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Japans Photonikbranche profitiert vom weltweiten KI-Boom
Die Nachfrage nach IT-Hardware und -Infrastruktur treibt das Wachstum in Japans Photonikindustrie. Die Hersteller investieren kräftig. Deutsche Firmen liefern unter anderem Laser.
23.09.2026
Zentrales Feld in der Photonik sind Bildsensoren - und dabei ist Japan Weltmarktführer. Der Markt wächst, weil immer mehr Kameras in Autos, in der Industrie und in Gebäuden zum Einsatz kommen. Zu den wichtigen Treibern zählen das autonome Fahren, Automatisierung, Robotik und intelligente Gebäude.
Sony und TSMC bauen Bildsensorproduktion aus
Nun erweitert der Weltmarktführer Sony Semiconductor Solutions seine Produktion. Im August 2026 vereinbarte die Firma die Gründung eines Joint Ventures mit dem taiwanischen Auftragsfertiger TSMC. Das Gemeinschaftsunternehmen soll Bildsensoren der nächsten Generation entwickeln und in der Präfektur Kumamoto auf Kyushu fertigen. Für die Milliardeninvestition warten die Partner noch auf die Förderzusage der japanischen Regierung. Bereits im April 2026 hatte Japans Wirtschaftsministerium Sony Semiconductor Solutions eine Förderung zur Erweiterung der Produktion von Bildsensoren bewilligt.
Die Fertigung von Bildsensoren und anderen optischen Sensoren durch japanische Firmen ist in den letzten Jahren im In- und Ausland kräftig gestiegen. Für das Fiskaljahr 2026 erwartet der Fachverband Optoelectronics Industry and Technology Development Association eine weitere Zunahme.
Japan fördert optische Kommunikation und Quantentechnologie
Der israelische Auftragsfertiger Tower Semiconductor will in Japan Halbleiter für die optische Kommunikation fertigen. Dafür investiert das Unternehmen etwa 4 Milliarden US-Dollar (US$) in zwei neue Werke.
Das Vorhaben passt zur Förderung von All-Photonics-Networks (vollständig lichtbasierte Netzwerke) durch die japanische Regierung. Dafür will Japan gemäß seiner Wachstumsstrategie von 2026 bis 2040 rund 36,5 Milliarden US$ investieren. Durch die Kommunikation mit Licht sollen Netze und KI-Modelle noch schneller werden. Japan will durch die Investitionen seinen Weltmarktanteil bei optischen Übertragungssystemen von derzeit 5 auf 10 Prozent erhöhen. Aktiv sind in diesem Bereich etwa die Telekommunikationsfirma NTT, die Technologiekonzerne Fujitsu und NEC sowie der Mischkonzern Kyocera.
Zu den Anwendungsfeldern lichtbasierter Netzwerke sollen auch Quantenkommunikationsnetze gehören. Bei Quantencomputing, -kommunikation, -netzwerken und -sensorik plant Japan bis 2040 private und staatliche Investitionen in Höhe von 82 Milliarden US$. Die Aktivitäten koordiniert die Quantum Strategic Industry Alliance for Revolution (Q-Star). Zu den wichtigen Mitgliedern zählen Fujitsu, Hitachi, NEC, NTT und Toshiba.
Fujikura, Furukawa Electric Sumitomo Electric investieren massiv in Glasfaserfertigung
Auch die Hersteller von Glasfaserkabeln bauen ihre Kapazitäten deutlich aus. Der Boom künstlicher Intelligenz (KI) und der Ausbau von Rechenzentren sorgen für eine enorme Nachfrage. So will Fujikura seine Produktionskapazitäten bei Glasfaserkabeln in Japan und in den USA bis Anfang der 2030er Jahre verdreifachen. Furukawa Electric plant seine Kapazitäten bei Glasfaserkabeln bis März 2029 zu verdoppeln und bei Halbleiterlasern für die Glasfaser-Datenkommunikation bis 2028 mindestens auf das Fünffache zu steigern. Sumitomo Electric will seine Investitionen in den Bereich Informations- und Kommunikationstechnik im selben Zeitraum gegenüber den drei Jahren davor vervierfachen. Schwerpunkte sind Glasfaserkabel und optische Steckverbinder.
NEC ist weltweit einer der wichtigsten Akteure beim Verlegen von Untersee-Glasfaserkabeln. Diese stellt die Tochterfirma OCC her. In der Photovoltaik setzt Japan auf Perowskit-Solarzellen. In diesem Bereich investiert in Japan vor allem Sekisui Chemical.
| Akteur | Investition *) | Zeitraum | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Sony Semiconductor Solutions, TSMC | >5.000 | 8/2026 - 2029 | Entwicklung und Produktion von Bildsensoren in Koshi in der Präfektur Kumamoto auf Kyushu |
| Sony Semiconductor Solution | 1.204 | 4/2026 - 5/2029 | Erweiterung der Produktion von Bildsensoren in Koshi in der Präfektur Kumamoto auf Kyushu |
| Tower Semiconductor | 4.012 | 7/2026 – 2029 | Werke für Halbleiter für die optische Kommunikation in Uozu (Präfektur Toyama, Siliziumphotonik, ab 5/2027) und in Myoko (Präfektur Niigata, Silizium-Germanium, ab 9/2027) |
| Fujikura | bis zu 2.307 | 8/2025 - 2030er Jahre | Glasfaserwerke: 1 in Sakura in der Präfektur Chiba (bis 3/2030, 301 Millionen US$), 2 in Sakura, 267 Millionen US$; 3 in den USA, bis zu 1.738 Millionen US$. |
| Furukawa Electric | 669 | 8/2026 - 10/2028 (sukzessive Inbetriebnahme) | Werke für optische Fasern und Glasfaserkabel in den USA, Brasilien, Japan und Indien |
| Sumitomo Electric | 669 | 4/2026 - 3/2029 | Schwerpunkt auf Erweiterung der Anlagen für Glasfaserkabel, optische Steckverbinder etc., unter anderem im Werk in Yokohama; zusätzlich 361 Millionen US$ für Forschung und Entwicklung |
| Furukawa Electric | 254 | 12/2025 - 04/2028 | Werk für Halbleiterlaser (DFB-Laserdioden-Chips) in Kitakami, Präfektur Iwate und Montageanlagen bei Furukawa Fitel in Thailand |
| Nikon | 167 | 12/2025 – Sommer 2027 | Gebäude zur Fertigung von Linsen für Digitalkameras, Objektive für Mikroskope, zur Projektion in Halbleiterlithographiesystemen, für die Industrie etc. |
Großinvestition bei Displays möglich
Im März 2026 berichteten verschiedene Medien, dass Japan Display möglicherweise 13 Milliarden US$ in den USA investiert. Dabei könnte das Unternehmen seine moderne eLEAP-Technologie einsetzen. Diese kommt bei der OLED-Herstellung ohne physische Metallmasken (FMM) aus.
