Wirtschaftsumfeld | Belgien | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten
Löhne und Gehälter
Belgiens hohe Lohn- und Lohnnebenkosten belasten trotz hoher Produktivität die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Regierung versucht gegenzusteuern.
06.02.2026
Belgien gilt im EU-Vergleich als Hochlohnland. Im verarbeitendem Gewerbe und im Dienstleistungssektor kostet eine Arbeitsstunde 48,20 Euro, teurer ist es in der EU nur in Luxemburg (55,20 Euro) und Dänemark (50,10 Euro). Das geht aus den jüngsten Zahlen von destatis für das Jahr 2024 hervor. In Deutschland waren 43,40 Euro zu zahlen; der EU-Durchschnitt lag bei 33,50 Euro.
Im EU-Vergleich hohe Arbeitskosten
Allerdings war auch die nominale Arbeitsproduktivität (gemessen in BIP je Beschäftigtem) 2024 in Belgien laut Europäischer Kommission um 31,8 Prozent höher als im EU-Schnitt. Nach Irland und Luxemburg war dies der drittbeste Wert. Die deutsche Arbeitsproduktivität lag 2024 nur um 2,7 Prozent über dem EU-Durchschnittswert.
Die Tarifverhandlungen (Système de Concertation Social) folgen in Belgien einem zentralisierten, gesetzlich eingebetteten und mehrstufigen Verfahren. Sie beginnen meist auf nationaler Ebene zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden und setzen sich anschließend in Branchen und Betrieben fort.
Regelmäßige Tarifverhandlungen
Die Sozialpartner legen im Nationalen Arbeitsrat (Conseil National du Travail - CNT; Nationale Arbeidsraad - NAR) eine zweijährige Richtschnur fest. Auf dieser Grundlage handeln Branchenkommissionen (Commissions Paritaires) konkrete Tarifverträge aus - die sogenannten kollektiven Arbeitsabkommen (Collectieve Arbeidsovereenkomsten - CAO; Conventions Collectives de Travail - CCT).
Diese Abkommen können regional unterschiedlich ausfallen, betreffen jedoch fast alle Branchen beziehungsweise 96 Prozent aller Beschäftigten und sind auf der Webseite des Arbeitsministeriums eingestellt. Hierauf aufbauend können in privaten Unternehmen noch weitere Lohnverhandlungen stattfinden. Diese führen jedoch tendenziell eher zu weiteren Zu- als Abschlägen gegenüber den CAO/CCT.
Komplexe Lohnindexierung variiert nach Branchen
Darüber hinaus greift in Belgien eine automatische Inflationsindexierung. Deren Grundlage ist der sogenannte Gesundheitsindex (Indice Santé), der die Lebenshaltungskosten - bereinigt um Energie, Kraftstoffe und gesundheitsgefährdende Waren wie Tabak oder Alkohol - erfasst.
Belgien hat kein einheitliches Indexierungssystem. Je nach Branche gelten unterschiedliche Mechanismen. Viele Sektoren passen die Löhne einmal pro Jahr an (beispielsweise der Handel oder das Bauwesen), während einige Branchen (unter anderem Chemie oder Metall) quartalsweise oder sogar monatlich Anpassungen vornehmen. Wenn der Gesundheitsindex einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, werden Löhne und Sozialleistungen bisweilen automatisch um 2 Prozent erhöht. Dieses System gilt beispielsweise für Beamte, Renten oder Arbeitslosengeld.
Regierung begrenzt bisherigen Mechanismus zum Inflationsausgleich
Mit den am 1. Januar 2026 in Kraft getretenen Arbeitsmarktreformen begrenzt die Regierung die automatische Indexierung von Löhnen oberhalb der Schwelle von 4.000 Euro. Nur der Anteil bis zur Höhe von 4.000 Euro wird zukünftig indexiert. Laut Lohnbarometer des Jobportals Jobat hat der Medianlohn in Belgien im Laufe des Jahres 2025 die 4.000-Euro-Schwelle überschritten. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer von der neuen Regelung betroffen sein könnten.
