Special | Slowenien | EU-Förderung

EU-Förderung in Slowenien

Slowenien setzt EU‑Mittel gezielt ein, um eine innovationsbasierte Volkswirtschaft aufzubauen. Auch deutsche Unternehmen können davon profitieren.

Von Snjezana Buhin Peharec, Kirsten Grieß | Ljubljana

Mittelzuweisungen der EU an Slowenien zwischen 2021 und 2027Zuschüsse; in Milliarden Euro
Förderprogramm

Betrag *)

Aufbau- und Resilienzfazilität

1,6

Kohäsionspolitische Mittelzuweisungen, darunter 

3,2

  Europäischer Sozialfonds Plus (ESF+)

0,6

  Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

1,6

  Kohäsionsfonds

0,7

  Just Transition Fund

0,3

* Alle Angaben zu laufenden Preisen.Quelle: Europäische Kommission 2026; Cohesion Open Data Platform 2026

  • Slowenien kann rund 2,1 Milliarden Euro aus dem EU‑Wiederaufbaufonds abrufen. In der aktuell laufenden Schlussphase geht es vor allem um die fristgerechte Umsetzung der Projekte.

    Slowenien nutzt die Mittel aus dem EU‑Wiederaufbaufonds effizient und mit hohem Tempo. Bis Ende 2025 erhielt das Land vier Auszahlungen in Höhe von insgesamt 1,54 Milliarden Euro, was rund 72 Prozent des Gesamtvolumens entsprach.

    Ein weiterer Zahlungsantrag über 230 Millionen Euro wird aktuell in Brüssel geprüft. Auch die an die Auszahlungen geknüpften Reformmeilensteine wurden überwiegend erreicht. Da der Fonds Ende 2026 ausläuft, liegt der Schwerpunkt nun auf der fristgerechten Umsetzung noch ausstehender Investitionsprojekte.

    Solide Planung, holprige Umsetzung

    Die slowenische Regierung verabschiedete früh einen Ausgabenplan für den europäischen Aufbau- und Resilienzfonds. Die Umsetzung geriet jedoch durch den Regierungswechsel 2022, komplexe Ausschreibungen, verzögerte Reformen und eine Hochwasserkatastrophe im Jahr 2023 ins Stocken. Daraufhin wurde der Plan zur Verwendung der Mittel mehrfach angepasst. Dies betraf auch die Höhe der Fördersumme, die mittlerweile bei 2,1 Milliarden Euro liegt. Darunter entfallen 500 Millionen Euro auf zinsgünstige Darlehen.

    Öffentliche Infrastruktur im Fokus

    Seit 2025 beobachten Experten eine deutlich beschleunigte Umsetzung der Vorhaben. Der überwiegende Teil der bislang ausgezahlten Mittel floss in den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur im Großraum Ljubljana, nicht zuletzt wegen der frühen Umsetzungsreife der Projekte. Auch das Hochschulwesen profitierte stark von EU-Geldern, insbesondere die Universitäten in Ljubljana und Maribor. Zu wichtigen Empfängern zählen außerdem der nationale Wohnungsbaufonds und die staatliche Wasserbehörde.

    Der größte Einzelposten im slowenischen Wiederaufbauplan entfällt auf nachhaltige Mobilität. Knapp 20 Prozent der Mittel sind für entsprechende Aktivitäten vorgesehen. Es folgen die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung sowie die Wasserwirtschaft einschließlich der Bewältigung klimabedingter Risiken jeweils mit rund 12 Prozent. Für Hochschulen und lebenslanges Lernen sind 10 Prozent der Mittel vorgesehen. Investitionen in Unternehmen und in den Energiesektor erhalten jeweils 6,6 Prozent.

    Gemischte Bilanz bei Unternehmensförderung

    Die ersten Ausschreibungen für Unternehmen starteten 2022. Bislang wurden rund 37 Millionen Euro für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich grüner Wandel und Kreislaufwirtschaft vergeben. Weitere 120 Millionen Euro flossen in zwei Förderrunden für Investitionen in Maschinen und Anlagen. Beide Programme waren rasch überzeichnet. Zu den erfolgreichen Antragstellern gehörten auch die slowenischen Niederlassungen der deutschen Unternehmen Bosch Rexroth und ebm-papst.

