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Zulieferprodukte: Bauchemikalien und -isolationsmaterialien
Die Bauchemiebranche in den VAE wächst dynamisch. Neubauten, Retrofitprogramme und Nachhaltigkeitsstandards sorgen für steigende Nachfrage.
08.12.2025
Von Heena Nazir | Dubai
Bauchemikalien
Laut dem Marktforschungsunternehmen Business Monitor International (BMI) belief sich das Marktvolumen für Bauchemikalien in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) im Jahr 2024 auf rund 1,4 Milliarden US-Dollar (US$). Bis 2030 wird ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6 bis 7 Prozent prognostiziert. Wachstumstreiber sind neben dem Neubau von Hochhäusern, Hotels und Industrieanlagen vor allem umfassende Sanierungs- und Retrofitprogramme. So plant der Dubai Supreme Council of Energy (DSCE) bis 2030 rund 30.000 Gebäude energetisch zu modernisieren – mit entsprechend steigender Nachfrage nach Dämmstoffen, Beschichtungen und Dichtungsmaterialien.
Gleichzeitig rückt nachhaltiges Bauen zunehmend in den Fokus. Zertifizierungssysteme wie LEED und Estidama fördern den Einsatz emissionsarmer Farben, lösemittelfreier Klebstoffe und recyclingbasierter Materialien. Für deutsche Hersteller mit Expertise in umweltfreundlichen Speziallösungen ergeben sich daraus attraktive Marktchancen.
Zu den führenden Akteuren im Segment Farben, Lacke und Beschichtungen zählt die norwegische Jotun-Gruppe, die gemeinsam mit lokalen Partnern drei Produktionsstätten in Dubai und Abu Dhabi betreibt. Ergänzt wird das Netzwerk durch ein Logistik- und Marketingzentrum in der Freihandelszone Jebel Ali. Ebenfalls bedeutend ist die in Schardscha ansässige National Paints Factories Co., deren Wurzeln in Jordanien liegen. Al Gurg Paints (AGP) fertigt dort unter Lizenz die britischen Marken Leigh’s und Dulux sowie die Eigenmarke Oasis. Auch deutsche Unternehmen sind mit eigenen Produktionsstätten vertreten: Caparol Paints LLC – ein Joint Venture der hessischen DAW (Deutsche Amphibolin Werke) mit Emaar Industries & Investments – produziert seit 1998 in der Dubai Industrial City für Kunden in der gesamten Golfregion.
Die Importstatistik unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors: Die Einfuhren von Anstrichfarben und Lacken (HS 32.08 bis 32.10) beliefen sich 2023 auf 205 Millionen US$ – ein Rückgang von 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Pigmenten, Farbmitteln und verwandten Produkten (HS 32.04 bis 32.07 sowie 32.11 und 32.12) sank das Importvolumen von 388 Millionen US$ (2022) auf 358 Millionen US$ (2023), was einem Minus von 7,7 Prozent entspricht. Stabil blieb die Nachfrage nach "anderen Farbmitteln" (HS 32.06) mit einem Volumen von 221 Millionen US$. Branchenexperten erwarten im Segment eine spürbare Belebung, da 2024 Bauprojekte im Gesamtwert von knapp 100 Milliarden US$ vergeben wurden.
Isolationsmaterialien
Zur Isolation von Wänden und Dächern werden vorwiegend Polystyrol (PS) und Mineralwolle eingesetzt. Beide Materialien sind aus lokaler Herstellung verfügbar. Ein wichtiger PS-Produzent ist Emirates Extruded Polystyrene (Marke: E-Foam) mit einer Fertigung im Dubai Investment Park. Die VAE importierten 2023 Isolationsmaterialien aus mineralischen Stoffen (HS 68.06) für 52 Millionen US$. Die wichtigsten Lieferanten waren Saudi-Arabien mit 14,9 Millionen US$, Indien mit 8,2 Millionen US$, das Vereinigte Königreich mit 7,3 Millionen US$ und China mit 5,3 Millionen US$. Für 2024 und 2025 gehen Branchenexperten von einem Anstieg der Importe aus.