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US-Stahlmarkt profitiert von Zöllen, Importe brechen ein

Dank hoher Zölle steigern US-Stahlhersteller ihre Umsätze trotz schwächelnder inländischer Nachfrage. Bei Spezialprodukten bleibt das Land von Einfuhren abhängig.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die US-Stahlindustrie zählt zu den Hauptprofiteuren der Handelspolitik von Donald Trump. Dies spiegelt sich in den deutlich gesunkenen Importen wider. Im Jahr 2025 gingen die Stahleinfuhren laut dem American Iron and Steel Institute (AISI) um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf gut 25 Millionen Tonnen zurück. Bei Fertigerzeugnissen belief sich der Rückgang sogar auf 17 Prozent. Die Importquote sank von 23 auf 18 Prozent. Im Gegenzug steigerten die US-Stahlhersteller ihren Absatz im Jahr 2025 um 5 Prozent auf gut 91 Millionen Tonnen.

Ursache hierfür sind Zusatzzölle auf Stahl, die die Vereinigten Staaten zum 12. März 2025 in Höhe von 25 Prozent einführten. Zum 4. Juni 2025 erhöhten sich diese Zölle auf 50 Prozent. Der Satz gilt anteilig auch für bestimmte Stahlderivate. Die Entscheidung des Obersten Gerichts sowie die daraufhin am 24. Februar 2026 vorgenommenen Änderungen im US-Zollregime haben keinen Einfluss auf diese sektoralen Zölle.

Auch 2026 ist mit einem Importminus zu rechnen

Der Importrückgang fiel 2025 noch relativ bescheiden aus, da die Zölle in ihrer Gänze erst zum Frühsommer 2025 zum Tragen kamen und viele US-Firmen ihre Lager vor deren Inkrafttreten kräftig aufgefüllt hatten. Der gesamte Zolleffekt dürfte sich erst 2026 komplett in der Einfuhrstatistik niederschlagen, sodass mit einem weiteren deutlichen Rückgang der Stahleinfuhren zu rechnen ist.

US-Stahlbranche in GewinnzoneAngaben für 2025
Anzahl Unternehmen

198

Mitarbeiter

71.530

Umsatz (in Milliarden US$)

109,3

Gewinn (in Milliarden US$)

4,4

Auslieferung/Umsatz (in Millionen Tonnen) 1)

91,2

Einfuhren (in Millionen Tonnen), davon

25,2

  Fertigprodukte

18,7

Ausfuhren (in Millionen Tonnen)

7,1

Einfuhren (in Milliarden US$) 2)

33,7

Ausfuhren (in Milliarden US$) 2)

15,5

1) "shipment" = Inlandsumsatz + Export; 2) Eisen und Stahl der SITC-Position 67.Quelle: IBIS World 2026, American Iron and Steel Institute 2026 , U.S. International Trade Commission 2026

Kanada und Mexiko gehören zu den größten Verlierern

Laut der US International Trade Commission fiel der wertmäßige Import von Stahl und Eisen 2025 ebenfalls um 17 Prozent auf knapp 34 Milliarden US-Dollar (US$). Die größten Lieferverluste mit jeweils einem Drittel mussten Kanada und Mexiko hinnehmen. Das hat etwas mit den Hauptproduktionsstandorten der Kraftfahrzeugindustrie zu tun. Die amerikanischen Hersteller Ford, General Motors und Stellantis fertigen vor allem im Großraum Detroit und importieren daher traditionell große Mengen an Stahl aus dem nördlichen Nachbarland.

