Branche kompakt | Thailand | Chemische Industrie

Branchenstruktur

Die Petrochemie ist überwiegend in staatlicher Hand. Deutsche Chemieunternehmen stellen in Thailand ein breites Spektrum an Erzeugnissen her.

Von Frank Malerius | Bangkok

Thailand hat eine große und gut ausgebaute Chemiebranche. Sie bietet von der Verarbeitung von Öl und Gas über die Herstellung von Zwischenprodukten bis hin zu Endprodukten einen gut integrierten Industriesektor. Laut eines Rankings des deutschen Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) erzielte die thailändische Chemiebranche 2024 einen Umsatz von 30,1 Milliarden Euro (inklusive der pharmazeutischen Industrie: 32,5 Milliarden Euro) und ist damit die viertgrößte der ASEAN, hinter der in Indonesien, Singapur und Malaysia.

Nach Angaben des Department of Industrial Works, das zum Industrieministerium gehört, gibt es in Thailand 3.000 Chemieanlagen mit 125.000 Beschäftigten. Hinzu kommen 1.200 Anlagen der vorgelagerten Öl- und Gasindustrie mit weiteren 18.000 Mitarbeitern. Die Chemie ist nach der Nahrungsmittel- und der Elektronikbranche der drittgrößte Industriezweig des Landes, noch vor der Automobilindustrie.

Chemische Industrie in Thailand verzeichnet sinkende AuslastungKapazität und Produktion 2025 in Millionen Tonnen; Wert in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent
Sparte

Kapazität

Produktionsmenge

Wert

Veränderung 2025/24

Polyethylen

5,1

4,1

4.648

-3,0

Polypropylen

3,1

2,2

2.394

5,1

Ethylen-Harz

5,3

4,6

1.928

-10,5

Chemiefasern

1,6

0,9

1.390

-8,2

PET-Harz

1,6

1,3

1.215

-13,6

Körperpflegemittel

0,7

0,4

1.097

7,1

Propylen

2,5

2,1

1.095

-8,8

Benzol

1,5

1,3

525

-32,6

Farben und Lacke 

0,2

0,2

519

-33,6

Durchschnittskurs 2025: 1 US$ = 32,84 Baht; 2024: 1 US$ = 35,26 BahtQuelle: Office of Industrial Economics 2026

Öl- und Gasverarbeitung in staatlicher Hand

Die Basis der thailändischen Chemiebranche ist die Öl- und Gasverarbeitung. Sie befindet sich weitgehend in staatlicher Hand. Größter Marktteilnehmer ist PTT Global Chemical mit seinen Tochterunternehmen ThaiOil und IRPC. Die Subunternehmen der PTT Group decken ein breites Produktspektrum bis hin zur Spezialchemie ab.

Auch der börsennotierte Mischkonzern Siam Cement Group (SCG) ist in der Petrochemie aktiv. Er erweitert derzeit seine Kapazitäten und errichtet in Vietnam einen 5,4 Milliarden US-Dollar (US$) teuren Petrochemiekomplex. SCG wollte seine Chemiesparte 2023 an die Börse bringen. Wegen schwacher Resonanz wurden diese Pläne jedoch abgesagt.

Wichtige Chemieunternehmen in Thailand Umsatz 2025 in Milliarden US-Dollar

Unternehmen

Sparte

Umsatz

PTT Global ChemicalPetrochemie

15,0

ThaiOil (PTT-Gruppe)Petrochemie

12,2

IRPC (PTT-Gruppe)Petrochemie

8,5

SCG Chemicals Petrochemie

6,0 *)

TOA PaintFarben, Lacke, Beschichtungen

0,7

Global Green Chemicals (PTT-Gruppe)Pflanzliche Stoffe wie Methylester, Fettalkohol, raffiniertes Glyzerin 

0,6

Birla Carbon (Thailand)Industrieruß (carbon black) 

0,4

* Unternehmensangaben für 2024; Durchschnittskurs 2025: 1 US$ = 32,84 Baht.Quelle: The Stock Exchange of Thailand 2026

Thailands Petrochemie verarbeitet heimisches Öl und Gas aus dem Golf von Thailand. Aber die eigene Förderung steht nur noch für etwa zehn Prozent der Versorgung. Angesichts der sinkenden Fördermengen schreibt die Regierung die Entwicklung von mehreren Ölfeldern aus. Doch bis auf Weiteres muss Thailand einen immer größeren Anteil der benötigten Mengen importieren. Im Jahr 2025 kauften thailändische Raffinerien Rohöl im Wert von 27,5 Milliarden US$ im Ausland ein, etwa zur Hälfte auch aus dem Nahen Osten. Wichtigste Lieferanten sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien.  

