Arbeitsmarkt | Spanien

Spanien kämpft mit Fachkräftemangel bei hoher Beschäftigung

In Spanien waren noch nie so viele Menschen beschäftigt wie im 2. Quartal 2025. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosenquote eine der höchsten in der EU.

Friedrich Henle

Von Friedrich Henle | Madrid

Spanien erlebt aktuell eine Phase wirtschaftlichen Aufschwungs. Unternehmen stellen verstärkt Personal ein. Die Arbeitslosigkeit sinkt. Insbesondere der Dienstleistungssektor profitiert von einer kräftigen Zuwanderung. Fachleute beschreiben die Suche nach qualifizierten Fachkräften zwar als herausfordernd, aber dennoch einfacher als beispielsweise in Deutschland. 

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Gutes Niveau der akademischen Bildung
  • Großer Pool an potenziellen Arbeitskräften
  • Image von Ausbildungsberufen verbessert sich zunehmend

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Ausbildungssystem weniger praxisorientiert
  • Produktivität wächst langsamer als im Durchschnitt der Eurozone
  • Sehr unterschiedliches Niveau von Englischkenntnissen

  • Das Angebot an akademischen Fachkräften ist gut, die duale Ausbildung nach deutschem Vorbild aber noch eine Seltenheit. Zuwanderung füllt Lücken vor allem bei Dienstleistungen.

    Unternehmen berichten immer wieder davon, dass es zwar nicht an Bewerbungen mangele, jedoch die Suche nach passenden Fachkräften oft mühsam sei. In einer im September 2025 veröffentlichten Analyse hebt das ICER (Instituto de Ciencias del Empleo y las Relaciones Laborales) die Paradoxie des spanischen Arbeitsmarktes hervor: Trotz der höchsten Arbeitslosenquote in der EU bleiben im Schnitt rund 150.000 Stellen unbesetzt. Der Grund ist die Lücke zwischen Ausbildung und den Anforderungen der Wirtschaft.

    Martin Beck, Verantwortlicher des "German Desk" beim spanischen Personaldienstleister Catenon, sieht den Arbeitsmarkt dennoch in Bewegung: "Die wirtschaftliche Stimmung in Spanien ist gut, Unternehmen stellen vermehrt Personal ein. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote höher und der Pool an Arbeitskräften größer als in Deutschland." Technische Positionen könne man deshalb hierzulande besser besetzen.

    "Das Recruiting ist in Spanien lebendiger als in Deutschland. Man kommt mit potenziellen Fachkräften schneller ins Gespräch. Und bis zum Abschluss vergeht viel weniger Zeit",

    so Beck weiter. In Spanien sei es durchaus üblich, dass ein Bewerbungsverfahren mit einem so genannten "Offer Letter" ende, in dem der Arbeitgeber neben dem Gehalt nur die groben Rahmendaten der Jobvereinbarung fixiere. Der eigentliche Arbeitsvertrag würde dann später oder am ersten Arbeitstag unterzeichnet. Die in der Regel nur 15-tägige Kündigungsfrist durch die Arbeitnehmer erhöhe zusätzlich die Flexibilität bei einem Jobwechsel.

    Einwanderung vergrößert den Arbeitskräftepool

    Insbesondere der Dienstleistungssektor in Spanien profitiert von Migration, vor allem aus Lateinamerika. Menschen aus dieser Region können ohne Sprachbarriere in dem iberischen Land aktiv werden. Dabei existieren neben legalen Beschäftigungsverhältnissen auch Grauzonen bis hin zur Schwarzarbeit. Die Anerkennung von ausländischen Berufs- und Hochschulabschlüssen verläuft laut Presseberichten schleppend. Das führt dazu, dass mehr als die Hälfte der Einwanderinnen und Einwanderer in ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis überqualifiziert sind.

