompetenzzentren; Schlüsseltechnologien; digitale Transformation | 747,3 |
| 2. Digitale Konnektivität | Ausbau eines schnellen Breitbandnetzes im ländlichen Raum | 19,7 |
| 3. Grüne Transformation für Klimaneutralität | Energieeffizienz in der Wirtschaft und im Gebäudesektor, Investitionen in Photovoltaik, Wind, Holzbiomasse und Energiespeicherung; Fernwärmesysteme; intelligente Stromnetze; Hochwasserschutz; Wasserwirtschaft; Kreislaufwirtschaft | 729,0 |
| 4. Nachhaltige städtische Mobilität | Einsatz von alternativen Kraftstoffen im öffentlichen Personennahverkehr, Ausbau der Lade- sowie intermodalen Tür-zu-Tür-Infrastruktur in Städten | 53,9 |
| 5. Nachhaltiger und vernetzter (über-)regionaler Verkehrssektor | Modernisierung des TEN-T-Netzes und des regionalen Eisenbahnnetzes; Digitalisierung im Verkehrssektor | 501,3 |
| 6. Wissen und Fähigkeiten, ein reaktionsschneller Arbeitsmarkt | Modernisierung von Bildungseinrichtungen; aktive Arbeitsmarktmaßnahmen | 439,5 |
| 7. Qualitätssteigerung im Gesundheits- und Langzeitpflegesektor | Bau von Notfallzentren, diagnostische Medizinausstattung | 282,4 |
| 8. Nachhaltiger Tourismus und Kultur | Wiederaufbau des kulturellen Erbes | 19,7 |
| 9. Nachhaltige Entwicklung lokaler Räume | Sanierung und Revitalisierung leerstehender Gebäude und brachliegender Flächen im öffentlichen Interesse | 85,3 |
| 10. Strukturwandel in Kohleregionen | Investitionen in Fernwärme, neue Energiequellen, Umweltmaßnahmen; Förderung von Beschäftigung und neuen Wirtschaftsmodellen in Kohleregionen | 248,8 |
* Beträge für die technische Hilfe sind nicht inbegriffen.Quelle: Ministerium für Kohäsion und regionale Entwicklung 2026
Von Snjezana Buhin Peharec,
Kirsten Grieß
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Ljubljana