Die Investition würde den Trends der vergangenen Jahre widersprechen. Japanische Firmen verloren bei Displays, Smartphones und Solarzellen an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Anbietern aus China und Südkorea. Daher fuhren sie ihre Produktion zurück. Inzwischen gibt es in Japan keine Fertigung von Fernsehdisplays mehr. Die Hersteller konzentrieren sich auf Displays für Autonavigationsgeräte und industrielle Anwendungen.
Japan ist dagegen Weltmarktführer bei Endoskopen. Die größten Anbieter sind Olympus, Fujifilm und Pentax Medical. Olympus produziert Endoskope auch in Deutschland. Fujifilm übernahm 2019 den deutschen Endoskopehersteller medwork und fertigt damit ebenfalls in Deutschland. Auch bei Kameras und Druckern sind japanische Firmen Weltmarktführer.
| Segment | Anbieter |
|---|---|
| Sensoren | Sony Semiconductor Solutions (Bildsensoren), Keyence, Omron, Panasonic Industry, Hamamatsu Photonics (Bildsensoren, Lichtdetektoren, etc.), Murata Manufacturing (Infrarotsensoren), Canon (Bildsensoren) |
| Endoskope | Olympus, Fujifilm, Pentax Medical 1), Machida Endoscope |
| Kameras | Canon, Sony, Fujifilm, Nikon, Panasonic |
| LED, LED-Beleuchtung 2) | Nichia, Toyoda Gosei, Stanley Electric, Rohm, Kyocera Toshiba Lighting & Technology, Koito Manufacturing, Citizen Electronics |
| Optische Drucker | Canon, Ricoh, Seiko Epson, Brother Industries, Kyocera, Fujifilm Business Innovation |
| Glasfaserkabel | Fujikura, Furukawa Electric, Sumitomo Electric, OCC 3) (spezialisiert auf optische Seekabel) |
| Displays | Sharp 4), Japan Display |
| Handys | Sony, Sharp 4) |
Welche Chancen sich für deutsche Photonikfirmen ergeben
Japan importierte 2025 Photonikerzeugnisse aus Deutschland für über 500 Millionen US$. Das waren rund 10 Prozent der Brancheneinfuhren. Bei Lasern bezog Japan, das selbst ebenfalls Laser herstellt, mehr als 30 Prozent seiner Einfuhren aus Deutschland. Für Deutschland war Japan der viertgrößte Abnehmer von Lasern.
In Japans Lasertechnik-Markt profitieren die Anbieter vom starken Wachstum der Halbleiter- und Halbleitermaschinenindustrie. In Japan vertreten sind unter anderem die deutschen Hersteller Trumpf, Jenoptik, Carl Zeiss Meditec, Asphericon, Laserline und Toptica. Die Laser kommen unter anderem in der Halbleiter- und Automobilindustrie, im Maschinenbau, im Gesundheitswesen sowie in der Forschung zum Einsatz. Die in Japan vertretenen US-amerikanischen Laserhersteller Coherent und IPG Photonics verfügen ebenfalls über Fertigungsstätten in Deutschland.
Schott verfügt über eine Produktionsstätte in der Präfektur Shiga. Das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, das in der Photonik forscht, vereinbarte Anfang 2026 eine fünfjährige Kooperation mit Oki Electric. Die Partner wollen kompakte, leistungsfähige und energieeffiziente optische Sensoren sowie Produkte für die optische Kommunikation entwickeln.
| HS-Position | Warenbezeichnung | 2024 | 2025 | davon aus Deutschland |
|---|---|---|---|---|
| 9001 | Optische Fasern, Bündel und Kabel aus optischen Fasern | 2.438 | 2.401 | 88 |
| 9002 | Linsen, Prismen, Spiegel, andere optische Elemente | 623 | 630 | 37 |
| 9013 | Flüssigkristallvorrichtungen, Laser außer Laserdioden, andere optische Instrumente | 719 | 762 | 198 |
| 9013.20 | davon: Laser | 468 | 508 | 157 |
| 9030 | Oszilloskope, Spektralanalysatoren und andere Messinstrumente | 1.264 | 1.503 | 107 |
| 8544.70 | Optische Kabel | 101 | 122 | 3 |
Messen und Veranstaltungen der Photonik in Japan
Optics and Photonics International Exhibition (OPIE); auf der Messe gab es 2026 Gemeinschaftsstände von Thüringen und von Berlin-Brandenburg
Photonix – International Laser & Photonics Expo (Teil der Highly-Functional Material Week)
Semicon Japan (für Photonik für Halbleiteranwendungen)
CEATEC (für praktische Anwendungen der Photonik)