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Kommunale, private und internationale Dienstleister sind in Tschechiens Entsorgungswirtschaft unterwegs. Der wachsende Markt bietet auch Raum für neue Spezialfirmen.

Von Gerit Schulze | Prag

In Tschechien werden jährlich rund 35 Millionen Tonnen Abfall wieder genutzt oder verarbeitet. Damit ist die Entsorgungswirtschaft ein wichtiger Geschäftszweig. Die Verwertungsquote stagniert allerdings seit einem Jahrzehnt bei rund 86 Prozent. 

Quoten bei Verpackungen verfehlt

Vorgaben aus Brüssel erhöhen den Druck auf Tschechien, bei der Wiederverwendung von Abfällen aufs Tempo zu drücken. Ab August 2026 gilt die EU‑Verpackungsverordnung 2025/40 in allen Mitgliedsländern. Bis 2029 müssen 90Prozent aller EinwegKunststoffflaschen und Getränkedosen eingesammelt werden. Der Anteil von Recyclingmaterial in Kunststoffverpackungen muss ab 2030 mindestens 25 Prozent betragen und steigt danach weiter. 

Für Tschechien ist das relevant, da die aktuellen Sammelquoten deutlich unter den Zielvorgaben liegen (bei PET-Flaschen rund 70Prozent, bei Dosen rund 30 Prozent). Die Verordnung sieht die Einführung von Pfandsystemen vor, sofern die Mitgliedstaaten ihre 90-ProzentQuote nicht auf anderem Wege erfüllen. Ein solches Pfandsystem hat die Regierung aber Anfang 2026 abgelehnt. Schon jetzt muss Tschechien Strafzahlungen für nicht recycelte Kunststoffe an den EU-Haushalt leisten.

Derzeit organisiert das Unternehmen EkoKom in Tschechien die Sammlung, Rücknahme und Verwertung von Verpackungsabfällen. Es ist im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung entstanden, über die rund 20.000 Hersteller, Importeure, Abfüller und Händler ihre Pflichten aus dem tschechischen Verpackungsgesetz erfüllen. Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung sind an das System angeschlossen. 

Vertreter von EkoKom sind der Meinung, dass eine höhere Anzahl von Sammelstellen ausreiche, um die Recyclingquoten zu verbessern. Die Getränkehersteller dagegen sind für ein Pfandsystem, um ausreichend recyceltes PETGranulat verfügbar zu haben. 

Auf den steigenden Bedarf an Verarbeitungskapazitäten stellt sich der polnisch-tschechische Petrochemiekonzern Orlen Unipetrol ein. Mit einer Großinvestition im nordböhmischen Litvínov sollen im Pyrolyseverfahren aus Plastikresten flüssige Ausgangsstoffe gewonnen werden. Die Anlage könnte laut Presseberichten über 120 Millionen Euro kosten.

Steigende Menge an Elektronikmüll

Ein Wachstumsmarkt ist die Entsorgung von Elektronikmüll, da die Verkäufe entsprechender Geräte steigen. Bei der Einsammlung und Verwertung bleibt Tschechien unter der Vorgabe der EU, die laut Richtlinie 2012/19/EU verlangt, 65 Prozent der verkauften Elektro- und Elektronikgeräte zurückzunehmen. 

Derzeit haben 13 Firmen Lizenzen für das Geschäft. Die größten sind Elektrowin, Rema Systém und Asekol.

Probleme gibt es besonders beim Sammeln und Verwerten kleiner Geräte und bei der Rohstoffgewinnung. Ein Teil der Altgeräte wird ins Ausland exportiert. Auch bei Photovoltaik-Paneelen fehlen bislang die Kapazitäten.

Der Abfallwirtschaftsplan schlägt vor, die Sammelquote durch bessere Logistik und Informationskampagnen zu erhöhen. Für LithiumBatterien und EAuto-Komponenten sollen die Recyclingkapazitäten ausgebaut werden.

