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Zulieferprodukte: Zement
Die Zementproduktion in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird ausgebaut. Neue Projekte in Millionenhöhe sind angekündigt.
08.12.2025
Von Heena Nazir | Dubai
Die Zementindustrie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gehört zu den wichtigsten Industriezweigen der Golfregion. Sie ist eng mit der Baukonjunktur des Landes verknüpft und profitiert von der Rolle der Emirate als logistisches Drehkreuz. Nach Angaben des Analyseinstituts Business Monitor International erreichte die Zementproduktion in den Staaten des Golfkooperationsrats (Gulf Cooperation Council, GCC) im Jahr 2024 rund 165 Millionen Tonnen. Bis 2028 soll die Produktion auf knapp 200 Millionen Tonnen jährlich steigen. Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von 5 Prozent jährlich.
Zweitgrößte Zementindustrie am Golf
Mit einer installierten Gesamtkapazität von 42 Millionen Tonnen pro Jahr verfügten die VAE 2024 über den zweitgrößten Zementsektor in der Region – hinter Saudi-Arabien, das 2024 über 85 Millionen Tonnen erreichte. Diese starke Position erklärt sich aus der regen Bautätigkeit im Land: Großprojekte wie neue Wohnsiedlungen, Industrieanlagen, Flughafenerweiterungen und touristische Infrastruktur sorgen für eine hohe Nachfrage.
Im Jahr 2024 erreichte der Wert der in den Emiraten vergebenen Bau- und Infrastrukturprojekte rund 100 Milliarden US-Dollar (US$) – ein Zuwachs von 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im 1. Halbjahr 2025 summierte sich das Auftragsvolumen bereits auf knapp 40 Milliarden US$. Da für die 2. Jahreshälfte weitere Projekte im Milliardenbereich erwartet werden, gehen Branchenkenner davon aus, dass die Nachfrage nach Zement auch weiterhin hoch bleibt.
Neben der Inlandsnachfrage spielt die Ausfuhr eine wichtige Rolle für die emiratische Zementindustrie. Bereits 2013 erreichten die Exporte mit 435 Millionen US$ einen ersten Höhepunkt. Im Jahr 2021 wurde mit 639 Millionen US$ ein neuer Rekord verbucht. Nach einem Rückgang im Jahr 2022 erholten sich die Lieferungen 2023 wieder. Im Jahr 2024 dürfte Branchenexperten zufolge ein ähnliches Niveau wie im Vorjahr (628 Millionen US$) erreicht worden sein.
Die wichtigsten Absatzmärkte liegen sowohl in der Region als auch in Südasien. Die VAE profitieren von der hervorragenden Logistik: Über die Tiefseehäfen Fudschaira und Dschabal Ali können die Emirate Märkte in Asien, Ostafrika und dem Nahen Osten vergleichsweise kostengünstig bedienen.
Neue Großprojekte unterstreichen robuste Konjunktur
Die stabile Marktentwicklung spiegelt sich in mehreren neuen Industrieprojekten wider, die zuletzt angekündigt wurden. In Fudschaira plant das emiratische Unternehmen Pure Cement den Bau einer Klinkerproduktionsanlage mit einem Investitionsvolumen von 100 Millionen US-Dollar. Der Auftrag wurde im August 2025 vergeben. Ayoki Fabricon aus Indien übernimmt die Bauausführung, während Thyssenkrupp Industries India die Anlagentechnik liefert. Der Baustart ist für November 2025 vorgesehen, die Fertigstellung für November 2027.
Auch internationale Investoren sind aktiv: Das irakische Unternehmen Saqr Alkeetan errichtet in Dubai eine Zementmühle mit ergänzender Infrastruktur, darunter Rohmühle, Homogenisierungssilos, Klinker-Kühlsystem und Mahlanlage. Der Vertrag wurde bereits 2022 vergeben. Hauptauftragnehmer ist Sinoma International Engineering (China). Das Projektvolumen beträgt 150 Millionen US$, Baubeginn ist im Oktober 2025, die Inbetriebnahme für Oktober 2027 geplant.