Bericht Wirtschaftsumfeld

Schritt 5: Förderung nutzen

Die richtigen Finanzierungs- und Förderinstrumente können entscheidend sein. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Programme, internationale Projektstrukturen und Unterstützungsangebote. So binden Sie Ihr Vorhaben optimal in bestehende Förderlandschaften ein.

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Welche Förderprogramme und Finanzierungsquellen stehen zur Verfügung?

Deutschen Unternehmen in der Ukraine steht ein umfassendes Förder- und Unterstützungsangebot aus Finanzierung, Absicherung, Zuschüssen, Beratung und Vernetzung zur Verfügung. Besonders relevant sind Angebote der DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft), KfW, der Bundesgarantieinstrumente sowie Beratungs- und Lotsenstrukturen der Bundesregierung.

Investitionsfinanzierung

  • Das von der DEG verwaltete Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie UkraineConnect richtet sich an deutsche und europäische Unternehmen, die in die Ukraine einsteigen oder bestehende Aktivitäten ausbauen wollen. Das Programm finanziert Investitionen mit Darlehen von 250.000 Euro bis 5 Millionen Euro, in der Regel unbesichert, mit Laufzeiten von 3 bis 7 Jahren.
  • KfW- und europäische Fondsstrukturen sollen zusätzlich privates Kapital mobilisieren, insbesondere für strategische Sektoren wie Energie, Industrie, Logistik und digitale Infrastruktur. Der 2025 gestartete europäische Wiederaufbaufonds soll rund 1 Milliarde Euro Privatkapital mobilisieren und durch öffentliche Erstverlusttranchen Risiken mindern.
  • Im Kontext des Wiederaufbaus sind auch Projektförderungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung relevant, etwa develoPPP, das wirtschaftlich tragfähige Projekte mit entwicklungspolitischem Nutzen unterstützt. Möglich sind Zuschüsse von 100.000 bis 2 Millionen Euro, wenn Unternehmen mindestens die Hälfte der Kosten selbst tragen.

Absicherung

  • Investitionsgarantien des Bundes schützen deutsche Direktinvestitionen gegen politische Risiken. Für Ukraine-Anträge werden bis Ende 2027 keine Antragsgebühren erhoben; entschieden wird jeweils einzelfallbezogen nach Risikosituation.
  • Exportkreditgarantien des Bundes (Hermesdeckungen) sichern Exportgeschäfte gegen politische und wirtschaftliche Forderungsausfälle ab. Für die Ukraine bestehen Deckungsmöglichkeiten auch für mittel- und langfristige Geschäfte.
Ukraine Invest

ist die ukrainische Investitionsagentur, ein One-Stop-Shop für FDI-Projekte im Wert von über 12 Millionen Euro.

Zusätzlich können deutsche Unternehmen beim Ukraine-Engagement von Angeboten internationaler Finanzinstitutionen wie EBRD, EIB, Weltbank oder IFC profitieren, die sich insbesondere bei Themen wie Infrastruktur, kleine und mittlere Unternehmen, Energie und der Privatsektorentwicklung engagieren. Zahlreiche Länder bieten zudem eigene Förderinstrumente, die auf die Unterstützung unternehmerischer Aktivitäten in der Ukraine abzielen. Auch die ukrainische Regierung setzt – oftmals mit internationaler Unterstützung – Förderprogramme um, die zur Verbesserung der Investitionsattraktivität insgesamt oder in einzelnen Sektoren beitragen sollen.

Einordnung für Investoren:

Bereits in der Frühphase sollte geprüft werden, welche Bestandteile eines Vorhabens investiv finanziert, politisch abgesichert oder projektbezogen gefördert werden können. Förderung erfolgt meist nicht als Einzelzuschuss, sondern als Kombination aus Projektfinanzierung, internationalen Programmen und Ausschreibungen.

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Welche Voraussetzungen müssen für Förderungen erfüllt werden?

Die Förderfähigkeit hängt stark vom Instrument ab. Gemeinsam ist den meisten Programmen, dass ein wirtschaftlich tragfähiges, plausibel strukturiertes und in der Ukraine umsetzbares Vorhaben vorliegen muss.

