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Innovative Sicherheitssysteme rücken in den USA vor
Großereignisse in den USA benötigen neuartige Sicherheitstechnik. Während für Olympia 2028 mobile Lösungen gefragt sind, sorgen zahlreiche Stadionprojekte für dauerhaften Bedarf.
19.05.2026
Von Heiko Stumpf | San Francisco
In den USA folgt ein Großereignis auf das nächste. Mit der Fußball‑Weltmeisterschaft (WM) und dem 250‑jährigen Staatsjubiläum im Jahr 2026 sowie den Olympischen Sommerspielen 2028 in Los Angeles rücken mehrere Megaevents in den Fokus. Weitere Großveranstaltungen stehen bereits fest. So folgen im Jahr 2031 die Frauen‑Fußball‑WM und die Rugby‑WM der Männer.
Die Vielzahl an Großereignissen stellt hohe Anforderungen an die öffentliche Sicherheit. Allein der Schutz von Olympia 2028 erfordert ein Budget in Milliardenhöhe. Die Spiele in Los Angeles wurden als National Special Security Event eingestuft. Damit liegt die Koordination der Sicherheitsmaßnahmen bei föderalen Behörden. Die Führung übernimmt der U.S. Secret Service, unterstützt unter anderem vom Federal Bureau of Investigation (FBI).
Mit dem One Big Beautiful Bill Act hat die Trump‑Regierung bereits 1 Milliarde US‑Dollar (US$) für die Sicherheits‑ und Planungskosten bereitgestellt. Die Mittel werden über das Homeland Security Grant Program der Katastrophenschutzbehörde FEMA vergeben. Sie stehen auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene zur Verfügung. Zusätzlich fließen Mittel direkt an Bundesbehörden. So sieht der Haushaltsentwurf für 2027 rund 130 Millionen US$ für das FBI zur Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen für Olympia 2028 vor.
Bedarf für Drohnenabwehr und mobile Sicherheitstechnik
Der Bedarf an Sicherheitstechnik erhält durch das Konzept von Los Angeles einen besondere Ausrichtung. Unter der Devise "no build" setzt die Stadt auf bestehende und temporäre Sportstätten. Der Verzicht auf neue Arenen lenkt die Sicherheitsausgaben gezielt in mobile, modulare und vernetzte Lösungen. Diese lassen sich kurzfristig installieren, standortübergreifend steuern und nach den Spielen weiter nutzen.
Entsprechend gefragt sind mobile Zutritts‑, Überwachungs‑ und Kommunikationssysteme. Das Spektrum reicht von Perimeter‑ und Barrierelösungen über Akkreditierungs‑ und Zugangstechnik bis hin zu Detektions‑ und Screening-Anwendungen. Zudem stehen innovative Systeme zur Drohnenabwehr im Mittelpunkt.
Bereits für die Fußball‑WM 2026 stellte die Regierung insgesamt rund 365 Millionen US$ für die Drohnenabwehr bereit. Zur besseren Absicherung von Großereignissen gründete das FBI im Jahr 2025 zudem das National-Counter‑UAS-Training-Center. Dort werden Einsatzkräfte gezielt für den Schutz von Megaevents ausbildet. Ein separater Förderbetrag von 500 Millionen US$ im Homeland Security Grant Program stärkt die Drohnenabwehr auch dauerhaft. Die Mittel wirken damit über die Fußball-WM und Olympia 2028 hinaus.
Procurement Plan für LA 2028 veröffentlicht
Für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles hat das Organisationskomitee einen offiziellen Vergabe‑ und Beschaffungsplan (Procurement Plan) veröffentlicht. Dieser legt Leitlinien, Prioritäten und einen zeitlichen Rahmen für die Beschaffung während der Vorbereitungsphase fest – auch im Bereich der Sicherheitstechnik.
Bekanntmachungen und Ausschreibungen werden hier veröffentlicht.
Markt für Stadionsicherheit bietet viel Potenzial
Dass die Fußball‑WM 2026 und Olympia 2028 weitgehend ohne neue Stadionbauten auskommen, unterstreicht den Ausbaubestand der Sportinfrastruktur in den USA. In mehreren Profiligen sowie im College-Sport werden Arenen fortlaufend ersetzt oder modernisiert. Aktuell gibt es mehr als 30 Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 37 Milliarden US$.
Für Anbieter von Sicherheitstechnik bedeutet dies einen anhaltenden Bedarf. Nach Daten von SN Insider belief sich der Markt für Sicherheitstechnik in US‑Sportarenen im Jahr 2025 auf 3,45 Milliarden US$. Bis 2035 dürfte das Volumen um durchschnittlich 7,4 Prozent pro Jahr auf 7,07 Milliarden US$ steigen.
US-Arenen setzen auf intelligente Sicherheit
Betreiber von Stadien in den USA setzen auf KI‑gestützte biometrische Lösungen wie die Gesichtsauthentifizierung über Kameras. Ziel ist es, sowohl die Sicherheit als auch den Komfort zu erhöhen, um Zuschauerflüsse besser zu steuern. Ein Beispiel ist der Intuit Dome, die Heimat des Basketball-Teams Los Angeles Clippers. Bei der Eröffnung der Arena im Jahr 2024 rechneten die Betreiber bei der Einführung der "Game Face ID" mit einer Beteiligung von rund einem Drittel der Besuchenden. Mittlerweile liegt die Quote häufig bei 75 Prozent. Fans können per App ein Selfie hinterlegen und ausgewählte Eingänge nutzen, ohne ein Ticket vorzuzeigen.