Darüber hinaus wurde für fast 8,3 Milliarden US$ Erdgas importiert, das überwiegend über Pipelines aus Myanmar sowie Tankschiffen aus Katar und Australien stammt und vor allem für die Stromerzeugung genutzt wird. Diese Ausgaben dürften 2026 angesichts des Iran-Krieges mit der Schließung der Straße von Hormus ansteigen.

Engagement und Investitionen im Ausland

Die thailändischen Chemiefirmen investieren wegen der weltweiten Überkapazitäten, des steigenden Wettbewerbs, der schwächelnden Nachfrage sowie sinkender Preise derzeit weniger in neue Kapazitäten. Vielmehr müssen sie stärker in Hochleistungsprodukte und innovative Erzeugnisse am Ende der Wertschöpfungskette expandieren. Dazu bedarf es auch mehr Auslandsengagement.

So erwarb die staatliche PTT Global Chemical (PTTGC) im Januar 2022 das in Frankfurt am Main ansässige Spezialchemieunternehmen Allnex, das Beschichtungsharze und Additive produziert. Die Gruppe kommt damit der steigenden Nachfrage nach hochleistungsfähigen und umweltfreundlichen Beschichtungslösungen nach. Der Kaufpreis lag nach Presseangaben bei 4 Milliarden Euro. Es war die größte Auslandsakquisition eines thailändischen Unternehmens seit 2012. PTTGC stellt Medienberichten zufolge von 2026 bis 2030 umgerechnet 388 Millionen US$ für die weitere Expansion von Allnex bereit, mit Fokus auf das Spezialchemikaliengeschäft. 

Mehrere andere thailändische Chemieunternehmen sind international aktiv. Zum Beispiel Indorama Ventures, das nach eigenen Angaben mit 148 Fabriken in 35 Ländern (davon mehreren in Deutschland) der weltgrößte Hersteller von Polyethylenterephthalat (PET) ist. Der größte Produzent von Anstrichmitteln, TOA Paint, expandiert hauptsächlich in die südostasiatischen Nachbarmärkte. Denn die Nachfrage nach Anstrichmitteln im Bausektor und in anderen Industriezweigen nimmt zu.

Deutsche Chemieunternehmen in Thailand

Thailand ist der größte Standort des US-amerikanischen Chemieriesen Dow in Asien-Pazifik. Die Dow Thailand Group betreibt gemeinsam 13 petrochemische Werke mit einer Gesamtkapazität von 2,1 Millionen Tonnen. Beide Unternehmen engagieren sich auch im Kunststoffrecycling.

Deutsche Firmen der chemischen Industrie stellen in Thailand ein breites Spektrum an Produkten her: BASF erzeugt Polyurethan, Beschichtungen, Care Chemicals und Bauchemie. Covestro produziert Polycarbonat, technische Kunststoffe und Spezialfolien vor allem für den Export. Evonik fertigt Kieselsäure sowie Wasserstoffperoxid für den lokalen Markt und internationale Kunden. Beiersdorf produziert in Bangkok in seiner weltweit zweitgrößten Produktionsstätte Körperpflegemittel, Henkel Klebstoffe und Kosmetika. Linde stellt Industriegase her und Bayer produziert Pflanzenschutzmittel.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank und des VCI waren 2024 insgesamt 20 deutsche Chemieunternehmen mit Tochterfirmen in Thailand aktiv. Sie beschäftigten dort etwa 3.000 Mitarbeiter und erzielten einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht 1,5 Prozent der Auslandsumsätze der Branche. Diesen Informationen zufolge investierten deutsche Chemieunternehmen in den Jahren 2022 und 2023 jeweils etwa 1 Milliarde Euro im Königreich. Laut einer VCI-Mitgliederumfrage vom November 2024 nennen deutsche Chemieunternehmen Thailand als einen möglichen Standort für eine Diversifizierung außerhalb der USA.

Dieser Inhalt gehört zu