Wirtschaftsstandort | Tschechische Republik

Tschechien muss sich neu erfinden

Tschechien und Deutschland sind eng verwoben über Handel und Investitionen. Doch um ein attraktiver Standort zu bleiben, muss das Nachbarland Reformen anpacken.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Prag

Die Tschechische Republik gehört zu den 50 größten Volkswirtschaften der Welt. Ihre Wirtschaftsleistung ist etwa so groß wie die Finnlands. In Mittelosteuropa hat das Land nach Polen und Rumänien das drittgrößte Bruttoinlandsprodukt.

Bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf kommen die knapp 11 Millionen Tschechen auf rund 26.000 Euro (2022). Damit liegen sie deutlich vor Polen (17.300 Euro) und auch vor südeuropäischen EU-Staaten wie Portugal oder Griechenland.

Für Deutschland ist das Nachbarland der zehntwichtigste Handelspartner. Der gemeinsame Warenaustausch betrug 2022 über 113 Milliarden Euro und lag damit über dem Wert für weitaus größere Länder wie das Vereinigte Königreich, Spanien oder Japan. Ebenso ist Tschechien ein bedeutender Investitionsstandort für die deutsche Industrie.

  • Das verarbeitende Gewerbe mit der Automobilindustrie dominiert weiter Tschechiens Wirtschaftsleistung. Doch erste Umbrüche deuten sich an, Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung.

    Tschechien durchlebt zurzeit eine ungewöhnlich lange Schwächephase. Dadurch gerät die seit dem EU-Beitritt 2004 eingesetzte wirtschaftliche Dynamik ins Stocken. Der Höchststand der Wirtschaftsleistung aus dem Jahr 2019 konnte nach dem Einbruch infolge der Coronapandemie und des Krieges in der Ukraine bislang nicht wieder erreicht werden. Damit fällt das Land im regionalen Vergleich zurück. Das Bruttoinlandsprodukt im Nachbarland Polen wuchs seit dem EU-Beitritt jährlich um 1,5 Prozentpunkte schneller als die tschechische Wirtschaft. Die Slowakei legte jedes Jahr um fast 1 Prozentpunkt kräftiger zu.

    Tschechien stößt an seine Wachstumsgrenzen, weil das Arbeitskräftepotenzial erschöpft ist, weil die starke Abhängigkeit von russischen Energieträgern die Preise für Öl und Gas seit Moskaus Ukraineinvasion enorm erhöht hat und weil der Strukturwandel in den Kernbranchen Automobilindustrie, Chemie und Maschinenbau nur langsam vorankommt.

    Autobranche kommt nur langsam aus dem Tief

    Die wichtige Industriebranche Automobilwirtschaft kann bislang nicht an ihre alten Rekorde anknüpfen. Während das Nachbarland Slowakei in den letzten Jahren mit Jaguar Land Rover und Volvo zwei weitere Weltkonzerne von einer neuen Produktionsstätte überzeugen konnte, ging Tschechien leer aus. Die Fahrzeugproduktion erreichte ihr Maximum im Jahr 2018 mit 1,44 Millionen Pkw. Im Jahr 2023 stieg der Ausstoß allerdings um 15 Prozent auf 1,4 Millionen Autos.

    Nur langsam gelingt die Umstellung auf neue Antriebsarten. Nicht einmal jedes zehnte in Tschechien produzierte Auto war 2023 ein reines Elektrofahrzeug. Die Versuche, internationale Konzerne für den Aufbau einer Batterieproduktion zu gewinnen, sind bislang gescheitert.

    Eine schwächelnde Fahrzeugbranche ist eine Gefahr für die tschechische Wirtschaftsentwicklung. Denn laut Automobilverband AutoSAP entfallen 9 Prozent des BIP und ein Drittel der Forschungsausgaben auf den Automobilsektor.