Immer mehr Altautos müssen entsorgt werden

Ein wachsendes Geschäftsfeld ist die Entsorgung von Altautos. Tschechien gehört zu den Ländern mit dem ältesten Fuhrpark in Europa. Die 6,9 Millionen Pkw sind durchschnittlich 16,7 Jahre alt. Im Jahr 2025 wurde eine Rekordzahl von 195.000 Autowracks entsorgt. Rund 330 Unternehmen befassen sich mit der Verwertung von Altfahrzeugen.

Abfallmengen und Müllentsorgung in Tschechien (2024)in Millionen Tonnen, Anteile in Prozent
Abfallart

Abfälle insgesamt

Siedlungsabfälle

Produktion (in Mio. t)

40,3

6,4

Abfallnutzung (in %), darunter

86,0

58,0

Wiederverwertung

82,0

44,0

energetische Nutzung

4,0

14,0

Abfallbeseitigung in Deponien (in %)

14,0

42,0

Quelle: Umweltministerium "Angaben zur Abfallwirtschaft 2013 - 2024" (Souhrnná data o odpadovém hospodářství ČR v letech 2013 - 2024), 2026

Den größten Anteil am Müllaufkommen hat die Bauindustrie. Auf Bauschutt und Abbruchreste entfällt mehr als die Hälfte der gesamten Abfallmenge im Land. Aufgrund enorm steigender Preise für Baustoffe wächst das Interesse am Recycling.

Besondere Sorgfalt erfordert der Umgang mit Gefahrstoffen. Hier betrug die Abfallmenge im Jahr 2024 rund 1,5 Millionen Tonnen. Jeweils ein Drittel davon erzeugt das verarbeitende Gewerbe und die Wasserwirtschaft (Klärschlamm).

Abfallmengen in Tschechien nach den größten Abfallartenin 1.000 Tonnen, Veränderung in Prozent
Abfallart (EU-Abfallverzeichnis-Code)

2023

2024

Veränderung 2024/ 2023 *)

Insgesamt, darunter

38.009

40.315

6,1

Bau- und Abbruchabfälle (17)

23.456

23.311

-0,6

Siedlungsabfälle (kommunale Abfälle) (20)

5.863

6.409

9,3

Abfälle aus Kläranlagen (19)

4.292

5.649

31,6

Abfälle der Metall- und Kunststoffindustrie (12)

922

1.320

43,2

Verpackungsabfälle (15)

962

1.023

6,3

Abfälle, die bei der Wärmegewinnung entstehen (10)

779

789

1,2

Abfälle der Land- und Forstwirtschaft sowie der Lebensmittelindustrie (02)

210

215

2,2

Abfälle aus der Holz- und Papierindustrie (03)

164

175

7,2

Abfälle aus der organischen Chemieindustrie (07)

152

154

1,2

* Berechnung aufgrund der nicht aufgerundeten Werte.Quelle: Statistisches Umweltjahrbuch für die Tschechische Republik 2024, Umweltministerium und Umweltinformationsagentur Cenia 2026

Nach Angaben des tschechischen Umweltministeriums sind derzeit über 8.200 Unternehmen mit der Sammlung, Sortierung, Deponierung und Verarbeitung von Abfällen beschäftigt. Im Register des Ministeriums lassen sich spezialisierte Firmen für alle Formen der Abfallbehandlung finden. 

Außerdem können in dem Verzeichnis die Entsorgungseinrichtungen recherchiert werden. Demnach gab es Anfang 2026 rund 120 Mülldeponien, 400 größere Kompostieranlagen, 16 Verbrennungsanlagen und sieben Werke, bei denen Müll mitverbrannt wird.

Europäische Marktführer gut im Geschäft

Tschechiens Abfallwirtschaft ist ein Milliardenmarkt, der von wenigen Akteuren dominiert wird. Gemessen am Umsatz ist die Remondis-Tochter TSR Czech Republic Marktführer. 