  • UkraineConnect setzt voraus, dass die ukrainische Tochtergesellschaft zu einer etablierten deutschen oder europäischen Muttergesellschaft gehören muss. Die Unternehmensgruppe muss nachhaltig profitabel sein und das Darlehen aus der operativen Geschäftstätigkeit bedienen können. Nicht geeignet sind unter anderem Vorhaben ohne belastbares Geschäftsmodell, Umschuldungen, Dividendenausschüttungen oder Greenfield-Projekte ohne nachgewiesenen "Proof of Concept" und ohne solide wirtschaftliche Basis der Muttergesellschaft.
  • Investitionsgarantien können ausschließlich für förderungswürdige deutsche Direktinvestitionen beantragt werden. Maßgeblich sind die jeweilige Risikosituation und die Einzelfallprüfung. Gleichzeitig bestehen für die Ukraine investitionsschutzrechtliche Grundlagen durch den deutsch-ukrainischen Investitionsförderungs- und -schutzvertrag.
  • Exportkreditgarantien setzen Förderungswürdigkeit und risikomäßige Vertretbarkeit voraus. Für mittel- und langfristige Geschäfte erfolgt eine strenge Bonitätsprüfung, teils mit zusätzlichen Banksicherheiten.
  • Bei Programmen wie develoPPP müssen Vorhaben wirtschaftlich tragfähig und zugleich entwicklungswirksam sein. Regelmäßig ist ein erheblicher Eigenanteil erforderlich.

Einordnung für Investoren:

Die Förderlandschaft in der Ukraine bevorzugt keine unausgereiften Ideen, sondern Projekte mit:

  1. belastbarem Sponsor,
  2. klarer Finanzierungslogik,
  3. plausibler Umsetzung und
  4. erkennbarem Beitrag zu Wiederaufbau, Beschäftigung, Resilienz oder Modernisierung.

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Welche staatlichen Akteure unterstützen bei der Marktanalyse und Vernetzung?

Die Unterstützungslandschaft bietet ein breites Portfolio mit unterschiedlichen Funktionen. Je nach Bedarf stehen deutschen Unternehmen zahlreiche Anlaufstellen für Informationen und Partnervermittlung zur Verfügung.

  • Business Guide für die Ukraine von Germany Trade & Invest liefert Marktanalysen, Projektübersichten, Ausschreibungen sowie Informationen zu Recht- und Zollfragen, Finanzierung, Absicherung und Kontakten.
  • Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer (AHK Ukraine) ist die zentrale Anlaufstelle für Markteintritt, Geschäftsentwicklung, Investitionsbegleitung, Partnervermittlung sowie Beratung zu Recht, Steuern und Zoll. Die Kammer ist zudem ein wichtiger Netzwerkakteur mit über 230 Mitgliedsunternehmen im ukrainischen Kontext.
  • Service Desk Ukraine des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft vernetzt ukrainische Partner mit deutschen und europäischen Unternehmen und Verbänden, bündelt Hilfs- und Kooperationsanfragen und unterstützt die Entwicklung von Wiederaufbaukonzepten. Er fördert den institutionellen Austausch und trägt zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investitionen bei.
  • InfoDesk Ukraine der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung fungiert als Wegweiser zu Förder-, Finanzierungs- und Ausschreibungsangeboten und unterstützt bei der Einordnung der passenden Instrumente.
  • Die Plattform Wiederaufbau Ukraine – eine Initiative der Bundesregierung – bietet Informationen, Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten und bündelt Verweise auf relevante Unterstützungsangebote für Unternehmen.
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Wie lassen sich Förderinstrumente optimal kombinieren?

Gerade im ukrainischen Markt entfalten Förderinstrumente ihren größten Nutzen in Kombination, nicht isoliert. Die Praxis zeigt explizit, dass Finanzierung, rechtliche Strukturierung und Risikoabsicherung zusammen gedacht werden sollen.

Typische Kombinationslogiken

Direktinvestition in Produktions- oder Energieprojekte

  1. Investitionsfinanzierung über UkraineConnect oder andere IFI-/Fondsstrukturen,
  2. politische Risikoabsicherung über Investitionsgarantien des Bundes,
  3. ggf. zusätzliche lokale oder internationale Co-Finanzierung über Partnerbanken oder internationale Institutionen.

Projekte mit Wiederaufbau- oder Entwicklungsbezug

  1. Projektförderung / Zuschuss (beispielsweise develoPPP),
  2. kombiniert mit Beratung / Lotsenfunktion durch Business Guide für die Ukraine, InfoDesk Ukraine, Service Desk Ukraine oder AHK Ukraine, um geeignete Ausschreibungen, Partner und Finanzierungsquellen zu identifizieren.

Export- und Liefergeschäfte

  1. Exportkreditgarantien des Bundes zur Absicherung von Zahlungs- und politischen Risiken,
  2. bei regelmäßigem Kurzfristgeschäft gegebenenfalls Ukraine-APG, insbesondere für wiederkehrende Warenlieferungen an verschiedene ukrainische Abnehmer.

Tipp für Investoren:

Die Frage lautet nicht nur "Welches Programm passt?", sondern "Welche Kombination macht das Projekt erst bank- und entscheidungsfähig?". Deswegen sollte jede Machbarkeitsanalyse für eine Investition in der Ukraine ein separates Unterkapitel enthalten mit:

  1. Finanzierungsquelle,
  2. Garantieinstrument,
  3. möglichen Zuschüssen,
  4. beteiligten Institutionen und
  5. offenen Voraussetzungen.

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(Zuletzt aktualisiert: Juni 2026)