    Die Regierung strebt an, neue Wirtschaftszweige zu unterstützen und anzusiedeln. Dazu gehören die Halbleiterproduktion und künstliche Intelligenz. Außerdem soll die Infrastruktur so ausgebaut werden, dass Tschechien zum logistischen Drehkreuz in Europa wird. Im Stromsektor sind massive Investitionen in erneuerbare Energiequellen und in die Atomkraftwerke Dukovany und Temelín geplant. Der Energieverbund mit Deutschland soll höhere Kapazitäten erreichen.

    10,9 Mio.

    Menschen lebten im September 2023 in Tschechien

    Quelle: Tschechisches Statistikamt 2024

    276 Mrd. Euro

    Bruttoinlandsprodukt (BIP, 2022)

    Quelle: Tschechisches Statistikamt 2024

    25.800 Euro

    BIP pro Kopf (2022)

    Quelle: Tschechisches Statistikamt 2024

    Rang 12

    der wichtigsten deutschen Exportmärkte (Januar bis Oktober 2023)

    Quelle: Destatis 2024

    Rang 41

    im Corruption Perceptions Index 2022 (unter 180 Ländern)

    Quelle: Transparency International 2024

    0,1 %

    Analphabetenquote im 3. Quartal 2023

    Quelle: Tschechisches Statistikamt 2024

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Nimbus des Standorts bröckelt

    Nach ihrem EU-Beitritt war die Tschechische Republik eines der attraktivsten Investitionsziele deutscher Unternehmen. Der Bestand der deutschen Direktinvestitionen belief sich Ende 2021 laut Bundesbank auf über 26,6 Milliarden Euro. Allerdings hat der Standort zuletzt an Attraktivität verloren. Im World Business Outlook der Auslandshandelskammern (AHK) beurteilten die befragten Firmenchefs die Konjunkturerwartungen in Tschechien schlechter als in den meisten anderen EU-Ländern. Als größte Risiken wurden die schwache Nachfrage, der Fachkräftemangel und die hohen Energiepreise genannt.

    Die meisten deutschen Unternehmen im Land wollen aber engagiert bleiben. Fast jede zweite Firma plant laut der Umfrage Investitionen in den Ausbau der Produktion.

    Tschechien hat sich in den 30 Jahren, in denen wir hier produzieren, wirtschaftlich derart positiv entwickelt, dass der Fachkräftemangel die Unternehmen nun vor Herausforderungen stellt. Durch unsere direkte Lage zu den Automobilherstellern, welche sich in gut erreichbarer Just-In-Time-Nähe angesiedelt haben, bleibt Tschechien für uns jedoch ein attraktiver Produktionsstandort.

    Uwe Hengstermann Geschäftsführer des Automobilzulieferers Autoneum Pilsen

    SWOT-Analyse Tschechische Republik

    S

    Stärken Strengths

    • EU-Mitgliedschaft und Premiumlage in der Mitte Europas
    • Qualität und Leistungsbereitschaft der Arbeitskräfte
    • Noch relativ geringer öffentlicher Verschuldungsstand (45 Prozent des BIP)
    • Lange Industrietradition und IT-Kompetenz
    • Enges Netz verlässlicher Zulieferer

     

    W

    Schwächen Weaknesses

    • Ausgeprägter Fachkräftemangel
    • Praxisfernes Ausbildungssystem
    • Hohe Energieintensität des BIP
    • Geringer Anteil erneuerbarer Energiequellen bei hoher Importquote fossiler Energieträger
    • Mangel an strategischen Industrieparks für große Neuansiedlungen
    O

    Chancen Opportunities

    • Über 30 Milliarden Euro EU-Fördermittel bis 2030
    • Nachholbedarf bei erneuerbaren Energien und Energieeffizienz
    • Steigende Forschungsausgaben und höchste F&E-Quote unter den Visegrád-Staaten
    • Gute Position bei IT- und Halbleitertechnologien
    • Kann als Standort und Zulieferer vom Trend zu Diversifizierung und Nearshoring profitieren
    T

    Risiken Threats

    • Große Abhängigkeit von Auslandsmärkten (Exportquote von 75 Prozent)
    • Dominierende Position der Autoindustrie mit klassischen Antriebstechnologien 
    • Preissteigerung mittelfristig über dem EU-Durchschnitt
    • Negative demografische Entwicklung
    • Folgen des Klimawandels (Borkenkäferplage, Dürre, Hochwasser)

