Wirtschaftsumfeld | Bulgarien | Investitionsklima
Zahlreiche Standorte kommen für eine Ansiedlung in Frage
Bulgarien zieht mit günstigen Steuern sowie neuen Industrie- und Technologieparks Investoren an. Das Land schneidet jedoch in puncto Korruption und Rechtsstaatlichkeit schlecht ab.
01.04.2026
Von Torsten Pauly | Berlin
Für Unternehmen gilt in Bulgarien ein niedriger Körperschaftssteuersatz von nur 10 Prozent. Um neue Investoren zu gewinnen, entwickelt die staatliche Gesellschaft National Company Industrial Zones (NCIZ) landesweit Gewerbegebiete. Derzeit betreibt NCIZ solche Industriezonen in acht Städten. Weitere vier Areale sollen die ersten Unternehmen schon bald begrüßen können. Auch zahlreiche weitere Städte verfügen über moderne Industrie-, Technologie- oder Forschungsparks. Eine Übersicht zu Ansiedlungsmöglichkeiten bietet die Investitionsförderagentur InvestBulgaria Agency.
Eines der größten Industriegebiete ist die Trakia Economic Zone (TEZ) in Plowdiw. Sie hat mittlerweile Investitionen in Höhe von 3 Milliarden Euro angezogen, darunter Niederlassungen von Liebherr, Osram oder DSV (DB Schenker). Bis 2040 will die TEZ Klimaneutralität erreichen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert die dafür initiierte Machbarkeitsstudie.
In Bulgarien existieren auch sechs Sonderwirtschaftszonen mit günstigen Investitionsbedingungen. Diese befinden sich in den Städten Plowdiw, Swilengrad und Dragoman sowie in den Häfen Burgas (Schwarzes Meer) sowie Russe und Widin (jeweils Donau).
Die meisten Investitionen fließen nach Sofia und Umgebung
Ende 2024 entfielen knapp 43 Prozent des Bestands an ausländischen Direktinvestitionen außerhalb des Finanzsektors auf Bulgariens verarbeitendes Gewerbe. Es folgten der Handel mit 23 Prozent, der IKT-Sektor mit nahezu 13 Prozent und der Immobiliensektor mit knapp 12 Prozent. Geographisch dominiert der Großraum Sofia mit einem Anteil von rund 61 Prozent.
Engagement deutscher Investoren wächst
Die deutsche Schwarz-Gruppe ist mit ihren Ketten Lidl und Kaufland der führende Einzelhändler in Bulgarien. Darüber hinaus dominieren die Kfz-Sparte sowie verschiedene Bereiche der Metallindustrie die deutschen Investitionen. Der Metallkonzern Aurubis ist dabei das zweitumsatzstärkste Unternehmen in Bulgarien. Präsent sind unter anderem auch der Hersteller feinmechanischer und optischer Waren Zeiss und Siemens Digital Industries.
Ein weitere größere Investition aus Deutschland kündigt sich an: In Sopot investiert der Rüstungskonzern Rheinmetall gemeinsam mit dem bulgarischen Produzenten VMZ 1 Milliarde Euro in die Produktion von Artilleriemunition. Das dafür gegründete Joint Venture soll noch 2026 schrittweise an den Start gehen.
Unternehmen | Branche | Umsatz in Mio. Euro 2024 |
|---|---|---|
| Aurubis | Metallverarbeitung | 4.576 |
| Lidl Bulgarien | Einzelhandel | 1.341 |
| Kaufland Bulgarien | Einzelhandel | 1.312 |
| Metro Cash & Carry | Einzelhandel | 641 |
| Kostal Bulgaria Automotive | Elektronische, elektromechanische und mechatronische Produkte für die Automobilindustrie | 414 |
| Liebherr-Hausgeräte Marica | Maschinen und Anlagen | 277 |
| Witte Automotive | Automobilindustrie | 213 |
| Lufthansa-Technik Sofia | Luftfahrt | 98 |
| Kaolin | Gewinnung und Veredelung von Mineralen für die Industrie | 97 |
Investitionsförderung: Projektgröße und -ort bestimmen Anreize
Für in- und ausländische Investoren bietet Bulgariens Investitionsfördergesetz zahlreiche Anreize. Deren Umfang richtet sich nach der Investitionssumme und der Zahl der zugesagten Arbeitsplätze.
Förderfähig sind Projekte des verarbeitenden Gewerbes, des IKT-Sektors, der Logistikbranche, für wirtschaftsnahe Dienstleistungen sowie im Gesundheits- und Bildungswesen. Im verarbeitenden Gewerbe möchte der bulgarische Staat ausländische Investoren insbesondere in ausgewählten Sparten wie Automobil, Elektronik, Robotik oder Mechatronik gewinnen.
Zu den Förderinstrumenten zählen:
- Investitionszuschüsse;
- Erwerb öffentlichen Landes zu günstigen Preisen ohne Grundsteuer und ohne Ausschreibung;
- Finanzierungsbeteiligungen für Infrastrukturbauten;
- Teilerstattung von Sozialversicherungsbeiträgen für Neueinstellungen;
- Zuschüsse zu Qualifizierungen von Neueinstellungen;
- Beschleunigung von Verwaltungsabläufen;
- Beteiligungen im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften.
