Branche kompakt | Thailand | Kfz-Industrie

Branchenstruktur

Die Kfz-Industrie in Thailand ist breit aufgestellt. Das Exportgeschäft von Fahrzeugen und Teilen ist ein wichtiges Standbein.

Von Frank Malerius | Bangkok

Der Automobilsektor ist eine der wichtigsten Branchen Thailands und beschäftigt etwa 400.000 Menschen. In Blütezeiten waren es jedoch mehr als 700.000. Sie gilt als das Juwel der thailändischen Industrie, denn sie ist etwa gegenüber der Nahrungsmittelverarbeitung oder der ebenfalls exportorientierten Elektronikbranche besonders wertschöpfungsstark. Viele in Thailand produzierte Fahrzeugmodelle haben einen Local-Content-Anteil von über 80 Prozent. Zudem erwirtschaftet die Automobilindustrie einen großen Außenhandelsüberschuss.

Thailand war nach letztverfügbaren Zahlen des Automobilweltverbandes OICA von 2024 der weltweit zehntgrößte Kfz-Hersteller. Bei leichten Nutzfahrzeugen, zu denen unter anderem Pick-up-Trucks gehören, rangiert Thailand weltweit sogar auf Rang fünf, übertroffen nur von den USA, Mexiko, China und Kanada. In der ASEAN ist das Königreich der größte Kfz-Produzent. Grund für die starke Position ist Thailands Funktion als Export-Hub. Etwa zwei Drittel der Fahrzeugproduktion gehen in alle Welt. Doch auch die Ausfuhr von Kfz ist konjunkturabhängig: So exportierte Thailand 2025 erstmals seit 2011 (die Corona-Jahre 2020 und 2021 ausgenommen) weniger als eine Million Einheiten.

Wichtigste Kfz-Kategorie in Thailand sind Pick-up-Trucks, die überwiegend für den Export produziert werden. Sie zählen statistisch in die Gruppe der Nutzfahrzeuge, obwohl sie vielfach privat genutzt werden. Auf sie entfallen etwa 50 Prozent der gesamten Kfz-Produktion.

Traditionell ist Thailand der zweitgrößte Kfz-Absatzmarkt der ASEAN, hinter Indonesien mit seiner viermal größeren Bevölkerungszahl. In schwachen Jahren wie 2025 fällt das Königreich aber auch hinter das vergleichsweise wohlhabende Malaysia zurück, dessen Bevölkerungszahl nur halb so groß wie die Thailands ist.   

Abhängig von ausländischer Technologie

Die thailändische Automobilindustrie ist breit aufgestellt. Laut Thai Automotive Institute Association (TAIA) gibt es 42 Hersteller von Pkw und Nutzfahrzeugen sowie 30 Produzenten von Motorrädern. Über 90 Prozent sind in ausländischer Hand. Hinzu kommen 2.400 Automobilzulieferer. Die 720 Tier-1-Zulieferer sind nach letztverfügbaren Angaben etwa zur Hälfte ausländische Unternehmen und zu weiteren 30 Prozent ausländisch-thailändische Joint Ventures. Sie sind zumeist größere Unternehmen.

Die etwa 1.500 Tier-2- und Tier-3-Betriebe befinden sich überwiegend in thailändischer Eigentümerschaft und sind zumeist kleine und mittlerweile Unternehmen. Sie liefern vielfach einfachere Komponenten an Tier-1-Unternehmen. In Krisen oder bei einem Technologiewandel wie der Elektromobilität sind sie besonders anfällig.

Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Thailand, Auswahlin Millionen US-Dollar

Unternehmen

Investitionssumme 

Projektstand

Anmerkungen

Sunwoda (China)

1.500

im BauBatteriezellenfabrik in Chonburi
Continental Tyres

400

Im BauAusbau der Reifenproduktion in Rayong
Mazda

150

In PlanungFertigung von E-SUVs
Hyundai

30

Produktionsbeginn 2026 geplantMontage von E-Autos und Batterien
Mahle Services

k.A.

Im BauErweiterung von F&E in Samut Prakan
Umgerechnet mit 1 US$ = 33 Baht.Quelle: Unternehmensangaben; Pressemeldungen 2026

Anreize für Know-how-Transfer

Thailand hat, anders als etwa Malaysia, Vietnam oder Indien, nie ein eigenes nationales Auto entwickelt. Die technologische Rückständigkeit der thailändischen Zulieferindustrie hat den Board of Investment (BOI) dazu veranlasst, Förderprogramme zum Technologietransfer aufzulegen. Jüngste Anreize vom August 2024 umfassen Steuerbefreiungen für Joint Ventures von ausländischen und thailändischen Unternehmen. Ziel ist der Know-how-Transfer von ausländischen an thailändische Automobilzulieferer. Denn insbesondere von den Investitionen in die Fertigung von Elektrofahrzeugen sollen auch thailändische Zulieferer profitieren. 

Auch wenn die thailändischen Zulieferer bisher technologisch nicht substanziell aufgeholt haben, so ist mit der Automobilindustrie in Thailand auch eine starke Metallverarbeitungsbranche entstanden. Ihre Werkzeugmaschinen kommen vor allem von japanischen und deutschen Anbietern. Mittlerweile gibt es auch viele große thailändische Metallverarbeiter. Die Automobilindustrie in Deutschland ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Metallteile aus Thailand.

Großer Außenhandelsüberschuss

Der Außenhandel spielt für den thailändischen Kfz-Sektor eine große Rolle, insbesondere der Export. Wichtigster Absatzmarkt ist Australien, das 2017 seine Automobilproduktion eingestellt hat. Weitere Zielmärkte sind die ASEAN-Nachbarländer Philippinen, Vietnam, Malaysia und Indonesien. Dort werden vor allem japanische Hersteller mit Kfz-Teilen beliefert. Etwa zwei Drittel der thailändischen Kfz-Ausfuhren von insgesamt etwa 30 Milliarden US-Dollar (US$) per annum entfallen auf Pkw und Pick-up-Trucks. Ein weiteres Viertel sind Teile.

Den Exporten stehen Einfuhren von jährlich circa 10 Milliarden US$ entgegen. Davon sind mehr als die Hälfte Kfz-Teile und nur ein Viertel Personenfahrzeuge. Mit Abstand wichtigste Lieferanten sind China und Japan. Aus der Volksrepublik kommen überwiegend E-Autos, aus Japan Teile für die Hersteller vor Ort. Nächstgrößte Lieferanten sind die USA, die mit Ford einen großen Hersteller im Land haben, sowie Deutschland.

Deutschland importiert jährlich Kfz-Waren im Wert von circa 500 Millionen US$ aus Thailand. Dabei handelt es sich zur einen Hälfte um Pkw und Kfz-Teile sowie zur anderen Hälfte um Motorräder. Die jährlichen deutschen Lieferungen ins Königreich betragen etwa 300 Millionen US$ und bestehen zu zwei Dritteln aus Kfz-Teilen und zu einem Drittel aus Pkw und Nutzfahrzeugen. 

Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Thailand in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent
Zolltarifnummer

2024

Veränderung 2024/2023

2024 aus Deutschland

HS 8511, 8512 Kfz-Elektrik

952

5,3

9

HS 8706, 8707, 8708 Karosserien, Stoßstangen, Schaltgetriebe
etc.

6.504

7,0

228

HS 8544.30 Zündkabelsätze

368

8,5

2

HS 8407.31-34, 8408.20 Motoren

1249

14,5

3

Summe

9.074

7,8

243

Rundungsfehler möglichQuelle: UN Comtrade 2025

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