    Produzierendes Gewerbe bleibt dominant

    Die verarbeitende Industrie bildet das Rückgrat der tschechischen Wirtschaft. Sie hatte 2022 einen Anteil von 23 Prozent an der Bruttowertschöpfung im Land. Allerdings müssen Branchen wie Metallverarbeitung, Chemie oder Maschinenbau in den nächsten Jahren ihre Klimabilanz nachhaltig verbessern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 

    Noch ist die Bedeutung des produzierenden Gewerbes für die Gesamtwirtschaft stabil und hat sich in den vergangenen zehn Jahren nur leicht verringert. Stärker war der Rückgang beim Energiesektor, der nur noch einen Anteil von 2,3 Prozent an der Wertschöpfung hat. Im Jahr 2012 waren es noch 4 Prozent. Die Förderung von Bodenschätzen spielt nach der Schließung vieler Kohlegruben kaum noch eine Rolle für die Wirtschaftsleistung. 

    An Einfluss gewonnen hat der Groß- und Einzelhandel, der inzwischen fast 13 Prozent zur Bruttowertschöpfung in Tschechien beiträgt. Auch Informationstechnologien und Telekommunikation sowie das Gesundheitswesen legen zu.

    Die Verschiebungen bei der Wertschöpfung werden sich auch auf dem Arbeitsmarkt auswirken. Noch sind über 200.000 Menschen direkt in der Fahrzeugproduktion beschäftigt. Doch die Zahl ist seit fünf Jahren bereits um ein Zehntel geschrumpft. Dieser Abbau wurde durch neue Stellen in der IT-Branche sowie im Gesundheits- und Pflegesektor kompensiert. 

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in der Tschechischen Republik (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 2022

    Anteil an den Beschäftigten 2022 *)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    2,1

    2,9

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    0,6

    0,4

    Verarbeitendes Gewerbe

    23,1

    25,6

    Energieversorgung

    2,3

    0,8

    Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    1,0

    1,2

    Baugewerbe

    5,6

    7,7

    Dienstleistungen

    65,3

    61,5

    * alle beschäftigten Personen, inklusive Angestellte und arbeitnehmerähnliche Personen.Quelle: Tschechisches Statistikamt 2024

    Viele starke Zentren neben der Hauptstadt Prag

    Die Hauptstadt Prag ist das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes. Hier entsteht ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts, vor allem dank hoher Kaufkraft, einem starken Dienstleistungs- und Tourismussektor und als Verwaltungs- und Konzernsitz. Tschechiens industrielle Schwerpunkte liegen rund um Ostrava, Plzeň und Brno. Mittelböhmen, der Speckgürtel rund um die Hauptstadt, ist Schwerpunkt des Logistiksektors und der Automobilindustrie (Škoda in Mladá Boleslav, Toyota in Kolín). 

    Brno profitiert als zweitgrößte Stadt des Landes von seiner Hochschullandschaft und staatlich geförderten Technologiezentren. Es ist der wichtigste Messestandort Mittelosteuropas und eine Start-up-Hochburg. Einige führende Softwareproduzenten haben in Brno ihren Sitz. Außerdem ist die Region ein Zentrum der Elektronik- und Flugzeugindustrie.

    Die Industriestadt Ostrava steckt, wie die gesamte Region Mährisch-Schlesien, im Strukturwandel weg von Kohle und Stahl, hin zu Dienstleistungen und neuen Technologien. In ähnlich schwieriger Transformation befinden sich die Regionen Ústí nad Labem und Karlovy Vary. 

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

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  • Deutschland ist der drittgrößte Auslandsinvestor in Tschechien. Besonders die lange Industrietradition und die gut ausgebildeten Fachkräfte überzeugen viele Unternehmen.