In Gemeinden mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit sind zusätzliche Fördermöglichkeiten möglich. Dazu zählen beispielsweise höhere Investitionszuschüsse.
Bulgarien ist an ausländischen Start-up-Gründern interessiert und offeriert unter anderem ein Start-up-Visum für Nicht-EU-Bürger. Eine Förderagentur speziell für kleine und mittlere Unternehmen ist die Bulgarian Small and Medium Enterprises Promotion Agency (BSMPA).
In Bulgarien gibt es seit März 2024 ein Gesetz zur Kontrolle des Exports und von ausländischen Investitionen. Damit setzt das Land EU-Vorschriften in nationales Recht um. Zu prüfen sind in diesem Zusammenhang hauptsächlich Investitionen in die kritische Infrastruktur. Sie umfasst unter anderem Strom- und Breitbandnetze, Kraftwerke oder Technologien, die mit sensiblen Daten arbeiten. Das Gesetz gilt für Investoren mit Hauptsitz außerhalb der EU und ab einer Investitionssumme von 2 Millionen Euro beziehungsweise einer Firmenbeteiligung in Höhe von 10 Prozent des Kapitals des bulgarischen Unternehmens.
Administratives Umfeld unterscheidet sich je nach Standort
Ungeachtet der staatlichen Fördermöglichkeiten steht dem sich dynamisch entwickelnden Privatsektor häufig eine schwerfällige öffentliche Verwaltung gegenüber. Im Zeitraum 2021 bis Frühjahr 2026 haben allein sieben Regierungswechsel nach Wahlen auf nationaler Ebene eine berechenbare Wirtschaftspolitik erschwert.
Die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln unterscheiden sich dabei allerdings je nach Kommune und den dort zuständigen Entscheidungsträgern. Dies gilt auch für die zügige Implementierung der EU-Förderprogramme.
Als problematisch wird nach wie vor die Korruption wahrgenommen. Im Corruption Perception Index von Transparency International hat sich Bulgarien 2025 um drei Plätze auf Rang 84 von 182 erfassten Staaten verschlechtert. Innerhalb der EU liegt Bulgarien an vorletzter Stelle.
Auch im Index der Rechtsstaatlichkeit der World Justice Foundation musste sich Bulgarien 2025 mit der EU-weit zweitschlechtesten Platzierung begnügen: Rang 61 unter insgesamt 163 Ländern. Kritisiert wird unter anderem eine mitunter zu beobachtende Einflussnahme von Politikern auf die Judikative. All dies führt in Bulgarien laut Landeskennern jedoch nicht nur zu starker öffentlicher Kritik, sondern auch zu einem rasch zunehmenden zivilgesellschaftlichen Engagement.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
"Detaillierte Landeskenntnisse sind unabdingbar"
Sonja Miekley ist seit 2024 Hauptgeschäftsführerin der AHK Bulgarien (Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer). Sie kennt Bulgarien seit einem Studienaufenthalt in Sofia 2004 und war zwischenzeitlich an verschiedenen Standorten im AHK-Netz tätig.
Frau Miekley, Bulgarien wird Ende April 2026 in nur fünf Jahren zum mittlerweile achten Mal Parlamentswahlen abhalten. Von einer kontinuierlichen Reformpolitik kann daher keine Rede sein. Wie kommt es, dass die bulgarische Wirtschaft seit 2019 dennoch das fünfthöchste Wachstum in der EU erzielte?
Ein wichtiger Punkt sind die Investitionen, sowohl von neuen ausländischen Unternehmen als auch von Firmen, die bereits in Bulgarien tätig sind, insbesondere in Automatisierung, Digitalisierung und Shared Services. Dies spiegelt das Vertrauen in den Standort wider und steigert die Produktivität. Ein weiterer Punkt ist auch der wachsende Konsum dank kräftiger Lohnsteigerungen in den letzten Jahren.
Was spricht aus der Sicht Ihrer Mitglieder für ein Engagement in Bulgarien?
Unsere Mitglieder wollen ihre Investitionen genau so weiterführen oder sogar ausbauen. Bulgarien ist ein Standort mit konkurrenzfähigen Produktionskosten. Englische und deutsche Sprachkenntnisse sind weit verbreitet. Auch zurückkehrende Auslandsbulgaren haben einen positiven Einfluss auf die Unternehmen. Dies ist vom Standort abhängig und gelingt in Sofia, Plowdiw und anderen Großstädten besser als in kleineren Orten.
Und gibt es auch Nachteile?
Unsere Herbstumfrage 2025 hat ergeben, dass die Arbeitskosten stark steigen, auch wegen höherer Sozialabgaben. Dies erfordert weitere Produktivitäts- und Innovationssteigerungen. Bei der Rechtsstaatlichkeit sowie der Effizienz und Transparenz der Verwaltung gibt es Nachholbedarf. Angesichts dieser Herausforderungen sind detaillierte Landeskenntnisse und ein starkes Partnernetzwerk unabdingbar.