    Duale Ausbildung nach deutschem Vorbild noch die Ausnahme

    Allgemein ist das Berufsbildungswesen bei technischen und handwerklichen Tätigkeiten in Spanien eher verschult und weniger praxisorientiert. Initiativen für eine duale Berufsausbildung nach dem deutschen Modell wie die FEDA Madrid werden sehr gut angenommen, bleiben jedoch zahlenmäßig begrenzt. FEDA (Formación Empresarial Dual Alemana) ist eine vom Auswärtigen Amt und der deutschen Kultusministerkonferenz anerkannte Berufsschule und gehört zu den 135 Deutschen Auslandsschulen.

    Auch große deutsche Unternehmen wie Volkswagen und Mercedes bieten in Spanien duale Ausbildungsplätze an – in Kooperation mit der Deutschen Handelskammer (AHK Spanien). Tanja Nause, Leiterin der Aus- und Weiterbildungsabteilung der AHK Spanien, ergänzt: "Aktuell entwickeln wir sogar mit Amazon ein duales Ausbildungsprogramm für Mechatronik im Baskenland. Ziel ist es, den Teilnehmenden auch Perspektiven für eine berufliche Zukunft bei Amazon in Deutschland zu eröffnen."

    Die spanische Regierung setzt darauf, das berufliche Bildungswesen zu stärken. Sie reformierte es zuletzt mit einem größeren Gesetz (Ley Orgánica 3/2022), das Ausbildung und Weiterbildung ganzheitlich betrachtet und die Lernergebnisse in verschiedene Grade einteilt. Zudem wurde der Praxisanteil bei Ausbildungsprogrammen auf mindestens fünf Monate erweitert. 

    Dem Vernehmen nach schwinden in der Bevölkerung die Vorurteile gegenüber Ausbildungsberufen. Zunehmend weniger Menschen betrachten die akademische Bildung als einzig erstrebenswerten Weg. Universitäten und Berufsschulen haben jedoch ein gemeinsames Problem: hohe Abbruchquoten.

    Wirtschaftsentwicklung und demografischer Wandel beeinflussen den Arbeitsmarkt

    Trotz eines Rückgangs der Arbeitslosigkeit um über einen Prozentpunkt im Jahresvergleich liegt Spanien im 2. Quartal 2025 mit 10,3  Prozent weiterhin an der Spitze der EU-Staaten. Die hohe Arbeitslosenquote betrifft besonders Frauen (11,6 Prozent) und junge Menschen unter 25 Jahren (23,5  Prozent). Problematisch ist auch der hohe Anteil der jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren, die weder Arbeit haben, noch sich in einer Ausbildung oder im Studium befinden (18 Prozent).

    Von einem hohen Niveau ausgehend, sinken sowohl die Arbeitslosenquote insgesamt als auch die Jugendarbeitslosigkeit seit der Coronakrise. Im 2. Quartal 2025 waren mit 22,3 Millionen so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie nie zuvor. Der Zuwachs um 584.000 im Jahresvergleich ist der guten wirtschaftlichen Lage Spaniens als auch einer deutlichen Netto-Zuwanderung geschuldet.

    Mit einer Geburtenrate auf Rekordtief und einer besonders hohen Lebenserwartung erfährt Spanien einen intensiven demografischen Wandel. Die Alterung der Gesellschaft und damit vieler Fachkräfte schreitet voran. Damit droht einerseits ein Mangel an Expertise. Es bietet sich jedoch auch die Chance, dass die verfestigte hohe Arbeitslosigkeit sinken wird.

    Spanien im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Im Alltag in Spanien fällt immer wieder auf, dass solide Englischkenntnisse wenig verbreitet sind. Positive Gegenbeispiele sind zumeist jüngere Fach- und Führungskräfte mit internationaler Erfahrung, beispielsweise aus den Bereichen Consulting sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

    Friedrich Henle

    Von Friedrich Henle | Madrid

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  • Auch in Spanien ist es für Unternehmen schwieriger geworden, passendes Personal zu rekrutieren und zu halten.