    Die Automobilproduktion ist das Aushängeschild der tschechischen Industrie. Dennoch ist die Wirtschaftsstruktur sehr diversifiziert. Das macht das Land attraktiv für Investoren aus vielen Branchen. Für den Standort sprechen nach Meinung der deutschen Unternehmen vor allem die Marktgröße und die Nähe zu den Kunden. Zu den Qualitäten zählen zudem die EU-Mitgliedschaft, die Zahlungsdisziplin und die akademische Ausbildung.

    Das zuverlässige lokale Zulieferernetz gewinnt mit Blick auf die geopolitischen Unsicherheiten und brüchige Lieferketten weiter an Bedeutung.

    Hohe Energiepreise schaden der Wettbewerbsfähigkeit

    Dennoch hat Tschechien zuletzt an Attraktivität bei Investoren eingebüßt. Das Land bewältigte die Folgen der Coronapandemie langsamer als andere Volkswirtschaften. Die im regionalen Vergleich nun sehr hohen Strom- und Gaspreise beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen. Die Inflationsrate war bis 2023 höher als in den meisten anderen Ländern Europas.

    Außerdem gehen Tschechien die Fachkräfte aus. Im Land mit der niedrigsten Arbeitslosenquote der EU herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Die Zuwanderung von Arbeitskräften ist politisch nicht erwünscht, sodass Tschechien inzwischen nach Slowenien die höchsten Löhne in Mittelosteuropa hat. Laut Eurostat lagen die durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde 2022 bei 16,40 Euro (Slowakei 15,60 Euro; Polen 12,50 Euro). 

    Große Grundstücke schwerer zu finden

    Außerdem wird es schwerer, geeignete Baugrundstücke zu finden, denn das Umweltministerium will dem Flächenverbrauch engere Grenzen setzen. Eine Novelle des Gesetzes zum Schutz des landwirtschaftlichen Bodens soll verhindern, Agrarland umzuwidmen und darauf größere Industrie- und Gewerbeparks zu errichten. Das könnte Großinvestitionen auf der grünen Wiese künftig erschweren.

    Zugleich regt sich von Plzeň bis Ostrava häufiger lokaler Widerstand gegen größere Bauvorhaben. Das musste zuletzt unter anderem der Volkswagen-Konzern erleben, der bei Plzeň auf einem Flughafengelände eine Batterieproduktion plante.

    Nachbarländer zuletzt erfolgreicher

    Dieser Mix aus Negativfaktoren führte dazu, dass Tschechien in den vergangenen Jahren kaum noch große Neuansiedlungen gewinnen konnte - im Unterschied zu den Nachbarländern Deutschland, Polen und Slowakei.

    Anders sieht es bei den Unternehmen aus, die bereits im Land engagiert sind. Sie reinvestieren ihre Gewinne häufig in den Ausbau ihrer tschechischen Aktivitäten, in die Automatisierung der Produktionsabläufe sowie in Forschung und Entwicklung.

    Das kommt auch den Plänen der Regierung entgegen, das Image des Landes als verlängerte Werkbank westlicher Konzerne abzustreifen und Investoren zu mehr Wertschöpfung zu verpflichten.

    Staat sichert sich Assets im Energiesektor

    Zugleich versucht die Regierung, wichtige Unternehmen der Energieversorgung wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen. Der größte Stromerzeuger ČEZ gehört zu knapp 70 Prozent dem Staat, der Übertragungsnetzbetreiber ČEPS ist komplett staatlich. Ende 2023 hat ČEPS außerdem die Erdgasspeicher von RWE Gas Storage CZ übernommen und den Betreiber des Gastransportnetzes Net4Gas gekauft.

    Deutschland ist drittgrößter Auslandsinvestor

    Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Tschechien betrug 2021 über 200 Milliarden US-Dollar (US$). Deutschland liegt unter den größten Herkunftsländern auf Rang 3. Auf den ersten beiden Plätzen rangieren die Niederlande und Luxemburg, die aus steuerlichen Gründen ein beliebter Holdingsitz sind. Hinter Deutschland folgen Österreich, Frankreich, Zypern und die Schweiz.

