Special Südostasien Lieferketten, Beschaffung
Die Straße von Malakka ist ein Nadelöhr des Welthandels
Fast der gesamte Handel zwischen Europa und Ostasien führt durch die Meerenge zwischen Malaysia, Indonesien und Singapur. Bei einer Blockade wären andere Routen länger und teurer.
18.06.2026
Von Frank Malerius | Bangkok
Die Straße von Malakka ist eine knapp 900 Kilometer lange Meerenge, die zwischen Indonesien im Westen sowie Malaysia und Singapur im Osten liegt. Die meistbefahrene Wasserstraße der Welt passieren fast 100.000 Handelsschiffe pro Jahr. Ihre gesamten Ladungen machen geschätzt rund ein Drittel des wertmäßigen Seehandels aus.
Zwischen Singapur und den umliegenden indonesischen Riau-Inseln ist der Schifffahrtsweg ein Flaschenhals von nur wenigen Kilometern Breite. Piraten greifen in dieser Gegend jährlich rund 100 Mal internationale Frachtschiffe an, zumeist von indonesischer Seite ausgehend. Bisweilen werden selbst Tanker gekapert, doch für die unzähligen riesigen Handelsschiffe der großen internationalen Reedereien sind sie kein generelles Sicherheitsproblem.
Anbindung an regionale Großhäfen
Praktisch der gesamte maritime Handel zwischen Europa und Südostasien führt durch die Straße von Malakka. Dessen wichtigster Trans-Shipment Point ist Singapur. Der Hafen von Singapur ist nach dem Hafen von Shanghai der zweitgrößte Containerumschlagplatz der Welt. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die malaysischen Häfen Port Klang und Tanjung Pelapas sowie der Hafen von Tanjung Priok in der indonesischen Hauptstadt Jakarta.
Schiffe auf dem Weg nach China passieren zudem den südvietnamesischen Hafen von Ho Chi Minh City. Und kleine Abstecher führen zum Hafen von Laem Chabang im Golf von Thailand sowie zum philippinischen Hafen von Manila. Nicht zu allen dieser Umschlagplätze gibt es wechselseitige Direktverbindungen von Containerschiffen nach Deutschland.
Handel mit China verläuft durch das Nadelöhr
Chinesische Unternehmen senden jährlich Konsum- und Investitionsgüter im Wert von vielen Hundert Milliarden US-Dollar durch die Straße von Malakka nach Europa. Auch etwa 10 Prozent der deutschen Exporte, vor allem Industriegüter, werden durch die Straße von Malakka transportiert. Sie landen insbesondere in China.
China ist mit Abstand wichtigster Lieferant Deutschlands. Dementsprechend kommen knapp 20 Prozent der deutschen Importe über diese Meerenge. Dabei handelt es sich zum großen Teil um Vorprodukte und Konsumgüter.
Die Straße von Malakka ist eine Schlagader des Handelsriesens China. Über sie versorgt sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt unter anderem mit Öl aus dem Nahen Osten. China bezieht den größten Teil anderer Rohstoffe und Nahrungsmittel hingegen nicht über die Straße von Malakka, sondern über den pazifischen Ozean oder auf dem Landweg aus Kontinentalasien oder aus Südostasien.
Große strategische Bedeutung im Krisenfall
Geopolitisch spielt die Straße von Malakka eine überragende Rolle. Im Falle einer internationalen Krise wäre sie militärisch einfach zu blockieren. Dann würden die globalen Lieferketten fast aller Industrien zusammenbrechen.
Geplante oder bestehende alternative Handelsrouten haben Nachteile. Der am meisten diskutierte neue Weg ist eine etwa 90 Kilometer lange Landbrücke zwischen der Andamanensee und dem Golf von Thailand. Die thailändische Politik wirbt um Investoren für das Megaprojekt, im Logistiksektor herrscht jedoch Skepsis hinsichtlich seiner Kosten und Effizienz.
Neben der Hauptroute Malakka existieren weitere Seewege zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer, die allerdings Nachteile aufweisen. Die Alternativen liegen im indonesischen Archipel, südöstlich der Straße von Malakka: Die Straße von Sunda, zwischen den indonesischen Hauptinseln Sumatra und Java, ist für große Handelsschiffe allerdings zu flach. Hier liegen die noch aktiven Überreste des einstigen Supervulkans Krakatau.
Die tiefere, zwischen den kleineren Inseln Bali und Lombok gelegene Straße von Lombok wäre im Vergleich zur Route über die Straße von Malakka ein Umweg von bis zu 1.000 Seemeilen – das entspricht mehr als einer Woche zusätzlicher Fahrzeit. Diese Durchfahrt ließe sich zudem ebenfalls leicht blockieren. Eine wenig befahrene Handelsroute ist die Straße von Ombai. Sie führt nördlich der Insel Timor durch die kleinen Sundainseln in die Bandasee und wäre gegenüber dem Weg durch die Straße von Lombok eine um weitere Hunderte Seemeilen längere Route.
Redaktionelle Anmerkung: Der Beitrag wurde erstmals im Jahr 2024 veröffentlicht und aufgrund aktueller Ereignisse in Teilen inhaltlich überarbeitet und ergänzt.