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Branche kompakt | Südkorea | Maschinenbau

"Ohne Service punktet auch eine gute Maschine in Südkorea nicht"

Im Maschinenbau verfügt Südkorea über eigene renommierte Anbieter. Wie deutschen Firmen dennoch der Markteintritt gelingt, erläutert ein Marktkenner im Gespräch mit GTAI.

Von Katharina Viklenko | Seoul

Holger Dörre, Geschäftsführer, UJCO Asia Business Consulting sowie Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) in Busan Holger Dörre, Geschäftsführer, UJCO Asia Business Consulting sowie Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) in Busan | © Holger Dörre, UJCO Asia Business Consulting

Holger Dörre ist Maschinenbauingenieur, seit 1998 mit Südkorea eng verbunden und in unterschiedlichen Rollen aktiv. Als Geschäftsführer von UJCO Asia Business Support berät er deutsche Firmen zum Markteintritt in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Automatisierung sowie Antriebstechnik und Komponenten. Seit Juni 2025 ist er zudem Ansprechpartner und Repräsentant des Auslandsbüros Südkorea für die Bundesvereinigung Mittelstand in Deutschland (BVMID) in Busan.

Wie ist das Umfeld für deutsche Maschinenbauer in Südkorea?

Inzwischen hat sich in Südkorea eine Reihe leistungsstarker Anbieter etabliert, die durch konsequentes Benchmarking und eigene Entwicklungen ein bemerkenswertes technologisches Niveau erreicht haben. Ihre Produkte stehen der Qualität deutscher Hersteller heute in nichts mehr nach, sind jedoch häufig zu deutlich wettbewerbsfähigeren Konditionen am Markt erhältlich.

Zum einen agieren südkoreanische Unternehmen bemerkenswert pragmatisch und zugleich visionär: Sie passen sich flexibel an veränderte Marktbedingungen an, ohne ihre langfristige Ausrichtung aus den Augen zu verlieren. Zum anderen integrieren vor allem größere Mittelständler und Konzerne vermehrt erfahrene Fachkräfte mit ausgewiesener Expertise in strategische Schlüsselpositionen. So denken sie nicht nur Binnenmarkt, sondern auch Auslandsmärkte gleich mit. Drittens identifizieren sie konsequent attraktive Markt- und Technologiesegmente, gerade auch in Nischen. So entwickeln sie Produkte, die hochpreisige Importe zunehmend durch leistungsfähige lokale Lösungen ersetzen können. Auffällig ist dabei die große Kreativität und Motivation, mit der südkoreanische Teams solche Entwicklungen vorantreiben.

Welche regionalen Besonderheiten sollten Unternehmen beachten?

Deutsche Produkte sind in Südkorea vor allem dann erfolgreich, wenn sie ein Alleinstellungsmerkmal bieten oder preislich wettbewerbsfähig sind. Der Markt für Standardprodukte ist anspruchsvoll – insbesondere für Unternehmen, die ohne marktspezifische Vertriebs- und Preisstrategie einsteigen und von deutschen Rahmenbedingungen ausgehen. Zwar gibt es zahlreiche deutsche Mittelständler, die in Südkorea erfolgreich sind. Doch ebenso viele scheitern an der Annahme, der lokale Markt funktioniere wie der deutsche.

Entscheidend für den Markterfolg ist technisches Know-how, das vor Ort unmittelbar verfügbar ist: erfahrene deutsche Ingenieure im engen Schulterschluss mit einem engagierten lokalen Vertriebsteam. Dabei gewinnt weniger das Label "made in Germany" an Bedeutung, sondern das Qualitätsversprechen des "German Engineering". Das gilt allerdings nur dann, wenn diese Kompetenz tatsächlich im Land präsent ist.

"Südkorea ist ein herausfordernder Markt, der Ausdauer, Integrität und Vertrauen belohnt!"

Gibt es besondere Stolpersteine, auf die Anbieter besonders achten sollten?

Zu den größten Stolpersteinen zählt nach wie vor das Fehlen verfügbarer technischer Expertise und eines verlässlichen Serviceangebots vor Ort. Selbst ein hervorragendes Produkt kann ohne ein schlüssiges Servicekonzept im südkoreanischen Markt kaum überzeugen. Viele Firmen unterliegen dem Irrtum, Kunden aus Deutschland heraus oder über eine Niederlassung in China betreuen zu können. Doch kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren, Zeitverschiebung und eingeschränkte Erreichbarkeit machen dies in der Praxis kaum möglich.

Für südkoreanische Kunden ist die schnelle Verfügbarkeit von Schlüsselkomponenten und Ersatzteilen ein zentrales Entscheidungskriterium. Wer im Maschinenbau langfristig erfolgreich sein will, sollte daher nicht nur importieren, sondern ein lokales Service- und Customizing-Center aufbauen. Erst die Kombination aus technischer Präsenz, Anpassungsfähigkeit und lokalem Support signalisiert echten Marktfokus und schafft nachhaltiges Vertrauen.

Tipps für den Markteinstieg 

von Holger Dörre

  • Markt detailliert analysieren: Den spezifischen Bedarf südkoreanischer Kunden verstehen, Wettbewerber analysieren und ein klares Alleinstellungsmerkmal definieren – technisch, preislich oder im Service.
  • Vertrauensbasierte Partnerschaften entwickeln: Einen loyalen Vertriebspartner finden oder ein lokales Team aufbauen. Langfristige Beziehungen, kulturelles Verständnis und regelmäßige Präsenz vor Ort zeigen Wirkung.
  • Zugeschnittene Vertriebs- und Preisstrategie aufstellen: Firmen sollten für Korea spezifische Preislogiken, Rabattstrukturen und Einkaufsgewohnheiten berücksichtigen. Eine deutsche Standardstrategie funktioniert nicht.
  • Technische Kompetenz vor Ort aufbauen: Das Personal sollte mit Sorgfalt ausgewählt werden. Key ist die Interaktion zwischen Ingenieuren oder Application Specialists vor Ort mit einem lokalen Vertriebsteam als eine Art "German Engineering on-site".
  • Von lokalen Angeboten und Förderungen profitieren: Bei einem Einstieg mit kleinem Sales- und Service-Team kann das Unternehmen von lokalen Angeboten profitieren, wie etwa die kostenlose Büronutzung über die Korea Trade-Investment Promotion Agency (KOTRA) und Invest Korea oder bei einer der vielen Freihandelszonen in Südkorea.
  • Lokale Lieferketten aufbauen: Für spätere Skalierung sollten deutsche Firmen schon aus Kostengründen lokale Lieferketten aufbauen sowie die Zusammenarbeit mit und Beziehungen zu lokalen Anbietern und Partnern suchen und stärken.

Wo sehen Sie Chancen für deutsche Anbieter?

Notwendig für Unternehmen ist eine klare Strategie: Sie müssen wissen, was sie vor Ort umsetzen und wie sie verkaufen wollen. Chancen sehe ich für deutsche Maschinenbauer, wenn sie nicht allein ihr Produkt, sondern eine Systemlösung schnüren – ein gesamtheitliches, lösungsorientiertes Angebotspaket. Neben dem Produkt oder der Anlage kann dies ein integriertes Fertigungs- und Handhabungskonzept mit bezogenen Daten und einer durchgehenden Automatisierungslösung beinhalten. Auch hier gilt: Neben dem engen und vertrauensbasierten Schulterschluss mit südkoreanischen Partnern und Kunden bis zur Inbetriebnahme ist die marktgerechte Preisgestaltung.

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