    Die Bereitschaft der spanischen Unternehmen Personal einzustellen nimmt 2025 nur minimal ab. Laut der Veröffentlichung "Guía del Mercado Laboral 2025" des Personaldienstleisters Hays planen 65 Prozent der befragten Unternehmen, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. In der Vorjahresuntersuchung hatte dieser Wert bei 66 Prozent gelegen.

    Die Befragung zeigt auch hierzulande den zunehmenden Fachkräftemangel. Rund 89 Prozent der Unternehmen sehen im Jahr 2025 Herausforderungen bei der Rekrutierung - eine Zunahme um 8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig nehmen die Schwierigkeiten zu, qualifiziertes Personal auch zu halten. Dies stellen 22 Prozent der Unternehmen fest und damit mehr als doppelt so viele wie noch 2024. Von den befragten Beschäftigten wiederum geben 69 Prozent an, dass sie aktiv nach einem neuen Job suchen würden. 

    Hays führte die Befragung zwischen Anfang Oktober und Mitte November 2024 durch. Insgesamt beteiligten sich 5.600 Unternehmen und Fachkräfte daran.

    Mehr interne Entwicklungsmöglichkeiten und Benefits gefordert

    Personalberatungsfirmen bestätigen, dass Unternehmen nun auch in Spanien mehr Aufwand betreiben müssen, um potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen und zu halten. Bei der Suche nach qualifiziertem Personal geht es nicht mehr allein ums Gehalt, sondern auch um Entwicklungsperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens.

    "Das Thema 'Employer Branding' ist in Spanien im Kommen. Unternehmen sind gut darin beraten, eine Positionierung als Arbeitgeber zu kommunizieren, um für Bewerbende attraktiv zu sein",

    sagt Sabine Wimpissinger, Managing Partner im Madrider Büro der in Wien hauptansässigen Personalberatungsfirma ISG. Das Thema werde in Spanien bereits von Firmen aus dem deutschsprachigen Raum vorangetrieben, auch wenn festgehalten werden sollte, dass deutsche Unternehmen als Gruppe hier bereits mehrheitlich als positive "Marke" gesehen werden. Prinzipiell seien in Spanien mehr Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden als beispielsweise in Deutschland oder Österreich. Dies erkläre auch den Trend, dass insbesondere in der Region Madrid viele Hubs entstehen, die IT- oder technische Dienstleistungen innerhalb internationaler Konzerne erbringen.

    In einer Untersuchung von Pluxee geben 70 Prozent der befragten Unternehmen an, im Jahr 2024 eigene Talente gezielt gefördert und damit die interne Mobilität unterstützt zu haben. Das ist ein Zuwachs von 15 Prozentpunkten gegenüber 2023. Interne Weiterbildungen boten 55 Prozent der Unternehmen an.

    Neben dem festen Gehalt gewinnen flexible Gehaltskomponenten sowie Benefits an Bedeutung. Die wichtigsten Zusatzleistungen, die die von Pluxee befragten Unternehmen aktuell anbieten, sind: 

    • Private Zusatzkrankenversicherung (69 Prozent der Unternehmen)
    • Finanzielle Unterstützung bei Weiterbildung (55 Prozent)
    • Essensgutscheine (51 Prozent)
    • Zuschuss für den Hort/Kindergarten (44 Prozent)
    • Firmenwagen (37 Prozent)

    Pluxee ist ein weltweit tätiges Unternehmen, das sich auf Mitarbeiterbenefits, Incentives und Anerkennungsprogramme spezialisiert hat. Es entstand 2023 aus der Umbenennung von Sodexo Benefits & Rewards Services. Die Umfrage fand im November 2024 statt. An ihr beteiligten sich Personalverantwortliche aus 202 Unternehmen in Spanien.