Mit "Go‑ahead Entry“ wird die Gesichtsauthentifizierung auch in Baseball-Stadien ausgerollt. Erste Betreiber setzen die Technologie zudem für Zahlungen ein, etwa für den Kauf von Getränken während der Pausen.
Auch der Zugang zu sicherheitskritischen Bereichen kann kontrolliert werden. So nutzt die National Football League seit 2024 Facial Authentication für den Zugang zu Spielfeld, Kabinen und Pressezonen. Die Gesichtsauthentifizierung (Opt-in per Selfie) unterscheidet sich dabei von der Gesichtserkennung. Letztere dient der gezielten Suche nach Personen und wird etwa im BMO Stadium in Los Angeles eingesetzt.
Detektion und Screening sind Innovationsfelder
An den Stadioneingängen stoßen Walk‑Through‑Scanner auf Interesse. Nach dem Stadium Connectivity Outlook Survey 2025 planen 46 Prozent der US‑Stadionbetreiber den Einsatz dieser Technologie. Im Unterschied zu klassischen Metalldetektoren können Besuchende die Kontrollstellen passieren, ohne ihre Taschen entleeren zu müssen.
Auf dem US‑Markt sind mehrere Hersteller mit unterschiedlichen Wellentechnologien und KI‑Algorithmen aktiv. Das Unternehmen Xonar bietet radarbasierte Scanner an. Diese können neben metallischen Gegenständen auch Feuerwerkskörper und Rauchbomben erkennen können und sind bereits im BMO Stadium in Los Angeles im Einsatz.
Evolv Technology setzt bei seinen Scannern auf Millimeterwellentechnologie. Sicherheitsscanner des deutschen Unternehmens Rohde & Schwarz auf Millimeterwellenbasis wurden von der Transportsicherheitsbehörde TSA für Kontrollstellen an Flughäfen der Austragungsorte der Fußball-WM 2026 beschafft.
Auch der Nahverkehr rüstet auf
KI‑gestützte Systeme kommen auch im Personennahverkehr zum Einsatz. In Los Angeles teste die Stadt Scanner von Evolv an U-Bahn-Eingängen zur Erkennung von Waffen. Chicago und New York nutzen ihr bestehendes Netz an Überwachungskameras in Verbindung mit Software von ZeroEyes. Ziel ist es, gezogene Waffen in Echtzeit zu identifizieren.
"Wer wachsen will, kommt am US-Markt kaum vorbei"
Simon Strobel ist Mitgeschäftsführer von ESRA, einem mittelständischen Anbieter für Sicherheitstechnik aus Reichenbach im Vogtland. Seit 2024 lebt er in den USA und baut dort das Geschäft auf. Germany Trade & Invest sprach mit ihm über seine Erfahrungen vor Ort – und darüber, was den amerikanischen Markt vom deutschen unterscheidet.
Sie haben mit ESRA den Schritt in die USA gewagt – warum fiel die Wahl auf den amerikanischen Markt?
Der wichtigste Grund ist die Größe des Marktes. Gleichzeitig sind Videoüberwachung und Sicherheitstechnik in den USA deutlich weiter verbreitet als in Deutschland – mit weniger strengen Datenschutzregeln und einer höheren gesellschaftlichen Akzeptanz von Überwachung. Im Schnitt kommen in vielen Bereichen, etwa bei Tankstellen oder Banken, mindestens doppelt, teils sogar dreimal so viele Kameras zum Einsatz wie in Deutschland, weil man versucht, jeden Winkel abzudecken. Der US‑Markt für Erkennungstechnologien ist damit deutlich weiter. Wer in diesem Segment wachsen will, kommt an den USA kaum vorbei.
Wie unterscheiden sich Geschäftsalltag und Marktbearbeitung in den USA von Deutschland?
Mein größtes Learning war, dass Vertrieb in den USA ganz anders funktioniert als in Deutschland. Hierzulande ist er eher beratend: Man erklärt Risiken und Optionen, dann entscheidet der Kunde. In den USA ist Vertrieb deutlich direkter – man muss nachfassen, dranbleiben und pushen. Das ist für deutsche Unternehmen ungewohnt. Deshalb empfehle ich, von Anfang an mit amerikanischen Vertriebsmitarbeitern zu arbeiten. Auch Marketing spielt eine größere Rolle: Die eigenen Kompetenzen offensiv zu zeigen, gilt nicht als unseriös, sondern wird erwartet. Entscheidend ist oft das gute Gefühl – Storytelling und klarer Kundennutzen zählen mehr als technische Details.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für den Markt der Sicherheitstechnik?
KI verändert den Markt für Sicherheitstechnik massiv und die USA sind dabei klar weiter als Deutschland. Ein zentraler Grund ist der Umgang mit Datenschutz, da neue Technologien früher eingesetzt und skaliert werden können. Besonders sichtbar wird das in Stadien: Gesichtsauthentifizierung ist in vielen US‑Arenen bereits Standard – man kann ins Stadion gehen, ohne ein Ticket zu zeigen, und sogar Zahlvorgänge darüber abwickeln. Auch im Einzelhandel setzen zahlreiche Unternehmen auf KI, etwa um Personen mit Hausverbot zu erkennen oder Diebstähle über Kameras zu identifizieren. In den USA treibt vor allem der Komfort die Akzeptanz solcher Technologien.
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