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Thailand will mehr als nur Endfertigungen von Halbleitern

Bisher ist in Thailand nur die ertragsschwache Endfertigung von Halbleitern vertreten. Investitionsanreize sollen lukrativere Prozesse ins Land holen - mit ersten Erfolgen.

Von Frank Malerius | Bangkok

Die Elektronikindustrie ist die mit Abstand stärkste Exportbranche Thailands. Die Exporte erreichten 2024 über 52 Milliarden US-Dollar (US$). Dabei überwiegt das Massengeschäft mit der Fertigung und anschließenden Ausfuhr von Festplattenlaufwerken, integrierten Schaltungen und Leiterplatten. 

Ein wichtiger Downstream-Standort in Südostasien 

Thailand verfügt auch über Produktionen diskreter und analoger Halbleiter, darunter Dioden, Transistoren und von weiteren elektronischen Bauelementen. Diese Bauteile benötigen vor allem Kunden aus der Automobilindustrie, der Energieversorgung sowie Hersteller von industriellen Elektroniksystemen. 

In der Produktionskette der Mikrochips dominiert jedoch das wertschöpfungsschwache Downstream-Segment, das die Montage, Verkapselung und den Test von Halbleitern sowie die Bestückung von Leiterplatten mit Mikrochips umfasst. Gerade die Backend-Aktivitäten (Assembly, Packaging and Testing, ATP) erfordern wenig Kapital und anspruchsvolle Technik, benötigen aber viele angelernte Arbeitskräfte, die in Thailand zu finden sind. Es gibt aber nur wenige Spezialisten. 

Lukrative und anspruchsvolle Prozesse im Upstream (Halbleiterdesign und Waferherstellung) sowie im Midstream (Chipfertigung auf dem Wafer) gibt es praktisch nicht. Und weil diese vorgelagerten Wertschöpfungsketten nur begrenzt vertreten sind, muss die Halbleiterindustrie Vorprodukte und Komponenten aus dem Ausland beziehen.

Neue staatliche Strategie 

Dies soll sich nach Plänen der Regierung ändern. Thailand gründete 2024 einen Ausschuss für Investitionen in Halbleiter. Er ist im Büro des Premierministers angesiedelt und ihm gehören Ministerien, Verbände und Experten an. Das Gremium soll nun auch eine neue Halbleiter-Roadmap umsetzen, die sich im Abstimmungsprozess befindet. Sie konzentriert sich vor allem auf die bisher kaum vorhandenen Upstream- und Midstream-Prozesse. 

Die Roadmap baut auf den zahlreichen thailändischen und internationalen Unternehmen auf, die im Downstream-Segment tätig sind. Sie haben sich hauptsächlich im industriellen Zentrum des Landes, dem Eastern Economic Corridor südöstlich von Bangkok angesiedelt und ihre Betriebe übernehmen überwiegend die arbeitsintensiven Produktionsschritte. 

Ausländische Marktteilnehmer dominierenUnternehmen der thailändischen Halbleiterbranche
UnternehmenHerkunftHaupttätigkeitAbnehmerbranchen
InfineonDeutschlandAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Industrie, Stromversorgung
NXPNiederlandeAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Finanzwirtschaft, Stromversorgung
Analog DevicesUSAAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Industrie, Konsumgüter
SonyJapanAssembly von Bildsensoren/LaserdiodenAutomobil, Datenzentren
HanaThailandAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Medizin, Internet of Things
Stars MicroelectronikThailandAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Medizin, Industrie
ToshibaJapanAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Industrie, Stromversorgung
RohmJapanBau von Integrierten Schaltkreisen (IC) und Einzelhalbleiterbauelementen; Assembly & PackagingAutomobil, Konsumgüter, Stromversorgung
OnsemiUSAAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Industrie
MicrochipUSAAssembly, Testing and Packaging (ATP)Automobil, Industrie, Internet of Things
Quelle: Krungsri Research 2025; Unternehmensangaben 2026; Medienberichte 2026

Gemäß der Roadmap soll vor allem die Fertigung von Sensoren und Photonik-Elementen vorangetrieben werden sowie die Produktion der schon heute im Fokus der Branche stehenden diskreten und analogen Halbleiterbauelemente. Diese werden auch im Inland für die starke heimische Automobilindustrie, die modernisierungsbedürftige Strominfrastruktur oder den Bau von Datenzentren benötigt. 

