Branchen | USA | Kunststoff-/Gummimaschinen
Markt für Kunststoffmaschinen in den USA steht vor Aufschwung
Die Auftragseingänge wachsen, die Umsätze und das Importgeschäft dürften mit zeitlicher Verzögerung nachziehen. Deutsche Technologie bleibt begehrt.
18.09.2026
Laut Plastic Today sank der Umsatz der Hersteller von Kunststoffmaschinen im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent. Gegenüber dem 1. Quartal 2026 betrug das Minus sogar 15 Prozent.
Für diese Entwicklung machen die Marktanalysten den zeitlichen Abstand zwischen Auftragseingang und Auslieferung verantwortlich. Das aktuelle Geschäft spiegele die große Zurückhaltung bei Bestellungen im Jahr 2025 wider. Damals sorgte eine erratische Handelspolitik für große Unsicherheit. Seitdem hat sich die Lage stabilisiert.
Im 2. Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge laut Plastic Today deutlich. Eine konkrete Zahl nannten die Analysten nicht. Auch IBIS World erwartet Wachstum. Demnach sollen die Umsätze der Branche im Jahr 2027 nominal um 3 Prozent steigen. Bei der zugleich erwarteten rückläufigen Inflation entspräche dies einem geringen realen Wachstum.
Hohe Importabhängigkeit
Die Vereinigten Staaten decken einen Großteil ihres Bedarfs an Kunststoff- und Gummimaschinen durch Importe. Nach Berechnungen von IBIS World liegt die Importquote bei knapp 50 Prozent. Im Jahr 2025 erreichten die Einfuhren einschließlich Teilen einen Wert von 3,7 Milliarden US-Dollar (US$). Das waren laut International Trade Commission 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im 1. Halbjahr 2026 sanken die Branchenimporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5 Prozent. Branchenkenner erwarten jedoch im Herbst 2026 eine Trendwende.
Deutschland ist traditionell der mit Abstand wichtigste Zulieferer. Die Nachfrage nach Hightech- und Qualitätsanlagen bleibt hoch. Zugleich fragen die US-Kunden verstärkt preiswerte Maschinen aus China oder Südkorea nach. Das mittlere Preissegment kommt dadurch unter Druck, worunter japanische und kanadische Anbieter leiden.
Unterschiedliche Konjunktur in den Abnehmerbranchen
Laut IBIS World ist die Fahrzeugindustrie die größte Abnehmerbranche. Die Autohersteller leiden unten den US-Zöllen, die ihre Produktionskosten erhöhen. Zudem schwächelt der Inlandsumsatz. Allerdings verlagern sie Teile ihrer Fertigung zurück in die Heimat. Dadurch steigt unterm Strich die Nachfrage nach Branchenmaschinen. Zudem stehen in der Luftfahrt (zivil und militärisch) die Zeichen auf Expansion.
In der Verpackungsindustrie sieht die Lage durchwachsen aus. Die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie hält sich zurück, während in der Pharmabranche riesige Investitionen in neue Werke angekündigt wurden. Die Bauindustrie befindet sich in einer Rezession. Die erbrachten Bauleistungen sanken in den ersten sieben Monaten 2026 um 3,5 Prozent zum Vorjahr, berichtet das nationale Statistikamt. Inflationsbereinigt kommt dies einem Rückgang von rund 7 Prozent gleich. Ein nachhaltiger Umschwung wird erst ab dem 2. Halbjahr 2027 erwartet.
Im Gesundheits- und Medizintechnikbereich stehen die Zeichen langfristig auf Wachstum. Die Gesundheitsausgaben sollen bis 2033 um 50 Prozent steigen. Über 600 Krankenhausprojekte mit einem Investitionsvolumen von mehr als 170 Milliarden US$ sorgen für einen riesigen Investitionsbedarf. Auch in der Elektronikbranche herrscht Aufwind. Umsätze und Auftragseingänge der Hersteller von Computern und elektronischen Produkten stiegen zwischen Juli 2024 und Juli 2026 um 14 beziehungsweise 20 Prozent, berichtet die Zentralbank von St. Louis.
Kunststoffverarbeitende Betriebe spielen als Abnehmer eine geringe Rolle. Der Löwenanteil der Produktion wurde schon vor vielen Jahren in Niedriglohnländer wie Mexiko und China verlagert. Ein deutscher Möbelhersteller bestätigte Germany Trade & Invest, dass es sehr schwierig sei, einheimische Zulieferer von Kunststoff in den USA zu finden.
Amerikanische Hersteller oft sehr klein
Die Branche für Kunststoffmaschinen ist von mittelständischen Firmen geprägt. Sie bieten relativ einfache Produkte für den einheimischen Markt an – etwa Maschinen zur Herstellung von Fußbodenbelägen und Plastikrohren. Marktführer ist Milacron. Der letzte veröffentlichte Umsatz des Unternehmens betrug 2024 gut 500 Millionen US$, was einem Marktanteil von rund 11 Prozent entsprach. Die Nummer 2, Husky, stammt aus Kanada und ist führend bei Hochgeschwindigkeitsspritzguss. Das Unternehmen bietet vor allem Gesamtsysteme an.
Der Drittplatzierte, BC Extrusion, kommt aus Deutschland und hat ein Werk im Bundesstaat Kansas. Laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) können die amerikanischen Maschinenbauer in puncto Qualität nicht mit der deutschen Konkurrenz mithalten. Ärgerlich für deutsche Branchenhersteller sind die Zölle auf Aluminium und Stahl sowie zahlreiche Derivate dieser Metalle. Sie führen zu einem erheblichen bürokratischen Aufwand, denn für jede Schraube müssen beim Lieferanten Wert, Ursprung und der exakte Metallgehalt ermittelt werden.
Zölle bleiben meist an US-Kunden hängen
Die Zollkosten selber werden mehrheitlich an die Abnehmer weitergereicht. Eine Umfrage der AHK USA (Deutsch-Amerikanische Auslandshandelskammern) von Anfang 2026 kam auf eine durchschnittliche Quote von über 70 Prozent. Ein Vertreter der US-Tochter des Automobilzulieferers Heyco berichtete im Gespräch mit Germany Trade & Invest, dass sich sein deutscher Anbieter von Kunststoffmaschinen nicht auf DDP-Bedingungen ("Delivered Duty Paid", der Lieferant zahlt die Zölle) oder Preiszugeständnisse eingelassen habe.
| Anzahl Unternehmen (2026) | 473 |
| Anzahl Mitarbeiter (2026) | 15.671 |
| Umsatz (2026, in Mrd. US-Dollar) | 4,8 |
| Gewinn (2026, in Mio. US-Dollar) | 540,0 |
| Gewinnmarge (2026, in %) | 11,2 |
| Einfuhren (2025, in Mrd. US-Dollar) 2) | 3,7 |
| Ausfuhren (2025, in Mrd. US-Dollar) 2) | 1,3 |
| Nettoeinfuhren (2025, in Mrd. US-Dollar) 2)3) | 2,4 |