    Die wichtigsten Zielbranchen für ausländische Investoren sind der Finanzsektor und das verarbeitende Gewerbe. Auf sie entfallen jeweils rund ein Viertel des Gesamtbestands. Außerdem sind der Immobilienerwerb und der Groß- und Einzelhandel beliebte Sektoren.

    Die deutschen Direktinvestitionen hatten ihren Höchstwert 2017 erreicht – mit einem Bestand von 31,1 Milliarden Euro. Seitdem haben die Unternehmen über 4 Milliarden Euro Gewinne und Anlagekapital aus Tschechien abgezogen.

    Starkes Engagement im Fahrzeugbau

    Über ein Viertel der deutschen Direktinvestitionen ist in das verarbeitende Gewerbe geflossen. Dazu beigetragen hat das starke Engagement in der Automobilindustrie mit Volkswagen, Continental, Schaeffler und weiteren Zulieferern. Auch die Metallindustrie und der Maschinenbau sind wichtige Zielbranchen. 

    Rund 18 Prozent der Investitionen entfielen auf den Groß- und Einzelhandel. Deutsche Handelskonzerne wie die Schwarz-Gruppe, Rewe, Metro und Globus kontrollieren einen Großteil des tschechischen Handels mit schnelldrehenden Konsumgütern (FMCG). Außerdem haben deutsche Konzerne wie E.ON, RWE oder EnBW stark in den Energiesektor investiert. Zum Teil wurden diese Aktivitäten wieder zurückgefahren oder verkauft.

    Größte deutsche Investoren in der Tschechischen Republik (Stand: Januar 2024)

    Unternehmen

    Branche

    Angestellte

    Standorte

    Škoda AutoPkw-Produktion

    35.000

    3

    ContinentalProduktion von Reifen und Kfz-Teilen

    10.600

    8

    BoschProduktion von Kfz-Teilen und Heiztechnik

    8.000

    8

    SiemensProduktion von Motoren und Automatisierungsteilen

    10.000

    23

    T-MobileTelekommunikation

    3.200

    ca. 50

    KauflandEinzelhandel

    25.000

    ca. 140

    Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest; Firmenwebseiten 2024; Jahresberichte 2024

    Investitionsförderung: Direkte Zuschüsse sind selten

    Tschechien versucht, mit Investitionsanreizen regionale und sektorale Ungleichgewichte auszugleichen. Für die Genehmigung ist die Regierung zuständig, die Abwicklung erfolgt über die staatliche Investitionsfördergesellschaft CzechInvest. Die Anreize bestehen hauptsächlich in Form von Vergünstigungen bei der Körperschaftsteuer. Direkte Subventionen werden selten gezahlt. 

    Als Zielbranchen hat die Regierung Technologie- und Dienstleistungszentren, die verarbeitende Industrie sowie die Herstellung von strategischen Produkten bestimmt. Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die Voraussetzungen und die gewährten Vergünstigungen.

    Staatliche Investitionsanreize für die verarbeitende Industrie in Tschechien (Januar 2024)
     Mindestinvestition nach Unternehmensgröße 1) und sonstige VoraussetzungenArt der Investitionsanreize
    Verarbeitende Industrie

    Groß: 40/80 Mio. Kč, Mittel: 20/40 Mio. Kč, Klein: 10/20 Mio. Kč; mindestens die Hälfte in neue Maschinen 2)

    Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre; Subvention für neue Arbeitsstellen sowie für Schulungen und Umschulungen nur in Kreisen mit Arbeitslosenquote ab 7,5 Prozent

    Strategische Investition

    Mindestinvestition 2 Mrd. Kč, davon mindestens die Hälfte für neue Maschinen plus mindestens 250 neue Arbeitsplätze 2)

    Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre; Subvention für neue Arbeitsplätze sowie für Umschulungen nur in Kreisen mit Arbeitslosenquote ab 7,5 Prozent; spezielle Zuschüsse für Kapitalanlagen je nach Region von bis zu 20 Prozent der beihilfefähigen Kosten
    Technologisch anspruchsvolle Produktionsiehe Verarbeitende Industrie und 2) in allen Regionen plus Implementierung von F&E unter Nutzung von Schlüsseltechnologiensiehe Strategische Investition
    Herstellung strategischer Produkte für Lebens- und Gesundheitsschutz, Mikrochips und Elektromobilitätsiehe verarbeitende Industriesiehe Strategische Investition
    Quelle: CzechInvest 2024

