Interview | Ukraine | Neues Unterstützungsprogramm
"Die Finanzierung über UkraineConnect erfolgt schnell und praxisnah"
UkraineConnect eröffnet deutschen Firmen neue Förderchancen für Projekte in der Ukraine. Wir klären Details mit dem zuständigen Programmleiter der DEG.
11.03.2026
Von Michał Woźniak | Berlin
Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft ist seit über 60 Jahren Partner privater Unternehmen und Finanzdienstleister, die in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv sind. Sie fördert Investitionen, die qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, lokales Einkommen stärken und Perspektiven vor Ort eröffnen. Zugleich unterstützt die DEG die Expansion und die Festigung der Marktposition deutscher Unternehmen im Ausland.
Um ihr Engagement in der Ukraine effizienter auszurichten, erweiterte das Tochterunternehmen der staatlichen KfW – Kreditanstalt für Wiederaufbau Ende 2025 ihr Programmportfolio um ein neues, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) finanziertes Instrument. Über die Fördermöglichkeiten und die wichtigsten Eckpunkte von UkraineConnect sprechen wir mit Alexander Klein, Vice President der Abteilung German Business bei der DEG.
Herr Klein, welche Ziele verfolgt UkraineConnect?
Mit dem neuen Programm eröffnet die DEG deutschen und europäischen Unternehmen die Chance, einen Markt mit Zukunftspotenzial zu erschließen und gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität der Ukraine zu stärken. UkraineConnect ergänzt bestehende Instrumente wie Exportkredit- und Investitionsgarantien. Ziel ist es, privatwirtschaftliches Engagement auch unter schwierigen Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
UkraineConnect unterstützt Unternehmen mit Finanzierungen beim Einstieg in den ukrainischen Markt oder beim Ausbau ihrer Aktivitäten vor Ort. Mit dem Programm wollen wir Investitionen ermöglichen, die wirtschaftliches Engagement mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden.
Ist UkraineConnect mit Programmen wie ImpactConnect vergleichbar? Welche Erfahrungen gibt es damit?
Ja, UkraineConnect knüpft an die Erfahrungen und den erfolgreichen Track Record früherer Programme an – insbesondere ImpactConnect. Dieses Finanzierungsangebot hat gezeigt, dass die Nachfrage groß ist und Projekte auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen erfolgreich umgesetzt werden können. Die DEG ermöglichte beispielsweise den Aufbau einer neuen Produktionsstätte eines deutschen Baustoffherstellers in der Ukraine. Das Vorhaben trägt zum Wiederaufbau bei, schafft Arbeitsplätze und bietet Trainings für die Kunden des Baustoffherstellers.
Solche Erfahrungen wurden nun mit einem klaren Fokus auf die Ukraine kombiniert, unter Berücksichtigung der besonderen Chancen und Risiken dieses Marktes. Wirtschaftliches Engagement und gesellschaftliche Verantwortung passen gut zusammen – genau dieses Zusammenspiel stärkt UkraineConnect.
Was genau können deutsche Unternehmen im Rahmen von UkraineConnect erhalten?
Zur Verfügung stehen langfristige und in der Regel unbesicherte Darlehen zwischen 250.000 Euro und 5 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt schnell und praxisnah: Laufzeiten von drei bis sieben Jahren, flexible Tilgungsmodelle sowie mögliche Tilgungsfreijahre bieten den Firmen hohe Planungssicherheit. Für besonders förderungswürdige Projekte sind zudem Zinsreduktionen vorgesehen. Ergänzend besteht die Möglichkeit, Investitionen über Garantien des Bundes gegen politische Risiken – in der Ukraine insbesondere gegen Kriegsrisiken – abzusichern.
Welchen Sektoren steht eine Finanzierung im Rahmen von UkraineConnect zur Verfügung?
UkraineConnect ist für alle Branchen offen, setzt aber einen Schwerpunkt auf Investitionen, die den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft unterstützen. Das lässt sich am besten mit einigen Beispielen illustrieren.
Eine der ersten Finanzierungszusagen im Rahmen von UkraineConnect erhielt die NOTUS energy GmbH aus Potsdam. Die Firma entwickelt und baut seit 2001 Wind- und Solarparks in Europa und Lateinamerika. Im Rahmen von UkraineConnect hat sie nun ein Darlehen für die Entwicklung eines Windparks mit 120 Megawatt Leistung in der Ukraine erhalten. Das Vorhaben soll einen Beitrag zur Energieversorgung des Landes und zum Ausbau im Bereich der erneuerbaren Energien leisten.
Ein weiteres Beispiel ist die VKF Renzel GmbH aus dem Münsterland, die weltweit Lösungen für die Warenpräsentation im Einzelhandel, wie Prospekthalter und Displays, entwirft und produziert. Für den Aufbau einer neuen Produktions- und Lagerhalle erhält die Firma ebenfalls ein Darlehen von der DEG. Das Vorhaben schafft rund 35 Stellen mit fairen Arbeitsbedingungen und stärkt die lokale Wertschöpfung.
Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen, um für die Finanzierung in Frage zu kommen?
Finanziert werden können deutsche und europäische Unternehmen, deren ukrainische Tochter zu einer etablierten und nachhaltig profitablen Muttergesellschaft gehört und das Darlehen aus den laufenden Erlösen bedienen kann. Nicht unterstützt werden Firmen ohne profitables Geschäftsmodell oder ausreichende Eigenmittel sowie Finanzierungen für Umschuldungen oder reine Dividendenausschüttungen.
Schreiben Sie direkt dem Team von UkraineConnect!
Eine formale Beantragung ist nicht erforderlich. Unternehmen können direkt auf uns zukommen, und wir prüfen dann, ob ihr Vorhaben über UkraineConnect finanziert werden kann.
Und wie verläuft dieser Überprüfungsprozess?
Er ist bewusst schlank gehalten, damit die Finanzierung zügig bereitsteht – in bis zu drei Monaten vom ersten Kontakt bis zur Auszahlung. Für eine erste Einschätzung benötigen wir nur wenige Informationen: eine kurze Beschreibung des Unternehmens und der geplanten Investition, die letzten zwei geprüften Jahresabschlüsse der Unternehmensgruppe, und wenn vorhanden auch der ukrainischen Tochter, sowie ein Organigramm der Gruppenstruktur. Anschließend folgt eine pragmatische Prüfung, und nach der Kreditentscheidung steht der Vertragsabschluss im Mittelpunkt.