    Personalberatungen und andere Wege führen zu neuem Personal

    Die Suche nach Fachkräften erfolgt in Spanien häufig über Personalberatungsfirmen. Zu den größten gehören Randstad, Adecco, Manpower, Eurofirms, Eulen Flexiplan und Hays. Ausgeschrieben wird darüber hinaus auf Jobportalen wie Infojobs, Trabajos und Monster. Soziale Medien wie LinkedIn sind eine weitere Quelle mit wachsender Bedeutung.

    Recruiting-Messen sind eine gute Möglichkeit, potenzielle Arbeitskräfte anzutreffen. Auch in den Hochschulen werden Unternehmen fündig: Praktikumsplätze für ein halbes Jahr sind dort gefragt. Ähnlich verhält es sich mit Ausbildungsstätten.

    Arbeitssuchende wiederum konsultieren häufig die Internetseiten der Unternehmen zu offenen Stellen. Die in deutsch- und spanischsprachigen Fach- und Führungskreisen gut vernetzte Deutsche Handelskammer für Spanien bietet ebenfalls eine Stellenbörse auf ihrer Seite TalentoAHK an.

    Ein informeller Weg können persönliche Netzwerke sein. So sind viele Absolventen der deutschen Schulen in Spanien mit beiden Kulturen und Sprachen vertraut und bringen für deutsche Unternehmen interessante Fertigkeiten mit.

    Regelung für Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Ländern

    Möchten Unternehmen hochqualifizierte Fachkräfte aus Staaten außerhalb der EU einstellen, können diese eine verlängerbare Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre beantragen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Arbeitserlaubnissen erleichtert dieses Visum die schnellere Einreise von Personal. Es erfordert zudem keinen nationalen Arbeitsmarkttest – Unternehmen müssen also nicht belegen, dass keine geeigneten lokalen Bewerber verfügbar sind. Die betreffenden Regelungen sind im Gesetz 14/2013 im Kapitel IV festgehalten. Dieses erläutert auch die Umsetzung des europäischen Aufenthaltstitels "Blaue Karte EU" in Spanien.

    Friedrich Henle

    Von Friedrich Henle | Madrid

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  • Der Durchschnittslohn in Spanien ist im Jahr 2024 um 3,2 Prozent gestiegen. Die Unternehmen stellen sich auf weitere Lohnzuwächse ein.

    In den letzten drei Jahren stiegen die durchschnittlichen Gehälter in Spanien jeweils um 3 bis 4 Prozent. Auch im laufenden Jahr 2025 zeigt die Tendenz weiter nach oben: Gut die Hälfte der von der Personalberatung Hays befragten Unternehmen wollen die Gehälter um maximal 5 Prozent anheben. Weitere 21 Prozent stellen sich auf Steigerungen oberhalb dieses Wertes ein. Immerhin 29 Prozent rechnen nicht mit Gehaltserhöhungen.

    Hays hat auf der Grundlage von 6.500 Beispielen aus fünf spanischen Großstädten auch die zu erwartende Gehaltsentwicklung für unterschiedliche Bereiche ermittelt. Besonders hohe Zuwächse stehen demnach im Kundendienst mit plus 8 Prozent an. Mit 3 Prozent folgt das Ingenieurwesen. Beschäftigte in den Bereichen Life Sciences sowie Versicherungswesen müssen sich dagegen auf durchschnittliche Gehaltseinbußen von 2 Prozent beziehungsweise 1 Prozent einstellen.

    Die Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre konnten nicht mit der Inflation Schritt halten. Laut OECD-Berechnungen lagen die realen Löhne im 1. Quartal 2025 noch 4,2 Prozent unten dem Niveau des 1. Quartals 2021. Unter den größten OECD-Ländern verzeichneten nur Australien und Italien im gleichen Zeitraum einen stärkeren Rückgang der Reallöhne als Spanien.

