VW-Neuwagen schweben durch das Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg. Wie andere Exporteure hat der Autobauer mit dem erratischen US-Zollregime zu kämpfen. VW-Neuwagen schweben durch das Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg. Wie andere Exporteure hat der Autobauer mit dem erratischen US-Zollregime zu kämpfen. | © picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Markets | USA I Zölle

US-Zölle: Gemischtes Bild für deutsche Unternehmen

Die US-Handelspolitik wird für ausländische Exporteure zur Belastungsprobe. Zwar können sie einen Großteil der Zollkosten auf US-Kunden abwälzen, zeigt eine aktuelle Umfrage. Und deutsche Unternehmen mit Standorten in den USA sind sogar auf Wachstumskurs. Doch das US-Geschäft bleibt kompliziert. 

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

US-Präsident Donald Trump und seine Regierung behaupten gern, dass Exportnationen wie Deutschland die Strafzölle der amerikanischen Behörden zu tragen haben. Eine Umfrage der deutsch-amerikanischen Handelskammer unter in den USA angesiedelten deutschen Unternehmen zeigt nun: Das stimmt nicht. 54 Prozent der Firmen wälzen die Zollkosten vollständig auf US-Kunden ab, indem sie die Preise entsprechend erhöhen, 38 Prozent teilen sie sich mit ihren Abnehmern. Nur 8 Prozent blieben komplett darauf sitzen. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Wert von 73 Prozent – wenn man davon ausgeht, dass die „Zollteilung“ im Durchschnitt 50:50 erfolgt.

Für ausländische Unternehmen sind die US-Zölle zur neuen Normalität geworden, und ständig gibt es Änderungen. Am 2. April 2025 hat die US-Regierung ihre „reziproken" Länderzölle eingeführt, zum 24. Februar 2026 wurden sie nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes außer Kraft gesetzt. Es folgte als Ersatz ein zehnprozentiger Zusatzzoll auf so gut wie alle Länder. Trump kündigte an, ihn auf 15 Prozent hochsetzen zu wollen, was allerdings nicht passierte. Weitere Zölle – etwa auf Aluminium, Stahl und Kupfer – waren von dem Urteil nicht betroffen und blieben in Kraft. Die neuen Zölle gelten nur für fünf Monate. Nun suchen die Behörden nach Branchen und Produkten, die sie mit Zöllen belegen können. Ab dem 31. Juli 2026 soll es zum Beispiel stufenweise Zölle auf pharmazeutische Produkte geben.

Autobauer haben Preise kaum erhöht

Auch wenn deutsche Unternehmen diese Last im Durchschnitt abwälzen können, trifft es die Branchen höchst unterschiedlich. Bei vielen Maschinen und Anlagegütern gibt es nicht ausreichend US-amerikanische Anbieter und das Land ist in hohem Maße auf Importe angewiesen. Die Verhandlungsposition des Endabnehmers ist dadurch entsprechend gering. In der Autobranche sieht die Lage anders aus – ihr droht der US-Präsident ab dem 4. Juli 2026 sogar mit einer Erhöhung der Zölle auf 25 Prozent, falls die EU bis dahin das Handelsabkommen nicht umgesetzt hat. Die deutschen Autobauer produzieren zwar einen Teil ihrer in den USA verkauften Fahrzeuge – insbesondere große SUVs – vor Ort. Doch von den Abgaben auf Stahl und Aluminium sind auch sie betroffen. Zudem werden kleinere SUVs und Limousinen importiert. Bislang haben weder die einheimischen noch die ausländischen Autobauer die Zollkosten im nennenswerten Umfang an die US-Konsumenten weitergeleitet. Die Autopreise sind kaum gestiegen, denn die Anbieter wollen vor allem ihren Marktanteil behaupten. 

           Jeder US-Dollar, der für Zöll draufgeht, fehlt am Ende des Tages 

           bei den Investitionen.“

Anonymer Manager von Volkswagen

Mehr als 80 Prozent der deutschen Firmen schauen laut AHK-Umfrage überaus positiv in das Jahr 2026 und erwarten Umsatzsteigerungen. Doch auch diese Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen. Handelt es sich doch oft um Unternehmen, die Fertigungskapazitäten vor Ort haben und daher nicht besonders stark von den US-Zöllen betroffen sind. Reine Exportunternehmen dürften die Lage kritischer sehen. So sind die deutschen Ausfuhren in die USA im Jahr 2025 um neun Prozent zurückgegangen, berichtet Destatis. Wenig deutet für 2026 auf eine Trendwende hin.

Zölle führen in der Tendenz zu weniger Investitionen

Es ist Hauptziel der US-Handelspolitik, mehr Fertigung in die Vereinigten Staaten zu locken. In einigen Branchen funktioniert das auch. Pharma- und Halbleiterunternehmen haben Investitionen in Höhe von einigen Hundert Milliarden US-Dollar angekündigt. Doch in anderen Branchen sieht die Lage weniger rosig aus. Zwei Drittel aller deutschen Unternehmen wollen zwar ihre Investitionen 2026 gemäß der AHK-Studie ausweiten. Doch ein Jahr zuvor – also vor dem Inkrafttreten der Zölle – lag die Quote bei über drei Vierteln. Mit anderen Worten: Die Zölle führen in der Tendenz zu etwas weniger Investitionen. Ein Automanager von Volkswagen formulierte im Gespräch mit Germany Trade & Invest die Lage folgendermaßen: „Jeder US-Dollar, der für Zölle draufgeht, fehlt bei den Investitionen." An eine Verlagerung der Produktion in die USA denken deshalb die wenigsten. In den USA herrscht ein ausgeprägter Fachkräftemangel und die Löhne sind höher als in Deutschland. Bei Investitionsentscheidungen spielt die Zollumgehung laut AHK-Umfrage keine wesentliche Rolle.

Bürokratie macht Exporteuren das Leben schwer

Die Maschinenbauer leiden indes stark unter dem gestiegenen bürokratischen Aufwand. Besonders die anteiligen Zölle auf Stahl und Aluminium in Höhe von 50 Prozent belasten. Eine große Maschine besteht aus Tausenden von Einzelteilen. Für jede Schraube müssen Herkunft, Wert und Metallgehalt ermittelt und an den US-Zoll übermittelt werden. Hinzu kommen indirekte Effekte der Handelspolitik, die sich insbesondere im Maschinenbau zeigen. Die Kunden müssen mehr für ihre Anlagen zahlen, sodass insgesamt die Nachfrage zurückgeht.

Die US-Einfuhren von deutschen Maschinen und Anlagen schrumpften 2025 um zehn Prozent, berichtet die International Trade Commission. Die Branche schaut mit Sorgen auf das Jahr 2026, berichtet ein Vertreter des Verbandes Deutscher Maschinenbau (VDMA) gegenüber Germany Trade & Invest. Einige US-Kunden könnten ihre Investitionsentscheidungen überdenken, nach dem Motto: „Muss es wirklich die teure deutsche Technologie sein oder reicht nicht eine preiswerte Anlage aus China?" Die Furcht vor der auch technologisch stärker werdenden chinesischen Konkurrenz ist mit Händen zu greifen.