| Branche | Monatslohn |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 5.844 |
| Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei | 3.893 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 7.365 |
| Baugewerbe | 5.810 |
| Groß- und Einzelhandel, Reperatur von Kfz | 4.920 |
| Transport und Lagerhaltung | 6.106 |
| Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie | 3.817 |
| Informations- und Kommunikationsleistungen | 7.129 |
| Finanz- und Versicherungswesen | 8.476 |
Belgien hat ein deutliches Lohngefälle zwischen den Regionen. Die höchsten Löhne werden in der Hauptstadt Brüssel gezahlt, auch wegen ihrer Rolle als Sitz der EU und weiterer internationaler Organisationen. Flandern liegt klar über dem Landesdurchschnitt, Wallonien darunter.
| Position | Monatslohn |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 5.844 |
| Führungskraft | 8.939 |
| Personal mit akademischer Ausbildung | 6.676 |
| Techniker:in | 6.265 |
| Unterstützende Bürokraft | 5.142 |
| Dienstleistungs- und Verkaufskraft | 4.038 |
| Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft | 4.742 |
| Handwerker:in | 5.383 |
| Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft | 5.225 |
| Hilfskraft | 3.365 |
Weitere Lohnbestandteile können für Fachkräfte ausschlaggebend sein
Finanzielle und nichtmonetäre Zusatzleistungen spielen in Belgien eine wichtige Rolle und können individuell oder im Branchentarifvertrag geregelt sein. Im 2. Quartal fällt in der Regel ein zu versteuerndes Urlaubsgeld an. Es beträgt 15,4 Prozent des vorangegangenen Jahresgrundgehaltes.
Manche Arbeitgeber zahlen zudem eine Jahresendprämie (prime de fin d’anée/jaarpremie), die bis zu einem halben Monatsgehalt ausmachen kann. Zudem sind Boni und Gewinnbeteiligungen (prime de participation aux bénéfices/aandeel in de winst) besonders bei Führungskräften gängig
Darüber hinaus offerieren Unternehmen oftmals Mahlzeiten, private Zusatzversicherungen, flexible Arbeitszeitregelungen, zusätzliche Urlaubstage und Schulungen. Bei Führungspositionen sind zudem Firmenwagen samt Tankkarte oder attraktive Spesensätze sehr verbreitet. Diese Vergünstigungen werden in der Regel ebenso wie Gewinnbeteiligungen steuerlich begünstigt.
Auch Sozialversicherungsbeiträge variieren stark
Belgien hat ein klar strukturiertes System von Sozialversicherungsbeiträgen. Arbeitnehmer zahlen einen festen Satz von rund 13,07 Prozent des Bruttogehalts, während Arbeitgeber einen deutlich höheren Grundbeitrag von etwa 25 bis 30 Prozent des Bruttogehalts leisten. Die genauen Sätze variieren nach Arbeitnehmergruppen (zum Beispiel Angestellte, Arbeiter, öffentlicher Dienst, bestimmte Sonderkategorien) und Branchen.
Angestellte und Selbstständige zahlen die obligatorischen Beiträge in den Fonds für Alters- und Arbeitsunfähigkeitsrenten. Die dafür anfallenden Kosten werden zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt.
Selbstständige und Angestellte werden automatisch in das Sozialversicherungssystem aufgenommen. Auch bei den Beitragssätzen zur Sozialversicherung greift zum Teil die automatische Indexierung.
Die Staatsreform von 2015 hat den Regionen Kompetenzen für bestimmte soziale Leistungen und Abgaben wie Familienbeihilfen oder Bildungsurlaub übertragen. Die Regionen erheben die Abgaben nicht einzeln, sondern in einem Arbeitgebergrundbeitrag zusammen mit den übrigen Beitragsarten wie der Rentenversicherung.
| Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil) | 8,86 |
| Kranken- und Invalidenversicherung - medizinisch (Arbeitgeberanteil) | 3,80 |
| Kranken- und Invalidenversicherung - Leistungen (Arbeitgeberanteil) | 2,35 |
| Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil) | 1,46 |
| Berufskrankheitenversicherung (Arbeitgeberanteil) | 1,00 |
| Unfallversicherung am Arbeitsplatz | 0,304 |