    Im Gastgewerbe und der Landwirtschaft ist der Mindestlohn verbreitet

    Der Trend beim Mindestlohn zeigte in den vergangenen Jahren deutlich nach oben. Unter anderem als Ausgleich für Kaufkraftverluste aufgrund der Inflation erfolgten Anhebungen im oberen einstelligen Bereich. Kritikpunkte am landesweit einheitlichen Mindestlohn sind, dass er in Großstädten kaum zum Leben reicht und in ärmeren Provinzen nur einen geringen Abstand zu den regulären Gehältern hat. Der Mindestlohn wird vor allem in der Hotellerie, Gastronomie und Landwirtschaft gezahlt. Dort wird überproportional lange gearbeitet und bei der Bezahlung bilden diese Zweige das Schlusslicht. 

    Trotz aller Gegenmaßnahmen der mächtigen Steuerbehörde spielt auch die Schattenwirtschaft weiterhin eine gewichtige Rolle in Spanien. Ihr Umfang soll etwa 23 bis 25 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes entsprechen.

    Unterschiede der Gehälter nach Regionen nehmen zu

    Dem Statistikamt INE zufolge verzeichneten die wirtschaftlich und technologisch führenden Autonomen Gemeinschaften Madrid, Baskenland und Katalonien 2023 die höchsten Bruttoeinkommen. Obwohl die Gehälter insgesamt steigen, nehmen die Unterschiede zwischen den Spitzenreitern und den Regionen mit den niedrigsten Gehältern zu.

    Für diese Unterschiede sind zumeist strukturelle Gründe verantwortlich: Während etwa in Madrid und dem Baskenland viele Jobs in hochbezahlten Sektoren vorhanden sind, verzeichnen andere Standorte einen höheren Anteil von Landwirtschafts- und Tourismusjobs. Diese ziehen den lokalen Durchschnittswert nach unten.

    Deutsche Unternehmen bevorzugen die wirtschaftlichen Hotspots

    Deutsche Unternehmen in Spanien sind schwerpunktmäßig in den wirtschaftlich starken Regionen präsent. Die Lohnkosten sind dort zwar höher als in anderen Teilen Spaniens, jedoch spielen auch die Infrastruktur, Beschaffung, lokale Vernetzung, das örtliche Fachkräfteangebot und Exportwege eine Rolle. 

    Die Option des Homeoffice verbessert die Möglichkeiten, auch weiter entfernt lebende Fachkräfte in die Belegschaft einzugliedern. Der Boom des mobilen Arbeitens aus der Coronazeit wurde bei vielen Unternehmen durch hybride Arbeitsformen abgelöst. Manche Arbeitgeber setzen auch wieder stärker auf Präsenz. Dies ist auch ablesbar an der besseren Auslastung vor allem hochwertiger Büroimmobilien und an steigenden Investitionen in diesem Segment.

    Versorgungsunternehmen und Finanzbranche zahlen die höchsten Gehälter

    Strom- und Gasversorger zahlen im Durchschnitt die höchsten Gehälter in Spanien und liegen damit noch vor Banken und Versicherungen. Das Gastgewerbe bildet das Schlusslicht. Für Verwaltungstätigkeiten werden ebenfalls verhältnismäßig niedrige Gehälter gezahlt.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro, Veränderung in Prozent
    Branche

    2024

    Veränderung 2024/23

    Durchschnittslohn

    3.038,9

    3,2

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei 

    1.863,1

    3,9

    Verarbeitendes Gewerbe

    3.511,2

    5,3

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    k.A.

    k.A.

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    k.A.

    k.A.

    Baugewerbe

    2.748,5

    2,1

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    2.509,3

    3,0

    Transport und Lagerhaltung

    2.888,2

    2,6

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    1.952,6

    6,7

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    3.922,8

    -2,5

    Finanz- und Versicherungswesen

    4.959,1

    6,3

    Quelle: ILO 2025

    Gemessen am Durchschnittseinkommen beziehen Führungskräfte genau das doppelte Gehalt. Hilfskräfte kommen auf rund die Hälfte des mittleren Gehalts in Spanien.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In Euro, Veränderung in Prozent
    Position