Deutschland auf Rang 5US-Einfuhren von Stahl und Eisen nach Lieferländern 2025 (in Milliarden US-Dollar, Veränderung zu 2024 in Prozent) *)
Lieferant

Wert 

Veränderung 

Kanada

5,1

-34,2

Brasilien

4,0

-16,5

Südkorea

2,8

-16,6

Mexiko

2,6

-33,6

Deutschland

2,0

-5,4

Indien

1,8

48,9

Japan

1,6

-13,3

Taiwan

1,5

-0,5

Italien

0,9

-21,1

* Stahl und Eisen der SITC-Position 67.Quelle: U.S. International Trade Commission 2026

 

Die deutschen und japanischen Autobauer sind hingegen im Süden der USA angesiedelt und beziehen einen größeren Teil ihres Metalls aus Mexiko. Nach Einführung der Zölle mussten sich die Autobauer teilweise nach einheimischen Alternativen umsehen. Deutschland liefert vor allem Spezialstahl in die USA, für den es oft keine inländischen Ersatzlieferanten gibt. Daher gingen die entsprechenden Einfuhren "made in Germany" 2025 nur um gut 5 Prozent zurück. 

Der Branchenverband AISI ist einer der wenigen Industrievertretungen, die den Spartenzöllen positiv gegenüberstehen. Für die meisten anderen Branchen des verarbeitenden Gewerbes bedeuten sie Kostensteigerungen. So verlangen die einheimischen Stahlanbieter nunmehr höhere Preise, schlicht weil der Markt es hergibt. Außerdem finden sich nicht für alle Stahlimporte Alternativen im Inland. Insbesondere bei Spezialstählen besteht eine hohe Abhängigkeit von Einfuhren. Wo es keine einheimischen Konkurrenten gibt, reichen die ausländischen Anbieter einen Großteil der Zollkosten an ihre US-Kunden weiter. 

Flaute in den Hauptabnehmerbranchen Bau und Kfz

Die Zölle haben für die US-Stahlhersteller auch eine Kehrseite, denn sie führten in wichtigen Abnehmerbranchen – dem Bau und der Kfz-Industrie –  zu einem Abschwung. Der gesamte Hochbau befindet sich seit 2025 in einer leichten Rezession. Im Tiefbau geht der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur langsamer voran, da Impulse der unter der Biden-Administration verabschiedeten Konjunkturprogramme schwächer werden.

In der Kraftfahrzeugindustrie erwartet Cox Automotive für 2026 ein Minus bei den Neuzulassungen von knapp 3 Prozent. Diese Prognose wurde vor dem Irankrieg und dem Anstieg der Kraftstoffpreise abgegeben. Experten erwarten auch nach einem Waffenstillstand, dass die Preise an den Zapfsäulen nur langsam zurückgehen. Das musste auch Donald Trump in einem Interview mit dem Nachrichtensender Fox News zugeben. Jeder Dollar, der für Sprit draufgeht, fehlt letztendlich beim Autokauf. Daher könnte die Kfz-Konjunktur stärker als erwartet nachgeben.

Kein nennenswerter Anstieg bei den Investitionen zu erwarten

Die US-Handelspolitik dürfte zu keiner wesentlichen Ausweitung der einheimischen Fertigungskapazitäten führen. Kein Unternehmen tätigt Investitionen allein auf Basis der bestehenden Zölle. Der Bau eines Stahlwerkes dauert mehrere Jahre; weitere Zeit verstreicht, bis es sich amortisiert hat. Niemand weiß, ob die Zölle bei dem Wechsel im Weißen Haus Anfang 2029 Bestand haben werden.

Doch auch auf andere Weise lassen sich Investitionen anlocken. So versuchte Nippon Steel seit Jahren, den Stahlkocher U.S. Steel zu übernehmen. Sowohl Joe Biden als auch Donald Trump hatten zeitweise eine Übernahme untersagt. Doch Trump erteilte im Sommer 2025 schließlich in einer Exekutivanordnung die Genehmigung, nachdem der japanische Konzern Investitionszusagen im Umfang von 11 Milliarden US$ erteilt haben soll. Wie viel am Ende des Tages wirklich davon umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt. Viele Firmen haben sich angewöhnt, Trump nach dem Mund zu reden und warten mit teils übertriebenen Investitionssummen auf.