    Weniger erfolgreich verlief dagegen die Ausschreibung zur Dekarbonisierung des verarbeitenden Gewerbes. Mit einem Budget von 42 Millionen Euro sollten mindestens 22 Projekte gefördert werden. Aufgrund hoher administrativer Anforderungen und kurzer Umsetzungsfristen blieb das Interesse von Unternehmen jedoch gering. Nach einer Kürzung der Mittel wurde das Programm letztlich annulliert. Die nicht abgerufenen Gelder kamen stattdessen der Förderung im Bereich Elektromobilität zugute.

    Kritik an komplexen Vergabeverfahren

    Langwierige und komplexe Ausschreibungsverfahren sind nicht nur in Slowenien typische Probleme bei der Umsetzung von Förderprogrammen. Slowenische Unternehmen bemängeln zudem lange Entscheidungsfristen bei Beihilfevergaben. Nicht selten wird die vorgesehene 90‑Tage‑Frist überschritten, was zu Planungsunsicherheiten führt. Neue Leitlinien der Regierung für Förderausschreibungen setzen daher auf digitale und KI-basierte Lösungen.

    Der Handlungsdruck bleibt weiter hoch, da sich Aktivitäten aus dem Wiederaufbauplan und der EU-Kohäsionspolitik zeitlich und administrativ überschneiden. Diese Parallelbelastung stellt sowohl staatliche Stellen als auch Auftragnehmer vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig steht die konkrete Umsetzung zahlreicher Investitionsvorhaben noch aus.

    Von Snjezana Buhin Peharec, Kirsten Grieß | Ljubljana

  • Slowenien will seine Kohäsionsmittel für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Energiesicherheit und Verteidigung einsetzen. Das Land folgt damit den neuen Prioritäten der EU.

    In der laufenden EU-Finanzperiode bis 2027 kann Slowenien auf rund 3,2 Milliarden Euro aus den europäischen Struktur‑ und Investitionsfonds zugreifen. Bislang läuft die Umsetzung der kohäsionspolitischen Maßnahmen allerdings schleppend. Priorität besitzt zunächst die Ausschöpfung des auslaufenden Wiederaufbaufonds. Bis Mitte März 2026 hatte Slowenien nur 17,5 Prozent der verfügbaren Kohäsionsgelder abgerufen. Das ist EU-weit der viertschlechteste Wert. Das Risiko besteht, dass nicht genutzte Mittel verfallen.

    Neue Prioritäten in der Kohäsionspolitik

    Um die Umsetzung kohäsionspolitischer Maßnahmen zu beschleunigen, überarbeitete die Regierung Ende 2025 zum zweiten Mal das zugrundeliegende Nationale Programm. Dabei wurden Mittel aus Bereichen mit langsamer Umsetzung oder geringerer Priorität in vorrangige Aktivitäten umgeschichtet. Ziel ist ein deutlich höherer Mittelabruf im Jahr 2026. Gleichzeitig wurde eine Verlängerung der Nutzungsperiode bis Ende 2030 beantragt. Anfang März 2026 stimmte die Europäische Kommission diesen Anpassungen zu.

    Eine zentrale Änderung betrifft die Förderung für Schlüsseltechnologien: Das Fördervolumen wird von 100 Millionen auf 150 Millionen Euro aufgestockt. Das Förderinstrumentarium orientiert sich an den Zielen der Strategischen Technologieplattform für Europa (STEP). Derzeit sind aus dem Topf 60 Millionen Euro für Projekte in den Bereichen Biotechnologie, CleanTech und digitale Technologien ausgeschrieben.

    Mehr Mittel für Dual-Use-Projekte

    In den Umsetzungsplan wird zudem ein neuer Förderbereich für Dual-Use-Güter aufgenommen. Bis zu 81 Millionen Euro können in entsprechende Projekte fließen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau dual nutzbarer Gesundheitsinfrastruktur, also Einrichtungen und Systeme, die auch in Notlagen und militärischen Konflikten eingesetzt werden können. Umschichtungen gab es außerdem bei Fördermitteln für erschwinglichen Wohnraum, die Modernisierung der Stromnetze sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

    Regional unterschiedliche Förderquoten

    Slowenien verabschiedete ein Nationales Programm erstmals im September 2022. Es basiert auf der kurz zuvor geschlossenen Partnerschaftsvereinbarung mit der Europäischen Kommission. Es bündelt Mittel aus vier EU-Fonds. Während der Kohäsionsfonds landesweit eingesetzt wird, werden die Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) getrennt für die Kohäsionsregionen Ost- und Westslowenien verwaltet.