    2024

    Veränderung 2024/2023

    Durchschnittslohn

    3.038,9

    3,2

    Führungskraft

    6.288,5

    3,1

    Personal mit akademischer Ausbildung

    4.314,1

    3,0

    Techniker:in

    3.288,5

    2,7

    Unterstützende Bürokraft

    2.882,7

    3,4

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    2.155,7

    7,0

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    1.962,4

    4,4

    Handwerker:in

    2.655,9

    5,1

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

    2.710,7

    6,8

    Hilfskraft

    1.879,6

    6,0

    Quelle: ILO 2025

    Weitere Lohnbestandteile

    Bei Führungskräften bestimmen variable Bestandteile immer mehr das Monats- beziehungsweise Jahresendeinkommen. Der Firmenwagen ist im Vertrieb oder im Servicebereich selbstverständlich. Er ist zum Teil auch bei den mittleren Unternehmenshierarchien üblich, ebenso wie Geschäftshandy oder Laptop. Sehr geschätzt wird eine Krankenzusatzversicherung, die die Behandlung als Privatpatient erlaubt.

    Zusatzleistungen wie Fahrkarten für den Nahverkehr, Betriebsrenten, kostenlose Betriebsaktien, Essenszuschüsse, Sozialleistungen sind üblich, unterliegen aber durch das Königliche Gesetzesdekret RDL 16/2013 der Sozialversicherungspflicht.

    Debatten um kürzere Arbeitszeiten gehen weiter

    Das spanische Arbeitsministerium plant, die Regelarbeitszeit pro Woche von 40 auf 37,5 Stunden zu reduzieren. Das Gesetzesvorhaben scheiterte jedoch Anfang September 2025 im spanischen Kongress, weil es keine parlamentarische Mehrheit fand.

    In einigen Tarifverträgen ist dieses Thema aber bereits verankert. So hat das Großunternehmen Telefónica mit den Gewerkschaften 2024 vereinbart, bis 2026 die wöchentliche Arbeitszeit schrittweise von 37,5 Stunden auf 36 Stunden zu senken.

    Sozialversicherung

    In Spanien existiert für alle Beitragsarten eine einzige staatliche Versicherung, die Seguridad Social. Die monatliche Beitragsbemessungsgrenze beträgt 4.909,50 Euro. Die Abgaben summieren sich auf rund 39 Prozent des Bruttolohns. Davon entfallen 6,35 Prozent auf den Arbeitnehmer und der Rest auf den Arbeitgeber.

    Sozialbeiträge 2025In Prozent der Bemessungsgrundlage
    Versicherungskomponente

    Arbeitgeberanteil

    Arbeitnehmeranteil

    Summe

    Insgesamt in Prozent des Bruttogehalts, davon:

    circa 33,00

    6,35

    circa 39,35

    Renten- und Krankenversicherung 

    23,60

    4,70

    28,30

    Arbeitslosenversicherung

    5,50

    1,55

    7,05

    Berufsbildungsabgabe

    0,60

    0,10

    0,70

    Lohngarantiefonds

    0,20

    0,00

    0,20

    Arbeitsunfallversicherung*

    circa 3,10

    0,00

    circa 3,10

    * Grobstruktur im Standardfall (Arbeitsunfallversicherung ist abhängig von der gewerblichen Tätigkeit/leichte Abweichung bei befristeten Arbeitsverträgen)Quelle: AHK Spanien 2025