Führendes Unternehmen bei Siedlungsabfällen ist AVE CZ, das zur EP Industries/Kaprain-Gruppe gehört. Das Unternehmen sammelt Hausmüll in vielen Städten ein, entsorgt Industrieabfälle und Gefahrgut und betreibt Deponien. 

Die spanische FCC-Gruppe bietet ebenfalls Entsorgungsdienste für Kommunen und Industrie, betreibt Recyclinghöfe und Deponien.

Die dänische Marius Pedersen ist bei Kommunal- und Gewerbeabfällen, Wertstoffsortierung, Deponiebetrieb und Kompostierung aktiv. Der Mutterkonzern sucht derzeit einen Käufer für das Geschäft in Tschechien und in der Slowakei. Bis Mitte 2026 sollen die Aktivitäten übertragen werden. 

Ein Schlüsselakteur im Markt ist die kommunale Entsorgungsgesellschaft der Stadt Prag, Pražské služby (PSAS). Das Unternehmen betreibt auch eine große Müllverbrennungsanlage in der Millionenstadt, in der rund 15 Prozent der landesweiten Siedlungsabfälle entstehen.

Neben den großen Dienstleistern existieren viele spezialisierte Firmen. Dazu gehören Dekonta bei gefährlichen Abfällen und kontaminierten Böden; Purum bei Sondermüll und Dekontaminationsanlagen oder Kovohutě Příbram beim Recycling von Bleiakkumulatoren und Edelmetallen.

Beispiele für innovative Firmen in der Abfallverarbeitung

  • Regutec produziert aus Altreifen Produkte für Sportstätten, Spielplätze, Lärmschutz und Eisenbahninfrastruktur
  • Ges ECO produziert aus Getränkekartons multifunktionale Bauplatten
  • Classic Oil recycelt alte Kühlmittel
  • Dimatex verarbeitet Alttextilien zu Blumentöpfen, Tischen, Gartenmöbeln

Wichtige Entsorgungsunternehmen in der Tschechischen Republik (Auswahl)Umsatz insgesamt in Millionen Euro, Veränderung in Prozent 1)
UnternehmenSparte

Umsatz 2024 2)

Veränderung 2024 / 2023 3)

TSR Czech Republic (Remondis Gruppe)Sammlung und Verwertung von Eisenschrott und Buntmetall

541

24,6

AVE CZ odpadové hospodářství (EP Industries)Abfallsammlung und -verwertung, Deponiebetrieb, Altlastensanierung

214

8,0

FCC Česká republika (FCC Gruppe)Sammlung, Verwertung, Verbrennung von Abfall, Deponiebetrieb

209

13,4

Marius Pedersen (Marius Pedersen Gruppe)Abfallsammlung und -verwertung, ökologische Sanierung

197

13,3

Pražské služby (Stadt Prag)Abfallsammlung und -verwertung, energetische Nutzung, Sammelstellen

181

4,1

Eko-Kom (verschiedene Aktionäre)Sammlung und Verarbeitung von Verpackungsabfällen

178

7,7

Recovera Využití zdrojů (Veolia Gruppe)Sammlung, Verwertung von Abfall, Deponiebetrieb, Altlastensanierung

108

7,8

SAKO Brno (Stadt Brno)Sammlung, Trennung, Verwertung, Bearbeitung, energetische Nutzung von Abfall

50

5,2

Elkoplast CZEntwicklung und Produktion der Gefäße für Sammlung, Trennung, Transport und Bearbeitung von Abfall und Wasser 

35

-16,2

OZO Ostrava (Stadt Ostrava)Sammlung, Trennung, Verwertung und Bearbeitung von Abfall, Sammelstellen

34

18,8

1 Umsätze mit eigenen Erzeugnissen und Dienstleistungen und aus Warenverkauf; 2 Umrechnung anhand des Wechselkurses der Tschechischen Nationalbank für 2024 1 Euro = 25,119 Tschechische Kronen; 3 Veränderung in Prozent auf KronenbasisQuelle: Handelsregister 2026; Abfallwirtschaftsverband ČAOH 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

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