    Die unterschiedlichen Entwicklungsstände der beiden Regionen spiegeln sich in den Förderquoten wider. In Westslowenien einschließlich der Hauptstadtregion liegt die maximale Förderquote bei 40 Prozent, in Ostslowenien sind Kofinanzierungen von bis zu 85 Prozent möglich. Zusätzlich erhält Slowenien Mittel aus dem Fonds für einen gerechten Übergang (Just Transition Fund, JTF), die für die vom Kohleabbau geprägten Regionen Zasavje und Savinjsko-Šaleška vorgesehen sind.

    Spitzenförderung für Spitzenforschung

    In der Kohäsionspolitik priorisiert Slowenien Forschung, Entwicklung und Innovation. Rund ein Viertel der aus Brüssel zugewiesenen Mittel sind dafür vorgesehen. Allein 352 Millionen Euro fließen in Spitzenforschungseinrichtungen und Innovationssysteme mit Abstand der größte Einzelposten des kohäsionspolitischen Programms.

    Danach folgen Infrastrukturvorhaben. Für die Modernisierung von Eisenbahnstrecken im transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN‑T‑Netz) sind knapp 285 Millionen Euro eingeplant. Mit weiteren 217 Millionen Euro werden regionale Eisenbahnstrecken saniert, die eine Anbindung an das TEN‑T‑Netz ermöglichen. Für den Hochwasserschutz stehen 182 Millionen Euro bereit, die Wasserwirtschaft erhält 155 Millionen Euro.

    Ehrgeizige Pläne für Kohlereviere

    Slowenien plant bis spätestens 2033 aus der Kohlenutzung auszusteigen. Um negative Effekte des Strukturwandels abzufedern, will die Regierung Innovationsökosysteme, Start‑ups und Spitzenforschung in den Kohleregionen ansiedeln – etwa in Velenje (Savinjsko‑Šaleška), wo ein Technologiepark mit einer Forschungseinrichtung zur stofflichen Nutzung von Biomasse entsteht. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Šoštanj‑See mit einer Leistung von 140 Megawatt und einem Investitionsvolumen von 110 Millionen Euro.

    Dagegen gestalten sich direkte Förderaktivitäten für Unternehmen in den Kohleregionen schwierig. Eine zentrale Ausschreibung im Umfang von 83 Millionen Euro wurde Anfang 2025 wegen Unregelmäßigkeiten aufgehoben. Ende 2025 startete eine neue Förderrunde mit einem Volumen von 69 Millionen Euro, die bei Unternehmen  bislang jedoch nur auf begrenztes Interesse stößt. Kritisiert werden vor allem komplexe Antragsverfahren und kurze Fristen.

    Chancen trotz bürokratischer Hürden

    Auch in der kommenden EU‑Haushaltsperiode ab 2028 kann Slowenien mit umfangreichen Mittelzuweisungen rechnen. Nach ersten Vorschlägen der EU‑Kommission ist für das Land ein Förderrahmen von 5,4 Milliarden Euro vorgesehen. Darin enthalten sind neben Kohäsionsmitteln auch Agrarsubventionen. Die Verhandlungen sind noch im Gang. Mit dem knappen Ausgang der Parlamentswahlen Ende März 2026 bleibt abzuwarten, ob der Abstimmungsprozess zwischen Ljubljana und Brüssel zügig fortgesetzt werden kann.

    Für deutsche Ausrüster ergeben sich daraus weiterhin potenzielle Geschäftsmöglichkeiten, zumeist in indirekter Form über Lieferverträge. Deutsche Unternehmen können sich zudem direkt an Förderausschreibungen beteiligen. Kooperationen mit lokalen Partnern im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) bieten dabei gute Möglichkeiten. In diesem Bereich sind auch Großunternehmen förderfähig. Firmen ohne Sitz in Slowenien müssen jedoch spätestens vor der ersten Zuschussauszahlung eine Niederlassung einrichten. Die AHK Slowenien (Deutsch‑Slowenische Industrie‑ und Handelskammer) unterstützt dabei.