    1 Abhängig davon, ob Sonderindustriezone (Ostrava-Mošnov, Most-Joseph, Holešov), betroffene Region (A) oder entwickelte Region (C); 2 in entwickelten und schwachen Regionen müssen die Beschäftigten mindestens den regionalen Durchschnittslohn erhalten, wobei entweder 10 Prozent einen Hochschulabschluss haben und eine Kooperation mit Forschungseinrichtungen mindestens 2 Prozent der anrechenbaren Kosten ausmachen muss; oder 3 Prozent der Beschäftigten arbeiten in F&E oder 10 Prozent der anrechenbaren Kosten in Maschinen werden für F&E investiert (betrifft nicht Regionen mit höherer Arbeitslosigkeit).

    Staatliche Investitionsanreize für Technologiezentren in Tschechien (Januar 2024)
     Mindestinvestition nach Unternehmensgröße, weitere BedingungenArt der Investitionsanreize
    Technologiezentren (F&E)Groß: 10 Mio. Kč, Mittel: 5 Mio. Kč, Klein: 2,5 Mio. Kč, mindestens 50 Prozent in neue Maschinen und 20 neue Arbeitsplätze bei großen Unternehmen, 10 bei KMU

    Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre; 200.000 Kč Zuschuss für jeden neuen Arbeitsplatz; je nach Unternehmensgröße Zuschüsse von 50, 60 oder 70 Prozent der Umschulungskosten

     

    Strategische Investition in Technologiezentren200 Mio. Kč, mindestens die Hälfte in neue Ausrüstungen sowie mindestens 70 neue Arbeitsplätzesiehe Technologiezentren; zusätzlich Zuschuss auf Kapitalanlagen von mindestens 20 Prozent der beihilfefähigen Kosten (maximal 500 Mio. Kč)
    Quelle: CzechInvest 2024

    Staatliche Investitionsanreize für Business-Support-Zentren in Tschechien (Januar 2024)
     Mindestinvestition nach Unternehmensgröße, weitere BedingungenArt der Investitionsanreize
    Software-Entwicklungs- und DatenzentrenMindestens 20 neue Arbeitsplätze bei großen, 10 bei mittleren und 10 bei kleinen Unternehmen *)Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre
    High-Tech-ReparaturzentrenMindestens 50 neue Arbeitsplätze bei großen, 25 bei mittleren und 25 bei kleinen Unternehmen *)Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre
    Shared-Services-ZentrenMindestens 70 neue Arbeitsplätze bei großen, 35 bei mittleren und 35 bei kleinen Unternehmen *)Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre
    Strategische Investition in High-Tech-Reparaturzentren200 Mio. Kč in langfristiges Kapitalvermögen, davon die Hälfte in neue Maschinen und Schaffung von mindestens 100 neuen Arbeitsplätzen *)Körperschaftsteuervergünstigung für zehn Jahre; spezieller Zuschuss von bis zu 20 Prozent der anrechenbaren Kosten auf Kapitalanlagen (maximal 500 Mio. Kč)
    * Dienstleistungen müssen in mindestens drei Ländern erfolgen.Quelle: CzechInvest 2024

    Die maximale Förderung je Unternehmen ist gedeckelt. Die Höhe richtet sich nach der Unternehmensgröße und Zielregion.

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag

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  • BezeichnungAnmerkung
    AHK TschechienAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Český statistický úřadTschechisches Statistikamt
    Ministerstvo zahraničních věcíAußenministerium
    Ministerstvo průmyslu a obchoduMinisterium für Industrie und Handel
    CzechInvestNationale Investitionsförderungsagentur
    Česká asociace rozvojových agenturTschechischer Verband der regionalen Entwicklungsagenturen
    Gerit Schulze

    Von Gerit Schulze | Prag