Interview | Slowenien | Investitionsklima

"Wir rufen die slowenische Regierung zum Dialog auf“

Knappes Wahlergebnis, unsichere Regierungsbildung in Slowenien: AHK‑Vizechefin Katja Stadler erklärt, was Unternehmen jetzt erwarten – und wo sie für die Wirtschaft Chancen sieht.

Von Kirsten Grieß | Ljubljana

Katja Stadler, Geschäftsführerin Deslo, AHK Slowenien Katja Stadler, Geschäftsführerin Deslo, AHK Slowenien | © privat / DIHK

Wir sprechen mit Katja Stadler, der stellvertretenden Geschäftsführerin der AHK Slowenien (Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer), über Erwartungen der Wirtschaft, nötige Weichenstellungen und Chancen für Unternehmen.

Frau Stadler: Die Parlamentswahl in Slowenien am 22. März 2026 ist äußerst knapp ausgegangen. Die Auszählung der Briefwahlstimmen steht noch aus, mögliche Stimmenverschiebungen können die Regierungsbildung zusätzlich erschweren. Gleichzeitig leidet die Wirtschaft unter schwachem Wachstum und verliert laut Umfragen an Wettbewerbsfähigkeit. Welche Erwartungen richten Unternehmen an die neue Regierung?

In erster Linie erwarten die Unternehmen eine gute Wirtschaftspolitik. Slowenien braucht Kontinuität und stabile Rahmenbedingungen, auf die sich Unternehmen langfristig verlassen können. Unabhängig davon, welche Parteien die Koalition bilden: Die Wirtschaft hofft auf eine viel engere Abstimmung mit der Politik. Und darauf, dass steuerliche und regulatorische Weichenstellungen frühzeitig und nachvollziehbar kommuniziert werden.

Wie fällt die erste Reaktion der Wirtschaft auf den Wahlausgang aus?

Die Wirtschaft zeigt sich gegenüber den Wahlergebnissen zunächst zurückhaltend. Unmittelbar nach der Wahl haben slowenische Wirtschaftskammern zum Dialog aufgerufen. Sie fordern, dass wirtschaftspolitische Entscheidungen künftig wieder im Dialog der Sozialpartner abgestimmt werden. Erwartet werden außerdem kurzfristige Maßnahmen, insbesondere in den Bereichen Energiepreise, steuerliche Entlastung, Bürokratieabbau und schnellere arbeitsrechtliche Verfahren – gerade bei Genehmigungen für Mangelberufe. Diese Forderungen decken sich weitgehend mit den Rückmeldungen, die wir aus den Unternehmen erhalten.

Der knappe Wahlausgang könnte die Regierungsbildung erschweren. Wo sehen Sie Risiken?

Aktuell ist noch unklar, wie die Koalition aussehen wird. Aufgrund der verschiedenen weltanschaulichen Positionen der Parteien dürften die Verhandlungen jedoch schwierig werden. Umgekehrt bietet die Situation aber auch Chancen – nämlich die Notwendigkeit, über politische Lager hinweg zu kooperieren. Bei zentralen wirtschaftlichen Fragen könnte es zu pragmatischen, breiter getragenen Lösungen kommen. Doch dass jetzt Parteien mit sehr unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Ansätzen – etwa mit Blick auf staatliche Regulierung oder Steuerpolitik – miteinander ringen, macht den Ausgang schlecht vorhersehbar.

Welche Themen waren für Unternehmen im Wahlkampf besonders wichtig?

Die wirtschaftlichen Kernthemen sind seit Jahren bekannt: An erster Stelle stehen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Entscheidend bleibt eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Zudem fordert die Wirtschaft umfassende Steuerreformen zur Entlastung von Arbeit und Unternehmen. In diesem Zusammenhang bleibt auch der Wunsch nach einfacheren Planungs- und Genehmigungsprozessen bestehen. Hinzu kommt der schon länger anhaltende Mangel an Fachkräften: Gerade im produzierenden Gewerbe berichten viele Betriebe von Engpässen.