    Programm für die Durchführung der europäischen Kohäsionspolitik 2021 bis 2027 in Slowenien Stand: September 2025
    PrioritätAuswahl von Förderaktivitäten

    Mittelzuweisungen der EU in Mio. Euro *)

    1. Auf Innovationen basierte WissensgesellschaftForschung, Entwicklung und Innovationen, auch mit Fokus auf Wasserstoff und Biomasse; Ökosysteme für KMU; Kompetenzzentren; Schlüsseltechnologien; digitale Transformation

    747,3

     2. Digitale KonnektivitätAusbau eines schnellen Breitbandnetzes im ländlichen Raum

    19,7

     3. Grüne Transformation für KlimaneutralitätEnergieeffizienz in der Wirtschaft und im Gebäudesektor, Investitionen in Photovoltaik, Wind, Holzbiomasse und Energiespeicherung; Fernwärmesysteme; intelligente Stromnetze; Hochwasserschutz; Wasserwirtschaft; Kreislaufwirtschaft

    729,0

    4. Nachhaltige städtische MobilitätEinsatz von alternativen Kraftstoffen im öffentlichen Personennahverkehr, Ausbau der Lade- sowie intermodalen Tür-zu-Tür-Infrastruktur in Städten

    53,9

    5. Nachhaltiger und vernetzter (über-)regionaler VerkehrssektorModernisierung des TEN-T-Netzes und des regionalen Eisenbahnnetzes; Digitalisierung im Verkehrssektor

    501,3

    6. Wissen und Fähigkeiten, ein reaktionsschneller ArbeitsmarktModernisierung von Bildungseinrichtungen; aktive Arbeitsmarktmaßnahmen

    439,5

    7. Qualitätssteigerung im Gesundheits- und LangzeitpflegesektorBau von Notfallzentren, diagnostische Medizinausstattung

    282,4

    8. Nachhaltiger Tourismus und KulturWiederaufbau des kulturellen Erbes

    19,7

    9. Nachhaltige Entwicklung lokaler RäumeSanierung und Revitalisierung leerstehender Gebäude und brachliegender Flächen im öffentlichen Interesse

    85,3

    10. Strukturwandel in KohleregionenInvestitionen in Fernwärme, neue Energiequellen, Umweltmaßnahmen; Förderung von Beschäftigung und neuen Wirtschaftsmodellen in Kohleregionen

    248,8

    * Beträge für die technische Hilfe sind nicht inbegriffen.Quelle: Ministerium für Kohäsion und regionale Entwicklung 2026

    Von Snjezana Buhin Peharec, Kirsten Grieß | Ljubljana

  • Institution

    Anmerkungen

    Vertretung der Europäischen Kommission in SlowenienInformationsstelle der Europäischen Kommission
    AHK SlowenienAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Ministerium für Kohäsion und regionale EntwicklungFür die Ausarbeitung von Planungsdokumenten der Kohäsionspolitik sowie für die Verwaltung von Strukturfonds der Europäischen Union zuständig; hat auch den Aufbau- und Resilienzplan ausgearbeitet
    Amt für Aufbau und Resilienz beim FinanzministeriumFür die Umsetzung des Aufbau- und Resilienzplans sowie das Management von Mitteln zuständig
    Regierungssonderseite zum Aufbau- und Resilienzplan SloweniensEnthält auch Ausschreibungshinweise aus dem Aufbau- und Resilienzplan
    Regierungssonderseite zu EU-Fördermitteln 
    Ausschreibungsportale 
    Ausschreibungsportal EU-Fonds – Evropska sredstva/razpisiEinheitliches Portal für ausgeschriebene Maßnahmen der Kohäsionspolitik
    Ausschreibungsportal Aufbau- und ResilienzplanAusschreibungshinweise aus dem Aufbau- und Resilienzplan
    Elektronisches Ausschreibungsportal eNaročanjeLandesportal für öffentliche Beschaffungen
    Beratungsinstitutionen im Land 
    Tiko Pro 
    ProFUTURUS 
    Deloitte Slovenija 
    PwC Slovenija