Die Entwicklung von Logikchips und Speicherchips hingegen ist aufgrund des hohen Kapitalbedarfs und des starken globalen Wettbewerbs nicht geplant. Hier ist der Vorsprung von Taiwan, China oder Japan viel zu groß für ein eigenes Engagement.

Thailand will 230.000 Fachkräfte ausbilden

Insgesamt will der staatliche Investitionsausschuss Board of Investment (BOI) bis 2050 in der Halbleiterbranche umgerechnet rund 79 Milliarden US$ an ausländischen Investitionen anziehen. Es sollen 230.000 Fachkräfte ausgebildet werden und ein vollständig integriertes Halbleiterökosystem entstehen, mit einer Produktion von Chips „made in Thailand". Der BOI gewährt bereits seit 2021 Investoren aus der Halbleiterbranche besondere Anreize und Subventionen, die bei anspruchsvollen Projekten umso höher ausfallen.

Thailand fördert die Halbleiterindustrie gezielt: Elektronikdesign-Projekte (Mikroelektronik, Optoelektronik, Embedded Systems) erhalten Steuervergünstigungen, wenn sie qualifizierte Fachkräfte beschäftigen oder eine Mindestsumme investieren. Für die Waferfertigung bietet Thailand besonders attraktive Anreize mit 13 Jahren Körperschaftsteuerbefreiung ohne Obergrenze der steuerfreien Gewinne. Mehr unter www.boi.go.th

Erste Erfolge stellen sich ein: Das Foxconn-Tochterunternehmen Foxsemicon investiert in die Komponentenfertigung. Die Aktiengesellschaft Hana Microelectronics aus Bangkok, die hauptsächlich Elektronik- und Halbleiterprodukte im Auftrag fertigt, baut nun eine Produktion von Wafern auf. Und der bereits in Thailand tätige deutsche Hersteller Infineon investierte 2025 in eine neue hochautomatisierte Fabrik, die vor allem Backend-Prozesse ausführt.

Für weitere Erfolge ist auch entscheidend, ob sich Thailand besser als die regionalen Konkurrenten entwickeln kann. Der weiter fortgeschrittene Halbleiterstandort Malaysia, die aufstrebenden Philippinen und insbesondere der neue Wettbewerber Vietnam haben Halbleiterförderprogramme aufgelegt. Vietnam hat eine deutlich jüngere Bevölkerung, eine dynamischere Industrie und erzielt schnellere Bildungserfolge als Thailand. 

Starke Leiterplattenbranche als Vorteil

Zu den Vorteilen Thailands gehört die starke heimische Fertigung und Bestückung von Leiterplatten (Printed Circuit Boards, PCBs). Sie ist Teil der Downstream-Industrie für Halbleiter. Viele große internationale Branchenfirmen haben sich im Königreich in den letzten 50 Jahren niedergelassen. Thailand ist in der PCB-Produktion mit einem Weltmarktanteil von 4 Prozent führend in der ASEAN-Region. Knapp 30 Prozent der PCB-Produktion fließen in die thailändische Industrie, 70 Prozent gehen in den Export.   

Die PCB-Branche erfährt seit 2023 im Zuge des Handelskonflikts zwischen den USA und China einen Boom und neue Investitionen fließen. Der deutsche PCB-Hersteller Starteam Global baute 2023 im Rahmen seiner Strategie China-Plus-Eins eine kleinere Produktion in der Provinz Prachinburi östlich von Bangkok auf.

Die Investitionen fließen auch in Fertigungen höherwertiger Produkte. Beobachter rechnen mit einer Steigerung des thailändischen PCB-Weltmarktanteils auf 10 Prozent. Andere Marktteilnehmer halten die vor allem durch chinesische und taiwanesische Marktteilnehmer geplanten oder aufgebauten Produktionskapazitäten für überdimensioniert. Der Preiswettbewerb könnte die Konkurrenz aus Thailand aus dem Markt drängen.