Wo besteht parteiübergreifend weitgehend Einigkeit?

Die Energiepolitik bleibt ein übergeordnetes Feld, in dem Handlungsbedarf unumstritten ist. Die jüngsten Versorgungsprobleme, etwa bei Treibstoffen, haben gezeigt, wie sensibel die Wirtschaft auf Unsicherheit reagiert. Eine neue Regierung wird deshalb rasch Lösungen finden müssen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig Planbarkeit zu ermöglichen.

Wie ist aktuell die Stimmung unter deutschen Unternehmen in Slowenien?

Die Stimmung war im vergangenen Jahr eher gedämpft. Die laufende Konjunkturumfrage der AHK wird zeigen, ob sich die Lage 2026 aufhellt. In Gesprächen mit Unternehmen zeichnet sich jedoch jetzt schon ein stabileres Bild ab: Viele Betriebe berichten von einer verbesserten Auftragslage, die teils wieder das Niveau vor den Schwächephasen 2025 erreicht. Insbesondere Tochterunternehmen deutscher Konzerne melden solide Auftragseingänge aus dem Ausland – vor allem in klassischen Industrien wie dem Automobil- und Maschinenbau sowie der Elektrotechnik und Elektronik.

Sie erwarten eine spürbare konjunkturelle Erholung?

Grundsätzlich deckt sich die Entwicklung mit der gesamtwirtschaftlichen Prognose: Für 2026 erwarten Analystinnen und Analysten ein höheres Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Es soll vor allem von einer stärkeren Inlandsnachfrage sowie einer sich erholenden Auslandsnachfrage im Euroraum getragen werden. Davon profitieren nicht zuletzt die exportorientierten deutschen Unternehmen im Land.

Viele deutsche Niederlassungen in Slowenien verzeichnen derzeit vor allem eine verbesserte Nachfrage aus Deutschland, aber auch von anderen europäischen Märkten. Gleichzeitig haben sich in mehreren Branchen Produktionskapazitäten stabilisiert, nachdem Unternehmen ihre Abläufe an die angespannte Personalsituation angepasst haben. Der anhaltende Arbeitskräftemangel führt auch dazu, dass Betriebe stärker in Effizienzsteigerungen und Modernisierungen investieren.

Welche Schwerpunkte setzt künftig die AHK Slowenien?

Unser Fokus liegt darauf, Unternehmen miteinander zu vernetzen und ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten. Wir werden verstärkt Zukunftsthemen adressieren, wobei wir mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz beginnen. Ebenso werden wir Themen wie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien sowie die Luft- und Raumfahrt intensiv besetzen. In diesen Bereichen sehen wir eine wachsende Nachfrage und ein steigendes Interesse slowenischer Unternehmen, sich als Zulieferer zu positionieren. Da Staat und Unternehmen vermehrt in kritische Infrastruktur und Sicherheitstechnologien investieren, eröffnen sich hier gute Chancen für deutsche Unternehmen.

Vorläufige Wahlergebnisse (Stand: 24. März 2026)

Nach Auszählung nahezu aller Stimmen (99,99 Prozent) liegt die Freiheitsbewegung Svoboda von Ministerpräsident Robert Golob mit 28,6 Prozent knapp vor der SDS des früheren Regierungschefs Janez Janša (28 Prozent). Svoboda käme somit auf 29 Sitze und bliebe stärkste Kraft, gefolgt von der SDS mit 28 Sitzen. Dahinter folgen NSi/SLS/Fokus (9 Sitze), SD und Demokraten (je 6), Resni (5) sowie Levica/Vesna (5). Da Briefwahlstimmen noch ausstehen, kann sich das Ergebnis verschieben. Die nationale Wahlkommission veröffentlicht das endgültige Resultat spätestens am 7. April 2026.