    Friedrich Henle

    Von Friedrich Henle | Madrid

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  • Das Arbeitsgesetz (ET) und die Tarifverträge bilden die wichtigsten Grundlagen des Arbeitsrechts. Befristete Arbeitsverträge können nur noch in wenigen Fällen abgeschlossen werden.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: gesetzlich vorgesehen ist eine Auszahlung des Jahresbruttogehalts in 14 Gehältern, in Form von zwölf Monatsgehältern und zwei Extragehältern im Sommer und zu Weihnachten
    Mindestlohn: der gesetzliche Mindestlohn beträgt 2025 pro Monat 1.184 Euro bei 14 Zahlungen; das entspricht einem Mindestjahresbrutto in Vollzeit von 16.576 Euro
    Arbeitsstunden pro Woche: 40 Stunden als Regelarbeitszeit nach Arbeiterstatut; die meisten Tarifverträge sehen im Jahresdurchschnitt eine geringere Stundenzahl vor
    Regelarbeitstage pro Woche: Montag bis Freitag
    Zulässige Überstunden: maximal 80 Überstunden pro Jahr dürfen vergütet werden, ansonsten müssen Überstunden durch Freizeit ausgeglichen werden
    Bezahlte gesetzliche Feiertage: 14 Tage
    Bezahlte Urlaubstage: in der Regel 30 Kalendertage = 23 Werktage
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): siehe unter "Vergütung"
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: die Grundlage bildet Artikel 37 ET (Arbeitnehmerstatut), Details werden durch Tarifverträge geregelt
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: der Arbeitgeber ist gesetzlich für die Lohnfortzahlung vom 4. bis 15. Krankheitstag verpflichtet, ab dem 16. Tag zahlt die Sozialversicherung
    Probezeit: Artikel 14 ET: je nach Position maximal sechs Monate
    Fernarbeit: wenn mehr als 30 Prozent der Tätigkeit vom Homeoffice aus erfolgt, ist eine schriftliche Vereinbarung hierüber zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit gesetzlich vorgeschriebenem Mindestinhalt erforderlich
    Quelle: AHK Spanien 2025

    Rechtsgrundlagen

    Das spanische Arbeitnehmergesetz (Estatuto de los Trabajadores, ET) bildet die wichtigste gesetzliche Grundlage des spanischen Arbeitsrechts. Weitere wichtige Rechtsquellen sind die Tarifverträge. Diese Kollektivverträge (Convenios Colectivos) haben grundsätzlich normativen Charakter und ergänzen die arbeitsrechtlichen Vorschriften. Es gibt fast 5.000 Tarifverträge in Spanien.

    Vertragsabschluss 

    Es ist üblich, die von der Arbeitsbehörde online zur Verfügung gestellten Modellverträge zu verwenden. Ausführliche Individualabsprachen sind unüblich. Das mag auch darauf zurückzuführen sein, dass die regelmäßig zur Anwendung kommenden Tarifverträge umfassende und detaillierte Regelungen des Beschäftigungsverhältnisses beinhalten. Bei Arbeitsbeginn muss der Vertrag bei der Arbeitsbehörde registriert werden.

    Befristete Arbeitsverträge sind nur in sehr wenigen Fällen möglich. Die Möglichkeit der befristeten Werk- und Dienstverträge (contratos por obra y servicio) ist gänzlich entfallen.

    Befristete Arbeitsverträge können aufgrund von Produktionsumständen (contratos temporales de circunstancias de la producción) oder im Fall der Vertretung eines anderen Arbeitnehmers (sustitución de un empleado) abgeschlossen werden.

    Befristete Arbeitsverträge aufgrund von nicht vorhersehbaren Produktionsumständen (contratos temporales de circunstancias de la producción) können jedoch nur noch für sechs Monate abgeschlossen werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, einen Arbeitsvertrag aufgrund von Produktionsumständen für lediglich 90 Tage abzuschließen, wenn es sich dabei um einen absehbar vorübergehend erhöhten Arbeitsbedarf handelt. Dies betrifft insbesondere Saisongeschäfte wie die Weihnachtszeit und Erntezeiten.

    Vertragsbeendigung 

    Das spanische Recht kennt Massenentlassungen (ERE) und Individualkündigungen (despido). Im Falle einer begründeten Kündigung ist diese dem Arbeitnehmer und dem Arbeitnehmervertreter schriftlich 15 Tage im Voraus bekannt zu geben. Wird die Frist nicht eingehalten, sind dem Arbeitnehmer zusätzlich 15 Tagesverdienste beziehungsweise die Anzahl der nicht eingehaltenen Tagesverdienste zu zahlen. In der Kündigung sind die Gründe ausführlich darzustellen. Zusätzlich mit der Kündigung muss eine Entschädigung von 20 Tagesgehältern pro Betriebszugehörigkeitsjahr gezahlt werden (maximal zwölf Monatsgehälter), sonst ist die Kündigung unwirksam. Bei einer fristlosen Disziplinarkündigung ist keine Entschädigung zu zahlen.

    Klagt der Arbeitnehmer gegen die Kündigung und stellt sich heraus, dass keine ausreichende Begründung der Kündigung vorliegt, so kann der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung vermeiden, indem er im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens vor einer arbeitsrechtlichen Schlichtungsstelle (SMAC) eine höhere Abfindung (33 Tagesgehälter pro Betriebszugehörigkeitsjahr, maximal 24 Monatsgehälter) zahlt.

    Arbeitgeber können insbesondere individuell kündigen bei:

    • wirtschaftlichen, technischen, organisatorischen oder produktionsbedingten Gründen,
    • in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen (eng begrenzt),
    • einer bestimmten Anzahl krankheitsbedingter Fehlzeiten (mit Einschränkungen).

    Bei einer unrechtmäßigen Kündigung eines unbefristeten Beschäftigungsverhältnisses erhält der Arbeitnehmer eine Abfindungszahlung von 33 Tagesgehältern pro Jahr Betriebszugehörigkeit.

    Aufhebungsverträge sind in Spanien nicht üblich, da der Arbeitnehmer dadurch seinen Anspruch auf gesetzliche Entschädigung und auch auf das Arbeitslosengeld verlieren würde.

    Bei einer Massenentlassung sind die rechtfertigenden Gründe dieselben wie bei der Individualkündigung, wobei in Krisenzeiten der Hauptgrund bei Massenentlassungen der wirtschaftliche ist. Weiter ist ein Verständigungsverfahren mit Arbeitnehmervertretern obligatorisch; allerdings hindert ein Scheitern das Unternehmen nicht, das Entlassungsverfahren voranzutreiben. Arbeitgeber müssen über das Vorliegen der Kündigungsgründe umfangreiche Dokumentationen vorlegen. Etliche Vorschriften sind zu beachten, um die Nichtigkeit des Verfahrens zu vermeiden. Schon kleinere Formfehler bei der Durchführung des Entlassungsverfahrens können dieses nichtig machen. Stellt ein Gericht die Nichtigkeit erst nachträglich fest, muss das Unternehmen die Arbeitnehmer rückwirkend weiter beschäftigen. Das kann zu einer hohen wirtschaftlichen Belastung führen.

    Die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer beträgt in der Regel ebenfalls nur 15 Tage. Einige Tarifverträge sehen für Mitarbeiter ranghöherer Berufsgruppen zuweilen längere Kündigungsfristen vor.

    Der Bereich Recht der AHK Spanien gibt einen Newsletter Recht & Steuern heraus, der monatlich viele unternehmensrelevante Themen behandelt. Zudem können Unternehmen in Spanien die Betreuung der Geschäfts- oder Lohnbuchhaltung über die AHK abwickeln.

    Einen Überblick über relevante Rechtsthemen bei einem Auslandsengagement in Spanien bietet die GTAI-Publikation Recht kompakt Spanien.

    Von Birte Gerster (AHK Spanien) | Madrid

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Spanien Deutsche Handelskammer für Spanien
    Ministerio de Trabajo y Economía Social  (MITESS)Ministerium für Arbeit und Sozialwirtschaft
    Seguridad SocialSozialversicherungsbehörde 
    Servicio Público de Empleo Estatal (SEPE)staatliche Arbeitsvermittlungsagentur 
    Centro de Investigación Salarial (CEINSA) Strategieberatung und Zentrum für Lohnforschung